Ein kleiner Blick in die Historie

Alkohol gehört zu den ältesten Mitteln, um sich zu berauschen.


Alkohol als Rauschdroge ist so alt wie die Menschheit selbst. Noch bevor der erste Mensch sich seiner selbst bewusst wurde, nutzten die vormenschlichen Primaten den Alkohol (wenn auch eher zufällig und passiv) zu Rauschzwecken. Dieses Verhalten kann auch heute noch in Teilen Afrikas bewundert werden, wenn Affenherden und andere Säugetiere zu Bäumen und Sträuchern pilgern, deren Früchte regelmäßig in hochreifem Zustand zu Boden fallen. Dort vergähren sie aufgrund eines biochemischen Prozesses, bei dem Kohlenhydrate, hauptsächlich Glucose, unter anoxischen Bedingungen zu Ethanol („Trinkalkohol“) und Kohlenstoffdioxid abgebaut werden.


Seit der Mensch erkannt hat, dass stärke- bzw. zuckerhaltige Pflanzenteile unter Zusatz von Hefepilzen einen Gärungsprozess in Gang setzen, wird Alkohol hergestellt. Dieser wird als Wein, Bier oder Met getrunken, teilweise zu Schnaps destilliert. Die genauen Ursprünge der Destillation sind unbekannt, doch sollen sie bereits die Ägypter um 4.000 v.Chr. wie auch die chinesischen Kulturvölker angewendet haben. Die eigentliche Verbreitung der Destillierkunst fand im frühen Mittelalter statt, wobei die ersten schriftlichen Zeugnisse im Umfeld der Schule von Salerno entstand. Von Bedeutung ist auch der Branntweintraktat des Florentiners Taddäus Alderotti aus dem 13.Jahrhundert, der sich mit der Destillierkunst beschäftigt.


Alkohol wurde im rituellen Brauchtum der Naturvölker häufig von Schamanen oder Priestern wegen seiner berauschenden Wirkung getrunken oder als Opfergabe den Göttern dargebracht. Durchaus kam es vor, dass der Alkohol durch Beimengen von anderen Rauschdrogen in seiner Wirkung verstärkt oder modifiziert wurde. Als Beispiel gelten das Alraunenbier der Ägypter oder in deutschen Gebieten das Bilsenkrautbier ,das aufgrund des Deutschen Reinheitsgebotes von 1516 verboten wurde. Der Met ist ein alter, heidnischer Ritualtrunk, dessen Herstellung wahrscheinlich in der Steinzeit bekannt war. Bei anderen Eingeborenenstämmen gab es ähnliche Getränke, die teilweise heute noch wegen ihrer bewußtseinerweiternden Wirkung in Gebrauch sind (Balache der Indianer, Ayahuasca in Südamerika, Haoma der Perser, Soma der Inder, Sake der Japaner, Palmweine aus dem Blutungssaft verschiedener Palmen).


Ab dem 12. Jahrhundert wurde Alkohol in der Medizin eingesetzt. Die von Hildegard von Bingen begründete Klostermedizin wusste schon bald um die positiven Eigenschaften, die Alkohol für den Auszug von Kräuterwirkstoffen zur Erstellung von Essenzen hatte.


Der Ursprung des Wortes Alkohol geht übrigens auf den aus dem Mittelalter stammenden arabischen Begriff al-kuhl (arabisch ‏الكحل‎, das Färbende) zurück, das Wort für den traditionellen, feinen arabischen Antimon-Schminkpuder. Francis Bacon führte 1626 in seiner "Sylva sylvarum; or a naturall historie" diesen aus einem Mineral erstellten Puder unter dem Begriff Alcohole auf.


Alkohol ist Rauschmittel, Suchtmittel und Genussmittel zugleich - für manche mehr dies, für andere mehr das.

 

Daneben genießt Alkohol in Deutschland einen Ruf als nationales Kulturgut, was ebenso aussagekräftig ist, wie das Verständnis vieler Nordamerikaner von Feuerwaffen als Kulturgut der USA. In Deutschland ist Alkohol gesellschaftsfähig und wird in der Öffentlichkeit nicht nur toleriert, sondern gehört vielmehr ins Bild.

 

In anderen Europäischen Ländern wie Spanien ist es dagegen undenkbar, mit einer Flasche Bier in der Öffentlichkeit unterwegs zu sein. Ist man es doch, ist dies bereits ein deutliches Zeichen für den sozialen Abstieg. Ein kräftiger Schluck aus der Schnapsflasche, ein Feierabendbier am Bahnsteig, der Sekt vor einer langen Partynacht: Wer in den USA, in Russland oder Polen öffentlich Alkohol trinkt, kann Ärger mit den Behörden bekommen. Dort ist der Genuss alkoholhaltiger Getränke vor aller Augen verboten.


Wer dagegen in Österreich, England und den Niederlanden außerhalb von Kneipen und dem eigenen Wohnzimmer zur Flasche greift, hat nichts zu befürchten – solange er nicht pöbelt.

 

Sobald sie ihre Wohnung oder den Supermarkt verlassen, hüllen Amerikaner ihre hoch- und höherprozentigen Flaschen sorgsam in kleine braune Tüten (Als wüsste inzwischen nicht jeder, was in der braunen Tüte steckt). Ausnahme ist einzig das French-Quarter in New-Orleans. Hier darf das beer-to-go "offen" verkauft und konsumiert werden.


Unauffällige Drogen wie Alkohol oder Nikotin sind in unserer "zivilisierten" Gesellschaft also weitgehend akzeptiert, sie gehören oft zum sozialen Umgang. Deshalb fällt es häufig weder den Betroffenen noch dem sozialen Umfeld und der Familie rechtzeitig auf, wenn jemand in eine Abhängigkeit hinein gleitet. Da gibt es zunächst etwa Saufgelage nur in Gesellschaft und mit Freunden, später auch allein oder unverhältnismäßig häufig. So werden die das Suchtverhalten tolerierenden Situationen beispielsweise zwanghaft herbeigeführt. Wenn die Freunde nicht können, geht man halt mit jemand anderem in die Kneipe oder allein. Dabei muss die Abhängigkeit nicht immer durch Exzess oder Regelmäßigkeit gekennzeichnet sein. Die klassischen Quartalstrinker nutzen so die Ausrede „Ich trinke ja nicht immer“, während die Pegeltrinker sagen können „Ich bin ja nie betrunken“. Gleiches gilt für viele andere Abhängigkeiten. 


Es bedeutet vor allem: Weil fast jeder damit umgeht, entstehen vielen Menschen enorme Probleme.  Fraglos aber ist Alkohol aus dem deutschen Alltag kaum wegzudenken. Jeder Bundesbürger, vom Baby bis zum Greis, trinkt pro Jahr weit über 130 Liter Alkoholika, durchschnittlich. Diese Menge entspricht dem Inhalt einer haushaltsüblichen Badewanne, randvoll gefüllt. Man muss daher nicht erst süchtig werden, um alkoholbedingt zu erkranken. Schon Alkoholmengen, die von den meisten als gering betrachtet werden, können - regelmäßig konsumiert - die Organe schädigen, das Krebsrisiko steigern und Herz-Kreislauf-Erkrankungen verursachen.