Der Glaube kann Berge versetzen

Die verschiedenen Weltreligionen haben unterschiedliche und doch ähnliche Verhältnisse zum Thema Alkohol. Grundsätzlich sei zu sagen, dass vornehmlich die berauschende Wirkung und dessen Gebrauch "verteufelt" wird. Zu bestimmten Anlässen und in kleinen Mengen eingesetzt (auch z.B. in der Medizin) wird Alkohol akzeptiert. Außer in einem fundamentalistisch ausgelegten Islam. Aber auch unter den Muslimen gibt es Ausnahmen von der Regel.


Das hilft natürlich einem Alkoholabhängigen zunächst wenig. Ich möchte aber trotzdem hier kurz darauf eingehen, da ich überzeugt bin, dass ein Kranker auch im Glauben eine Heilung finden kann. IMHO: Dem Glauben an sich selbst und die Freiheit, selbst entscheiden zu können.


Alkohol und Christentum

Welche Stellung nimmt die Bibel zum Alkoholgenuss ein - Mäßigkeit oder Abstinenz? Hier gibt es sehr viele Unklarheiten, welche sich aus einzelnen Textstellen der Bibel speisen.

Es gibt Bibelstellen, die den Weingenuss eindeutig verbieten: "Der Wein macht Spötter und starkes Getränk macht wild; wer davon taumelt, wird niemals weise" (Spr. 20:1) oder: "Hurerei, Wein und Most nehmen den Verstand weg" (Hosea 4:11). Im Buch der Sprüche 29: 20 - 35 wird der Zustand eines Betrunkenen in allen Einzelheiten geradezu als abschreckendes Beispiel geschildert.

Es gibt aber auch Texte, die den Wein scheinbar empfehlen: ". das der Wein erfreue des Menschen Herz" (Psalm 104: 15) oder wo Paulus seinem Schüler Timotheus aus gesundheitlichen Gründen empfiehlt: "Gebrauche ein wenig Wein um deines Magen willen!" (1. Tim. 5:23). Nach diesen Texten schein die Bibel - oberflächlich betrachtet - keine klare Stellung zur Alkoholfrage einzunehmen.

Zahlreiche Christen folgern daraus, das nur der unmäßige Alkoholgenuss verboten ist, zum Beispiel in Galater 5:21 = Saufen und Fressen als "Werke des alten Menschen" (vgl. auch 1. Kor. 5:11). Aber sie ziehen für sich den Schluss: "Ich trinke mäßig aber regelmäßig und mein Gläschen ist doch ungefährlich!" Die Befürworter eines gemäßigten Alkoholkonsums weisen darauf hin, dass alkoholische Getränke in der Bibel nicht generell verboten seien.

Nach 2. Petr. 1:6 zählt zu den christlichen Tugenden auch die "Mäßigkeit". Diese Wortform in der Lutherbibel führt aber leicht irre. Das griechische Wort im Grundtext wird folgendermaßen übersetzt: Enthaltsamkeit (Elberfelder), Selbstbeherrschung (Menge), Entsagung (Allioli). Das bedeutet: Zu den christlichen Tugenden gehört die Enthaltsamkeit, der Verzicht auf schädliche Dinge; heute bezeichnen wir dies in der Alkoholfrage als "Abstinenz".

Wer ist ein "mäßiger Trinker"? Das ist schwer zu bestimmen. Jeder Alkoholiker hat einmal als "mäßiger Trinker" bzw. beim ersten Glas angefangen und zu einem ihm unbekannten Zeitpunkt die Kontrolle verloren.

Ein Vorbild in der christlichen Enthaltsamkeit war der Apostel Paulus. Wie ein griechischer Wettkämpfer beherrschte er seinen Körper und Geist (1. Kor. 5:24-27=. So konnte er hohe moralische Leistungen vollbringen. Damit ist aber die Alkoholfrage noch nicht eindeutig geklärt.

Zusammenfassend kann man sagen: Zu allen Zeiten des alten und neuen Testaments wurde von Christen sowohl Enthaltsamkeit gepredigt, als auch Alkoholgenuss in übertriebenem Exzess betrieben.

Das christliche Ideal ist nach der Bibel die "Nüchternheit", das heisst ein klarer, wachsamer Geist in jeder Situation (1. Thess. 5:5-8).


Papst appelliert, Bettlern Geld zu geben - auch für Alkohol

Während einer Sonderaudienz anlässlich des Heiligen Jahrs hat Papst Franziskus die Gläubigen dazu aufgerufen, Bettlern Geld zu geben, auch wenn diese die Gabe in Alkohol investierten. Der Papst erinnerte an die große Bedeutung, die Almosen in der Bibel hätten, und nannte einige Anforderungen wie Großzügig- und Selbstlosigkeit, die bei der Spende von Almosen eingehalten werden sollten.

Auch ein Obdachloser, der jeden Cent sofort in Alkohol investiert, verdient nach Ansicht von Papst Franziskus ein Almosen.

Viele rechtfertigten ihre Verweigerung einer Gabe mit dem Hinweis, dass der Empfänger "damit vielleicht eine Flasche Wein kauft, um sich zu betrinken", sagte der Papst am Samstag auf dem Petersplatz. Diese Leute müssten sich fragen, ob sie "der Richter dieses armen Mannes sind, der von Dir eine Münze für ein Glas Wein fordert".

Wenn sich der Bedürftige betrinke, dann tue er das, "weil es keinen anderen Weg für ihn gibt", so der Papst. Außerdem sollte sich in dieser Situation jeder vor Augen halten, was er selbst im Verborgenen tue, mahnte Franziskus während einer Sonderaudienz anlässlich des Heiligen Jahrs.

Almosen seien unmittelbar verknüpft mit der Barmherzigkeit, führte der Papst weiter aus. Die ganze Bibel hindurch rufe Gott uns dazu auf, unsere besondere Fürsorge den Armen, Mittellosen, Fremden, Waisen und Witwen zukommen zu lassen.
"Barmherzigkeit kann keine Last oder eine Plage sein"

Dafür gelte eine besondere Anforderung: "Wenn Du gibst, dann gib mit Großzügigkeit und nicht mit Geiz im Herzen. Die Nächstenliebe erfordert vor allen anderen Dingen eine Haltung der inneren Freude - das Darbringen von Barmherzigkeit kann keine Last oder eine Plage sein", der wir uns rasch entledigen wollten.

Almosen sollten auch nicht gegeben werden, um die Anerkennung und die Bewunderung anderer zu erheischen. Der Papst erinnerte an die Worte Jesu, der gesagt hatte, Almosen sollten heimlich gegeben werden, "wenn Gott allein den Wert erkennt und versteht", von dem was wir täten.

Das Almosengeben zählt in der katholischen Tradition zu den sogenannten Werken der leiblichen Barmherzigkeit. Die Barmherzigkeit steht im Zentrum des Heiligen Jahrs.

Quelle: Süddeutsche Zeitung 09.04.2016


Alkohol im Islam

Unter den 20 größten Sünden im Islam steht der Genuss von Alkohol an dreizehnter Stelle.

Folglich gilt der Konsum von Alkohol sowohl im sunnitischen als auch im schi'itischen Islam und in allen Rechtsschulen als haram (verboten). Diese Haltung ist auf die in traditionellen Kreisen des Islams gebräuchliche Abrogation koranischer Bestimmungen zurückzuführen.


Im siebten Jahrhundert tranken die Bewohnerinnen und Bewohner von Mekka und Medina vor allem aus Trauben und Feigen gewonnenen Wein (arabisch: khamr). Während die Gläubigen altarabischer Religionen in erster Linie den Rausch suchten, nutzten Juden und Christen den Wein auch während ihrer Gottesdienste und religiösen Feste.



Heute herrscht in Saudi-Arabien und anderswo ein strenges Alkoholverbot. Grund dafür ist das islamische Recht (Scharia), das in vielen islamisch geprägten Ländern als einzige oder wesentliche Gesetzesgrundlage gilt. Hauptquelle der Scharia ist der Koran. Hier finden sich gleich vier Verse, die sich mit dem Wein beschäftigen. Ordnet man die Verse in die chronologische Reihenfolge ihrer Offenbarung, so ist eine allmähliche Verschärfung des Alkoholverbots zu erkennen:

  • Zunächst wird ohne Wertung allein berichtet, dass das Trinken von Wein in Mekka und Medina üblich war, um sich zu berauschen (Sure 16, Vers 67).
  • Danach heißt es, dass Wein und Glücksspiel „schwere Sünde“ seien, wobei „ihre Sünde aber größer (ist) als ihr Nutzen“. (Sure 2, Vers 219).
  • Das erste Verbot wird in Sure 4, Vers 43 ausgesprochen: „Ihr, die ihr glaubt, naht euch nicht betrunken dem Gebet, bis ihr wisst, was ihr sagt!“
  • Schließlich wird der Wein als „Gräuel an Satanswerk“ beschrieben und klar gefordert: „Meidet ihn.“ (Sure 5, Vers 90)


Für Muslime stellt sich damit die Frage, welcher Vers denn nun verbindlich ist: Darf man Alkohol in Maßen trinken, wobei dies lediglich vor dem Gebet zu unterlassen ist, oder ist Alkohol immer und überall tabu? Die traditionelle islamische Rechtswissenschaft hat für solche Fälle folgendes Prinzip entwickelt: Stehen zwei oder mehrere Koransuren zu einem Thema im Widerspruch, so ist der zuletzt offenbarte Vers gültig. Dieser macht die früheren in ihrer Aussage gewissermaßen ungültig.


Im Falle des Alkohols bedeutet dies, dass die Sure 5, Vers 90 entscheidend und Alkohol somit verboten (arabisch: haram) bzw. zumindest abzulehnen (arabisch: makruh) ist. Dieses wird heute von der Mehrheit der Gelehrten so gesehen. 
Einige sehr liberale Rechtsgelehrte sehen die koranische Aussage zum Alkohol differenzierter. So wird darauf verwiesen, dass Alkohol häufig im Zusammenhang mit Glücksspiel und vorislamischen Bräuchen wie Orakeln genannt wird.


Daraus schlussfolgern die Gelehrten, dass Alkohol nicht per se verboten ist, sondern nur im Zusammenhang mit anderen Tätigkeiten, die das eigentlich Verwerfliche sind. Sie setzen die Verse in folgenden Sinnzusammenhang: Der Gläubige soll nicht betrunken zum Gebet erscheinen (Sure 4, Vers 43), darf ihn aber ansonsten genießen, um sich zu berauschen (Sure 16, Vers 67), allerdings nicht im Zusammenhang mit Glücksspiel (Sure 2, Vers 219 und Sure 5, Vers 90).



Ist aus dem Koran nicht oder nur mit Zweifeln die Antwort zu einer Frage herauszulesen, greift der Rechtsgelehrte auf die Hadithe (Taten und Sprüche des Propheten) sowie die frühen Rechtsbücher zurück. Danach hat Muhammad die Todesstrafe für wiederholten Alkoholgenuss gefordert. Und die ersten Islamgelehrten bestimmten, dass das, was in großen Mengen verboten ist, auch für kleine gilt. So setzte sich nach Muhammads Tod schnell ein religiöses Verbot von Alkohol durch, das bei Nichtbeachten eine Bestrafung nach sich zieht.
In der Geschichte hing die Durchsetzung des Alkoholverbots in erster Linie von dem herrschenden Kalifen ab. Ein Umgehen des Alkoholverbots findet man heute jedoch nur noch selten. Im Gegenteil: In Gelehrtenkreisen wie auch in der Politik hat sich die Einstellung zu Alkohol und anderen Rauschmitteln verschärft. So verbieten sehr strenge Gelehrte nicht nur strikt den Genuss von Alkohol, sondern auch den von Kaffee, Tee und Tabak, da auch Koffein und Nikotin das Bewusstsein des Menschen verändern. Einige kritisieren sogar die Einnahme von alkoholhaltigen Medikamenten und diskutieren über Haarsprays und Deodorants.



In Saudi-Arabien, Kuwait, Iran, Sudan, Mauretanien und Pakistan herrscht für Muslime ein strenges Alkoholverbot. Teils wird er aus anderen Ländern geschmuggelt und illegal verkauft oder Nicht-Muslime werden beauftragt, ihn in bestimmten Läden zu kaufen und an Muslime weiterzureichen. Wer im Rausch erwischt wird, riskiert drakonische Strafen, so im Iran zum Beispiel Peitschenhiebe oder sogar die Hinrichtung.



In Marokko dagegen gibt es seit vielen Jahrhunderten anerkannte Weinanbaugebiete, aus denen Flaschen zu Spitzenpreisen auf den internationalen Markt gebracht werden. Im Land selbst können auch Muslime in Läden und Kneipen mit einer entsprechenden Lizenz – meist in touristischen Hochburgen – Alkohol kaufen und trinken. Allerdings ist der gesellschaftliche Umgang mit Alkohol von dem in Europa sehr verschieden. Bei Feiern wird nicht selbstverständlich Wein und Bier ausgeschenkt, und im Fernsehen gibt es keine Alkohol-Werbung. Einen sehr liberalen Umgang mit Alkohol pflegen Länder wie der Libanon und die Türkei. Hier wird nicht nur Wein produziert, sondern auch Bier und hochprozentige Anisschnäpse (libanesisch: Arak, türkisch: Raki).


Alkohol und Hinduismus

Zum Hinduismus kann man nicht konvertieren, sondern nur als Hindu geboren werden. Der Hinduismus achtet andere Religionen und religiöse Stätten anderer Religionen. Ein Missionswesen gibt es nicht. An allen religiösen Stätten ist für Hindus Gott und das Göttliche vorhanden. Grundbedingung hinduistischer Frömmigkeit ist die rituelle Reinheit. Unrein sind Fisch, Fleisch, Eier, Alkohol und Tabak, aber auch die Menstruation oder Schuhe.


Der Hinduismus setzt sich aus vielen unterschiedlichen Strömungen zusammen, so dass der Religionswissenschaftler Heinrich von Stietencron von einem “Kollektiv von Religionen” spricht. Diese Religionen gehen nicht auf einen gemeinsamen Stifter zurück, eine der Bibel oder dem Koran gleichbedeutende Schrift existiert nicht. Die uralten schriftlich niedergelegten Veden dienen zwar bis in die heutige Zeit als Weisheitstopf, aus ihnen haben sich aber tausende von verschiedenen Richtungen und Schulen entwickelt. So hat die mit rund 900 Millionen Anhänger drittgrößte Religion der Welt kein für alle gleichermaßen gültiges Glaubensbekenntnis.

In der Kultur des Hinduismus ist es zum Beispiel nicht gestattet, unreguliert Alkohol zu trinken. Tatsächlich kann man feststellen, daß es in allen alten Kulturen der Menschheit Traditionen und Vorschriften gegeben hat, um problematische Angewohnheiten und Bedürfnisse zu ritualisieren und damit zu regulieren.

Die Schriften des Hinduismus schreiben also jemandem, der Wein trinken will, ein bestimmtes Ritual vor. Diese Rituale sind eine Konzession der Höchsten Person für Menschen niedriger Gesinnung, weil es für sie nicht möglich ist, ihre schlechten Angewohnheiten von heute auf morgen zu ändern. Indem sie den Vorschriften für diese Rituale strikt folgen, verstoßen sie trotz ihrer sündhaften Wünsche nicht gegen das Gesetz Gottes. Sie werden im Laufe der Zeit sogar geläutert und können zu höheren und unmittelbareren religiösen Praktiken aufsteigen.

So ist auch das Sprichwort "Des einen Nahrung, des anderen Gift" leicht zu verstehen. Für einen Materialisten mag es ein geeignetes religiöses Prinzip sein, in einem Ritual Wein zu sich zu nehmen. Ein reiner brahmana aber, der auf einer weit fortgeschrittenen Stufe des religiösen Vorgangs steht, würde sich dadurch erniedrigen und verunreinigen.

Was aber passiert nun, wenn der Weintrinker arrogant erklärt, das höchste religiöse Prinzip bestehe darin, nach bestimmten hinduistischen Ritualen Wein zu konsumieren? Was geschieht, wenn er törichterweise die entsprechenden Teile der Schriften zu den einzigen heiligen Schriften erklärt? Was passiert, wenn nun alle beginnen, die äußeren Merkmale ihres jeweiligen Vorgänges zu verabsolutieren, ohne ihren absoluten inneren Kern zu begreifen?

In der Tat passiert das gleiche nicht nur unter den Anhängern verschiedener religiöser Pfade des Hinduismus, es geschieht auch unter den Anhängern der verschiedenen Religionsgemeinschaften dieser Welt. Wo immer das wirkliche Ziel der Religion verloren geht, kommt es unweigerlich zu sektiererischen Auswüchsen, zu Hass und Gewalt.


Alkohol und Buddhismus

 Im Buddhismus wird die Ethik als Grundlage für den Pfad betrachtet. Buddha gab auf der Basis der Zufluchtnahme, mit der man in seine Lehre eintritt, die verschiedenen Gelübde, zum Beispiel die acht Prātimoksha-Gelübde. Eines davon ist das fünfteilige Gelübde für Laienschülerinnen und Laienschüler. Dieses wichtigen Gelübdes umfasst die Themen "Nicht töten", "Nicht stehlen", "Nicht lügen", "Sexuelles Fehlverhalten vermeiden" und "Aufgeben von Alkohol".

Das Trinken von Alkohol ist nicht von Natur her unheilsam, sondern nur dann, wenn das Versprechen abgelegt wurde, auf Alkohol zu verzichten. Es gibt Handlungen, die von Natur her unheilsam sind, und diese sind für jedes Wesen negativ, ganz gleich, wer sie begeht und ob ein Gelübde besteht oder nicht. Man sammelt durch diese Handlung in jedem Fall ein unheilsames Potential an, das einen Samen für das spätere Heranreifen von Leid darstellt.

Dann gibt es Handlungen, die nur deshalb Verfehlungen sind, weil man durch sie gegen Regeln verstößt, die im Zusammenhang mit bestimmten Gelübden stehen. Bei den Ordinierten gibt es im allgemeinen viele Handlungen, die nur aufgrund der Übertretung einer Regel moralische Verfehlungen sind.

Im Zusammenhang mit dem Laiengelübde gibt es nur eine solche Regel: Für die Laienschüler ist das Trinken von Alkohol ausdrücklich verboten, obwohl es keine Handlung ist, die von Natur her unheilsam wäre. Für die Laienschüler ist es ratsam, sich die Ethik der Mönche und Nonnen zum Vorbild zu nehmen und sich nach besten Kräften zu bemühen, auch solche Handlungen zu vermeiden, die bei den Ordinierten eine Übertretung einer Regel darstellen. Das bezieht sich auf die meisten Regeln der Ordinierten, außer solchen, die mit bestimmten Ritualen des monastischen Lebens verbunden sind und die Laienschüler naturgemäß nicht durchführen können.

Der Buddha hat das Trinken von Alkohol besonders verworfen. In einem Sutra sagte der Buddha: „Diejenigen, die mich ihren Lehrer nennen, sollten nicht einmal die geringe Menge Alkohol trinken, die dem Tautropfen auf der Spitze eines Grashalms entspricht. Wenn sie Alkohol trinken, so bin ich nicht ihr Lehrer, und sie sind nicht meine Hörer.“

Ein weiterer Grund für das Vermeiden von Alkoholgenuß ist, daß es sich dabei um eine fehlerhafte Handlung handelt, die Heilige für immer aufgeben. Mit dem Zustand der Heiligkeit erreichen sie die Abstinenz von Alkohol auch für alle zukünftigen Leben. In bezug auf das sexuelle Fehlverhalten wurde bereits ähnliches erklärt: Ein Heiliger gibt noch nicht den sexuellen Verkehr im allgemeinen, jedoch das sexuelle Fehlverhalten als gröbere unheilsame Handlung auf. Weil das Trinken von Alkohol eine ähnlich fehlerhafte Handlung ist, wird sie von Personen, die den Zustand der Heiligkeit erreichen, für alle Zeiten aufgegeben.

Außerdem ist der Genuß von Alkohol vom Buddha deutlich als eine körperliche fehlerhafte Handlung gelehrt worden. Er nannte das Trinken von Alkohol in einer Reihe mit anderen fehlerhaften Handlungen des Körpers wie Töten, Stehlen, Lügen und sexuellem Fehlverhalten. Sehr oft beschrieb er die verschiedenen Nachteile des Alkohols. Jeglicher Alkohol erzeugt eine berauschende Wirkung im Geist, er bringt den Geist außer Kontrolle und führt zu achtlosem Verhalten.

Achtlosigkeit ist ein Nährboden für viele unheilsame Handlungen, an die man sich in der Folge gewöhnt. Alkohol ist eine Ursache für unbeherrschtes Verhalten und für die Degeneration von Wachsamkeit und Vergegenwärtigung. Wer gewohnheitsmäßig Alkohol trinkt und sich berauscht, wird nach den Worten des Buddha selbst nach dem Tod noch viele negative Konsequenzen erfahren, vielleicht in einer niedrigen Existenz wiedergeboren werden oder ähnlich leidvolle Folgen erfahren.


Alkohol im Judentum

Es gibt besondere Speisegesetze (Kaschrut) im Judentum. So dürfen Juden nur Speisen und Getränke zu sich nehmen, die koscher sind. Die Grundsätze der koscheren Ernährung sind in der Bibel niedergelegt. Die Ausführungsbestimmungen wurden im Laufe der Jahrhunderte entwickelt. Die jüdischen Speisegesetze schreiben nicht nur Kost für den Körper, sondern auch für die Seele vor. Es geht darum, nicht vordringlich körperliches, sondern seelisches Wohlbefinden zu erhalten.

 

Der Genuss von Alkohol ist an besonderen Tagen, zum Beispiel Erew Schabbat (Freitagabend) nicht nur erlaubt, sondern geboten. Der Segen über die Schabbatzeit wird an diesem Abend über einem Glas Wein gesprochen. Auch an Purim* ist das Trinken von Alkohol ein Gebot. Und auch zu den beiden Seder-Abenden zu Pessach gehört das Trinken von jeweils vier Gläsern Wein. Alternativ kann koscherer Traubensaft genommen werden.

 

Weine und alle Spirituosen, die aus vergorenen Trauben hergestellt werden (Most, Champagner, Cognac), müssen koscher sein, d.h. unter Aufsicht geerntet und verarbeitet werden. Alle Spirituosen die nicht aus Trauben hergestellt wie Bier, Whiskey, Wodka oder Liköre unterliegen dagegen keinen besonderen Vorschriften.


* Jährlich stattfindendes Fest zum Sieg einer Schlacht gegen Antisemiten vor ca. 3.000 Jahren im alten Persien. Während der Dauer des Festes lautet die Regel: Du sollst so viel trinken, dass du nicht mehr zwischen "Gesegnet sei Mordechai" und "Verflucht sei Haman" unterscheiden kannst.