Die vielfältige Verwendung von Ethanol im Überblick

Jährlich werden weltweit etwa 40.000.000.000 Liter (40 Milliarden Liter) Ethanol hergestellt. Die USA und Brasilien erzeugen davon zusammen über 90 %. Die größten europäischen Erzeuger sind Russland und Frankreich. Deutschland erzeugt jährlich fast 5.000.000.000 Liter (5 Millionen Hektoliter) zu gleichen Teilen als Getränkealkohol und als Alkohol für chemisch-technische Zwecke, was einer Eigenbedarfsdeckung von etwa 62 % entspricht.

 

Ethanol in der Getränkeindustrie.

Diesem Verwendungszweck und den Folgen für den Einzelnen und die Gesellschaft widmen sich die Informationen auf dieser Webseite. Es geht dabei jedoch nicht darum, Alkohol per se in Verruf zu bringen, da er in anderen Anwendungen unverzichtbar ist: 

Ethanol als Lösemittel
Ethanol ist aufgrund seiner Eigenschaft sowohl hydrophile (wasserlöslich) als auch hydrophobe (wasserunlöslich) Stoffe lösen zu können, ein gutes Lösungsmittel, quasi eines der bedeutendsten überhaupt. Es lassen sich Fette, Harze, Lacke, Farbstoffe und Öle darin lösen. Auch viele Filzstifte und Tinten enthalten Ethanol. Eine wichtige Rolle nimmt es auch bei der Lackproduktion ein.

Ethanol als alternativer Treibstoff
Aus Umweltschutzgründen und um Energie zu sparen werden heute häufig Ethanol-Benzin-Gemische als Treibstoffe eingesetzt. Wegen seinem hohen Energiegehalt kann Ethanol normalem Otto-Kraftstoff (Benzin) beigemischt werden. Darüber hinaus dient Ethanol als Anti-Klopfmittel. Denn Alkohole bilden selbst leicht Radikale, die ihrerseits wieder die das Klopfen auslösenden Wasserstoffradikale H· binden. Außerdem dient Ethanol, das vor allem durch Vergärung von Abfällen biologischen Ursprungs hergestellt wird, neben Methanol zum Betreiben von Brennstoffzellen.

Ethanol in der Medizin
In der Medizin dient Ethanol größtenteils als Desinfektionsmittel, denn hochkonzentriert ist es für Bakterien toxisch. Die Wirksamkeit ist dabei am größten, wenn ein Gemisch von Ethanol und Wasser mit ungefähr 70 % Alkoholgehalt verwendet wird. Warum nicht 100 %? Ab 72 % Gehalt ist Alkohol wieder zu giftig für den behandelten Menschen. Daneben ist Ethanol ein gutes Konservierungsmittel für anatomische Präparate. Es entzieht dem Gewebe Wasser und härtet es dadurch.

Ethanol in der pharmazeutischen Industrie
Ethanol ist in vielen Essenzen und Heilmitteln enthalten. Beispielsweise wird durch das Einreiben mit Franzbranntwein angeblich die Durchblutung gefördert. Außerdem sind viele Wirkstoffe in Ethanol gelöst. Häufig wird es als Lösungsmittel in Medikamenten eingesetzt. Ein Vorteil liegt darin, dass Ethanol bestimmte Enzyme inaktiviert. Dadurch werden Umbau- und Abbaureaktionen in den Zellen beeinflusst und die Wirkung der Arzneimittel wird gefördert. Viele so genannte Stärkungsmittel enthalten Ethanol. Es sei nur an Frauengold® erinnert, das früher auf keinem Festtisch alternder Frauen fehlen durfte. Oder an Klosterfrau Melissengeist® - beides sind nichts anderes als versteckte Schnäpse und Likörchen.

Ethanol in der Kosmetik
Parfüms wie zum Beispiel Kölnisch Wasser® sind Lösungen von ätherischen Ölen in hochprozentigem Ethanol. Auch in Haar-, Rasier-, Mundwasser und Erfrischungstüchern ist es enthalten. Die leichte Verdunstung des Ethanols bewirkt eine kühlende Wirkung auf der Haut. Jedoch kann es nicht in allen kosmetischen Produkten verwendet werden. Schließlich löst es hauteigenes Fett und die Haut trocknet allmählich aus.

Ethanol in Reinigungsmitteln
Im Haushalt wird Spiritus (vergällter 96%iger Alkohol) gerne als Reinigungsmittel für Glas, Chrom, Kunststoff usw. verwendet, denn er wirkt Fett lösend und ist zudem (zumindest in nicht zu hohen Konzentrationen) biologisch abbaubar.

Ethanol als Brennspiritus
Da Ethanol unter großer Wärmeentwicklung verbrennt, kann es als Brennstoff in Form von Brennspiritus benutzt werden, zum Beispiel für Campingkocher. Da Spiritus mit Sauerstoff leicht entzündliche Dämpfe bildet, sind bei seiner Verwendung als "Anheizer" von Grillfeuern Unglücke vorprogrammiert.

Ethanol als Baustein für die Synthese chemischer Produkte

Ethanol ist ein Ausgangsstoff für viele wichtige Verbindungen wie beispielsweise Diethylether, Chloroform oder Essigsäure. Aber auch Ethen kann daraus hergestellt werden, oder auch Essigsäureethylester.

Ethanol als Füllflüssigkeit für Thermometer

Ethanol kann das giftige Quecksilber in Thermometern bei nicht allzu hohen Temperaturen ersetzen.

Ethanol in der Essigherstellung
Auch Speiseessig wird aus Ethanol hergestellt.