Biofeedback

Biofeedback ist eine Methode zur Messung unbewusst ablaufender Körperprozesse. Dabei bedient man sich technischer Geräte, um dann anhand der Ergebnisse Verhaltensweisen oder Köperfunktionen zu verändern.

Mit elektronischen Sensoren, die auf der Haut des Patienten angebracht werden, können Veränderungen der Körpertemperatur, der Herzfrequenz, der Muskelspannung, der Gehirnströme, des Pulsschlags und der Atmung aufgezeichnet werden. Die Geräte geben dann ein "Feedback" in Form von akustischen oder optischen Signalen zurück, die interpretiert werden.

Durch den Einsatz von Biofeedback-Geräten fand man heraus, dass unbewusste Funktionen, wie die Herz- oder Pulsfrequenz, steuerbar sind. Diese Steuerung kann erlernt werden. Dazu muss der Patient diese unbewussten Abläufe erst wahrnehmen. Dabei hilft ihm das Biofeedback-Gerät, das beispielsweise durch ein akustisches Signal auf eine steigende Herzfrequenz reagiert. Anschließend lernen die Patienten beispielsweise durch autogenes Training, Atemübungen oder Meditation ihre unbewussten Körperfunktionen positiv zu beeinflussen. Im Falle Alkoholsucht kann dies der Abbau von Angststörungen und Stress, Depressionen, funktionellen Störungen sowie psychosomatischen Beschwerden sein.

 

Biofeedback ist ein Weg aus der Hilflosigkeit gegenüber Krankheit und Beschwerden - der Patient wird vom passiven Empfänger zum aktiv Handelnden. Die Methode ist nebenwirkungsfrei. Für viele Indikationsbereiche sind stichhaltige Wirksamkeitsnachweise in Form von kontrollierten Studien erbracht und in Metaanalysen mittlere bis große Effektstärken gezeigt worden.Trotzdem werden die Kosten für Biofeedback derzeit nur in Einzelfällen von der gesetzlichen Krankenkasse übernommen.


Auzug aus dem Buch "Biofeedback: Basics und Anwendungen" von Richard Crevenna


Entspannungsverfahren, und so auch Biofeedback, sind auch in der Suchttherapie sinnvoll einsetzbar. Hier spielen Entspannungs-verfahren als eine Teilkomponente sogar in fast allen Therapieansätzen eine besonders wichtige Rolle.  Dies nicht zuletzt, da eine sehr häufige Wirkungserwartung z.B. bei Konsum von Alkohol bei Alkoholabhängigen eben die Entspannung ist. Dies gilt übrigens nicht nur für offensichtlich Alkoholkranke sondern auch für sog. „soziale Trinker" und Konsumenten von sedierenden Medikamenten (wie Benzodiazepinen).

Die Theoriebildung der Entstehung und des Verlaufs der Alkoholabhängigkeit ist- wie in der von Conger aufgestellten „Tension-Recluction-Hypothese“ - durch diese Alkoholwirkungserwartung beeinflusst. Danach führt Alkohol zu einer Verminderung von Anspannung. Er wirkt also durch den Wegfall eines negativen Reizes (der Anspannung) als negativer Verstärker für weiteren Konsum und begünstigt diesen. Die Ergebnisse der Forschung im Hinblick auf die Bestätigung dieser zunächst plausibel scheinenden Hypothese blieben letztlich uneindeutig.


Dennoch ist ein ganz wichtiges zusätzliches Therapíeziel bei der Behandlung Alkoholabhängiger und von Medikamenten abhängigen Patienten eine Entspannung systematisch auf einem anderen Weg als durch Substanzabsus erreichen zu können. Dies wegen der primär starken Wirkungserwartung dieser Patienten, dass sie Entspannung vor allem und in erster Linie durch Substanz(en)konsum d.h. den Abusus von Alkohol oder z.B. von Benzodiazepinen etc. erreichen können.

Entspannungsverfahren sind aus diesen genannten Gründen als unterstützender Teil in der Suchttherapie einsetzbar. Nach Stetter können autonom durchgeführte Entspannungsübungen die Selbstwirksamkeiteerwartungen und das Selbstwertgefühl bei Abhängigen verbessern helfen und dadurch auch zu wirksamen Copingstrategien werden.


Die Progressive Muskelrelaxation nach Jacobsen, autogenes Training, hypnotherapeutische Verfahren und das Biofeedback als apparative Maßnahme sind effektiv einsetzbare Entspannungsverfahren und werden im Rahmen von Therapieplänen in der Behandlung Alkoholkranker effektiv eingesetzt. Im deutschen Sprachraum ist laut Steuer und Mann zumindest im stationären Setting in der Behandlung Alkohol- und Medikamentenabhängiger vor allem das autogene Training am weitesten verbreitet, wobei hier Übergänge zu Techniken der sogenannten Körpertherapie fließend sein sollen. Deren Techniken in der Suchttherapie werden als nonverbales Verfahren zur Verbesserung der Körperwahrnehmung und Erleichterung eines Zugangs zu bislang kaum wahrgenommenen Gefühlen und Affekten eingesetzt.

Für junge Alkoholabhängige konnte z.B. wissenschaftlich nachgewiesen werden, dass eine durch die Methode des Biofeedbacks apparativ unterstützte, autogene Entspannung internale Kontrollüberzeugungen signifikant zu aktivieren vermag, was für die Suchttherapie von großer Bedeutung ist. Laut Sharp scheinen sog. externale Kontrollüberzeugungen mit einer starken Abhängigkeit der Person von Außenbedingungen einen Substanzrückfall zu begünstigen, wogegen sog. ínternale Kontrollüberzeugungen mit ausgeprägten Erwartungen an die eigenen Fähigkeiten zur Problembewältigung abstinenzfördernd wirken sollen.

Entspannungsverfahren können im Rahmen der Abhängigkeits- und Suchttherapie als Teilkompenente in vielen Therapieansätzen effektiv eingesetzt werden. Auch hier spielen laut Scheibenbogen letztlich Faktoren wie internale Kontrollüberzeugungen sowie die Selbstwirksamkeit eine wesentliche Rolle. In jedem Fall ist bei Sucht oder Abhängigkeit zunächst und rechtzeitig der Weg zum - auf Abhängigkeit spezialisierten - Facharzt (Facharzt für Psychiatrie) bzw. in ein einschlägig spezialisiertes Suchtzentrum zu wählen, wo das weitere diagnostische und therapeutische Procedere interdisziplinär und auf die individuellen Bedürfnisse des Patienten abgestimmt, geplant wird.