Alkoholmarker

Für den Nachweis einer Alkoholabstinenz bzw. um das Alkohol-Konsumverhalten eines Probanden allgemein einschätzen zu können, stehen verschiedene Laborparameter zur Verfügung, welche im Blut sowie in Urin- oder in Haarproben untersucht werden können. Neben dem Alkoholspiegel (BAK) können im Blut die „Leberwerte“ (GOT bzw. AST , GPT bzw. ALT und gamma-GT, kurz GGT) sowie das CDT (carbohydrate-deficient transferrin) Hinweise auf das Alkoholkonsumverhalten des Patienten geben. Das Ethylglucuronid (EtG) als direktes Abbauprodukt des Ethanols (Alkohol) lässt sich sowohl im Blut, Urin als auch im Haar nachweisen. Es hängt entscheidend von der Fragestellung ab (Verkehrsunfall, allg. Abstinenzkontrolle, MPU u.a.) welcher Parameter in welchem Untersuchungsmaterial im Labor diagnostiziert werden soll, um die gewünschte Aussage zum Alkoholkonsum bzw. zur Alkoholabstinenz zu erhalten.


CDT

Carbohydrate-Deficient-Transferrin oder auch Desialotransferrin (DST)


CDT kann als Laborparameter zur Diagnose der Alkoholkrankheit (bzw. des Nachweises von Alkoholmissbrauch) genutzt werden. Erhöhte CDT-Werte finden sich nach mindestens einwöchiger Einnahme von mehr als 60 g Alkohol (Ethanol) pro Tag, das entspricht ca. 0,5 l Wein oder ca. 1,2 l Bier.

Auch nach Alkoholabstinenz bleiben die Werte einige Zeit (zwei bis vier Wochen) erhöht mit einer Halbwertzeit von 14–17 Tagen. CDT soll eine Sensitivität von 81–93 % und eine Spezifität von 98 % haben. Allerdings wurden selbst im Jahr 2001, trotz jahrzehntelanger Bekanntheit, in einem Review Zweifel über die Aussagekraft der Methode geäußert und zu notwendiger Grundlagenforschung aufgerufen.

Bei der Beurteilung und dem Vergleich von CDT-Messergebnissen ist zu beachten, dass jede Methode unterschiedliche Normbereiche hat und jeder Messwert daher in Bezug auf seinen Normbereich zu beurteilen ist. Als relative Maßeinheit wird der prozentuale Anteil des CDT zum Gesamt-Transferrin herangezogen. Mit HPLC gemessene Referenzwerte liegen unter 1,75 % (BIO-RAD-Test: unter 2,6 %). Männer, die über 60 g Alkohol/Tag über mindestens drei Wochen konsumieren (Frauen über 50 g/Tag über zwei Wochen), können einen CDT-Anteil von bis zu 18 % erreichen.


MCV

Mean Corpuscular Volume

Ein erhöhter MCV-Wert deutet auf einen Folsäure- oder einen Vitamin-B12-Mangel hin. Auch bestimmte Medikamente können zu abnorm großen roten Blutzellen führen. Eine weitere Ursache ist zum Beispiel ein Alkoholmissbrauch.

Das MCV steigt erst nach längerem regelmäßigem Alkoholkonsum (mindestens sechs Wochen > 60 g Alkohol täglich) auf pathologische Werte von über > 95 mm 3 an, da Erythrozyten eine lange Halbwertszeit (~120 Tage) haben. Auf Grund dieser langen Lebensdauer fallen die MCV-Werte erst einige Wochen nach Absetzen bzw. Entzug wieder ab. Im Gegensatz dazu steigen die Leberwerte früher an bzw. fallen ab. Ein isoliert erhöhter MCV-Wert kann daher darauf hinweisen, dass:

  • Ein länger andauernder Alkoholkonsum mehr als etwa sechs Wochen zurückliegt
  • Eine schwere Leberinsuffizienz (mit niedrigen Transaminasen) bei länger andauerndem erhöhtem Alkoholkonsum besteht.

Ethylglucuronid (EtG) im Urin


Ethylglucuronid wird in der Leber zu einem geringen Anteil aus dem getrunkenen Alkohol gebildet und dann nach und nach über den Urin ausgeschieden. In Abhängigkeit von der getrunkenen Alkoholmenge kann dann das Ethylglucuronid (EtG) 12-48 Stunden im Urin nachgewiesen werden. Der Nachweis von EtG im Urin dient somit als kurzfristiger Untersuchungsparameter, um eine Alkoholabstinenz der zurückliegenden 1-2 Tage zu belegen.

 

Alle Lebensmittel, welche Alkohol enthalten (Pralinen, Kefir, vergorene Säfte, Obst und alkoholfreies Bier*) können in geringem Maße zur Bildung des EtG’s beitragen und sollten während der Abstinenzphase nicht konsumiert werden.

 

Interpretation der ETG-Werte:

  • < 0,1 mg/l - Kein Hinweis auf Alkoholkonsum
  • > 0,1 mg/l - Nachweis eines Alkoholkonsums

Für bestimmte Fragestellungen (z. B. Alkoholabstinenz für die MPU) werden für einen definierten Zeitraum (12 Monate) eine bestimmte Anzahl (mindestens 6) von Urintests auf EtG verlangt, um eine Alkoholabstinenz zu beweisen. Der Proband wird dafür unverhofft zu einem ihm unbekannten Termin einbestellt und muss dann innerhalb von 24h die Urinprobe unter Sichtkontrolle abgeben. Sind alle Urinkontrollen negativ auf EtG getestet worden, gilt die Alkoholabstinenz für den gesamten Zeitraum als gegeben.

 

Die Durchführung muß nach § 11 Abs. 2 Fev erfolgen, so wie es in den Beurteilungskriterien Stand 2013 Bereich CTU Kriterien 1-4 steht. Ein EtG-Test im Urin kostet pro Kontrolle ca. € 60.- zzgl. Labor-Versandkosten.

 
Beispielformblatt Labor

 

*Studie zum aktuellen Grenzwert für das Alkohol-Abbauprodukt Ethylglucuronid (EtG) im Urin:


Die Studie widerlegt, dass der Genuss von Traubensaft, überreifen Bananen oder Sauerkraut 24 Stunden nach deren Genuss zu falschen positiven Ergebnissen von Urintests führen kann.

Hintergrund der Untersuchung ist eine Frage, die in Fachkreisen seit längerem für Diskussionen sorgt: Ist der aktuelle Grenzwert für das Alkohol-Abbauprodukt Ethylglucuronid (EtG) im Urin angemessen? Oder ist er so niedrig, dass er schon nach dem Verzehr von Lebensmitteln mit einem geringen Alkoholgehalt überschritten werden kann?

Hintergrund: Alkohol wird von der Leber relativ schnell abgebaut. EtG lässt sich dagegen noch einige Tage nach einem Zechgelage im Urin nachweisen.  Voraussetzung für eine erfolgreiche MPU sind 6 negative Urintests innerhalb eines Jahres. Diese Tests erfolgen zufällig und werden erst 24 Stunden vorher angekündigt. Wichtig ist, dass Sie innerhalb dieser „Vorwarnzeit“ keine Lebensmittel zu sich nehmen, die Alkohol enthalten können. Dazu zählen: Sauerkraut, überreife Bananen, Traubensaft und alkoholfreies Bier, das eine geringe Menge Alkohol enthält. Einige positiv getestete  Personen behaupteten in der Vergangenheit, dass sie kurz vor dieser 24 Stunden-Frist große Mengen solcher Lebensmittel zu sich genommen hätten.

Um diese Rechtsunsicherheit zu beseitigen, überprüfte der Rechtsmediziner Professor Dr. Frank Mußhoff in einer Studie, ob die Grenzwerte in solchen Fällen tatsächlich überschritten werden. 19 Testpersonen wurden angehalten entweder drei Liter alkoholfreies Bier, zwei Liter Traubensaft, 1,3 Kilogramm Sauerkraut oder 700 Gramm Bananen zu verspeisen. In den folgenden 30 Stunden bestimmten die Forscher regelmäßig den EtG-Gehalt im Urin der Teilnehmer.

Die Forscher stellten fest, dass nach 3-7 Stunden, in einzelnen Fällen tatsächlich eine leichte Überschreitung der Mindestwerte (0,1 Milligramm pro Liter) gemessen werden konnte. Nach 24 Stunden lag der Wert von EtG allerdings stets deutlich unter diesem Grenzwert.

Angesichts dieser Ergebnisse wird empfohlen, die bestehenden Grenzwerte bei Urintests mit 24 Stunden Vorlaufzeit beizubehalten. Anders sehe es für unangekündigte Tests aus, da dort Grenzwerte überschritten werden können.

Institut für Rechtsmedizin der Universität Bonn
Professor Dr. Frank Mußhoff


Ethylglucuronid (EtG) im Haar


Ethylglucuronid ist ein hochspezifischer Kurzzeitmarker für exzessiven Alkoholkonsum und eignet sich daher als Alkoholrückfallmarker. Das aus dem getrunkenen Alkohol in der Leber gebildete Abbauprodukt Ethylglucuronid (EtG) wird hauptsächlich über den Urin ausgeschieden. Zu geringen Anteilen lagert sich EtG aber auch in die Haarstruktur ein. Eine entnommene Haarprobe kann dann auf EtG untersucht werden.

  • Werte unterhalb von 7 Pikogramm EtG pro Milligramm Haar sprechen für eine Alkoholabstinenz oder sehr seltene Aufnahme von Alkohol.
  • Werte zwischen 7 und 30 pg/mg EtG im Haar werden bei Probanden mit moderatem Alkoholkonsum gefunden.
  • Werte von mehr als 30 pg/mg EtG im Haar beweisen eine gesteigerte Alkoholaufnahme.

Als gesundheitlich unbedenklicher Alkoholkonsum wird von der Weltgesundheitsorganisation (WHO) eine Menge von nicht mehr als 20 g/Tag für Frauen und 40 g/Tag für Männer angegeben. Dies entspricht einer Menge von 1-2 Flaschen Bier á 0.5 Liter.

 

Wichtig bei der Untersuchung von Haarproben auf EtG ist die untersuchte Haarlänge, da diese dem zurückliegenden Zeitraum entspricht, welcher betrachtet werden soll. Üblicher Weise werden 3 cm Haare untersucht, sodass man das Alkoholkonsumverhalten bzw. eine Alkoholabstinenz für die vergangenen 3 Monate belegen kann.

 

Die Kosten für eine Alkohol Haaranalyse (EtG) liegen bei den MPU-Stellen zwischen 169,00 € und 275,00 €.
Es gibt auch andere Anbieter, welche die gleiche Dienstleistung nach den aktuellen Anforderung der Beurteilungskriterien Stand 01.09.2013 erfüllen. Dort liegen die Kosten einer Alkohol Haaranalyse (EtG) bei 139,90 €.

 

Beispielformblatt Labor


CIF


Der Cannabis Influence Factor (CIF) wurde durch die Wissenschaft zum Nachweis der Fahrunsicherheit im Sinne des Strafrechts entwickelt. Bei einem Wert von 10 oder mehr könne von absoluter Fahrunsicherheit ausgegangen werden. Allerdings ist auch bei den CIF-Werten in der Beweisführung zu berücksichtigen, dass eine exakte Berechnung - vergleichbar der Vorgehensweise bei der Bestimmung der Blutalkoholkonzentration - wegen der vielfältigen Wechselwirkungen zwischen dem psychoaktiv wirkenden Stoff THC (Tetrahydrocannabionol) und seinen Metaboliten selbst medizinischen Sachverständigen nicht möglich ist.

Aus diesem Grund wird diesem Wert von der herrschenden Rechtsprechung für den Bereich des Strafrechts noch die Anerkennung verweigert. Auch im Bereich des Fahrerlaubnisrechts versagt es die Verwaltungsrechtsprechung, aus dem CIF-Wert fahrerlaubnisrechtliche Schlussfolgerungen zu ziehen.


Zu beachten ist, dass keiner der "Alkoholmarker" kurze Trinkepisoden anzeigt.