Alkoholentzugssyndrom

Ein Entzugssyndrom kann auftreten, wenn der Alkoholkonsum reduziert oder abrupt beendet wird. Dabei können heftige bis lebensbedrohliche Entzugserscheinungen auftreten.

 

Das unvollständige Delir (sogenanntes „Prädelir“) zeigt vor allem gegen Abend Halluzinationen, Schlafstörungen und Schreckhaftigkeit. Der Patient schwitzt und zittert, Grand-Mal-Krampfanfälle können vorkommen. Das eigentliche Delirium tremens macht sich bemerkbar durch Desorientiertheit, Übererregbarkeit und psychotische Erscheinungen wie illusionäre Verkennung sowie optische (gesehene) und taktile (gefühlte) Halluzinationen.

 

Das vegetative Nervensystem entgleist, der Patient bekommt Fieber, Bluthochdruck, einen zu schnellen Puls (Tachykardie) und schwitzt sehr stark (Hyperhidrose). Zittern (Tremor) ist obligatorisch. Sieben Prozent aller Delirien verlaufen lebensgefährlich mit schweren Kreislaufstörungen.


Typische Anzeichen des Alkoholentzungssyndroms im Überblick

  • Tremor der vorgehaltenen Hände, der Zunge, der Augenlider
  • Schwitzen
  • Übelkeit, Würgen, Erbrechen
  • Tachykardie oder Hypertonie
  • Psychomotorische Unruhe, Nervosität
  • Kopfschmerzen
  • Schlaflosigkeit
  • Krankheitsgefühl oder Schwäche
  • Vorübergehende optische, taktile oder akustische Halluzinationen oder Illusionen
  • Krampfanfälle
  • Saufdruck
  • Gereiztheit
  • Depressionen

Definitionen

Kalter Entzug

Vier bis zwölf Stunden nach dem letzten Alkoholkonsum können die ersten Entzugserscheinungen auftreten. Sollte man sich für diese Variante ohne Begleitung durch den Arzt oder die Einnahme von Medikamenten entscheiden, kann das quälende Martyrium bei fortgesetzter Abstinenz bis zu fünf Tage lang andauern. Magenschmerzen und Unwohlsein gehören zu den häufigsten, wenn auch leichteren Symptomen. Die Dysregulation des vegetativen Nervensystems führt zu starkem Schwitzen, Mundtrockenheit sowie Kreislaufproblemen wie Herzrasen und Bluthochdruck, ggf. mit Blutdruckkrisen.


Durch den Wegfall des dämpfenden Alkohols kommt es zu Zittern, Sprach-, Seh- und Empfindungsstörungen. Daneben sinkt die Krampfschwelle des Gehirns, so dass generalisierte Krampfanfälle mit Verletzungspotenzial durch Stürze, Aspiration und Zungenbiss häufig sind. Darüber hinaus kann es zu Stoffwechselentgleisungen wie Unterzuckerung kommen.


Psychische Entzugserscheinungen reichen von innerer Reizbarkeit und Unruhe über Konzentrations- und Gedächtnisstörungen mit verstärkter Suggestibilität bis hin zu depressiven Verstimmungen und Suizidgedanken. Überlegungen, die um die Beschaffung von Alkohol kreisen, sind bei Alkoholkranken auf Entzug die Regel.


Kalter Entzug kann zum Delirium führen, das häufig intensivmedizinisch behandelt werden muss. Darüber hinaus kann Herzstillstand oder Organversagen eintreten. Verantwortungsvolle Ärzte raten deshalb davon ab. Einige Fachleute streiten sich darüber ob der kalte Entzug ratsam ist, damit der Alkoholiker die Ernsthaftigkeit seines Problems schmerzhaft am eigenen Körper verspürt.

Warmer Entzug

Nach Einweisung in ein Krankenhaus erhält der Alkoholiker anfangs hochdosiert und über ca. 6-7 Tage Medikamente (vor allem Beruhigungsmittel, welche langsam ausschleichend gegeben werden), die einen epileptischen Krampfanfall, ein Delirium Tremens oder ein Organversagen verhindern sollen. Dies hat weiter den Vorteil, dass der Alkoholiker weniger unter den Symptomen leidet, die bei Abstinenz entstehen. Zum anderen erhöht sich damit die Chance, dass der Alkoholiker den gefassten Therapiewunsch nicht vorzeitig verwirft, abbricht und rückfällig wird.


Allerdings fühlt sich der Betroffene nach dem recht kurzen, medikamentös unterstützten Procedere meist wieder top-fit und euphorisch, ohne das eigentliche Problem angegangen zu sein. Deshalb ist nach einer Entzugsbehandlung der nahtlose Übergang in eine qualifizierte Entwöhnungsbehandlung dringend angeraten.


Wie wird Alkohol im Körper abgebaut?


Er heißt zwar Trinkalkohol, er ist aber nur bis zu einer gewissen Menge genießbar. Denn Alkohol (Ethanol) ist ein Zellgift, das verheerende Folgen für den menschlichen Organismus hätte, gäbe es da nicht einen raffinierten Abbauprozess, der dafür sorgt, dass der Alkohol wieder in harmlose Stoffe zerkleinert und ausgeschieden wird.

 

Alkohol (Ethanol) gelangt überwiegend über die Schleimhäute des Dünndarms in den Blutkreislauf, nur ein kleiner Teil über den Magen. Das Maximum der Blutalkoholkonzentration (BAK) - gemessen in Promille - wird innerhalb von 45 bis 75 Minuten erreicht. Bei Frauen ist die BAK in der Regel höher als bei Männern, d. h. sie werden schneller betrunken.

 

Der Abbau von Alkohol erfolgt in den Schleimhäuten des Magens und des Dünndarms, besonders aber in der Leber. Dabei werden drei Stufen durchlaufen: Im ersten Schritt wird Alkohol durch das Enzym Alkoholdehydrogenase (ADH) zu Acetaldehyd umgewandelt, das für den Körper sehr schädlich ist. Im zweiten Schritt wird Acetaldehyd mittels des Enzyms Aldehyddehydrogenase (ALDH) in Essigsäure umgewandelt, die für den Körper weniger problematisch ist. Im letzten Prozess werden durch einen Reihe an Enzymen Essigsäure zu Kohlendioxid und Wasser umgewandelt und schließlich ausgeschieden.

 

Der „Kater“
. Der Kopf brummt, der Magen spielt verrückt, man fühlt sich einfach elend. Dies sind die typischen Folgen von zuviel Alkohol. Hervorgerufen werden diese Symptome nicht vom Alkohol selber, sondern von seinem Abbauprodukt, dem Acetaldehyd. Wie oben beschrieben sorgt das Enzym ALDH dafür, dass sich die schädlichen Auswirkungen des Acetaldehyds in Grenzen halten. Die Verstoffwechselung von Alkohol lässt sich aber nicht beschleunigen. So nimmt die BAK mit einer konstanten Rate von 0,1 - 0,2 Promille pro Stunde ab. Hinzu kommt, dass nicht jeder Mensch im selben Maße über das Enzym ALDH verfügt, weshalb der „Kater“ bei gleichen getrunkenen Alkoholmengen unterschiedlich stark ausgeprägt sein kann. Quelle: drugcom.de


Alkoholentzug verstehen

 

Forscher entdeckten bei der Untersuchung an Verstorbenen, die in ihrem Leben alkoholkrank waren, in deren für die Verhaltenskontrolle zuständigen Gehirnarealen übermäßig viel des Glückshormons Dopamin. Dr. Nathalie Hirth und ihre Kollegen vom Zentralinstitut für Seelische Gesundheit Mannheim sahen zudem im begleitenden Tierexperiment, dass alkoholkranke Lebewesen, die lange abstinent waren, ebenfalls die zu hohen Dopaminwerte aufweisen.

 

Während der ersten, akuten Phase der Alkoholentwöhnung fanden sie die Dopaminwerte allerdings stark erniedrigt. Bei Alkoholikern zeigt sich dieses Auf- und Ab beispielsweise an Antriebslosigkeit und Depression während des Akut-Entzugs; bleibt der Alkoholiker länger abstinent, und das Dopamin steigt laut Studie stark an, zeigen sich Symptomewie Rastlosigkeit und fehlende Impulskontrolle. Eine Reihe von Psychopharmaka versuchen, einen gestörten Dopaminhaushalt zu regeln. Ungewollte Nebenwirkungen und mangelnde nachhaltige Behandlungsaussichten lassen diese Medikamente nur begrenzt wirken.

 

Rehakliniken versuchen deshalb mit kognitiver Verhaltenstherapie und begleitenden Therapien den Alkoholkranken dauerhaft gegenüber seiner Erkrankung stark zu machen. Die neuen Erkenntnisse der Forscher bringen mehr Verständnis der Vorgänge bei Alkoholsucht, für Betroffene und Therapeuten. Die Forschung will das Problem weiter einkreisen, um bestehende Behandlungsmethoden womöglich zu verbessern.