Zerstörung von Gehirnzellen

Schwerste, irreversible Form der Gehirnschädigung durch Alkohol, benannt nach dem russischen Psychiater Korsakow, der sie bereits 1887 bechrieb. Es handelt sich um die chronische Form der Wernicke-Enzephalopathie, gekennzeichnet durch weitgehenden Gedächtnis- und Orientierungsverlust infolge Absterbens ganzer Gehirnzellen-Regionen im Zwischenhirn und im Limbischen System, der sich insbesondere auf das Kurzzeitgedächtnis auswirkt.


Die Krankheit tritt meist bei Menschen auf, die jahrelang zu viel Alkohol konsumiert haben. Die Störungen sind auch bei fachgerechter Therapie meist nicht vollständig umkehrbar.

Im Vordergrund des nach Korsakow benannten Syndroms stehen Amnesien. Dabei kommt sowohl das Vergessen alter Gedächtnisinhalte (retrograde Amnesie) als auch die Unfähigkeit vor, sich neu Erlebtes zu merken (anterograde Amnesie).

Die Merkfähigkeitsstörung kann so ausgeprägt sein, dass es dem Patienten nicht möglich ist, sich Sachverhalte selbst für Sekunden einzuprägen. Des Weiteren verknüpfen die Patienten oft unbewusst ihre Erinnerungslücken an jetzige Ereignisse mit alten Erinnerungen. Selten werden die Erinnerungslücken auch mit reinen Phantasieinhalten ausgefüllt. In ihrer Summe führen die Beeinträchtigungen des Gedächtnisses oft dazu, dass sich die Patienten in ihrer örtlichen und zeitlichen Umgebung nicht mehr zurechtfinden.

 

Auffällig ist, dass meist die Fassade verhältnismäßig gut aufrecht erhalten werden kann. Die Menschen machen zunächst nicht den Eindruck, dass sie anders sind. Sie unterhalten sich normal, bis man feststellt, dass sie zum Beispiel innerhalb von 15 Minuten schon fünf- oder zehnmal das Gleiche erzählt oder gefragt haben, dass sie zum Beispiel auf die Frage nach dem Wochentag oder Datum unsicher werden oder ablenken.


Häufig reicht dem Arzt deshalb schon ein Gespräch mit Patienten sowie eventuell Angehörigen/Pflegern, um einen Verdacht auf ein Korsakow-Syndrom zu bekommen. Insbesondere bei bekannter Alkoholabhängigkeit und einer vorangegangenen Wernicke-Enzephalopathie liegt die Vermutung nahe, dass ein Korsakow-Syndrom vorliegt. Aber auch vorangegangene Kopfverletzungen und -operationen sowie Gehirnentzündungen anderer Ursache in der Krankengeschichte können den Arzt  zur Diagnose Morbus Korsakow leiten.

Wurde ein Korsakow-Syndrom durch eine Wernicke-Enzephalopathie ausgelöst (Wernicke-Korsakow-Syndrom), kann teilweise die Gabe von  Vitamin B1 helfen, die Symptome zu lindern. Zudem sollten einem Wernicke-Korsakow-Syndrom zugrundeliegende Erkrankungen wie Alkoholismus oder Essstörungen behandelt werden.


Ansonsten richtet sich die weitere Behandlung nach den individuellen Problemen des Patienten. Beispielsweise kann eine psychotherapeutische oder psychiatrische Behandlung hilfreich sein. Ziel ist es hier stets, den Patienten in die Lage zu versetzen, den Alltag trotz krankheitsbedingter Defizite so gut wie möglich zu meistern.