Muss erst alles verloren sein?

Familiäre Folgen

 

Die Probleme eines Alkoholkranken werden oft vom Lebenspartner und von der ganzen Familie mitgetragen oder kompensiert. Einerseits gewinnen sie aus ihrer Hilfeleistung eine persönliche oder gesellschaftliche Anerkennung, andererseits auch eine Entwertung. Langfristig kann sich bei Angehörigen ein Ausgebranntsein entwickeln, das Burnout-Syndrom. Das Gefühl, dem Alkoholkranken zu helfen, kann anfangs das persönliche Selbstwertgefühl steigern. Später dominiert ein Gefühl der Hilflosigkeit. Dieses Verhalten ist als „Helfersyndrom“ bekannt. In speziellen Selbsthilfegruppen wird die Alkoholkrankheit als Familienkrankheit gesehen. Der Grund: In der Familie bzw. in der Partnerschaft sind oft alle an einer Manifestation der Sucht und deren sozialen Folgen beteiligt. Durch Verleugnung der Probleme und der Denkmuster, aber auch durch das Verhalten der Angehörigen selbst wird die Krankheit des Alkoholikers stabilisiert und ein professioneller Versuch der Genesung erschwert. Partner, die solchen Mechanismen unterliegen, werden als Co-Alkoholiker bezeichnet.

 

Besonders leiden Kinder und Jugendliche in alkoholbelasteten Familien. Sie haben unter anderem in der Schule und beim Berufseinstieg vielfach schlechtere Chancen. Viele Kinder bekommen selber, zum Teil auch (epi-)genetisch bedingt, psychische oder Alkoholprobleme – teilweise lebenslang. U. a. wegen der schlechten Erfassbarkeit ist die Gruppe der Kinder bisher wenig beachtet.

 

Neben den materiellen Kosten gibt es sogenannte immaterielle wie verursachtes Leid und entgangenes Lebensglück in Partnerschaften, Familien, Freundschaften und im Kollegenkreis.


Alkohol ist ein starkes Lösungsmittel!
Es löst: Familien, Ehen, Freundschaften, Arbeitsverhältnisse, Bankkonten und Gehirnzellen.

Aber keine Probleme!


Die finanziellen Folgen sind besonders schmerzhaft für Angehörige von Alkoholkranken. Diese erleiden schuldlos die Verluste von entfallendem Einkommen, Alterssicherung, gemeinsam aufgebautem Vermögen oder Hausbesitz.

 

Seien Sie ehrlich. Was ist Ihnen wichtiger?

Die einfache 4F-Regel: 4F steht für Führerschein, Firma, Familie und Freiheit. Dies sind vier Bereiche in Ihrem Leben, die wichtig für Sie sein sollten und die wie in einer Kasskade zusammenbrechen können. Der Führerschein steht für Ihre Mobilität, die Firma für Ihren Arbeitsplatz, mit dem Sie das Geld zum Leben verdienen, Familie für Ihre engsten sozialen Kontakte und die Freiheit dafür, dass Sie selbstbestimmt entscheiden können. Dies sind alles Bereiche in Ihrem Leben, die Sie durch einen problematischen Alkoholkonsum gefährden oder sogar verlieren können.


Arbeitslosigkeit und Sucht


Auch in den Statistiken der Suchtkranken sind Arbeitslose überproportional häufig vertreten. Rund 40 % der Erwachsenen, die im Jahr 2001 eine Entwöhnungsbehandlung wegen Abhängigkeit von Alkohol, Medikamenten oder sonstigen Drogen beendet hatten, waren (nach Angaben des Verbands der deutschen Rentenversicherungsträger) vor der Antragstellung arbeitslos gemeldet.

 

Nach den Aufzeichnungen der ambulanten Einrichtungen sind von den männlichen Alkoholklienten rund 27 Prozent arbeitslos gemeldet oder nicht erwerbstätig. Bei den Frauen beträgt dieser Anteil sogar 38 Prozent. Ein Zusammenhang zwischen Arbeitslosigkeit und einer zunehmenden Quote von Alkoholkonsumenten konnte in der Arbeitslosenforschung bislang aber nicht festgestellt werden.

 

Bei schon vorhandenen Konsummustern von Arbeitslosen wurde aber in einigen Studien eine Intensivierung der Alkoholaufnahme beobachtet. Aus Sicht der Suchtkrankenhilfe gilt Arbeitslosigkeit als eines der größten Probleme bei der (Re-)Integration vormals Alkohol- und Drogenabhängiger.

 

Gesellschaftliche Folgen


Das Robert-Koch-Institut bilanziert: Die jährlichen Gesamtkosten für die finanziellen Folgen der Alkoholsucht (zum Beispiel berufliche Fehlzeiten, sinkende Arbeitsleistung, Vandalismus, Unfälle, Krankheiten, Frühverrentung) werden in Deutschland auf knapp 24,4 Milliarden Euro geschätzt.