Sucht im Alter

Sucht im Alter fand bisher wenig Beachtung. Aber auch in im höheren Alter ist Substanzmissbrauch und Abhängigkeit keine Seltenheit. Eine wesentliche Rolle spielen hier der Missbrauch von Medikamenten und Alkohol.


Die Problematik von Suchterkrankungen im Alter fand bisher wenig Beachtung, wenngleich dieses Thema in Einrichtungen der Alten- und Behindertenhilfe zunehmend an Bedeutung gewinnt. Bereits 2010 hat das Bundesministerium für Gesundheit das Thema "Sucht im Alter - Sensibilisierung und Qualifizierung von Fachkräften in der Alten- und Suchthilfe" ausgeschrieben. In acht Städten sind daraufhin Modellversuche angelaufen. Diese Projekte wurden nochmals um ein Jahr verlängert.


Nun wird das Thema auch verstärkt in der öffentlichen Diskussion behandelt: Die Deutsche Hauptstelle für Suchtfragen e.V. (dhs) hat „Sucht im Alter“ als wesentliches Problemfeld identifiziert. Im von der Drogenbeauftragten der Bundesregierung einberufenen Expertengespräch wurde deutlich, dass vor allem der Missbrauch von Alkohol und Medikamenten eine zentrale Rolle spielen.


Dr. Dirk Wolter (Chefarzt des Fachbereichs Gerontopsychiatrie in Dänemark) betonte dabei die Gefahr einer Dauertherapie von Medikamenten, welche ein hohes Suchtrisiko innehaben. Ca 2% der Bewohner von Pflegeheimen nehmen dauerhaft Benzodiazepine ein, so Dr. Wolter. Der Pflegewissenschaftler Andreas Kutschke macht darauf aufmerksam, dass es bisher kaum Schulungen oder Fortbildungen zu diesem Thema für Pflegekräfte gibt.

 

Nach einer Befragung unter Pflegekräften bestehen aktuell Wissensdefizite über psychoaktive Medikamente bei den Fachkräften. Ein bedenklicher Konsum oder sogar eine bestehende Abhängigkeit würden von den Fachkräften oft kaum wahrgenommen. Es würden bisher kaum Fortbildungen oder Schulungen zur Thematik in Pflegeeinrichtungen angeboten, obwohl ein großes Interesse der Pfleger und Pflegerinnen an der Überwindung bestehender Wissenslücken bestünde. Durch diese Aufklärungsmaßnahmen könnte die Sensibilität und die Wahrnehmung aller Fachkräfte gegenüber gesundheitsriskantem Konsum von psychoaktiven Medikamenten, Tabak, Drogen und anderen suchtinduzierten Mitteln gefördert werden.

 

Für die meisten Menschen gehören alkoholische Getränke zum Alltag und erst recht zu Feierlichkeiten aller Art. Heute 60-Jährige sind alkoholische Getränke und ihre Wirkungen vermutlich seit mehr als 40 Jahren vertraut. Das Älterwerden bringt jedoch Veränderungen mit sich, die zu einem besonders bewussten und sparsamen Umgang mit Alkohol raten:

  • Die Alkoholverträglichkeit nimmt im höheren Lebensalter ab. Mit steigendem Alter sinkt der Wasseranteil im Körper. Die gleiche Menge getrunkenen Alkohols verteilt sich bei älteren Menschen deshalb auf weniger Körperflüssigkeit und führt zu einem höheren Alkoholpegel. Zugleich braucht die Leber länger für den Abbau des Alkohols. Mengen, die früher problemlos vertragen wurden, können deshalb zu Trunkenheit und darüber zu Stürzen und anderen Unfällen führen.
  • Alkohol belastet ganz allgemein den Organismus und mindert die geistige und körperliche Leistungsfähigkeit. Das liegt u. a. daran, dass die Nervenzellen allein zum Abbau des Alkohols rund 80 Prozent des Zellsauerstoffes benötigen. Das ist umso schwerwiegender, da die Fähigkeit des Körpers, Sauerstoff aufzunehmen, im Alter ohnehin zurückgeht. Eine Abnahme der geistigen und körperlichen Leistungsfähigkeit kann also durch Alkohol mitverursacht sein.
  • Im höheren Alter ist eventuell aufgrund chronischer Krankheiten wie Bluthochdruck, Osteoporose, Herzschwäche oder Arteriosklerose die regelmäßige Einnahme von Medikamenten erforderlich. Zwischen den Wirkstoffen vieler Medikamente und Alkohol kann es dabei zu gesundheitsschädigenden und sogar gefährlichen Wechselwirkungen kommen. Besonders problematisch ist die Kombination von Alkohol und psychisch wirksamen Medikamenten wie Schlaf- und Beruhigungsmitteln oder Antidepressiva. Deshalb gilt der dringende Rat: Sobald ein Medikament eingenommen wird, sollte – durch Rückfrage bei Ihrem Arzt oder Ihrer Ärztin – geklärt werden, ob dennoch Alkohol getrunken werden darf. Das gilt auch für freiverkäufliche Mittel.
  • Eine Alkoholabhängigkeit kann sich auch noch im höheren Alter entwickeln bzw. weiter verfestigen. Wer trinkt, um körperliche Beschwerden zu lindern oder negative Gefühle wie Trauer, Einsamkeit, Langeweile, Angst etc. besser ertragen zu können, ist gefährdet. In diesem Fall sollte man sich um angemessene Hilfe bemühen und sich z.B. an eines der Beratungstelefone wenden.
  • Auch zahlreiche andere durch Alkohol verursachte Probleme und Störungen sind »unspezifisch«: Sie können, müssen aber nicht durch Alkohol verursacht sein. Das gilt u. a. für viele psychische Störungen, wie innere Unruhe, allgemeine Ängstlichkeit, depressive Verstimmung, Schlafstörungen mit Alpträumen und Durchschlafschwierigkeiten, Schweißausbrüche und Konzentrationsstörungen.

Welche Rolle spielt Alkohol in Ihrem Leben?

Der Fragebogen kann - sofern Sie zur Gruppe der über 60-Jährigen gehören - dazu beitragen, dass Sie mehr Klarheit darüber gewinnen, ob Ihr Umgang mit Alkohol als problematisch anzusehen ist. Denken Sie an das vergangene Jahr und prüfen Sie bei jeder Aussage, ob diese auf Sie zutrifft oder nicht. Das Formular können Sie mit einem Klick auf das Bild downloaden.