Positiver Umkehreffekt

Exposition (aus dem Lateinischen expositio „Aussetzung“, „Darstellung“) ist ein Faktor, dem eine Gruppe von Menschen ausgesetzt ist. Dabei stellt eine Exposition die Summe aller Umgebungseinflüsse, die auf ein Lebewesen einwirken. Diese Einflüsse können biologischer, chemischer oder physikalischer Natur sein. Speziell in der Medizin und Toxikologie steht Exposition für das Ausgesetztsein von Lebewesen gegenüber schädigenden Umwelteinflüssen, toxischen chemischen Elementen oder Verbindungen (Alkohol in unserem Fall) oder physikalischen Einflüssen.

Eine Exposition kann einen schützenden Effekt haben. Zum Beispiel stellt regelmäßige körperliche Aktivität eine Exposition mit positivem Einfluss auf das Herz-Kreislauf-System dar. Ein Passivraucher ist gegenüber Zigarettenrauch exponiert. Er wird also durch die passive Aufnahme von Zigarettenrauch nicht zwangsweise zum Raucher, ein Veganer wird beim Anblick von (totem) Fleisch seine Ernährungsgewohnheiten nicht ändern. Beide stehen in diesen Beispielen "über den Dingen".


Kognitive Verhaltenstherapie

Bei der Behandlung von Alkoholkranken können u. a. folgende kognitiv-verhaltenstherapeutische Strategien zum Einsatz kommen:

 

Expositions- bzw. Alkoholablehnungstraining

  • Herausarbeiten der individuellen Erwartungshaltungen
  • Kognitives Umstrukturieren
  • Erkennen internaler Auslöser
  • Copingstrategien für den Umgang mit internalen Auslösern entwickeln
  • Generalisierungen auflösen
  • Entspannungstraining

Cue-Exposure-Therapie
In dieser audiovisuellen Therapievariante, die zunächst in der Therapie von Angst- und Zwangsstörungen erfolgreich eingesetzt wurde, wird der Betroffene konfrontiert mit den Auslösebedingungen des Missbrauchs:

  • Geruch von Alkohol
  • Ort, Personen, Stimmung, Erinnerungen
  • Verlangen (Craving)
  • Selbstkontrollierte Verhinderung von Trinken
  • Abstinenzzuversicht, Rückfallprophylaxe

Es wird angenommen, dass durch Cue-Exposure gegenüber alkoholassoziierten Stimuli das Alkoholverlangen bzw. die zugrundeliegende Cue-Reagibilität reduziert wird und dass so auch das Rückfallrisiko günstig beeinflusst werden kann. Wie ursprünglich bei Angststörungen sind Habituation und Löschung die mutmaßlich zugrundeliegenden Veränderungsprozesse.

Die guten Therapieeffekte bei Angst- und Zwangsstörungen (Flugangst, Angst vor Dunkelheit, Spinnen-Phobien etc.) gaben Anlass zur Hoffnung, dass Expositionsverfahren auch bei Alkoholabhängigkeit die Therapierergebnisse verbessern können.

Im Labor und im Feld reduziert Cue-Exposure erhobenes Alkoholverlangen deutlich, beeinflusst aber nicht wesentlich die Alkoholrückfallrate bei männlichen Alkoholabhängigen. In einer Subgruppe von Patienten, die sich in einer Studie durch eine hohe Cue-Reagibilität auszeichnete, konnte Cue-Exposure verglichen mit einer Kontrollbehandlung den weiteren Verlauf jedoch günstig beeinflussen.

Bei Alkoholabhängigkeit können mit Expositionstherapien nicht so gute Effekte wie bei Angst- und Zwangsstörungen erreicht werden. Dennoch kann Cue-Exposure bei einer Untergruppe von Patienten ein wichtiger Therapiebaustein darstellen. Die zur Zeit vorliegenden Daten sprechen außerdem nicht für Habituation und Löschung als zugrundeliegende Veränderungsmechanismen.