Veränderungsprozesse

Weiterhin beinhaltet das TTM (siehe hier) Veränderungsprozesse („Processes of Change“), definiert als Aktivitäten und Ereignisse, die ein problematisches Verhalten und damit zusammenhängende Kognitionen und Emotionen beeinflussen und verändern. Die Veränderungsprozesse ermöglichen und fördern das Durchlaufen der Stadien der Änderungsbereitschaft, d. h. sie beschreiben, wie Personen von einem Stadium in das nächste fortschreiten.


Es wurden zehn Veränderungsprozesse identifiziert, die sich entlang zweier Dimensionen als auf das Erleben bezogene, kognitiv-affektive Prozesse („Cognitive-affective Processes“) und verhaltensorientierte Prozesse („Behavioral Processes“) kategorisieren lassen.


Die fünf kognitiv-affektiven Prozesse sind

  • „Steigern des Problembewusstseins“ („Consciousness Raising“)
  • „Emotionales Erleben“ („Dramatic Relief“)
  • „Neubewertung der persönlichen Umwelt“ („Environmental Reevaluation“)
  • „Selbstneubewertung“ („Self-Reevaluation“)
  • „Wahrnehmen förderlicher Umweltbedingungen“ („Social Liberation“)

Die fünf verhaltensorientierten Prozesse sind

  • „Gegenkonditionierung“ („Counterconditioning“)
  • „Kontrolle der Umwelt“ („Stimulus Control“)
  • „Nutzen hilfreicher Beziehungen“ („Helping Relationships“)
  • „(Selbst-) Verstärkung“ („Reinforcement Management“)
  • „Selbstverpflichtung“ („Self-Liberation“)

Neben den Stadien und Prozessen enthält das Modell die Entscheidungsbalance („Decisional Balance“) und die Selbstwirksamkeitserwartung („Self-Efficacy“). Die Entscheidungsbalance thematisiert die wahrgenommenen Vorteile („Pros“) und Nachteile („Cons“) einer Verhaltensänderung. Die Selbstwirksamkeitserwartung beschreibt zum einen die Zuversicht ("Confidence"), ein erwünschtes Verhalten in schwierigen Situationen ausüben zu können, und zum anderen die Versuchung ("Temptation"), in schwierigen Situationen das unerwünschte Verhalten zu zeigen.


Drei generelle Arten von Versuchungssituationen lassen sich unterscheiden, nämlich Situationen mit positivem Affekt oder soziale Situationen („Positive Affect/Social Situations“), Situationen mit negativem Affekt oder emotionalem Stress („Negative Affect Situations“), sowie habituelle Situationen oder Gewohnheit („Habitual/Craving Situations“).


Im TTM werden für die Veränderungsprozesse, die Vor- und Nachteile, sowie die Selbstwirksamkeitserwartung charakteristische Verläufe über die Stadien der Änderungsbereitschaft hinweg postuliert. Kognitiv-affektive Prozesse sind besonders in frühen Änderungsstadien, verhaltensorientierte Prozesse besonders in den späten Änderungsstadien von Bedeutung. Über die Stufen hinweg nimmt die Gewichtung wahrgenommener positiver Handlungsergebniserwartungen zu, wohingegen die Gewichtung negativer Aspekte einer Verhaltensänderung abnimmt. D.h. es entsteht eine positive Balance zugunsten der wahrgenommenen Vorteile einer Verhaltensänderung. Der Zeitpunkt, an dem sich das Negativ-Positiv-Verhältnis umkehrt ist in etwa nach der 3. Phase (Vorbereitungsphase) anzusiedeln. Also im Übergang von präaktional zu aktional. Die Versuchung soll vom Absichtslosigkeits- bis zum Aufrechterhaltungsstadium kontinuierlich absinken, die Zuversicht soll entsprechend ansteigen.


Das TTM hat in zahlreichen wissenschaftlichen Studien eine umfassende empirische Überprüfung erfahren. Auch durch Interventionsstudien (vor allem zum Tabakrauchen) konnte die Nützlichkeit und Praktikabilität des Modells belegt werden.

Quelle: Wikipedia


Veränderungsmotivation

Die Wirksamkeit therapeutischer lnterventionen ist entscheidend von der Motivation des Patienten abhängig. Besonders die Art und Weise, wie ein Patient in die Behandlung gekommen ist, liefert wertvolle Hinweise auf seinen Motivationsstatus. In Krankenhäusern mit Regionalversorgungsauftrag ist es beispielsweise nicht selten, dass alkoholabhängige Patienten auf Druck von außen (fremdmotiviert) eingewiesen werden, sich ihres Alkoholproblems nicht bewusst sind und so mit ihrer Umwelt immer wieder in Konflikt geraten.


Hier wäre die Intervention einer Abstinenzvereinbarung oder die Erarbeitung eines Handlungsplans, der ein Alternativverhalten zum Alkoholkonsum vorsieht, wenig sinnvoll, da das Trinkverhalten vom Betroffenen selbst nicht als problematisch eingeordnet wird. Der Betroffene sucht die Ursachen für seine Probleme im Äußeren und hält daher beispielsweise die Probleme auf der Arbeitsstelle oder mit den Nachbarn für vorrangig veränderungswürdig.


Behandelt der Therapeut dennoch beharrlich das Thema Alkohol und erwartet vielleicht sogar Einsicht und Mitarbeit, fühlt sich der Patient nicht verstanden und nicht selten entwertet. Übersieht der Therapeut diese Konstellation, kann das Patientenverhalten wiederum auf Seiten der Therapeuten zu Ungeduld und Unzufriedenheit führen, so dass auf diese Weise schließlich die Beziehung von beiden Seiten schwer belastet wird.


Völlig anders ist dies bei Patienten, die sich in eigener Motivation, und dem Wunsch an ihrem — von ihnen erkannten — Alkoholproblem zu arbeiten, in einer Therapieeinrichtung vorstellen. Hier ist es möglich, direkte, erkrankungsspezifische Interventionen und Zielsetzungen mit dem Patienten zu erarbeiten und umzusetzen.