Name Wirkstoff und Kurzbeschreibung
Alprazolam Alprazolam wirkt beruhigend, entspannend und angstlösend. Es wird zur kurzzeitigen symptomatischen Behandlung von Angst- und Spannungszuständen sowie von Panikstörungen eingesetzt, sofern diese schwerwiegend sind und den Patienten stark belasten.

Antabus®

(seit 03/2011 nicht mehr im Handel) siehe auch Disulfiram.

Baclofen

(Lioresal®)

Baclofen wurde ursprünglich als Medikament zur Behandlung der Epilepsie entwickelt. Öffentliche Bekanntheit erhielt Baclofen seit 2009 durch ein Buch von Dr. Olivier Ameisen, in dem dieser behauptete, seine Alkoholkrankheit durch Baclofen besiegt zu haben. Studien zeigten, dass Baclofen eine positive Wirkung bei der Behandlung der Alkoholabhängigkeit haben kann und neue bildgebende Verfahren weisen darauf hin, dass Baclofen den frühesten Typus der durch Drogen-Schlüsselreize induzierten motivationalen Verarbeitung – welche unterhalb der Bewusstseinschschwelle abläuft – hemmen könnte, bevor sich ein schwer kontrollierbarer Zustand entwickelt.
Campral®

Der Wirkstoff Acamprosat dämpft eine durch den Botenstoff Glutamat ausgelöste Übererregbarkeit des Gehirns, indem es die Rezeptoren der Nervenzellen besetzt und dadurch das Andocken von Glutamatmolekülen verhindert.

Da Alkoholkranke besonders viel Glutamat im Gehirn aufweisen (der Grund ist unklar), wird Acamprosat in der (ambulanten) Therapie der Alkoholkrankheit eingesetzt, um die Lust auf Alkohol zu reduzieren. Nicht jeder Alkoholkranke reagiert jedoch auf Acamprosat. Acamprosat ist nicht geeignet zur Behandlung der Symptome eines Alkoholentzugs.
Catapresan®

Clonidin wird als Arzneistoff zur Behandlung der arteriellen Hypertonie (Bluthochdruck) und unter anderem bei der Dämpfung von Entzugserscheinungen eingesetzt. Entzugssymptome wie Zittern, Schwitzen und Herzrasen entstehen, weil die dämpfende Wirkung von Alkohol auf das vegetative Nervensystem fortfällt. Clonidin ersetzt diese dämpfende Wirkung im Nervensystem und lindert damit die zuvor genannte Entzugssymptomatik.

Diazepam Diazepam ist ein Arzneistoff aus der Gruppe der Benzodiazepine mit relativ langer Halbwertszeit. Er wird insbesondere als Psychopharmakon zur Behandlung von Angstzuständen, in der Therapie epileptischer Anfälle und als Schlafmittel angewendet. Da es bei einer Langzeittherapie mit Diazepam zu einer psychischen und körperlichen Abhängigkeit kommen kann, wird der Wirkstoff vorrangig in der Akuttherapie – das heißt nicht länger als vier bis sechs Wochen – eingesetzt. Diazepam sollte bei Patienten mit Alkohol-, Arzneimittel- oder Drogenabhängigkeit in der Vorgeschichte nur mit äußerster Vorsicht verwendet werden.
Distraneurin® Sein Wirkstoff Clomethiazol ist neben Diazepam das Mittel der ersten Wahl zur Behandlung des Alkoholentzugssyndroms und des Alkoholentzugsdelirs, sowohl in Fachkliniken als auch in internistischen Einrichtungen. Es wirkt im Gehirn beruhigend, krampflösend und schlaffördernd. Hierbei ist zu beachten, dass die Applikation nur kurzzeitig erfolgt, da Clomethiazol ein hohes Abhängigkeitspotenzial besitzt. Das Medikament darf nur stationär verabreicht werden, da es unter anderem zu einer starken Dämpfung von Atmung und Kreislauf kommen kann. Zudem muss gewährleistet werden, dass kein gleichzeitiger Alkoholkonsum stattfindet, welcher zu extremen Wechselwirkungen führen kann. Deshalb darf das Medikament nicht zur Selbstmedikation verkauft werden, sondern nur unter stationärer Aufsicht von Kliniken verwendet werden.
Disulfiram® Wirkstoff Disulfiram. Normalerweise wird in der Leber der aufgenommene Alkohol über die Zwischenstufe Acetaldehyd zur Essigsäure umgewandelt, ähnlich wie bei der Essigherstellung durch Gärung. In diesen Abbau des Alkohols greift nun das Medikament ein und verhindert den letzten Schritt zur Umwandlung in die Essigsäure durch Blockade des Enzyms Aldehyddehydrogenase. Die Folge ist, dass sich der Acetaldehyd anreichert. Dieses bewirkt das sogenannte Acetaldehydsyndrom, welches darin besteht, dass, sobald Alkohol auch in geringen Dosen eingenommen wird, starke und unangenehme Unverträglichkeitsreaktionen entstehen, wie Hautrötung, Kältegefühl in den Armen und Beinen, Übelkeit, Kopfschmerzen und vor allem Herzrasen und Blutdruckabfall bis hin zum Herz-Kreislauf-Schock. Hierdurch kann bei gefährdeten Personen sogar Herzenge, Angina pectoris, und ein Herzinfarkt ausgelöst werden.
Entsprechende Arzneimittel werden als Tabletten verabreicht. Es kann auch als Depotpräparat unter die Haut implantiert werden. Da die angesprochenen Unverträglichkeitsreaktionen bei Einnahme größerer Alkoholmengen sogar tödlich sein können (Acetaldehyd ist giftig), werden disulfiramhaltige Präparate nur noch selten und bei solchen Patienten angewandt, bei denen von guter Mitarbeit bei der Behandlung ausgegangen werden kann. Außerdem darf dieses Medikament nur bei genauer Vorabklärung gegeben werden, z. B. nicht bei schwerem Leberschaden.
Doxepin Doxepin wirkt primär stark dämpfend und wird daher außer zur Stimmungsaufhellung oft zur Sedierung (Dämpfung von Funktionen des zentralen Nervensystems) verwendet. Bei Patienten mit hohem Alkoholkonsum muss daran gedacht werden, dass die Gefahr einer beabsichtigten oder unbeabsichtigten Überdosierung von Doxepin besteht.
Esperal® siehe Disulfiram
Haldol® Haloperidol meist zur Unterdrückung von Krankheitszeichen wie z. B. Wahn, Halluzinationen oder Denk- und Bewusstseinsstörungen sowie zur Vorbeugung gegen Rückfälle eingesetzt. Deshalb kann die Substanz als medikamentöse Primärtherapie dazu beitragen, unerwünschte Symptome, wie sie zum Beispiel bei Schizophrenie aber auch Manie auftreten, zu beheben.
Merlperon Melperon ist ein mittelpotentes Neuroleptikum aus der Klasse der Butyrophenone. Es wird vor allem bei Erregungs- und Spannungszuständen sowie Schlafstörungen eingesetzt.
Mirtazapin Mirtazapin ist ein noradrenerg und spezifisch serotonerg wirkendes Antidepressivum (NaSSA): Es besetzt im Gehirn spezifische Bindungsstellen der Botenstoffe Noradrenalin und Serotonin und verändert damit den Einfluss dieser auf die Signalübertragung im Gehirn. Mirtazapin ist in Deutschland ausschließlich zur Behandlung von depressiven Erkrankungen zugelassen. Mirtazapin kann die zentralnervös-dämpfende Wirkung von Alkohol verstärken.
Mogadon Der Wirkstoff aus der Gruppe der Benzodiazepine, mit ausgeprägten hypnotischen und antikonvulsiven Eigenschaften wird zur symptomatischen Behandlung von Schlafstörungen und in der Behandlung von Epilepsie eingesetzt. Es kann schon nach kurzer Anwendung zu einer psychischen und körperlichen Abhängigkeit kommen.Nitrazepam ist kontraindiziert bei Patienten mit bekannter Suchtgefährdung,  Alkoholismus und schwerer Leberinsuffizienz.

Nalmefen

(Selrinco®)

Nalmefen ist ein Opioidantagonist, der in den 1970er Jahren entwickelt wurde. Früher als Antidot zur Behandlung von Opiatvergiftungen verwendet, kommt es seit 1. September 2014 in der Behandlung der Alkoholkrankheit zum Einsatz. Siehe auch hier.
Naltrexon (Adepend®, Revia®) In den USA und zahlreichen europäischen Ländern ist Naltrexon bereits zur Alkoholrückfallprävention zugelassen. Speziell zur Reduktion des Rückfallrisikos, Unterstützung der Abstinenz und Minderung des Verlangens nach Alkohol (Craving) als Teil einer umfassenden Therapie.
Seroquel Sein Arzneistoff Quetiapin wird zur Behandlung psychischer Störungen eingesetzt. Der Stoff aus der Gruppe der atypischen Neuroleptika ist angezeigt zur Behandlung von Schizophrenie sowie von manischen und depressiven Episoden, die bei einer bipolaren Erkrankung auftreten.
Tavor® Sein Wirkstoff Lorazepam wird verabreicht zur Behandlung von Symptomen in Verbindung mit Alkoholentzügen. Es wird dabei hauptsächlich eingesetzt als Beruhigungsmittel bei Angst und Panikstörungen, da hierbei die längere Wirkdauer (zum Beispiel einen ganzen Tag lang) erwünscht ist.
Tegretal® Carbamazepin zum Schutz vor Krampfanfällen im Benzodiazepin- und Alkoholentzug eingesetzt.
Tetradin® siehe Disulfiram
Trevilor® Venlafaxin ist ein Arzneistoff, der in der Behandlung von Depressionen und Angsterkrankungen verwendet wird. Venlafaxin-haltige Arzneimittel sind angezeigt zur Behandlung von Depressionen und Angsterkrankungen wie der generalisierten Angststörung, der sozialen Angststörung (soziale Phobie) und der Panikstörung (mit oder ohne Agoraphobie). Auch ist Venlafaxin angezeigt zur Erhaltungstherapie zur Verhinderung eines Rückfalls (Rezidivprophylaxe) oder des Wiederauftretens von neuen depressiven Erkrankungen.
Trileptal® Oxcarbazepin ist bei Epilepsien mit fokalen (auf bestimmte Gebiete des Gehirns beschränkten) und sekundär generalisierten Anfällen bei Erwachsenen und Kindern angezeigt. Oxcarbazepin gilt als besser verträglich als Carbamazepin (siehe oben: Tegretal), dies ist jedoch nicht zweifelsfrei belegt.
Truxal® Chlorprothixen ist ein niedrigpotentes Antipsychotikum für die Behandlung von Angst, Unruhe und Aggressivität bei Alkoholikern und Toxikomanen sowie zur Begleitmedikation bei chronischen Schmerzen.
Wellbutrin® Bupropion (vor dem Jahr 2000 Amfebutamon) ist ein selektiver Dopamin- und Noradrenalin- (geringfügig auch Serotonin-) Wiederaufnahmehemmer. Es wird als Antidepressivum eingesetzt.In Kombination mit anderen Antidepressiva soll Bupropion einige Nebenwirkungen dieser Stoffe ausgleichen. Unerwünschte Müdigkeit, die durch sedierende Antidepressiva (z. B. Mirtazapin, siehe oben) entsteht, kann gegebenenfalls durch die stimulierende Wirkung von Bupropion entgegengewirkt werden.

Jegliche Medikamente (und damit Wirkstoffe) sollten nur auf ärztliche Verordnung eingenommen werden.