Auswahl an Substanzen zur Alkoholentwöhnung

Bei Alkoholkranken ist die Übertragung vieler Botenstoffe im Gehirn gestört. Beispielsweise erhöht sich die Anzahl der Glutamat-Bindungsstellen. Daher wird versucht, dort mit verschiedenen Medikamenten regulierend einzugreifen und so die psychischen Entzugserscheinungen zu mildern. Andererseits wird mit Medikamenten wie Disulfiram eine Abneigung gegen Alkohol erzeugt.

 

Acamprosat

Acamprosat (Campral® in D,A,CH) wird als Anti-Craving-Substanz eingesetzt. Es dämpft die durch Überschuss an Glutamat bedingte Übererregbarkeit des Gehirns und greift in das „Belohnungssystem“ ein (Belohnungsgefühl durch Alkohol bleibt aus). Die Tabletten werden in der Regel dreimal täglich vor oder während den Mahlzeiten eingenommen und als Behandlungsdauer werden zwölf Monate empfohlen. Zu den häufigsten möglichen unerwünschten Wirkungen gehören Durchfall, Bauchschmerzen, Übelkeit, Erbrechen, Blähungen, Hautausschlag, Juckreiz, erniedrigte Libido und Impotenz.

 

Naltrexon

Naltrexon, ebenfalls eine Anti-Craving-Substanz, ist ein ursprünglich zum Opioid-Entzug verwendetes Medikament. Es wurde im Jahr 2010 zur Rückfallverhütung zugelassen. Es wird erfolgreich eingesetzt. Alkoholiker, die mit Naltrexon behandelt werden bleiben zu etwa 30 % mehr trocken als die nichtbehandelte Kontrollgruppe.

 

Disulfiram (Hinweis: in Deutschland seit März 2011 nicht mehr erhältlich)

Einen anderen Ansatz hat das schon sehr lange eingesetzte Disulfiram (Antabus®). Durch Hemmung des Enzyms Aldehyddehydrogenase, welches beim Abbau des Alkohols benötigt wird, steigt bei Konsum von Alkohol der Spiegel von Acetaldehyd. Das verursacht Vergiftungserscheinungen wie schwere Kopfschmerzen und Brechreiz. Das soll das Trinken unmöglich machen. Die Vergiftung kann aber auch vital gefährlich werden.

 

Baclofen

Das Muskelrelaxans Baclofen wurde zuerst von dem amerikanischen Arzt Olivier Ameisen zur Behandlung seiner eigenen Alkoholsucht verwendet. Da er damit erfolgreich war, setzte er es auch bei Patienten ein. Es eignet sich besonders für Alkoholiker mit Leberzirrhose, da es kaum über die Leber verstoffwechselt wird.


Nalmefen

Nalmefen wurde im März 2013 in der EU und ist seit 1. September 2014 auch in Deutschland unter dem Handelsnamen Selincro zugelassen zur Reduktion des Alkoholkonsums bei erwachsenen Patienten mit Alkoholabhängigkeit, deren Alkoholkonsum sich auf einem hohen Risikoniveau befindet und die keine körperlichen Entzugserscheinungen aufweisen.

 

Antidepressiva

Aktuell wird untersucht, ob Medikamente, die in den Stoffwechsel des Botenstoffs Serotonin eingreifen (z. B. Serotoninwiederaufnahmehemmer wie etwa Fluoxetin), zur Behandlung der Alkoholabhängigkeit geeignet sind.

 

Unabhängig davon ist eine Therapie mit diesen sinnvoll, wenn als Begleiterkrankung eine Depression vorliegt. Dabei ist es unerheblich, ob sie vorher schon bestand oder erst durch die Alkoholkrankheit ausgelöst wurde. Eine ausgeglichene Stimmung ist sehr wichtig für die künftige Trockenheit.

 

Weitere medizinische Verfahren


Aktuell erhoffen Forscher Erfolge bei der Suchtbekämpfung durch die körpereigene Substanz GDNF, die direkt ins Gehirn gespritzt helfen soll, um das Verlangen nach Alkohol zu stoppen. Bislang verliefen Tests an Ratten, denen der Wachstumsfaktor injiziert wurde, erfolgreich. Man hofft, diese Erkenntnis auch auf den Menschen übertragen zu können, da der Alkoholsucht bei Ratten ähnliche Prozesse zugrunde liegen wie bei Menschen. Zur Behandlung bei Suchtkrankheiten werden auch Akupunktur und Ohrakupunktur angewendet. Ein wissenschaftlicher Nachweis der Wirksamkeit steht jedoch aus. Eine leichte Verbesserung des Therapieerfolgs wurde zwar festgestellt, wird aber bisher auf die durch die Akupunktur entstehende Bindung des Klienten an den Therapeuten zurückgeführt.