Neurobiologie der Alkoholabhängigkeit

Die Alkoholabhängigkeit geht mit einer komplexen Störung der Gehirnfunktion einher. Diese beginnt mit der exzessiven chronischen Einnahme von Alkohol (Ethanol), dessen pharmakologischer Effekt zu tiefgreifenden Veränderungen in Kognition und Verhalten führt. Es entsteht eine Präferenz für Stimuli und Verhaltensweisen, die mit Alkohol assoziiert sind. Im Verlauf werden Verhaltensmuster, die in Bezug zur Alkoholeinnahme stehen, zwanghaft-repetitiv eingeengt. Die Fähigkeit, auf Alkohol zu verzichten, geht trotz zumeist schwerwiegender negativer Konsequenzen verloren.


Welcher pathophysiologische Mechanismus liegt dem zugrunde? Um an diese Thematik heranzuführen, werden im Folgenden zuerst die spezifischen molekularen Effekte von Alkohol im zentralen Nervensystem (ZNS) betrachtet (primäre Angriffsstellen des Alkohols), um dann auf die für die Suchtentstehung maßgeblichen neurochemischen Funktionssysteme und Signalwege (sekundäre Veränderungen) einzugehen. Hierbei werden insbesondere molekulare und physiologische Veränderungen im mesokortikolimbischen System diskutiert, da hier die Datenlage besonders fundiert ist, wohl wissend, dass auch andere Gehirnsysteme bei der Ausprägung von Sucht eine Rolle spielen.


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Von Prof. Dr. Rainer Spanagel, Institut für Psychopharmakologie am Zentralinstitut für Seelische Gesundheit, J 5, 68159 Mannheim und Prof. Dr. Falk Kiefer, Klinik für Abhängiges Verhalten und Suchtmedizin am Zentralinstitut für Seelische Gesundheit, J 5, 68159 Mannheim.