Mit der Bier-Therapie gegen die Alkoholsucht

Die Niederlande sind für ihren offenen Umgang mit Suchtmitteln bekannt. Das zeigt sich auch im “Centrum Maliebaan” in Amersfoort: Die Klinik wendet als erste europäische Einrichtung eine kanadische Bier-Therapie an.

Wie die “Welt” berichtet, werden in der Klinik zurzeit 19 Patienten behandelt, die am Tag bis zu fünf Liter Bier trinken dürfen. Klinikpsychiater Eugene Schouten bezeichnet die Vorgehensweise als “kontrolliertes Abfüllen”. Zwischen jedem halben Liter muss aber mindestens eine Stunde vergangen sein. “Unser Ziel ist es, die Leute von Besäufnissen abzuhalten: Das ist besser für den Einzelnen und seine Umwelt”, zitiert die “Welt” den Klinikpsychiater.

Das Programm richtet sich an schwer Alkoholabhängige. Teamleiter Pieter Puijk erläutert der “Welt” den Alltag der Zielgruppe: “Manchmal kippen sie eine Flasche Martini oder Portwein in ein paar Sekunden runter, und das noch vor dem Frühstück. Leber, Gehirn und Herz werden ernsthaft geschädigt. Hinzu kommt, dass sie in betrunkenem Zustand zum öffentlichen Ärgernis werden.”

Durch das überwachte Trinken hielten die Patienten ihr Blutalkohol-Niveau konstant. Dadurch seien sie im “Kopf klarer”, wie Puijk bemerkt. “Wir können sie zum Arzt schicken, zum Psychiater, zum Duschen, wir behalten ihr Verhalten unter Kontrolle.” Um die Entzugserscheinungen zu mildern, ergänzen Vitaminpräparate und Medikamente die Therapie. Anfangs hatten die Betreuer Schwierigkeiten mit dem ungewöhnlichen Therapie-Konzept. “Du denkst, du solltest diesen Leuten [damit] helfen, vom Alkohol loszukommen”, berichtet Sozialarbeiter Kees de Bruyn der “Welt” von seinen Zweifeln.

Er kennt mittlerweile das Erfolgsgeheimnis des kontrollierten Konsums: Hier machen die Patienten “sichtlich Fortschritte: Sie trinken allmählich weniger und strukturierter, und ihr Gesundheitszustand verbessert sich.”Sicherlich kann man das Programm, das die Stadt Amersfoort finanziert, kritisch sehen, doch laut “Welt” sind die Fortschritte unübersehbar. 23.9.2010