Experten fordern Verbot von Alkoholwerbung

Die Deutschen trinken weniger Alkohol als früher, aber Jugendliche greifen immer wieder exzessiv zur Flasche. Alkoholwerbung ist deshalb in der Kritik.

Schulstress, Probleme mit den Eltern oder das soziale Umfeld: Problematisches Trinkverhalten Jugendlicher kann viele Ursachen haben. Nicht zu unterschätzen ist dabei der Stellenwert von Werbung, wie Peter Raiser von der Deutschen Hauptstelle für Suchtfragen sagt. “Die Werbestrategien richten sich immer mehr an junge Leute”, rügt der Fachmann anlässlich der Aktionswoche Alkohol.

Mehr als 500 Millionen Euro gibt die Alkoholindustrie in Deutschland pro Jahr aus, um für ihre Getränke zu werben, berichtet der Zentralverband der deutschen Werbewirtschaft (ZAW). Gleichzeitig ist der Alkoholkonsum rückläufig: Laut Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung trinken die Deutschen seit den 70er Jahren kontinuierlich weniger Alkohol. Grund zur Sorge gibt es aber dennoch: “Riskantes exzessives Trinken wie das sogenannte “Komasaufen” ist bei Jugendlichen nach wie vor ein großes Problem”, erklärt der Psychologe Reiner Hanewinkel vom Kieler Institut für Therapie und Gesundheitsforschung. “Seit dem Jahr 2000 ist die Zahl der Teenager, die aufgrund von Alkoholmissbrauch ins Krankenhaus eingeliefert wurden, um über 175 Prozent gestiegen.” Hannewinkel untersucht im Auftrag der DAK den Zusammenhang zwischen Alkohol- und Werbekonsum von Jugendlichen.

Während die Tabakwerbung bereits stark eingeschränkt ist, dürfen Bier, Wein, Alcopops oder Schnaps ohne gesetzliche Einschränkungen angepriesen werden. Bisher gibt es lediglich die freiwillige Selbstregulierung der Werbewirtschaft. Raiser fordert deshalb klare gesetzliche Vorgaben, um bestimmte Verstöße ahnden zu können. “Die freiwillige Kontrolle ist völlig unwirksam. Alkoholwerbung, die sich an junge Menschen richtet, sollte verboten sein. Ideal wäre ein generelles Alkoholwerbeverbot, denn ein positiver Zusammenhang von Alkoholwerbung und Alkoholkonsum ist wissenschaftlich erwiesen.”

Volker Nickel, Sprecher des ZAW, spricht sich dagegen strikt gegen gesetzliche Regelungen für Alkoholwerbung aus: “Weil sie am Verhalten der Menschen und an den Ursachen des Alkoholkonsums überhaupt nichts ändern. Der Einfluss der Werbung ist so minimal, dass man ihn vernachlässigen kann.”

Quelle: Südwestpresse Ulm 28.05.2011


Nur ein Drittel kontrolliert

Ulm. Erschreckendes Ergebnis eines Tests der Bürgerdienste: In sieben von zehn Geschäften wurden Zigaretten und/oder Alkohol an Minderjährige verkauft.

Hochprozentiges und Tabakwaren dürfen an Kinder und Jugendliche unter 18 Jahren nicht verkauft werden - die Regelung des Jugendschutzgesetzes ist eindeutig. Das Verkaufspersonal hat die Pflicht, das Alter der Käufer zu kontrollieren. Wie aber wird diese Regel im Alltag in Ulm umgesetzt? Können Jugendliche in Geschäften, an Kiosken, Tankstellen, in Getränkemärkten oder in Gaststätten problemlos Alkohol und Zigaretten kaufen?

Die Bürgerdienste der Stadt Ulm haben dies mittels Testkäufen überprüft. In Begleitung eines Polizisten und eines Mitarbeiters der Bürgerdienste, die vor dem Geschäft warten, nahmen zwei 17-Jährige Auszubildende die Testkäufe vor. Die “Spielregeln” für diese Testkäufe waren eindeutig festgelegt: Der junge Mann und die junge Frau versuchten nicht, die Verkäufer zu überreden, und sie wiesen sich auf Nachfrage sofort aus. “Es geht uns nicht darum, Ladenbesitzer oder Verkaufs- und Thekenpersonal zu täuschen und in die Falle zu locken”, betont Stefan Miltz, bei den städtischen Bürgerdiensten zuständig für den Bereich Jugendschutz.Das Ergebnis: Nur drei der überprüften Geschäfte kontrollierten wie vorgeschrieben, der Großteil kontrollierte die Personalausweise gar nicht oder nur schlampig. Kurios ging es in einem Getränkemarkt zu: Zunächst wurde dem 17-jährigen Testkäufer, nachdem er seinen Ausweis gezeigt hatte, doch eine Flasche Kräuterlikör verkauft. Der Testkäuferin wurde der Kauf eines branntweinhaltigen Getränks dagegen verwehrt, ihr jedoch der “Tipp” gegeben, dass sie den ersten Testkäufer doch bitten könne, das Getränk für sie zu kaufen. “So etwas geht gar nicht”, stellt Miltz klar. Auch das sei ein Verstoß gegen den Jugendschutz.Drei der sieben beanstandeten Betriebe seien “Wiederholungstäter”, sie haben schon bei früheren Testkäufen verbotenerweise Alkohol und Zigaretten verkauft. In diesen Fällen werde das Bußgeld darum deutlich höher ausfallen, kündigte Miltz an. Stadt und Polizei werden die Reihe der Testkäufe aufgrund der großen Zahl der Verstöße (bei insgesamt 27 Testkäufen wurden bisher 15 Bußgeldverfahren mit Bußgeldern zwischen 100 und 2000 Euro eingeleitet) ausweiten.


Quelle: Südwest Presse Ulm, 07.05.2011