EU-Forderung
Alkohol soll Kalorien-Kennzeichnung bekommen

Bei Wein, Bier oder anderen alkoholischen Getränken soll künftig eine Kalorienangabe auf der Verpackung stehen, fordern Europaparlamentarier. Der Ausschuss für Umwelt und Gesundheit stimmte am Dienstag in Brüssel dafür und verlangte einen entsprechenden Gesetzesvorschlag von der EU-Kommission bis Jahresende.

Generell müssen bei den meisten Lebensmitteln in der EU Angaben zum Nährwert auf der Packung gemacht werden, Getränke mit mehr als 1,2 Prozent Alkohol sind aber ausgenommen. Auch die Inhaltsstoffe sollten genauer ausgewiesen werden, forderten die Abgeordneten in ihrer unverbindlichen Resolution. Zudem müsse es Warnhinweise für Alkohol am Steuer und für schwangere Frauen geben.

Nach Angaben der EU-Kommission sind Schäden durch Alkohol für sieben Prozent aller frühzeitigen und krankheitsbedingten Todesfälle in der Europäischen Union verantwortlich.
Bild,  31.03.2015


Wenn es ohne Alkohol im Job nicht mehr geht

Fünf Prozent aller Arbeitnehmer in Deutschland haben ein Suchtproblem, besagen Schätzungen. Viele Unternehmen in der Region haben inzwischen spezielle Berater. Aber was hilft Betroffenen wirklich?

Am Anfang gönnt sich Michael F. nach der Arbeit mal ein Gläschen, um „wieder runter zu kommen“, wie er sagt. Am Wochenende auch mal etwas mehr. Irgendwann braucht er eine ganze Flasche Cognac. „Da ist mir aufgefallen, dass mein Trinkverhalten nicht mehr normal ist.“ Dass er bereits ein ernsthaftes Alkoholproblem hat, will sich F. nicht eingestehen. Damals ist er Ende 20. Im Job läuft es gut. Der Kaufmann, der in Augsburg für eine Versicherung arbeitet, bekommt eine Gehaltserhöhung. Zu diesem Zeitpunkt ist er bereits einige Male betrunken zur Arbeit gekommen. Kollegen und Vorgesetzte müssen das gemerkt haben, sagt F. heute. „Aber Alkohol ist halt eine Volksdroge, da sieht man darüber hinweg.“

Gisela Burfict kennt dieses Problem. Die Sozialpädagogin arbeitet bei der Stadt Augsburg als Suchtberaterin. Sie ist Ansprechpartnerin für die rund 6000 Beschäftigten der Stadt im Falle eines Alkoholproblems. Es ziehe sich quer durch alle Hierarchien und Tätigkeitsfelder, berichtet sie. „Es gibt quasi keinen Berufsstand, der davon ausgeschlossen ist.“ Seit ihre Stelle im Jahr 2000 geschaffen wurde, kamen gut 200 Männer und Frauen in ihre Sprechstunde. Glaubt man der Statistik, hätten es deutlich mehr sein müssen.

Etwa fünf Prozent der Arbeitnehmer in Deutschland, so besagen es Schätzungen, leiden unter einem therapiebedürftigen Alkoholproblem. Zehn Prozent gelten als suchtgefährdet. Und die Risiken nehmen weiter zu. Laut einer kürzlich veröffentlichten Studie der Bertelsmann Stiftung und der Barmer GEK glaubt knapp ein Viertel der Vollzeit-Beschäftigten in Deutschland, das vom Arbeitgeber geforderte Tempo langfristig nicht durchhalten zu können. Die Studienautoren warnen davor, dass viele deswegen leistungssteigernde Substanzen einnehmen – auch Alkohol gehört dazu. Der Weg in die Sucht ist dabei oft schleichend. „Alkohol ist allgegenwärtig“, sagt die Beraterin der Stadt, „bei jedem Empfang, bei jedem Geburtstag wird mit Sekt angestoßen. Viele merken das gar nicht.“

Fast zehn Jahre kann auch Michael F. sein Alkoholproblem im Job verbergen. Dann folgt der Absturz. 14 Tage verbringt er im Dauer-Suff. „Ich habe mich einfach aufgegeben.“ Als er zurück ins Büro kommt, bietet ihm sein Chef ein Gespräch an. F. schämt sich, will sein Problem nicht eingestehen. Erst als er im Büro kollabiert und in die Klinik muss, offenbart er sich einer Kollegin. Die hört zu, hält seine Hand. Kein Vorwurf, keine Ratschläge. Es ist der Wendepunkt in Michael F.s Leben.

Gisela Burfict hat viele Betroffene in ähnlichen Situationen erlebt. Die Suchtberaterin weiß: „Viele sind froh, wenn es endlich raus kommt.“ Deswegen empfiehlt sie Vorgesetzten und Kollegen, Mitarbeiter direkt anzusprechen, wenn ihnen etwas auffällt: starker Alkoholgeruch, übermäßige Fehlzeiten oder ein unerklärlicher Leistungsabfall. Sie weiß, dass das auch für Vorgesetzte heikel sein kann. „Wenn ein Chef versteht, dass Alkoholismus eine Krankheit und keine Charakterschwäche ist, tut er sich leichter.“

Ähnlich wie die Stadt Augsburg haben inzwischen viele Unternehmen spezielle Ansprechpartner bei Suchtproblemen. Fujitsu bietet zum Beispiel in Zusammenarbeit mit der Siemens-Betriebskrankenkasse eine psychologische Beratung von Mitarbeitern an. Pro Monate wird laut Unternehmen im Schnitt eine Beratung angefragt.

Bei MAN Diesel & Turbo kümmert sich seit 2012 die Sozialpädagogin Claudia Kränzle um dieses Thema. Die Arbeitgeber seien sensibler geworden für die psychischen Belastungen ihrer Mitarbeiter, sagt sie. Aber auch der Umgang mit Alkohol habe sich verändert. „Früher gehörte das Bier zur Brotzeit oder zum Feierabend.“ Heute gebe es strenge Vorgaben, was Alkohol im Straßenverkehr oder im Betrieb angeht. Bei MAN gilt zwar kein generelles Alkoholverbot – in sensiblen Bereichen wie in der Gießerei oder in der Logistik ist er aber tabu. Die Prävention hat bei MAN einen hohen Stellenwert. Bereits bei den Auszubildenden setze man an. Schwerpunkt von Kränzles Arbeit ist der Umgang mit Betroffenen. Sie hat beobachtet: Dem Arbeitgeber kommt beim Weg aus der Sucht eine Schlüsselrolle zu. Oft hätten die Menschen im Privaten schon alles verloren: die Familie, die Freunde. „Sie haben Angst, dass sie nun auch noch ohne Job dastehen“, sagt die Beraterin. Deswegen ist die Offenheit für Hilfe oft groß. Die Mehrheit der Mitarbeiter, die zu ihr kommen, schaffe den Weg aus der Sucht.

Auch Michael F. gelingt es. Er entscheidet sich für einen Entzug. Sein Chef in der Versicherung hält zu ihm, er spricht mit den Ärzten, man telefoniert. Im Büro wird den Kollegen ganz offen erzählt, was mit F. los ist. Kein Getuschel, keine Gerüchte. „Ich fand das gut.“ F. fasst wieder Fuß. Er steigt sogar zum stellvertretenden Gruppenleiter auf und arbeitet später als Ausbilder. „Ich bin meinem Chef noch heute unendlich dankbar, vor allem für seine Offenheit“, sagt er. Um nicht rückfällig zu werden, schließt sich F. den Anonymen Alkoholikern an. Seit 25 Jahren ist er nun trocken.

In Gisela Burficts Alltag nehmen die Schicksale nicht immer ein so positives Ende. Manchmal steht am Ende ihrer Beratung der Auflösungsvertrag mit dem Mitarbeiter, manchmal auch dessen Beerdigung – besonders häufig sei das bei süchtigen Frauen der Fall. „Aber man kann eben immer nur Hilfe zur Selbsthilfe geben“, sagt Burfict, „mehr nicht.“

Augsburger-Allgemeine, 27.03.2015


Österreich

Alkoholiker: Abstinenz nicht immer Ziel


Weniger Scheu durch neue Wege - das ist das Ziel in der Alkoholtherapie in Wien. Im Projekt „Alkohol 2020“ können Alkoholkranke eine ambulante Entzugstherapie machen. Dort geht es immer weniger darum, sofort komplett aufzuhören.


„Man kommt vom Abstinenzparadigma weg. Das ist überholt, weil wir wissen, dass Rückfälle zur Erkrankung dazugehören. Viele Patienten leiden darunter, dass sie das Ziel, nie wieder etwas zu trinken, nicht erreichen. Sie haben immer wieder das Gefühl des Versagens und des Scheiterns“, sagte Hans Haltmayer, der ärztliche Leiter des Projekts „Alkohol 2020“, das alkoholkranken Menschen ambulante Therapie bietet. „Schritt für Schritt den Alkoholkonsum zu reduzieren oder vielleicht nur mehr die Hälfte zu trinken. Das ist für manche Patienten schon ein riesiger Schritt“, so Haltmayer.


Zwei Drittel der Alkoholkranken sind Männer

Schätzungen gehen von 35.000 bis 75.000 Alkoholabhängigen in Wien aus. Zwei Drittel davon sind Männer. Dazu kommen 150.000 Menschen mit problematischem Alkoholkonsumverhalten. Die Datenlage ist aber nicht besonders gut. So vermuten Experten, dass ein Drittel der jährlich 21.000 Frühpensionierungen auf psychische Ursachen zurückzuführen sei - und ein Gutteil davon hänge mit Alkoholmissbrauch zusammen. Auch 30 Prozent aller Krebserkrankungen würden durch übermäßiges Trinken entstehen.


Leichterer Schritt in Therapie

Der Schritt in die Therapie soll auch durch das ambulante Angebot erleichter werden. Viele Alkoholkranke würden davor zurückschrecken, für einen längeren Zeitraum in eine Klinik zu gehen, sagt Haltmayr. Die Aufnahme in das Projekt „Alkohol 2020“ erfolgt im regionalen Kompetenzzentrum im Wiener Stadtbezirk Mariahilf.


Dort wird entschieden, welche ärztlichen und psychotherapeutischen Maßnahmen notwendig sind und wo sie am besten in Anspruch genommen werden. Zusätzlich wird zum Beispiel auch darauf geachtet, ob der Betroffene arbeitslos ist oder Schulden hat und wie er dabei unterstützt werden kann.


Einjährige Pilotphase

Das Projekt „Alkohol 2020“ wird von der Stadt Wien, der Wiener Gebietskrankenkasse und der Pensionsversicherungsanstalt finanziert. Die einjährige Pilotphase läuft seit Oktober des Vorjahres und kostet 3,5 Millionen Euro. Dann wird das Projekt evaluiert und eventuell in Sachen Angebot und Finanzierungsschlüssel nachjustiert. Die flächendeckende Umsetzung soll bis 2020 erfolgen - mehr dazu in Bessere Betreuung für Alkoholkranke.


Hohes Gicht-Risiko durch Fleisch, Fisch & Alkohol

Tierische Lebensmittel, Alkohol und zuckerhaltige Getränke erhöhen das Gicht-Risiko
Die Stoffwechselerkrankung Gicht, kann durch verschiedene Faktoren begünstigt werden, wobei als wissenschaftlichen nachgewiesene Risikofaktoren laut Angaben des Instituts für Wirtschaftlichkeit und Qualität im Gesundheitswesen (IQWiG) auch Fleisch, Fisch und Meeresfrüchte gelten.
 
Der Verzehr größerer Mengen tierischer Lebensmittel ist dem IQWiG zufolge mit dem erhöhten Risiko einer Gichterkrankung verbunden. Der Grund seien die hohen Mengen enthaltener Purine, einem Bestandteil wichtiger Grundstoffe des Körpers - der Nukleinsäuren. Als Abbauprodukt der Purine entsteht Harnsäure, die normalerweise ausreichend mit dem Urin ausgeschieden werden sollte. Sind die Nieren aber nicht in der Lage, genügend Harnsäure über den Urin auszuscheiden, steigt der Harnsäurespiegel im Körper an. „Wenn er eine bestimmte Grenze überschreitet, kann die Harnsäure Kristalle bilden, die sich im Körpergewebe ablagern“, erläutert das IQWiG weiter. Die Kristalle sammeln sich anschießend meist in den Gelenken, wo sie einen Gichtanfall auslösen können.

Medikamente als potenzielle Risikofaktoren für Gicht
Letztlich sind laut Angaben des IQWiG alle Faktoren, die eine Erhöhung des Harnsäurespiegels mit sich bringen, als mögliche Risikofaktoren für Gicht zu bewerten. Die gelte unter anderem für entwässernde Medikamente (Diuretika), Acetylsalicylsäure (ASS), bestimmte Arzneien, die nach einer Organtransplantation eingesetzt werden, verschiedene Krebsmedikamente und das Parkinson-Medikament Levodopa. „Gicht ist die Folge eines erhöhten Harnsäurespiegels im Blut“, wobei „etwa ein Drittel aller Personen mit einem erhöhten Harnsäurespiegel an Gicht“ erkranken, so die Ausführungen des IQWiG.

Alkohol erhöht das Risiko einer Gichterkrankung
Auch der Konsum alkoholischer Getränke ist dem IQWiG zufolge mit der vermehrten Bildung von Harnsäure verbunden. Gleichzeitig hätten diese eine entwässernde Wirkung und verringern die Ausscheidung von Harnsäure durch die Nieren. Zudem enthalte vor allem Bier relativ viele Purine. Nachweislich können Bier und hochprozentiger Alkohol Gicht begünstigen, so das IQWiG. Wein indes habe nach bisherigem Kenntnisstand keine entsprechende Wirkung, solange dieser in Maßen konsumiert werde. Nicht zuletzt sind auch zuckerhaltige Getränke laut Angaben des IQWiG als Risikofaktoren für eine Gichterkrankung zu nennen, was sowohl für Getränke mit Zuckerzusatz als auch mit hohem Fruchtzuckergehalt gelte. Darüber hinaus steige das Risiko, an Gicht zu erkranken, bei Übergewicht.

Heilpraxisnet.de GbR, 24.03.2015


Es gibt kein Komasaufen, nur Turbotrinken


Die Jugendlichen in der EU trinken weniger Alkohol als in den 70er-Jahren – aber dreimal so schnell. Das ist das eigentliche Problem. Weil alles schnell sein muss. Schnell zum Ikea gehen. Schnell zu McDonald’s. Das heißt: Der Abstand vom ersten Schluck bis zum Eintritt der Berauschung hat sich radikal verkürzt. Wir sind die ganze Nacht mit einer Kiste Bier gesessen und haben vor uns hin gequatscht. Heute muss die Wirkung schnell eintreten. Das ist aber nicht das Versagen der Jugendlichen.


Sondern?

...sie leben in einer Welt, wo sich der Zeitdruck auch in den Konsummustern festsetzt. Es gibt Fast Food, aber es gibt kein Komasaufen. Das ist das blödeste Wort, das je erfunden worden ist. Es gibt aber Turbotrinken. Möglichst schnell zum Ziel kommen. Das Problem sind dann Fälle, wenn der Alkohol erst später zu wirken beginnt. Darum ist es wichtig, dass Feste Chill-Out-Bereiche haben, in denen man herunterkommen kann, sich selber wieder spüren und mit jemandem reden.


Stellen hochprozentige Getränke ein Hauptproblem dar?

Ja, weil sie erst später wirken. Wenn wir jetzt drei Schnäpse trinken, merken wir nichts – erst zeitverzögert, wann es zu spät sein kann. Hochprozentiges sollte man aus Festen mit Jugendlichen herausnehmen. Ein Verein in Kärnten zeigte das vor und braute stattdessen mit Jugend-Feuerwehrleuten ein Ingwer-Bier mit 2,5 Prozent Alkohol. Das wurde ein Kultgetränk. Du hast weniger Probleme, aber alle haben ihren Spaß.


Wie wichtig sind Partys?

Partys sind für Jugendliche – wie für alle Menschen – wichtig, weil sie darin das Außer-Alltägliche suchen. Der Alltag wird von vielen als belastend erlebt. Das war schon im Mittelalter so und in der Sklaverei. Auch das "Vorglühen" ist Tausende Jahre alt. In einer Welt, in der Leute auf einmal den Job für zwei ausüben, ist das Heraussteigen aus dem Alltag ein massives Bedürfnis. De facto geht es um uralte Funktionen. Die Leute auf Zeltfesten suchen dasselbe wie die Menschen in Kitzbühel oder bei einer dreitägigen Tanzorgie.


Was vor allem?

Eine Gelöstheit, ein Nicht-unter-Druck-Stehen. Eine Lebensintensität, Begegnungen und sexuelle Anbahnung. Logisch: Wir wären ausgestorben, wenn es keine Feste gäbe. Früher wurden Feste bewusst eingesetzt, damit die Menschheit überlebt. Sie haben sehr wohl gesellschaftspolitische Funktionen.


nachrichten.at, 26.03.2015


Smartphone statt Alkohol

Dass Jugendliche viel Zeit vor dem Computer verbringen, hat möglicherweise einen positiven Nebeneffekt: Der Suchtmittelkonsum ist gesunken.


Jugendliche trinken und rauchen seltener als noch vor vier Jahren. Dies zeigt eine Schülerstudie von Sucht Schweiz. Zudem seien seit der ersten Datenerhebung 1986 bei der Konsumhäufigkeit in diesen Bereichen die tiefsten Werte zu verzeichnen, teilte die Stiftung mit, welche im Auftrag des Bundesamtes für Gesundheit alle vier Jahre die HBSC-Schülerstudie (Health Behaviour in School-aged-Children) für die Weltgesundheitsorganisation durchführt. 2014 machten 9894 Schülerinnen und Schülern von elf bis fünfzehn Jahren mit.


Im Gegensatz zu Tabak und Alkohol ging der Cannabiskonsum gemäss Studie insgesamt nur leicht zurück. Keine signifikanten Unterschiede zu 2010 waren bei der Zahl jener auszumachen, die angaben, im Monat vor der Befragung Cannabis konsumiert zu haben. Laut Sucht Schweiz stellt sich die Frage, ob die Nutzung neuer Medien den Rückgang insbesondere bei Alkohol und Tabak mitbewirkt hätten. Die Jugendlichen würden ihre Freizeit vermehrt am Computer, vor dem Fernseher, dem Smartphone oder der Spielkonsole verbringen. Sucht Schweiz weist auf Vermutungen hin, wonach die Jugendlichen deswegen mehr Zeit zu Hause statt draussen mit Freunden verbringen und so auch weniger in direkten Kontakt mit Suchtmitteln kommen.


Doch die Fachleute vermuten auch eine Normänderung oder ein stärkeres Gesundheitsbewusstsein in der Gesellschaft. Rauchen und Trinken seien heute allgemein weniger präsent als früher.


Wolle die Gesellschaft ihre Jugend wirksam schützen, müssten alle Verantwortung übernehmen und ihre Konsumnormen ändern, sagte Irene Abderhalden, Direktorin von Sucht Schweiz, gestern vor den Medien. Im Parlament passiert aus ihrer Sicht derzeit aber gerade das Gegenteil. «Die Interessen der Wirtschaft erschweren oder verunmöglichen einen erfolgreichen Jugendschutz.»


Berner Zeitung, 24.03.2015 - Anmerkung ALKTUELL: Leider wird dadurch nur eine Sucht gegen eine andere ausgetauscht.


Dumme Männer trinken mehr Alkohol

Stockholm (Schweden) 20.03.2015 – Forscher wollen herausgefunden haben, dass Männer mit einem niedrigen IQ anfälliger für übermäßigen Alkoholgenuss sind. Die Studie wurde in der Online-Ausgabe (März) des Journals „Alcoholism: Clinical & Experimental Research“ veröffentlicht.

„Intelligenz könnte einer der vielen Faktoren sein, die den Alkoholkonsum beeinflussen“, sagte Doktorantin Sara Sjolund vom „Karolinska Institut“ in Stockholm dem US-Sender „CBS“. Die Untersuchung wertete die Daten von 50 000 schwedischen Männern zwischen 18 und 21 Jahren aus. Alle wurden zwischen 1969 und 1971 zum Militärdienst einberufen. Die Wissenschaftler verglichen die Ergebnisse, die sie in IQ-Tests erzielten, mit den Angaben über ihre Trinkgewohnheiten.

Die Forscher fanden einen klaren Zusammenhang zwischen der Intelligenz einer Person und seinem Alkoholverbrauch. Das Team hatte den sozialen Status einer Person, emotionale und psychische Probleme, Trinkgewohnheiten des Vaters in ihre Ergebnisse mit einbezogen. Laut der Studie steigt das Trinksucht-Risiko bei jungen Männern um 20 Prozent mit jedem Rang, den es auf der IQ-Leiter nach unten geht. Gleichermaßen erhöht sich die Wahrscheinlichkeit zum Koma-Saufen um 9 Prozent.

Laut dem Portal „IQ-Tabelle“ umfasst eine Stufe auf der Intelligenz-Skala etwa 10 Punkte. Sie reicht von hochbegabt (über 130 Punkte) bis geistig zurückgeblieben (unter 80 Punkte). „Es könnte sein, dass Menschen mit einem höheren IQ einen gesünderen Lebensstil wählen“, sagte Sjolund. Allerdings bestünde auch die Möglichkeit, dass Lebensumstände wie Armut in der Kindheit Intelligenz und Gesundheit beeinflussen.

Zwei Einschränkungen machten die Forscher:

  • Die Studie war nur darauf angelegt eine Beziehung zwischen Alkoholkonsum und Intelligenzquotient herzustellen. Sie beschreibt keinen Ursache-und-Wirkung-Zusammenhang.
  • Zudem gab es in der Vergangenheit auch Studien, die hohen Alkoholkonsum auf überdurchschnittliche Intelligenz zurückführten.

Übrigens: Bei Frauen ist eine Korrelation von Trinkhäufigkeit und IQ nicht bewiesen. „Die Ergebnisse lassen sich nicht verallgemeinern“, sagte Sjolund. „Der Konsum und die Trinkgewohnheiten von Frauen unterscheiden sich von denen von Männern.“


„Zu viel Toleranz für Alkoholprobleme“

Bis zu zehn Prozent der Führungskräfte in Deutschland sind abhängig vom Alkohol, sagen Studien. Seit Jahren ist die Zahl der Süchtigen auf hohem Niveau. Warum deutsche Unternehmen schnellstmöglich umdenken müssen.
Zwei Entzugstherapien hat Herr L. schon hinter sich, trotzdem kann er nicht vom Alkohol lassen. Im November 2011 ist es so schlimm, dass er mit einer Vergiftung ins Krankenhaus muss und zehn Monate krankgeschrieben wird. Ein Horrorszenario – nicht nur für den Mann, sondern auch für seinen Arbeitgeber.

Das Beispiel zeigt es: Alkohol zerstört nicht nur viele Familien und Freundschaften, er kostet auch die Wirtschaft viel Geld. Fünf Prozent der Beschäftigten sind nach Einschätzung der Deutschen Hauptstelle für Suchtgefahren (DHS) alkoholabhängig, insgesamt knapp 1,8 Millionen Deutsche. Führungskräfte trinken sogar doppelt so häufig. Auf 26,7 Milliarden Euro pro Jahr schätzt die DHS die Schäden. Dazu zählen nicht nur die Kosten für die Behandlung alkoholbedingter Krankheiten, sondern auch Verluste durch Arbeitnehmer, die nicht bei der Arbeit erscheinen, arbeitsunfähig werden oder früh in Rente geschickt werden müssen.

Wie bei Herrn L.: Der Arbeitgeber müsse sechs Wochen lang das Gehalt weiterzahlen, wenn ein Arbeitnehmer wegen seiner Sucht krankgeschrieben wird, entschied das Bundesarbeitsgericht in Erfurt am Mittwoch im aktuellen Fall. Sucht und Rückfälle seien in der Regel nicht als Selbstverschulden zu werten. Wollen Unternehmen sich vor solchen Fällen schützen, müssen sie viel früher auffälliges Verhalten ansprechen – auch wenn es unangenehm ist.

Ansonsten drohen Produktionsausfälle und sinkende Arbeitsqualität. Nicht nur die Trunkenheit während der Arbeitszeit ist problematisch, sondern auch dadurch verursachte Krankheiten, die sich am Arbeitsplatz bemerkbar machen. Betroffene Mitarbeiter büßen rund ein Viertel ihrer Leistungsfähigkeit ein, schätzt die DHS. Es passieren häufig Fehler, teils gefährliche: Ein Fünftel der Arbeitsunfälle geschieht unter Alkoholeinfluss. Außerdem fehlen Alkoholkranke wesentlich häufiger. Ist eine Therapie nötig, fällt die betroffene Person oft für mehrere Wochen oder Monate aus.

In Deutschland ist der jährliche Konsum pro Kopf mit etwas weniger als zehn Litern reinem Alkohol seit Jahrzehnten auf hohem Niveau, auch im internationalen Vergleich. Viele Großunternehmen steuern bereits gegen. „In Deutschland gibt es gute Konzepte der betrieblichen Suchtprävention und Suchthilfe“, sagt der Sozialwissenschaftler Peter Raiser. Er ist Referent der DHS und hat sich auf den Bereich der Suchtprävention und Suchthilfe in Unternehmen spezialisiert. Viele große Betriebe beschäftigen sich im Gesundheitsmanagement nicht nur mit Ernährung und Sport, sondern auch mit Sucht. Deswegen stehe Deutschland in der Hinsicht auch im internationalen Vergleich gut da.

Handelblatt, 19.03.2015


CDU und SPD wollen den nächtlichen Alkoholverkauf in Berlin verbieten.


In Baden-Württemberg ist das bereits seit vier Jahren so. Aus Protest trafen sich jetzt die Jungen Liberalen zum Biertrinken.

Partylaune – aber das Bier ist alle? Wer künftig länger feiern möchte, muss vorsorgen - jedenfalls, wenn CDU und SPD ihre Pläne für ein nächtliches Verkaufsverbot für Alkohol umsetzen. Denn dann bliebe man sieben Stunden lang, von 22 Uhr bis 5 Uhr, auf dem Trockenen sitzen. Gegen diese Pläne haben nun auch die Jungen Liberalen protestiert - themenbezogen mit einer nächtlichen Biertour.

Dabei statteten sie sich - durchaus züchtig – mit einem Bier und zahlreichen Infoflyern aus auf ihrer "Späti-Tour" durch die Straßen Pankows. Sie wollten die Besitzer von "Spätis" und Passanten auf das drohende Verbot aufmerksam machen und über mögliche Folgen informieren. Den Nachwuchspolitikern gehe es dabei weniger um den Exzess als um die Freiheitseinschränkung.


"Alkoholverkaufsverbot schränkt Freiheit ein"

Der Landesvorsitzende der Julis Berlin, Robert Welker, erklärte: "In Bund wie Land verständigen sich SPD und CDU auf immer mehr Freiheitseinschränkungen." Aus Sicht der Julis erscheine ein nächtliches Alkoholverkaufsverbot neben dem "Einbrechen der SPD" bei der Vorratsdatenspeicherung wie "eine bedeutungslose Kleinigkeit", doch zeige es eins: "Politiker der Großen Koalition haben kein Vertrauen in den Bürger, stellen ihn unter Generalverdacht und bevormunden ihn an allen Ecken und Enden."


Während er Aktion hätten Menschen "mit Entsetzen" auf die Verbotspläne reagiert. "Für uns ist klar: Die Abgeordneten agieren an dem Lebensgefühl der Berlinerinnen und Berliner vorbei. Berlin ist eine Stadt der Vielfalt, der freien Entfaltung und der Selbstbestimmung."


Der innenpolitischen Sprecher der CDU-Fraktion im Abgeordnetenhaus, Peter Trapp, hatte im Sinne des Jugendschutzes vorgeschlagen, den Außer-Haus-Verkauf von Alkohol zwischen 22 Uhr und 5 Uhr generell zu untersagen. Er erhofft sich davon, dass Alkoholexzesse wie Komasaufen sowie Straftaten unter Alkoholeinfluss erschwert würden. Thomas Isenberg, Gesundheitsexperte der SPD-Fraktion, möchte ebenfalls den Verkauf von Alkohol zu später Stunde einschränken.


Weniger betrunkene Jugendliche in Kliniken

In Baden-Württemberg gilt solch ein nächtliches Verkaufsverbot von Alkohol seit März 2010. Die positive Wirkung: Die Zahl der in Kliniken gebrachten betrunkenen Jugendlichen ist in den vergangenen vier Jahren um rund sieben Prozent gesunken. Das haben das Center for Health Economics und das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung ermittelt. Ähnliche Erfahrungen liegen aus der Schweiz vor.

Berliner Morgenpost, 16.03.15


Eigenbrauer-Syndrom: Von Pommes betrunken


Aus Großbritannien wird derzeit weltweit über einen kuriosen Krankheits-Fall berichtet. Ein 34-jähriger Mann wird, ohne Alkohol konsumiert zu haben, betrunken. Er leidet am sogenannten „Eigenbrauer-Syndrom“. Der Verzehr von bestimmten Lebensmitteln, wie etwa Pommes, kann bei dem Mann zu einem Rausch führen.


Nick Hess reicht eine Portion Pommes, um betrunken zu werden. Der Grund dafür ist eine seltene Krankheit. Der 34-Jährige leidet am sogenannten „Eigenbrauer-Syndrom“ (englisch „Auto-Brewery Syndrome“). Bevor er die Diagnose erhielt, litt der Brite Presseberichten zufolge über einen längeren Zeitraum an Übelkeit und Erbrechen. Nach einem harmlosen Auffahrunfall musste er wegen Verdachts auf Trunkenheit am Steuer zum Alkoholtest. Wie der TV-Sender „ABC-News“ berichtete, "ergab der Test einen Wert, der dreimal so hoch ist wie erlaubt". Hess meinte aber, "dass der Wert nicht stimmen könne, da er sein letztes Bier zwölf Stunden vor dem Unfall getrunken habe."


Selbst seine Frau verdächtigte ihn, heimlicher Alkoholiker zu sein. Doch als sie das Haus durchsuchte, konnte sie keinen Schnaps finden. Schließlich kam ihr eine Idee: Sie filmte ihren Mann. „Es war verrückt“, erläuterte Karen Daw gegenüber der britischen „BBC“. „Besonders schlimm torkelte er, wenn er Pommes oder Pasta gegessen hatte.“ Er selbst sagte: „Es kam schleichend, manchmal auch wie ein Hammer. Und plötzlich war ich besoffen.“ Betroffene haben bei dieser Krankheit quasi eine „Brauerei im Bauch“.


Patient muss möglichst auf Kohlenhydrate verzichten

Dabei setzt übermäßiges Wachstum von Hefepilzen im Darm den alkoholischen Gärprozess in Gang. Der so entstandene Alkohol gelangt direkt in die Blutlaufbahn und führt dazu, dass der Betroffene betrunken wird. Der Brite muss den Angaben zufolge nun eine strenge Kohlenhydrat-Diät einhalten und nimmt zusätzlich Anti-Pilzmittel ein, um den Gärprozess zu unterbrechen. Er ist seit der Therapie nur noch ein bis zweimal im Monat betrunken. Gegenüber „ABC-News“ sagte er: „Jetzt bin ich der glücklichste Mensch der Welt. Es geht mir immer besser, ich liebe es.“


Mit 3,7 Promille in die Notaufnahme

Bislang gibt es keine medizinische Erklärung für dieses seltsame Krankheitsbild. Das mag daran liegen, dass das Syndrom sehr selten ist. Im vorvergangenen Jahr wurde über einen 61-jährigen US-Amerikaner berichtet, der ebenfalls am „Eigenbrauer-Syndrom“ litt. Der Mann war Jahre zuvor mit 3,7 Promille in die Notaufnahme eines texanischen Krankenhauses eingeliefert worden, ohne einen einzigen Tropfen Alkohol getrunken zu haben. Auch ihm glaubte man nicht und es dauerte lange, bis ein Spezialist für Erkrankungen des Magen-Darm-Trakts die richtige Diagnose stellte.

Heilpraxisnet.de GbR, 16.03.2015


Jetzt kommt der Schnaps als Pulver


In den USA hat das Schnaps-Pulver Palcohol alle Zulassungshürden der Bundesbehörden genommen und kann nun in den Verkauf gelangen. Vier verschiedene Sorten wurden genehmigt. Medizinische Gründe gegen den Rausch aus dem Pulver gibt es nicht. Palcohol ist letztlich einfacher gefriergetrockneter Alkohol. Das Pulver wird in einem Beutel verpackt und in verschiedenen Geschmacksrichtungen angeboten. Vermischt mit Wasser wird es getrunken, aber man kann es natürlich auch wie Brausepulver direkt auf die Zunge geben.

Geplant sind mehrere Aromen. Es wird ein Wodka- und ein Rumpulver angeboten - beides ohne zusätzliche Geschmacksstoffe. Dazu sind Cocktails mit den Namen Cosmopolitan, Powderita (soll wie Margarita schmecken) und Lemon Drop geplant.

Probleme sehen vor allem Jugendschützer. Das intensiv schmeckende Pulver könne Kinder verlocken, fürchten sie. Außerdem sei es leichter, das kompakte Pulver zu verstecken, als ganze Flaschen. Die teils sehr restriktiven Gesetze zum Alkoholkonsum junger Leute in den USA lassen sich mit dem Pulver leicht umgehen, weil jede harmlose Flüssigkeit aufgepeppt werden kann. Und natürlich wird es mit dem Pulver auch einfacher, harten Alkohol in öffentliche Veranstaltungen einzuschmuggeln.

Die Website von Palcohol weist auf andere Anwendungen hin. Die Firma betont den Nutzen für Wanderer und Outdoorfreunde, die auf langen Touren keine Flaschen mitnehmen wollen, und sich dank des Pülverchens nun einen geselligen Trunk am Lagerfeuer gönnen können. Praktischerweise kann der Drink direkt im Verkaufsbeutel gemixt und auch aus ihm getrunken werden. Im Sommer soll das Pulver in den Geschäften sein.
Quelle: Stern Online, 12. März 2015


Alkohol - ein Leben lang!


Wir trinken gerne, wir trinken viel. Gebt uns einen Anlass – sei er noch so banal – und es heißt: Prost! Die Droge ist nicht nur in Deutschland so beliebt. Auch die Briten bechern, was das Spirituosenregal hergibt. Dass die meisten zu viel in sich hineinschütten, ist bekannt. Wie viel es im Laufe des Lebens im Schnitt tatsächlich ist, zeigen Forscher nun erstmals mit Daten aus neun Studien zum Trinkverhalten der Briten (Britton et al., 2015).
Der Journalist Christopher Ingraham hat die Datenkurve der Forscher im Wonkblog der Washington Post etwas aufgehübscht. Aufgetragen sind Alter gegen Anzahl der Drinks (ein Drink entspricht in etwa einem Glas Bier oder Wein).

Die Ergebnisse scheinen nur auf den ersten Blick unspektakulär:

  • Männer trinken bedeutend viel mehr als Frauen.
  • Junge Menschen greifen häufiger zu Alkohol als ältere.
  • Und ja: Die meisten trinken lebenslänglich.

Spannender ist der Blick auf die Details:

  • Nur gut zehn Prozent der Männer meiden Alkohol komplett, erst wenn sie die 90 Jahre überschreiten steigt der Anteil der Abstinenzler. Unter Frauen sind es ein wenig mehr, die niemals zu Wein, Bier oder Schnaps greifen. Verzicht übt ab 75 Jahren aber schon mehr als jede fünfte.
  • Im Alter von 25 erreichen Männer ihren trinkfreudigen Lebenshöhepunkt, 13 Drinks gibt's dann pro Woche. Danach sinkt der Konsum im Schnitt kontinuierlich.
  • Frauen hingegen steigern ihren geringeren Alkoholgenuss stetig bis sie etwa 40 sind. Erst dann sinkt er wieder. Woran das liegt, geben die Daten leider nicht her.

"Grundsätzlich führt das Altern dazu, dass wir Komasaufen schlechter vertragen. Deshalb passen wir unser Trinkverhalten unserem Lebensstil an", sagt der britische Suchtexperte und Mediziner Adam Winstock. Der Leiter der weltgrößten Onlineumfrage zum alltäglichen Drogenkonsum, dem Global Drug Survey, hält die Analyse seiner Kollegen für überzeugend.

Was die Studie einmal mehr zeigt: Alkohol ist ständiger Begleiter der meisten Menschen. Anzumerken ist, dass die Forscher nur britische Studien ausgewertet haben. Rückschlüsse auf deutsche Konsumenten sind da schwierig. Allerdings dürfte es in Deutschland ähnlich aussehen. Im Land der Winzer und Brauer ist der Genuss von Hochprozentigem Teil der Kultur. Der jüngste ZEIT-ONLINE-Drogenbericht belegt das beispielsweise. Fast alle der rund 22.000 Teilnehmer gaben an, Alkohol zu konsumieren. 40 Prozent davon trinken zwei- bis viermal im Monat Alkohol, mehr als jeder Zehnte (zwölf Prozent) viermal pro Woche oder öfter. Rund 35 Prozent konsumieren an einem Tag, wenn sie trinken, ein bis zwei alkoholische Getränke, weitere 35 Prozent drei bis vier. Vier Prozent trinken zehn oder mehr Flaschen Bier, Gläser Wein, Cocktails oder andere Spirituosen (Global Drug Survey, 2014). Quelle: ZeitOnline, 12. März 2015


Land will erweitertes Verkaufsverbot für Alkohol bald angehen

Baden-Württemberg treibt die Pläne voran, das nächtliche Verkaufsverbot für Alkohol auf Getränkeautomaten und spezielle Bringdienste auszuweiten. "Wir sind da dran", sagte ein Sprecher des Innenministeriums den "Stuttgarter Nachrichten". Der Vorschlag für eine Gesetzesverschärfung solle in den nächsten Wochen den Regierungsfraktionen von Grünen und SPD sowie dem Kabinett vorgelegt werden. Ein Runder Tisch auf Initiative der Landesregierung hatte diese Maßnahmen schon im Sommer vorgeschlagen.

Baden-Württemberg ist das bislang einzige Bundesland, in dem von 22.00 bis 5.00 Uhr der Verkauf von Alkohol an Tankstellen und in Supermärkten nicht gestattet ist. Aus Sicht des Innenministeriums hat sich das vor fünf Jahren erlassene Verbot bewährt und sollte auf Getränkeautomaten und spezielle Bringdienste für Alkohol ausgeweitet werden, wie die Zeitung schreibt. Dort werde es oft umgangenen.

06.03.2015, dpa


Ergänzung 27.03.2015:

Das nächtliche Alkoholverkaufsverbot nach dem Gesetz über die Ladenöffnung (hier in Baden-Württemberg) gilt nicht für einen "in einem Tankstellen-Shop integrierten und mit einer gaststättenrechtlichen Erlaubnis betriebenen Imbiss" (so genannter Gassenschank). Dies gilt auch dann, wenn in einem Tankstellenshop die Imbissfläche von der Verkaufsfläche des Einzelhandels nicht räumlich - etwa durch Regale oder Raumteiler - abgegrenzt ist. (Bei dem Imbiss des Tankstellenbetreibers, der mehr als ein Viertel der Fläche des gesamten Shops einnimmt und in dem Gäste an Stehtischen mit Barhockern Platz nehmen können, handele es sich nicht um ein bloß nebensächliches Anhängsel zum dort betriebenen Einzelhandel.) (VGH Baden-Württemberg, 6 S 844/14).


"Kuschelhormon" wirkt Alkohol entgegen


Das Neuropeptid Oxytocin, auch bekannt als "Kuschelhormon", verringert die Beeinträchtigung der motorischen Fähigkeiten durch Alkohol deutlich, wie Forscher der Universitäten Regensburg und Sydney nachgewiesen haben (PNAS 2015; online 23. Februar).


Schon geringe Mengen Alkohol verschlechtern bekanntlich die körperlichen Fähigkeiten zur Koordination.


Bislang kein Gegenmittel bekannt

Die Ursache liegt darin, dass Alkohol die hemmende Wirkung des Botenstoffs GABA (Gamma-Aminobuttersäure) verstärkt, wie in einer Mitteilung der Universität Regensburg erläutert wird. Bisher sei kein Gegenmittel bekannt gewesen.


Wie das deutsch-australische Forscherteam festgestellt hat, kommt es weniger zu motorischen Beeinträchtigungen, wenn Oxytocin im Spiel ist. Erhielten Laborratten Alkohol, konnten sie sich nicht mehr gut an einem Gitterrost festhalten oder auf einem Laufrad rennen. Zudem bewegten sich generell weniger in offener Fläche. Erhielten sie jedoch zusätzlich Oxytocin, fielen die Defizite deutlich geringer aus, und ihr Verhalten ähnelte eher dem von Tieren ohne Alkohol. Weitere Experimente zeigten, dass Oxytocin den Einfluss von Alkohol auf GABA-Rezeptoren des Subtyps A, die eine d-Untereinheit besitzen, blockiert.


Linderung von Entzugs-Symptomen

Dabei verändert bzw. moduliert Oxytocin diese GABA-A Rezeptoren direkt; wahrscheinlich allosterisch, also direkt am Protein.

Studien an Alkohol-Patienten und an Labortieren haben zudem gezeigt, dass Oxytocin auch den Alkohol-Konsum verringern und Entzugs-Symptome bei Alkoholikern mildern kann.


Die Studie offenbare erstmals die Mechanismen, die den Oxytocin-Wirkungen auf zellulärer Ebene zugrunde liegen, heißt es in der Mitteilung. Mit den Ergebnissen der Forscher könne somit die Entwicklung neuartiger Medikamente für Alkoholkranke - insbesondere während des Entzugs - vorangetrieben werden.


Oxytocin

  • Ist bedeutsam beim Geburtsprozess, für das Verhältnis zwischen Mutter und Kind und allgemein für soziale Interaktionen.
  • Wurde 1906 entdeckt, wird in Kernen des Hypothalamus gebildet und über Axone zur Neurohypophyse transportiert.

Deutsche Ärztezeitung 02.03.2015 (eb)


Alkohol stört den Schlaf


Bier, Wein und Schnaps bewirken einen unruhigen Schlaf, berichtet die „Apotheken Umschau“ unter Berufung auf australische Wissenschaftler der Universität von Melbourne. Beim Vergleich von zwei Studiengruppen, von der eine nach Alkoholgenuss und die andere nüchtern zu Bett gingen, zeigte sich: Zunächst wirkte der Alkohol zwar beruhigend, aber der Schlaf war unruhiger. Im EEG zeigten sich Muster wie bei Schmerzpatienten. Der Schlaf war weniger erholsam und die Leistungsfähigkeit am Tag darauf eingeschränkt.


Es zeigten sich klare Unterschiede bei den Alkoholgeniessern und den anderen Teilnehmern: Unter Alkohol fielen die Probanten zwar früher in die erste Schlafphase (Slow Wave Sleep Phase oder auch Non REM Phase). Diese Schlafphase zeigt sich in verlangsamter Atmung und Puls, die Körpertemperatur sinkt und die Muskeln sind entspannt – geträumt wird in dieser Phase nicht.

 

Später allerdings fanden die Forscher Störungen in den Hirnströmen, die darauf hindeuteten, dass sich die Teilnehmer nicht wirklich in der Tiefschlafphase befanden. Ähnliche Veränderungen dieser Aktivität im Schlaf wurden schon bei Patienten beobachtet, die unter chronischen Schmerzen leiden, so die Forscher. Ist die Tiefschlafphase aber gestört, wird der Schläfer unruhig und fühlt sich anderntags nicht ausgeschlafen und nicht leistungsfähig. Passiert dies über einen längeren Zeitraum hinweg, wirkt sich dies auch auf kognitive Fähigkeiten wie Lern- oder Merkfähigkeit aus.

 

Ob dies nun ausdrücklich für den vornächtlichen Alkoholkonsum oder ebenfalls für den Tageskonsum gilt, müssten weitere Studien ergeben, so die Forscher. Jedenfalls ersehen sie Alkohol nicht als geeignetes Ruhe- und Schlafmittel.


Auf zu viel Wein und Bier sollte man ohnehin verzichten: „Alkohol ist ein schlechtes Schlafmittel. Man schläft zwar schneller ein, aber unterm Strich schläft man schlechter“, sagt Schlafmediziner Dr. Thomas Wessendorf. Wer morgens häufig wie gerädert aufwacht und tagsüber ständig müde ist, sollte einen Arzt aufsuchen. Bei entsprechender Behandlung müssen Sie vom Durchschlafen nicht mehr nur träumen.


wissenschaft.de/Apotheken-Umschau 01.03.2015


Je größer der Schaden, desto höher das Gehalt


Eine Studie zeigt: Wer in der Tabak-, Alkohol- oder Glücksspielbranche Karriere macht, verdient wesentlich mehr als Kollegen in durchschnittlichen Branchen. Dafür hat er ein Imageproblem - und wird von anderen Jobs ausgeschlossen.

Hamburg - Für durchschnittlich 331.000 Dollar im Jahr verkaufen Top-Manager ihre Seelen - so könnte man die Studie der Cass Business School an der City University London zusammenfassen. Sie zeigt: Um die gesellschaftliche Stigmatisierung der Glücksspiel-, Tabak- oder Alkoholindustrie auszugleichen, werden die leitenden Angestellten dort weit besser bezahlt als vergleichbare Kollegen in gemeinhin unauffälligen Bereichen.

Die Forscher analysierten die Einkommen der 1500 größten börsennotierten US-Unternehmen der vergangenen 20 Jahre. Ihr besonderer Fokus lag dabei auf den Verdiensten der Topmanager der Alkohol-, Glücksspiel- und Tabakindustrie. "Es ist ja so, dass Arbeiter in Berufen, die sozial stigmatisiert sind, besser verdienen. Würde beispielsweise ein Leichenwäscher schlecht bezahlt, wäre es schwer, Leute für diesen Job zu finden. Wir fragten uns: Lässt sich das auch auf das Topmanagement beziehen in Branchen, die soziale Normen verletzen, weil sie der Gesundheit schaden?", so Pawel Bilinski. Er ist Professor für Finanzierung und Buchhaltung an der Cass Business School und hat die Studie mit Jiri Novak von der Prager Karls-Universität durchgeführt.

"Je größer der Schaden, den die verkauften Produkte den Menschen zufügen, desto höher das Gehalt, das die Verantwortlichen bekommen," fasst Pawel Bilinski seine Ergebnisse zusammen. Die CEOs der Tabak-Firmen, der wohl am meisten stigmatisierten Branche, erhalten den höchsten Aufschlag von im Schnitt 479.647 US-Dollar pro Jahr mehr als Kollegen in vergleichbaren Positionen bei gut beleumundeten Firmen. Dahinter klingeln die Kassen der Kollegen aus dem Glücksspiel-Bereich mit einem Plus von 304.980 US-Dollar, für die Chefs der Alkoholindustrie gibt es 297.738 US-Dollar extra zum Ausgleich fürs schlechte Karma. Insgesamt wurden in der Studie im Zeitraum von 1992 bis 2012 insgesamt 147.284 Jahreseinkommen ausgewertet. Die Autoren halten die Ergebnisse für übertragbar auf den europäischen Raum.

Um sicher zu gehen, dass der entscheidende Faktor für den Bonus das Negativ-Image des Arbeitgebers ist, haben Bilinski und seine Kollegen typische Faktoren, die ein höheres Gehalt rechtfertigen, analysiert und ausgeschlossen. "Unsere Analyse hat gezeigt, dass die höheren Gehälter der Sünden-Industrie nicht daran liegen, dass zum Beispiel die Aufgaben komplexer wären und somit nur besonders talentierte und teure Manager angeworben werden können. Auch besteht kein Ausfallrisiko beim Gehalt, auch ein klassischer Grund, mehr zu zahlen", so Bilinski.

Ein weiterer Beleg, dass das Stigma einer Branche sich auf die Chefs überträgt, ist die Tatsache, dass keiner mit den Schmuddelkindern spielen will. CEOs der Sündenbranchen sind wesentlich seltener in branchenübergreifenden Gremien anzutreffen als ihre Kollegen aus den Mainstream-Branchen. "Das soziale Stigma belastet den Ruf der Manager, sie werden wesentlich seltener in Aufsichtsräte berufen - und wenn, dann meist in kleinere Firmen," so Forscher Bilinski. "Das Statussymbol des Aufsichtsrates bleibt Sünden-Managern verwehrt". Auch das könnte mit ein Grund für ein erhöhtes Grundeinkommen sein: Zu lukrativen Nebengeschäften kommt es erst gar nicht.

Andererseits legt die Studie auch den Umkehrschluss nahe: In Firmen mit sehr gutem Image wird schlechter bezahlt. "Es gibt starke Anhaltspunkte, dass öffentliche Bewunderung auch eine Art der Bezahlung sein kann," so Bilinski.

Manager Magazin, 27.02.2015, Helene Endres


Evolution: Alkohol gab’s schon in der Steinzeit


Unsere Vorfahren konsumierten schon vor rund zehn Millionen Jahren Alkohol, legen Studien von US-Forschern nahe. Sie entdeckten im letzten gemein­samen Verwandten von Mensch, Gorilla und Schimpansen ein Enzym, das Ethanol abbaut. Es bot vermutlich einen Evolutions­vorteil: Die Primaten konnten vergorenes Fall­obst verdauen.


Stiftung Warentest 26.02.2015


Tödlichste Droge: Alkohol ist 114 Mal schlimmer als Marihuana

Eine neue deutsche Studie zeigt, dass Alkohol rund 114 Mal tödlicher ist als Marihuana. Forscher aus Karlsruhe und Dresden belegen das mit Daten aus Tierversuchen.

Dirk Lachenmeier und Jürgen Rehm, Professoren an den Universitäten in Karlsruhe und Dresden, haben sich die Frage gestellt, wie wahrscheinlich es eigentlich ist, an einer bestimmten Droge zu sterben. Dazu haben sie die normal konsumierte tägliche Dosis mit der tödlichen Dosis eines Stoffes verglichen. Das Ergebnis steht nun im Magazin Scientific Reports und ist überraschend.

Demnach ist Alkohol die tödlichste Droge. Sie erreicht auf der "Margin-of-Exposure"-Skala einen Wert von 1,2. Die Skala errechnet den Punkt, an dem Überleben und Tod gleich wahrscheinlich sind, den so genannten LD50-Wert ("Lethal Dosis 50"). Nur Heroin ist mit 1,1 noch tödlicher. Auch Kokain gehört mit einem Wert von 2 noch zu den höchst riskanten Drogen.

Es folgen Stoffe, die die Forscher in ein mittleres Risiko einsortieren, zum Beispiel Ecstasy (6,3), Nikotin (6,8) und Methamphetamin (7,7). Amphetamine (19) und Methadon (23) sind noch ungefährlicher. Cannabis ist hingegen der einzige Stoff mit einem geringen Todesrisiko - der Wert liegt bei 119.

Die Werte sind aber mit Vorsicht zu genießen: Zum einen ist die exakte tödliche Menge eines Stoffes meist nicht bekannt. Schließlich flößt niemand einem Menschen so viel Alkohol ein bis er stirbt. Die Daten stammen aus Tierversuchen, wobei Erfahrungswerte zeigen, dass diese oft übertragbar sind.

Zum anderen bedeutet ein niedriges Risiko von Cannabis nicht, dass Joints ungefährlich sind. Genauso wenig sagt ein niedriger Wert von Alkohol, dass dies eine der schlimmstmöglichen Drogen ist. So ist regelmäßiges Spritzen von Heroin oder Kokain noch schlimmer. Die Studie bewertet nur das Risiko, direkt an der Droge zu sterben. Erkrankungen, die durch regelmäßigen Konsum ausgelöst werden, werden nicht erfasst.

Gleichzeitig betonen die Forscher, dass moderater Alkoholkonsum weit weniger riskant ist als regelmäßiges Spritzen von Heroin oder Kokain. Auch die Umstände des Konsums müssen berücksichtigt werden: Alkohol nehmen Menschen nun mal nicht über unsaubere Nadeln zu sich und das Bier in ihrer Flasche dürfte auch kaum mit giftigen Stoffen gestreckt worden sein.

Focus online, 24.02.2015


Alkohol-Präventionstour - 15 Schulen sind das Etappenziel

BERLIN. 15 Schulen wollen die Knappschaft und der Deutsche Kinderschutzbund Bundesverband in diesem Jahr gemeinsam besuchen.
Ihr Ziel: Kinder und Jugendliche mit der "Hackedicht-Schultour der Knappschaft" für den Umgang mit Alkohol zu sensibilisieren. Schulen können sich ab sofort bis 30. April bewerben.

Bereits seit 2010 setzen sich die beiden Organisationen gegen Jugendalkoholismus ein. Seither waren sie an 67 Schulen unterwegs.
Etwa 19.200 Kinder und Jugendliche konnten so erreicht werden, zudem sind 640 Lehrkräfte und etwa 2.000 Eltern in das Projekt zur Alkoholprävention einbezogen woden. 2013 wurden laut Statistischem Bundesamt 23.267 Kinder und Jugendliche im Alter von 10 bis 19 Jahren aufgrund akuten Alkoholmissbrauchs stationär in einem Krankenhaus behandelt - immerhin 12,8 Prozent weniger als noch 2012, sagt Bettina am Orde, Geschäftsführerin der Knappschaft.

"Wie die aktuellen Zahlen belegen, sind unsere Präventionsangebote wirksam", so am Orde. "Gleichwohl ist jeder Fall ein Fall zu viel." (eb - Deutsches Ärzteblatt 23.02.2015)


Studie zu Betrunkenen auf Youtube: Haha, Alkohol, wie lustig

Forscher haben die am meisten gesehenen Youtube-Videos zum Thema Betrunkensein analysiert. Dabei stellten sie fest: In der Regel geht's spaßig zu. Von den Risiken des Alkoholkonsums ist kaum etwas zu sehen.

Viele Menschen erheitert es, einem anderen beim Torkeln, Lallen oder Umfallen zuzuschauen. Die beliebtesten 70 Youtube-Videos zum Stichwort Betrunkensein wurden zusammen mehr als 330 Millionen Mal angeschaut, berichten US-amerikanische Wissenschaftler.

Nachdem die Forscher analysiert haben, was in den Mitschnitten passiert, kommen sie zum Schluss: Meist wird Alkoholkonsum als komisch dargestellt. Die negativen Folgen übermäßigen Trinkens werden dagegen kaum thematisiert, beklagen Brian Primack von der University of Pittsburgh (US-Bundesstaat Pennsylvania) und Kollegen. Also dass Menschen nach starkem Trinken mit Vollrausch im Krankenhaus landen - oder langfristig die Alkoholabhängigkeit droht.

Im Fachblatt "Alcoholism: Clinical & Experimental Reseach" fassen sie zusammen:

  • In 79 Prozent der Videos war Betrunkenheit mit Humor verknüpft.
  • Obwohl in 86 Prozent der Videos Betrunkene zu sehen waren, wurde nur in sieben Prozent auf Alkoholabhängigkeit hingewiesen.
  • In 44 Prozent der Videos wurden bestimmte Getränkemarken gezeigt.
  • In 89 der Videos waren Männer zu sehen, in 49 Prozent Frauen.
  • In 19 Prozent der Videos verletzten sich Menschen.
  • Sehr bedenklich: in 24 Prozent wurde Auto gefahren.
  • Am häufigsten wurde Schnaps getrunken.


"Wir wissen, dass einige Zuschauer erfahren genug sind, um Musik- oder Werbevideos gegenüber skeptisch zu sein", sagt Studienautor Brian Primack. Aber die gleichen Zuschauer seien möglicherweise weniger misstrauisch, wenn sie von Nutzern gefilmte, lustige Erlebnisse Betrunkener sehen, befürchtet der Wissenschaftler. Und selbst wenn die Getränkemarken ganz ohne Bezahlung von der Industrie ihren Weg in die erfolgreichen Videos gefunden haben: Werbung ist es dennoch.

Primack und Kollegen klagen aber nicht nur, sie sehen auch eine Chance: Es sei schließlich möglich, mithilfe von Youtube-Videos Heranwachsende besser über die Risiken des Alkoholkonsums aufzuklären. Bisher würde man diesen Kanal noch nicht genug nutzen, meinen sie.


Spiegel Online, 21.02.2015


Alkoholtest im eigenen Auto: Wegfahrsperre bei Promille

Bundesverkehrsminister Dobrindt plant den Einsatz von Alkohol-Wegfahrsperren für alkoholauffällige Autofahrer. Die sogenannten "Alkohol-Interlocks" werden bereits im Ausland und vereinzelt auch bei hiesigen Speditionen und Reiseanbietern eingesetzt.

 

Das vom deutsche Hersteller Dräger produzierte System Interlock 7000 ist eine atemalkoholgesteuerte Wegfahrsperre. Nach einer Atemalkoholmessung hindert es alkoholisierte Fahrer daran, den Fahrzeugmotor zu starten. Das Interlock 7000 ist sehr schnell einsatzbereit. Das Gerät kann zusätzlich mit einer Kamera und/oder einem GPRS-Modul je nach Kundenanforderung ausgerüstet werden.

19.02.2015


Dobrindt will schärfere Regeln für Alkoholsünder

Bundesverkehrsminister Alexander Dobrindt verlangt größere Transparenz und eine geregelte Nachprüfbarkeit bei der Medizinisch-Psychologischen Untersuchung (MPU) für Verkehrssünder. Außerdem wird es schärfere Regeln für Alkoholsünder geben.

Verkehrsminister

  • Dobrindt plant Reform der Medizinisch-Psychologischen Untersuchung
  • Der CSU-Politiker will mehr Transparenz und einen "standardisierten Test"
  • Die Reform soll noch in dieser Legislaturperiode erfolgen

Die Medizinisch-Psychologische Untersuchung für Verkehrssünder wird einer gründlichen Reform unterzogen. Sie soll künftig mehr Qualität bieten und bei Betroffenen an Akzeptanz gewinnen. Bundesverkehrsminister Alexander Dobrindt (CSU) begründete in der "Welt" das Reformvorhaben damit, dass bei der auch als Idiotentest bekannten MPU eine "größere Transparenz" vonnöten sei.

Dobrindt fordert "standardisierten Test"
Zu den weiteren Neuerungen sagte Dobrindt: "Wer zur MPU muss, soll die Chance bekommen, sich auf einen standardisierten Test vorbereiten zu können. Außerdem muss es bei den Testergebnissen eine geregelte Nachprüfbarkeit geben." Man habe mit Wissenschaftlern im vergangenen Jahr die geplanten Änderungen erarbeitet, erklärte der CSU-Politiker.

Schärfere Regeln für Alkoholsünder
Das Regelwerk wird in manchen Fällen auch schärfer. Man brauche höhere Anforderungen an diejenigen, die wegen schwerer oder wiederholter Trunkenheit zur MPU müssen, so Dobrindt.

"Wer zu diesem Personenkreis gehört und seinen Führerschein wiederhaben will, muss zeigen, dass er sich dauerhaft nüchtern ans Steuer setzt." Das könne in diesen Fällen mit dem Einbau von Alkolocks gehen. Der Minister kündigte dafür einen Modellversuch an.

Projektgruppe erarbeitet seit 2012 Reformvorschläge
Im Verkehrsministerium heißt es, dass auch die Frage nach Ton- und Videoaufzeichnungen der MPU geklärt werden soll. Bereits 2012 hatte das Verkehrsministerium die Projektgruppe "MPU-Reform" gegründet und mit unabhängigen Experten besetzt. Zu der Gruppe gehörten unter anderem Verwaltungsrichter, Kursträger, Verkehrspsychologen und Mitarbeiter von Straßenverkehrsbehörden.

Die Ideen für die verbesserte MPU sollen am Donnerstag im Rahmen des Runden Tischs "Alkohol-Interlocks" im Ministerium vorgestellt und anschließend mit den Ländern diskutiert werden. Die Reform soll noch in dieser Legislaturperiode umgesetzt werden.
Alkohol häufigster Grund für Idiotentest

Rund 95.000 Autofahrer mussten sich im Jahr 2013 medizinisch-psychologisch begutachten lassen. Die MPU soll zur Entscheidung führen, ob eine Person ihren Führerschein erhalten oder zurückerhalten kann.

Bei den meisten Autofahrern, die den Test durchlaufen, ist Trunkenheit am Steuer der Grund für die Maßnahme. Auch Fälle von Drogen- oder Medikamentenmissbrauch tauchen häufiger in der Statistik auf.

Focus, 19.02.2015


Wer viel arbeitet, schaut tiefer ins Glas

 

Wer jede Woche sehr lange arbeitet, neigt laut einer aktuellen Studie eher zu einem risikoreichen Alkoholkonsum.
In ihrer aktuellen Ausgabe berichtet die Zeitschrift Human Resources Manager von der Studie des Finnish Institute of Occupational Health, bei der Daten von mehr als 330 000 Personen in 64 Ländern analysiert wurden.

Mit einem eindeutigen Ergebnis: Das Trink-Risiko steigt um 13 Prozent, wenn Berufstätige mehr als 49 Stunden pro Woche arbeiten – im Vergleich zu ihren weniger arbeitenden Kollegen.
Als risikoreiches Trinkverhalten gilt, wenn Frauen mehr als 14 alkoholische Getränke pro Woche konsumieren. Bei Männern sind es 21.
BILD, 19.02.2015


Weniger trinken: "Ein glückliches Leben ohne Alkohol"

Weniger Alkohol trinken - mit dem Vorsatz starten viele ins neue Jahr. Darunter auch Menschen, die süchtig sind. Buchautor Daniel Schreiber spricht über seinen Weg aus dem Alkoholismus. Interview mit Daniel Schreiber (Buch siehe Buchempfehlungen).

Frage: Viele Menschen haben für 2015 den guten Vorsatz, weniger Alkohol zu trinken. Kennen Sie das?
Schreiber: Zum Jahreswechsel habe ich mir den Vorsatz nie gemacht, aber ich habe oft versucht, kontrolliert zu trinken. Langfristig hat es nie funktioniert. Wer einmal ein Problem mit Alkohol hat, wird nie wieder zu einem entspannten Verhältnis zum Trinken zurückfinden.


Frage: Dann sind gute Vorsätze sinnlos?
Schreiber: Für viele Menschen können gute Vorsätze sehr hilfreich sein. Aber wenn man abhängig ist, wird die Absicht, weniger zu trinken, ins Leere führen. Bestimmte Momente der Klarheit sind da viel wichtiger. Am Morgen nach einer langen Nacht zum Beispiel, wenn man erkennt, dass es so nicht weitergehen soll.

Frage: Was kann ein Moment gegen unzählige Abende im Rausch bewirken?
Schreiber: Solche Momente können helfen, die Schicht der Selbsttäuschung zu durchbrechen. Alkoholismus ist eine Krankheit, die einem sagt, dass man sie nicht hat. Man glaubt nie, dass man wirklich ein Problem hat. Zumindest ging mir das so. Hinzu kommt unser kollektiver Selbstbetrug.

Frage: Wie meinen Sie das?
Schreiber: Die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung geht davon aus, dass 27 Prozent aller Deutschen an der Schwelle zum Alkoholismus stehen. Trotzdem glauben wir immer noch, dass Alkoholabhängigkeit ein Randgruppenphänomen ist. Alkoholismus ist eines der letzten großen Tabus. Man redet einfach nicht darüber.

Frage: Warum fällt es den Deutschen so schwer, über Alkoholismus zu sprechen?
Schreiber: Weil fast alle Menschen trinken. Alkohol gehört so sehr dazu, dass wir ihn nicht mehr bemerken. Deshalb müssen wir auch die stigmatisieren, die vom Trinken krank werden. Niemand will glauben, dass er selbst davon betroffen sein kann. Lieber halten wir an der kulturellen Fiktion fest, dass nur der alkoholkrank ist, der ein paar Flaschen Wodka am Tag trinkt, morgens auf der Parkbank aufwacht und Job und Familie verloren hat.

Frage: Wie sieht Alkoholismus in Deutschland stattdessen aus?
Schreiber: Die meisten Alkoholiker führen ein durchschnittliches, unauffälliges Leben. Man baut sich Fassaden und funktioniert irgendwie. Viele Jahre habe ich abends eine Flasche Wein getrunken und immer mal wieder zu wilde Nächte gehabt. Innerlich wurde ich immer unglücklicher. Von außen aber sah es fast immer so aus, als sei alles in Ordnung.

Frage: Sie fordern, Alkoholabhängigkeit noch klarer als neurologische Krankheit anzuerkennen. Spielt der eigene Wille gar keine Rolle?
Schreiber: Der Wille wird in diesem Zusammenhang fast immer überschätzt. Wenn man regelmäßig zu viel trinkt, wird das Gehirn strukturell verändert, auf einer zellulären und biochemischen Ebene. Diese Umprogrammierung wird den Abhängigen immer dazu bringen, zu viel zu trinken, wenn er trinkt. Neurologen vergleichen das mit dem Fahrradfahren. Das funktioniert genauso automatisch, und genauso wenig verlernt man es. Der Alkoholkranke trinkt, weil er krank ist, nicht weil er zu schwach ist.

Frage: Wie haben Sie es geschafft aufzuhören?
Schreiber: Ich hatte eine Reihe jener Momente der Klarheit, die ich eben erwähnt habe. In der Psychoanalyse, die ich seit vielen Jahren mache, wurde mein Trinken immer wieder zum Thema. Und ich habe mich einer Selbsthilfegruppe angeschlossen.

Frage: In Ihrem Buch schreiben Sie, dass ein Freund Sie zu der ersten Sitzung mitgenommen hat. Wie fühlte sich das an?
Schreiber: Es war eine sehr berührende Erfahrung. Ich verstand plötzlich, dass es vielen Menschen genauso ging wir mir. Solche Gruppen sind unheimlich wichtig. Man muss einfach mit eigenen Augen sehen, dass es sehr viele Menschen gibt, die ein Leben ohne Alkohol führen - und zwar ein glückliches und erfülltes Leben.

Frage: Fehlt Ihnen manchmal ein Glas Wein für den Genuss?
Schreiber: "Nur ein Glas für den Genuss" habe ich selten getrunken, es waren eigentlich immer zwei oder drei. Das Trinken fehlt mir nicht. Im Gegenteil. Ich bin jeden Tag dankbar dafür, dass ich nicht mehr trinke.

Frage: Haben Sie Angst, eines Tages doch wieder zu trinken?
Schreiber: Nein, aber ich habe Respekt vor der Krankheit. Seitdem ich nichts mehr trinke, hatte ich nur ein einziges Mal das Gefühl, trinken zu wollen. Das war, als ich meinen Job verloren hatte. Ich konnte in meinem ganzen Körper spüren, dass eine Flasche Wein jetzt helfen würde. Ich bin dann zu einer Freundin gefahren und wir haben darüber gesprochen. Es geht nie ums Trinken an sich. Es geht immer um Gefühle, mit denen man nicht klarkommt.

Frage: Sie schreiben, dass der Alkohol ihre große Liebe war, als sie noch tranken. Wieso sind Sie heute trotzdem glücklicher als damals?
Schreiber: Ich glaube, viele Leute verwechseln Glück mit Vergessen. Ich dachte damals, dass ich glücklich bin, wenn ich mich entspanne und Konflikte ausblende, die ich für unerträglich hielt. Ein Instant-Glück sozusagen. Jetzt besteht Glück für mich darin, ein erwachsenes Leben zu führen und Verantwortung für mich und die Menschen um mich herum zu übernehmen.

Frage: Was tun Sie heute, wenn die Welt Ihnen unerträglich scheint?
Schreiber: Ich spreche mit Freunden, gehe zur Psychoanalyse und in eine Selbsthilfegruppe, ich meditiere und mache viel Yoga. Deswegen laufe ich nicht permanent lächelnd durch die Welt. Das Leben kann scheiße und traurig sein, es kann einen glücklich oder wütend machen. Aber wenn man Konflikte angeht und sich mit seinen Gefühlen auseinandersetzt, ist es nie unerträglich.

Interview Spiegel Online, 01.01.2015