Experten fordern höhere Steuern


Knapp zehn Liter reinen Alkohol trinken die Deutschen im Schnitt – weit mehr als der weltweite Durchschnitt. Auch Jugendliche trinken regelmäßig, Experten fordern daher schärfere Maßnahmen gegen den Alkoholmissbrauch.


Vor der Vorstellung neuer Zahlen zum Alkoholkonsum von Jugendlichen und jungen Erwachsenen hat die Deutsche Hauptstelle für Suchtfragen mehr Anstrengungen gegen Alkoholmissbrauch gefordert. „Der Pro-Kopf-Konsum von Alkohol ist stabil auf hohem Niveau“, sagte Geschäftsführer Raphael Gaßmann der Deutschen Presse-Agentur.


Bei Jugendlichen habe es zwar zuletzt einen Rückgang etwa von Klinikeinweisungen wegen übermäßigen Trinkens gegeben. So wurden 2013 rund 23.200 junge Menschen zwischen 10 und 20 Jahren wegen einer Alkoholvergiftung ins Krankenhaus gebracht, im Jahr zuvor waren es noch 26.700. Doch Gaßmann sagte: „Die Jugendlichen trinken etwas besonnener, das ist noch kein Erfolg.“


Insgesamt liegt der Pro-Kopf-Konsum laut der Hauptstelle seit 2007 unverändert nur knapp unter zehn Liter reinem Alkohol. Der weltweite Durchschnitt liegt laut Weltgesundheitsorganisation bei 6,2 Liter.


Gaßmann sagte: „Je nach Schätzung gibt es zwischen 80.000 und 120.000 Alkoholtote pro Jahr in Deutschland.“ Leberzirrhose und Bauchspeicheldrüsenkrebs zählten zu den Hauptfolgen übermäßigen Trinkens.


Gaßmann forderte die Politik auf, Werbebeschränkungen, Einschränkungen beim Alkoholverkauf und höhere Steuern für Alkohol anzupacken. „Auf Branntwein wird dieselbe Steuer erhoben wie vor 25 Jahren, doch die Einkommen sind seither deutlich gestiegen.“ Folglich schreckten die Kosten immer weniger ab – auch für Jugendliche sei Alkohol „taschengeldfreundlich“.


An diesem Dienstag (30.06.2015) stellen die Bundesdrogenbeauftragte Marlene Mortler und die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung Ergebnisse einer Befragung unter 12- bis 25-Jährigen aus dem vergangenen Jahr vor.


Die Befragung davor stammte aus dem Jahr 2012. Demnach betranken sich damals rund 17 Prozent der 12- bis 17-Jährigen und 44,1 Prozent der jungen Erwachsenen zwischen 18 bis 25 Jahren mindestens einmal in den 30 Tagen vor der Befragung. Der Anteil der 12- bis 17-Jährigen, die regelmäßig zur Flasche griffen, lag bei rund 14 Prozent.


Bei jungen Erwachsenen waren es 38,4 Prozent. Insgesamt gelten etwa 1,77 Millionen Erwachsene als alkoholabhängig.


Handelsblatt, 30.06.2015


Studie bestätigt Wirksamkeit von Alkoholtherapien


ZÜRICH - Ambulante Therapien bei Alkoholproblemen zeigen Wirkung. Gemäss einer neuen Studie an der Universität Zürich trinken über 60 Prozent der Klienten auch ein Jahr nach Abschluss der Behandlung deutlich weniger Alkohol als vorher. Zudem fühlen sich Betroffene gesünder.


Initiiert wurde die Studie von vier Fachstellen in den Kantonen Aargau, Bern und Zürich. Daran beteiligten sich 858 Personen, die eine ambulante Suchtberatung in Anspruch nahmen.


Die Probanden füllten jeweils zwischen dem Beginn der Behandlung und deren Ende sowie sechs und zwölf Monate danach einen Fragebogen aus. Dabei wurden sie nach ihrem Alkoholkonsum, ihrem Gesundheitszustand und ihrer Lebenszufriedenheit befragt, wie die Universität am Mittwoch mitteile.


Eine ambulante Suchtberatung bestand durchschnittlich aus zehn Einzelgesprächen und einer Gruppensitzung. Dabei wurde jeweils etwa gleich häufig das Ziel Abstinenz oder aber eine Reduktion des Alkoholkonsums formuliert.


Von den 564 Klientinnen und Klienten, deren Konsum zu Beginn der Behandlung als problematisch eingestuft worden war, wiesen bei Austritt 45 Prozent einen «nicht-problematischen» Konsum auf. Sechs Monate später waren es noch 41 Prozent, und ein Jahr nach Ende der Behandlung waren es 43 Prozent. Angesichts der geringen Zahl an Sitzungen sei dies eine «recht hohe Erfolgsquote», heisst es in der Mitteilung.


Eine ambulante Beratung werde zudem von vielen Menschen in Anspruch genommen, die einen stationären Aufenthalt oder einen Entzug hinter sich hätten. Diesem Profil entsprachen in der Studie 260 Patienten. Davon konnten 87 Prozent ihr unproblematisches Konsumverhalten bis zum Ende der ambulanten Behandlung aufrechterhalten. Ein Jahr später waren es noch immer 80 Prozent.


Insgesamt konnten 64 Prozent der Behandelten ihren Alkoholkonsum bis zum Ende der Beratung reduzieren. Ein halbes sowie ein Jahr später waren es noch 59 respektive 62 Prozent. Auch der Gesundheitszustand und die Zufriedenheit der Patienten verbesserte sich. So berichteten noch zwölf Monate nach dem Austritt rund doppelt so viele Personen über positive Veränderungen.


Für einen erwachsenen Mann gilt ein durchschnittlicher Konsum von über 40 Gramm Alkohol pro Tag als gesundheitsgefährdend, bei einer Frau sind es 20 Gramm. In der Schweiz nehmen jährlich knapp 10'000 Menschen eine ambulante Behandlung in Anspruch.


Quelle: SDA, Blick.ch, 17.06.2015


Führerschein weg wegen Alkohol – was nun?

Bei Autofahrern ist Alkohol ein unterschätztes Risiko - laut der Bundesanstalt für Straßenwesen (BASt) ist Trunkenheit am Steuer aber mit 43 % immer noch die häufigste Ursache für eine Medizinisch-Psychologische Untersuchung (MPU). Ist der Schein weg, steht der Betroffene vor vielen Fragen und Hürden, die es zu bewältigen gilt. Die Verkehrsexperten von TÜV SÜD erklären was dann zu tun ist.

Alkoholfahrer sollten als erstes klären, welche Bedingungen zu erfüllen sind, um den Führerschein zurückzuerhalten. Der richtige Ansprechpartner dafür ist die zuständige Führerscheinstelle. Dort erfahren Betroffene, ob eine Medizinisch-Psychologische Untersuchung fällig wird oder nicht. „Neu ist seit 2014, dass in einigen Bundesländern als Grenze für Ersttäter, nicht mehr 1,6 sondern 1,1 Promille gilt", erklärt Axel Uhle, Verkehrspsychologe und Mitglied der Geschäftsführung bei TÜV SÜD Pluspunkt. „Wer zum wiederholten Male erwischt wird, muss auch unabhängig von der Promillezahl zur MPU." Achtung: Wer betrunken Fahrrad fährt, riskiert ebenfalls den Führerschein - ab 1,6 Promille ist eine MPU vorgeschrieben.

Ist eine MPU angeordnet, heißt es: keine Zeit verlieren! Denn eine frühzeitige Vorbereitung ist das A und O. Wer sich im Voraus gut informiert, geht eventuellen Stolperfallen aus dem Weg und kann selbstsicher bei den Untersuchungen auftreten. Dabei helfen beispielweise kostenlose Infoveranstaltungen oder die Erklär-Videos zum Ablauf einer MPU von TÜV SÜD, welche unter http://www.tuev-sued.de/pluspunkt/beratungsfilm abrufbar sind. Der sinnvolle nächste Schritt ist es, sich von einem kompetenten Verkehrspsychologen beraten zu lassen. Dieser erstellt eine Art „Fahrplan", wie die Sperrfrist sinnvoll genutzt werden kann. Falls Abstinenzbelege gefragt sind, müssen sich Betroffene auf regelmäßige Haaranalysen und Urintests einstellen.

„Wichtig ist es, sich auf dem Weg von Experten unterstützen zu lassen. Um eine stabile Grundlage für ein positives MPU-Gutachten zu schaffen, muss der Betroffene sein Trinkverhalten ändern. Einzel- oder Gruppengespräche sind dabei empfehlenswert", rät Axel Uhle. Es ist darauf zu achten, dass es sich um eine wissenschaftlich fundierte und zielführende Maßnahme handelt. „Crash-Kurse" dienen in aller Regel nur dem Veranstalter, nicht dem Betroffenen. Als zusätzlicher Begleiter hilft „Der Testknacker bei Führerscheinverlust", der aktuell in der 16. Auflage erschienen ist. Das Taschenbuch von Thomas Wagenpfeil gibt hilfreiche Tipps, um angstfrei und souverän zurück zum Führerschein zu kommen. Der Testknacker ISBN: 978-3-442-17539-0 ist für 9,99 Euro inkl. MwSt. im Handel oder unter https://www.tuev-sued.de/pluspunkt/der_testknacker erhältlich.

dpp-AutoReporter, 10.06.2015


80 Jahre Anonyme Alkoholiker - Mit zwölf Geboten gegen die Sucht

Alkohol ist überall - und wird dadurch für Millionen zum Verhängnis, manchmal zum tödlichen. Die Anonymen Alkoholiker helfen aus der Sucht und bieten Halt, wenn der Absturz droht. Jetzt feiert die Selbsthilfegruppe 80. Geburtstag.

WASHINGTON. "Mein Name ist Andrew und ich bin Alkoholiker." Kurze Pause. "Hi Andrew!" ruft die Gruppe freundlich zurück.
Es ist Montag gegen zwölf Uhr mittags, und eigentlich sollte man meinen, dass die Menschen hier in einem geschäftigen Einkaufsviertel Washingtons an diesem heißen Sommertag andere Gedanken hätten als Wein, Cocktails und Schnaps.

Doch der Andrang beim Treffen der Anonymen Alkoholiker (AA) ist enorm - kaum einer der rund 40 Stühle ist noch frei. Und dann beginnt Andrew zu erzählen. Wie das Trinkgelage bei einer Geburtstagsfeier völlig außer Kontrolle geriet. Wie er den schlimmsten Kater seines Lebens durchkämpfte. Wie die Sucht plötzlich grenzenlos wurde und zunehmend sein Leben bestimmte. Wie er sich mehr und mehr von sich selbst entfernte. "Mein Verhalten begann richtig aus dem Ruder zu laufen", sagt Andrew, der mit wirklichem Namen anders heißt.

Mehr als zwei Millionen aktive Mitglieder zählte AA eigenen Zählungen zufolge im vergangenen Jahr weltweit - am 10. Juni jährt sich die Gründung der vielleicht wichtigsten Selbsthilfegruppe zum 80. Mal. In den USA, Deutschland und anderen Ländern belegt Alkohol unangefochten den ersten Platz als tödlichste aller Drogen. Allein im Raum Washington finden wöchentlich Hunderte Treffen statt. Bill Wilson hatte seine Gesundheit und seine Karriere als Börsenmakler ruiniert, als er die Organisation im Juni 1935 in der wohl schlimmsten Nacht seines Lebens gründete. Er nüchterte damals in einer bekannten New Yorker Rehabilitations-Klinik aus. Dreimal war er in das Towns Hospital in Manhattan schon eingewiesen worden, hatte kurz nach seiner Entlassung aber immer wieder zur Flasche gegriffen.

Was in jener Klinik geschah, wird in der AA-Lektüre bis heute als Art heiliger Gründungsmythos überliefert: Wilson, der eine Infusion der auch als Belladonna bekannten Schwarzen Tollkirsche erhalten hatte, krümmte sich unter den Qualen und den Halluzinationen des Gifts. Dann habe ein weißes Licht das Krankenzimmer gefüllt, das selbst den erklärten Agnostiker Wilson verblüfft haben soll. Er habe sich wie auf einem Berg gefühlt, berichtete er später, umweht von einem Gefühl von Heiligkeit. Diese Erscheinung sei der Befreiungsschlag gewesen - danach rührte der 39-Jährige keinen Tropfen mehr an.

Erst als er auf einer Geschäftsreise den Chirurgen Robert Smith - heute bekannt als Dr. Bob - von der Kraft Gottes beim Kampf gegen die Sucht überzeugte, war AA geboren. Wilson verbreitete seine Botschaft und schrieb "Alcoholics Anonymous", bis heute die heilige Schrift von AA, die in den USA auch als "Big Book" (Großes Buch) bekannt ist. Die zwölf Schritte auf dem Weg aus dem Alkoholismus sind eng an biblische Grundsätze angelehnt. Der letzte ähnelt dem christlichen Gebot der Nächstenliebe: Hilf anderen, ebenfalls ihre Trunkenheit zu überwinden.

"Das ist sicher ein Problem für eine Reihe von Leuten", sagt Mitch, der AA in Washington schon lange als Freiwilliger unterstützt. Zum Schluss der Sitzung stehen die Teilnehmer auf, fassen sich an den Händen und sprechen das Vaterunser. Nicht jedermanns Sache. Doch auch nicht-religiöse Menschen fänden einen Weg, die AA-Regeln anzuwenden, meint Mitch, der seinen echten Namen nicht in der Zeitung lesen will. Längst hat Wilsons Prinzip auch Menschen beeinflusst, die sich von anderen Süchten befreien wollen: Anonyme Raucher, Glücksspieler, Abhängige von Marihuana und härteren Drogen wie Crystal Meth schwören auf die zwölf Schritte von AA.

Wer bei AA-Treffen zermürbte Gesichter und düstere Stimmung vermutet, liegt falsch. Die Teilnehmer lachen, scherzen, erzählen von ihrem Kampf gegen die Flasche, verabreden sich zum Picknick am Wochenende und gratulieren sich zu Etappen der Nüchternheit. Wer 24 Stunden, einen oder mehrere Monate trocken ist, bekommt spezielle Münzen in verschiedenen Farben als Auszeichnung. Viele tragen diese kleinen Medaillen bei sich, erklärt Mitch: "Es bestärkt dich ein bisschen."

Zumindest beim Treffen in Washington sind alle Altersklassen und Einkommensschichten vertreten: Ein tätowierter und gepiercter junger Mann sitzt neben einer älteren Frau im schwarzen Blazer, ein Afroamerikaner im Sportler-Outfit nimmt neben drei jungen Männern Platz, die wie feine Büroangestellte wirken. Sie alle versuchen, sich gegenseitig Halt zu geben. Für manche Ex-Alkoholiker, die sich von alten Trinker-Freunden trennen müssen, dient AA als neue Familie. Eine Teilnehmerin sagt: "Ich freue mich die ganze Woche auf das Treffen."

dpa, 10.06.2015


Wie Freunde, Kollegen oder Familie auf Alkoholprobleme ansprechen?
Unbequemes Thema: Alkoholprobleme sollten angesprochen werden


Millionen Deutsche haben Alkoholprobleme. Vielen von ihnen ist ihr eigener hoher Konsum oft gar nicht bewusst. Das Thema ist den meisten Menschen eher unangenehm, doch wenn man merkt, dass Freunde, Angehörige oder Kollegen zu viel trinken, sollte man dies unbedingt rechtzeitig thematisieren.

Regelmäßiger Alkoholkonsum gefährdet die Gesundheit
Europa ist weltweit die Region mit dem höchsten Alkoholkonsum. Allein in Deutschland haben laut Schätzungen der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BzgA) etwa 9,5 Millionen Menschen zwischen 18 und 65 Jahren Alkoholprobleme, sie trinken also Alkohol in gesundheitlich bedenklichen Mengen. Rund 1,3 Millionen von ihnen gelten als alkoholabhängig. Regelmäßiger Alkoholkonsum erhöht das Risiko für zahlreiche Krankheiten . Er kann unter anderem zu Leberschädigungen wie Fettleber, Fettstoffwechselstörungen, Osteoporose, Schädigungen des Gehirns oder Herzmuskel- und Krebserkrankungen wie Darmkrebs, Leberkrebs oder Speiseröhrenkrebs führen oder diese begünstigen. Trotzdem die Gefahren des Alkoholkonsums weithin bekannt sind, ist sich so manch einer gar nicht über seinen eigenen hohen Konsum bewusst. In solchen Fällen sind Freunde und Familie gefragt.

Nicht mit Vorwürfen reagieren
Auch wenn manche Gespräche unangenehm sind und möglicherweise sogar den Familienfrieden oder die Freundschaft gefährden, sollten sie geführt werden. Dann nämlich, wenn beobachtet wird, wenn ein Angehöriger oder Freund zu viel trinkt. Zwar birgt das Thema Alkohol reichlich Zündstoff, doch „Je früher jemand angesprochen wird, desto eher muss er sich mit seinem Trinkverhalten auseinandersetzen“, erklärte Christa Merfert-Diete von der Deutschen Hauptstelle für Suchtfragen (DHS) gegenüber der Nachrichtenagentur dpa. Ab wann trinkt aber jemand eigentlich zu viel? „Da sollte man seinem Menschenverstand und der eigenen Wahrnehmung trauen“, so die Expertin. Es könne beispielsweise auffallen, dass Betroffene auf Familienfeiern besonders viel trinken und alkoholisiert Auto fahren. Darauf sollten man keinesfalls mit Vorwürfen reagieren oder mit Sätzen wie: „Du trinkst zu viel!“ Es ist besser, sogenannte Ich-Botschaften zu formulieren. „Beispielsweise kann man sagen: Ich mache mir Sorgen um dich. Oder: Ich hab den Eindruck, dass du immer, wenn wir zusammen sind, Alkohol trinkst.“

Auf Streit beim Gespräch einstellen
Es muss dabei jedoch deutlich werden, dass derjenige, der es anspricht, dem Betroffenen nicht klarmachen kann und soll, dass er ein Alkoholproblem hat. „Das sollte dieser im Gespräch mit Fachleuten selbst klären.“ Er muss sich aber dennoch darauf einstellen, dass der Angesprochene schroff reagieren und es zum Streit kommen kann. „Es gehört zum Krankheitsbild der Alkoholsucht, die Krankheit zu leugnen“, erklärte Merfert-Diete. Man sollte deswegen konkret Hilfe anbieten und zum Beispiel einen Zettel mit der Nummer oder Adresse einer Beratungsstelle hinterlassen. Wenn das Gespräch gut verläuft, bietet es sich zudem an, persönliche Hilfe anzubieten. Dafür schlägt die Expertin Sätze vor wie: „Ich unterstütze dich gern, wenn du selber überprüfen möchtest, ob du ein Problem hast.“ Diejenigen, die nicht gleich zu den Experten bei einer Beratungsstelle wollen, können sich auch erst mal selbst informieren. So gibt es etwa im Internet Tests zum Trinkverhalten. Außerdem können Betroffene per App ein Trinktagebuch führen.

heilpraxisnet, ad, 09.06.2015


Keine Narrenfreiheit auf dem Fahrrad

Dass man sich mit über 0,5 Promille Alkohol im Blut nicht ans Steuer setzt, wissen Autofahrer. Die viel höhere Promillegrenze für Radfahrer ist aber kein Freifahrschein.

Wer 1,1 Promille Alkohol im Blut hat, ist als Autofahrer absolut verkehrsuntüchtig und macht sich strafbar. Doch schon die 0,5-Promille-Marke definiert den Gefahrengrenzwert, der zu einem Bußgeld von mindestens 500 Euro führen kann. Im Gegensatz dazu ist für Radfahrer aktuell die absolute Verkehrsuntüchtigkeit bei 1,6 Promille festgelegt. Demnach dürfen Radler viel mehr trinken und sich dann theoretisch noch auf das Velo schwingen, ohne ein Bußgeld zu fürchten.

Das könnte sich allerdings ändern. Der Allgemeine Deutsche Fahrrad Club (ADFC) und weitere Vereine und Institutionen fordern, dass der Gesetzgeber auch für Radfahrer einen zusätzlichen Gefahrengrenzwert von 1,1 Promille als Bußgeldtatbestand in das Straßenverkehrsgesetz aufnimmt. Zwar können sich Radler genauso wie Autofahrer schon ab 0,3 Promille wegen relativer Fahrunsicherheit strafbar machen, wenn ein alkoholtypischer Fahrfehler festgestellt wird. In der Praxis gelingt dieser Nachweis ohne Unfall allerdings nur selten.

Der Höchstwert wird außerdem oft falsch gedeutet: 1,6 Promille ist nicht als Grenze zu verstehen, bis zu der man sicher auf dem Rad unterwegs ist – so betrunken kann niemand mehr sicher Rad fahren. Deshalb macht man sich am Lenker ab 1,6 Promille auch strafbar, ohne dass eine alkoholbedingte Fahrunsicherheit nachgewiesen werden muss. Wer nicht erheblich an Alkohol gewöhnt ist, kann in der Regel ab diesem Wert sein Gefährt meist nicht einmal wiederfinden oder aufschließen.

Selbst 1,0 Promille geht über einen leichten Rausch hinaus und wird bei geselligen Anlässen nur selten erreicht. Ab diesem Wert der Alkoholisierung wird das Radfahren deutlich gefährlicher. Von den alkoholisierten Radfahrern verunglückten rund 85 Prozent mit 1,1 Promille und mehr. Insgesamt ist der Anteil der Fahrradunfälle mit Alkoholeinfluss 2013 allerdings auf weniger als 4,4 Prozent gesunken.

Beim Fahrrad werden nicht so hohe Anforderungen an den Fahrer gestellt wie beim Pkw, und von ihnen geht auch nicht so eine hohe Gefährdung aus. Bei der Promillegrenze steht hier besonders der Eigenschutz im Vordergrund, denn für berauschte Radler endet eine Kollision trotz geringerer Geschwindigkeit meist schwerer. Beispielsweise fallen alkoholisierte Radler im Vergleich zu nüchternen Fahrern rund drei Mal häufiger mit dem Gesicht auf den Asphalt, berichtet Roland Huhn vom ADFC. Der Gesetzesvorschlag des Radverbands soll Verkehrsunfälle verhindern und die Eigenverantwortung der Radler fördern.


Die Zeit, 07.06.2015


Schlafstörungen fördern Diabetes und Übergewicht: Experte rät von Einschlafhilfen wie Medikamenten und Alkohol ab


Ein Drittel aller Patienten mit einem obstruktiven Schlafapnoe-Syndrom (OSAS) ist auch von einem Diabetes Typ 2 betroffen. Unruhiger, zu kurzer aber auch zu langer Schlaf fördern außerdem Herzkreislauferkrankungen und Übergewicht, so zeigen Studien. Welche Folgen qualitativ schlechter Schlaf haben kann, wie Betroffene dagegen vorgehen können und warum Einschlafhilfen wie Medikamente und Alkohol nicht empfehlenswert sind, erklärt Professor Dr. med. Igor Alexander Harsch im nächsten Experten-Chat von diabetesDE - Deutsche Diabetes-Hilfe. Fragen können ab sofort gestellt werden.


Schlafmangel wirkt sich nicht nur negativ auf unser Herz-Kreislaufsystem, Gedächtnis, Gewicht sowie auf unsere Lebensdauer, Psyche und Leistungsfähigkeit aus. "Zahlreiche Studien zeigen, dass das obstruktive Schlafapnoe-Syndrom (OSAS) oder schlechter Schlaf auch enorme Folgen für den Stoffwechsel hat", warnt Harsch, Facharzt für Endokrinologie und Innere Medizin in Saalfeld. "Insulin- und Blutzuckerspiegel steigen an und die Wechselwirkung zwischen Insulin und Glucagon in der Bauchspeicheldrüse scheint durcheinander zu geraten." Diese Prozesse begünstigen langfristig einen Diabetes Typ 2.


Welche Mechanismen genau für diese und andere Stoffwechselprozesse verantwortlich sind, sei bislang jedoch noch nicht vollständig geklärt. Forscher vermuten, dass Stress und der damit verbundene hohe Cortisolspiegel eine Rolle spielen könnte. Zudem wird das Immunsystem nach Schlafmangel aktiviert, was wiederum einen hohen Zytokinspiegel verursacht." Auch steigt das Hungergefühl an und das spontane Bewegungsverhalten sinkt. Die Folge: Übergewicht. "Offenbar verursacht qualitativ schlechter Schlaf mehrere Prozesse, die ineinander spielen und ein Kaleidoskop von Erkrankungen verursachen kann", erklärt Harsch.


Durch eine Therapie des OSAS beispielsweise kann der Stoffwechsel wieder in die richtigen Bahnen gelenkt werden. Erhalten Betroffene über Atemmasken einen kontinuierlichen Atemwegsüberdruck (CPAP-Therapie), steigert das die Insulinsensibilität bereits nach zwei Tagen. "Es ist daher wichtig, Risikopatienten bezüglich einer gesunden Schlafhygiene zu beraten und gegebenenfalls zu therapieren, um eine Diabeteserkrankungen zu vermeiden", konstatiert Harsch. "Ausreichender, aber auch nicht zu langer Nachtschlaf ist neben gesunder Ernährung und ausreichender Bewegung die beste Prävention gegen Diabetes Typ 2." Studien zufolge liegt die optimale Schlaflänge bei etwa sieben bis acht Stunden. "Wichtig ist auch, auf den Gebrauch von Einschlafhilfen wie Medikamenten aber auch Alkohol zu verzichten. Denn diese tragen auch zu langfristigen Schlafstörungen und Atemaussetzern bei", warnt der Experte.


Deutsche Diabetes Hilfe, 27.05.2015


Schlafprobleme: Kein Bildschirm und Alkohol am Abend

Bei Problemen mit dem Schlafen abends auf Computer, Tablet und Smartphone verzichten

Viele Menschen haben Probleme mit Schlafen. Den meisten Betroffenen fällt es schwer, abends abzuschalten, weil der Stress und die Belastungen des Tages noch nachwirken. Während der eine nicht einschlafen kann, wacht der andere viele Male in der Nacht auf – an einen erholsamen Schlaf ist dann nicht mehr zu denken. Martina Riepold, Heilpraktikerin und Dozentin für Entspannungsverfahren, gibt in der Zeitschrift „Naturarzt” (Ausgabe Juni 2015) Betroffenen Tipps für entspanntes Schlafen.

Wer Probleme mit dem Schlafen hat, sollte der Expertin zufolge auf das Arbeiten im Schlafzimmer verzichten. Denn dadurch falle es leichter abzuschalten. Zudem hilft “eine feste Zubettgehzeit dabei, einen regelmäßigen Schlafrhythmus zu entwickeln”. Dabei sollten “Abweichungen maximal eine halbe Stunde betragen”. Tagsüber ist ein ausgedehnter Mittagsschlaf tabu, denn auch das bringt den natürlichen Schlafrhythmus durcheinander. Ein Power-Nap von zehn bis 20 Minuten schadet aber meist nicht.

Riepold weist zudem daraufhin, dass Bewegung am Tag einen gesunden Schlaf fördert, denn wer tagsüber aktiv ist, kommt abends besser zur Ruhe.

“Entspannungsübungen wie progressive Muskelentspannung, autogenes Training, Yoga, Qi Gong und Tai Chi sowie Meditationen eignen sich zum Abschalten, wenn der Betroffene unter Anspannung und innerer Unruhe leidet”. Ein warmes Bad vor dem Schlafengehen oder eine beruhigende Aroma-Massage wirken ebenfalls entspannend.

Wenig förderlich ist es dagegen, beim abendlichen Fernsehen auf dem Sofa einzudösen. Auch auf das helle blaue Licht von Computern, Tablets oder Smartphones sollte man mindestens zwei Stunden vor dem Schlafengehen verzichten, so die Expertin.

Wer abends gern noch einen Schlummertrunk zu sich nimmt, sollt dabei Alkohol meiden. Denn dieser kann zwar beim Einschlafen helfen, bewirkt aber Störungen beim Durchschlafen, so dass der Schlaf nicht erholsam ist. Bereits geringe Mengen Alkohol können diesen Effekt haben.

Wer dennoch nicht einschlafen kann, sollte sich nicht im Bett herumwälzen, sondern wieder aufstehen und sich ablenken. Halten die Probleme über einen Monat an und treten sie mindestens an drei Tagen pro Woche auf, handelt es sich um eine sogenannte Insomnie (Schlafstörung), berichtet Riepold. Häufig sind psychische Ursachen Auslöser der Schlafstörung wie Stress, Beziehungsprobleme, Überlastung am Arbeitsplatz oder Depressionen. Auch körperliche Ursachen wie Diabetes oder Schilddrüsenerkrankungen können die Probleme verursachen. Betroffene sollten sich von ihrem Hausarzt untersuchen und beraten lassen.

Naturarzt, 22.05.2014

Drogenbericht 2015: Zehntausende Deutsche sterben durchs Rauchen

Der Konsum illegaler Drogen in Deutschland steigt - doch noch viel mehr Menschen geraten wegen Alkohol und Tabak in eine lebensbedrohliche Lage. Hoffnungen macht eine positive Entwicklung bei Kindern und Jugendlichen.

Zehntausende Tote durchs Rauchen, Hunderttausende Klinikaufenthalte wegen Alkohol und mehr Missbrauch künstlicher illegaler Drogen - das sind Kernaussagen des neuen Drogen- und Suchtbericht 2015. Bundesdrogenbeauftragte Marlene Mortler (CSU) stellte die Ergebnisse am Donnerstag in Berlin vor. Er fasst die wesentlichen Trends zusammen und stellt zugleich die Drogenpolitik der Bundesregierung dar.

Ein Kernproblem bleibt der Alkoholmissbrauch. Laut Darstellung des Statistischen Bundesamts vom Februar, die auch der Drogenbericht nennt, waren der zweithäufigste Anlass für einen Klinikaufenthalt 2013 psychische Störungen durch Alkohol (338.204 Fälle) inklusive akutem Alkoholmissbrauch. An erster Stelle lag die Herzinsuffizienz.

Knapp jeder vierte erwachsene Deutsche (24,5 Prozent) greift regelmäßig zur Zigarette. Tabakkonsum bleibe deshalb laut Bundesregierung das "größte vermeidbare Gesundheitsrisiko", dem jährlich bis zu 110.000 Menschen zum Opfer fielen.

Die Zahl der Drogentoten sei im Vorjahr moderat angestiegen, sagte Mortler. Bei einigen illegalen Substanzen gebe es negative Entwicklungen. So nehme die Verbreitung von Crystal Meth zu. Auch der Konsum von Amphetaminen sei zuletzt wieder angestiegen.

Zumindest bei Kindern und Jugendlichen beobachtete die Bundesdrogenbeauftragte eine positive Entwicklung: "Erstmals lag 2014 die Raucherquote bei Kindern und Jugendlichen unter zehn Prozent und auch die Zahl der Krankenhauseinweisungen aufgrund von Alkoholvergiftungen ging zurück", sagte Mortler.

Bereits im April hatte eine vergleichbare offizielle Studie gezeigt, dass immer mehr Menschen in Deutschland zu hochgefährlichen künstlichen Drogen wie Crystal Meth oder Legal Highs greifen.

Spiegel Online, dpa - 21.05.2015


Neue Alkohol-Präventionskampagne gestartet

BERLIN. "Alkohol? Kenn Dein Limit" - unter diesem Motto steht die neue Alkohol-Präventionskampagne der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA), die am Dienstag, 19.05.2015 in Berlin vorgestellt worden ist.

Die Kampagne zielt auf den Freundschaftsgedanken ab. "Jugendliche übernehmen soziale Verantwortung füreinander - insbesondere, wenn es um Alkoholkonsum im Freundeskreis geht", schreibt die BZgA in einer Mitteilung - und verweist auf aktuelle Studiendaten, die sie selbst erhoben hat. Demnach würden etwa 90 Prozent der Jugendlichen zwischen 16 und 21 Jahren versuchen, ihre Freunde vom Weitertrinken abzuhalten, wenn diese zu viel trinken.

Verantwortung unter Freunden spiele in der jungen Generation zunehmend eine bedeutende Rolle, daher sei die Kampagne darauf ausgerichtet, heißt es weiter. Mit "Alkohol? Kenn Dein Limit." sollen vor allem junge Menschen ab 16 Jahren angesprochen werden. Die Kampagne wird nach Aussage der BZgA vom Verband der Privaten Krankenversicherungen (PKV) unterstützt.

Die Präventionskampagne umfasst neue Bildmotive, einen Kinospot, eine Internetseite sowie Flyer "Alkohol - Die Fakten" und "LIMIT. Das Magazin". "Wegen Alkohol gehen nicht nur Freundschaften in die Brüche, sondern es sterben sogar jedes Jahr über 70.000 Menschen an den Folgen ihres Alkoholmissbrauchs. Tausende werden mit Alkoholvergiftungen ins Krankenhaus eingeliefert. Darunter sehr viele Erwachsene, die eigentlich Vorbild sein sollten. Echte Freunde lassen es nicht zu, dass der Krankenwagen kommen muss, sondern achten auf einen kritischen Umgang mit Alkohol. Das ist gelebte Freundschaft", sagte die Drogenbeauftragte der Bundesregierung Marlene Mortler zum Start der Kampagne.

Ärztezeitung, 20.05.2015


Warum Alkohol durstig macht
Der Abend verlief feucht-fröhlich, aber am nächsten Morgen klebt die Zunge am trockenen Gaumen. Woher kommt der „Brand“?

Ein Experte klärt auf.


Die Party war nett, Sie haben mit den anderen angestoßen – und eigentlich mehr Alkohol getrunken, als Sie wollten. Am nächsten Morgen bereuen Sie es: Sie haben richtig Durst, Sie haben einen "Brand". Wie kommt es dazu? Professor Helmut Seitz ist Ärztlicher Direktor des Krankenhauses Salem und leitet das Alkoholforschungszentrum der Universität Heidelberg. Er beschreibt die Vorgänge im Körper, die zur entwässernden Wirkung des Alkohols führen, und wie sich der daraus folgenden Austrocknung vorbeugen lässt, die Mediziner Dehydration nennen.


Herr Seitz, wie kommt es zu dem verstärkten Durst nach einem weinseligen Abend?
Alkohol wirkt wie ein Diuretikum, also ein harntreibendes Mittel: Durch seinen Einfluss scheidet der Körper vermehrt Wasser und Mineralstoffe als Urin aus. Der Grund ist, dass Alkohol ein Hormon der Hirnanhangsdrüse hemmt. Dabei handelt es sich um das antidiuretische Hormon ADH. Dieses schüttet der Körper vor allem nachts aus. Es bewirkt normalerweise, dass der Körper Wasser aus dem zunächst von der Niere gebildeten Primärharn zurückgewinnt. Durch ADH nimmt also die Menge des ausgeschiedenen Urins ab. Deshalb müssen wir nachts üblicherweise nicht so oft Wasser lassen. Trinken wir aber entsprechend viel Alkohol, dann kommt es zu einer deutlich erhöhten Urinmenge. Der Verlust der Flüssigkeit bewirkt eine Verringerung des Blutvolumens. Um die Flüssigkeit zu ersetzen, reagiert der Körper mit einem starken Durstgefühl.

Hat der Verlust von Wasser und Mineralstoffen weitere Folgen für den Körper?
Ja. Um den Kreislauf trotz des verminderten Blutvolumens aufrecht zu erhalten, erhöht sich die Schlagfrequenz des Herzens. Außerdem kann ein Mangel von Magnesium und Kalium zu krankhaften Zusatzschlägen des Herzens führen wie Extrasystolen und Vorhofflimmern. Wir Ärzte nennen das ein Holiday-Heart-Syndrom, weil die Betroffenen nach Alkoholexzessen am Wochenende typischerweise montags die Herzrhythmusstörungen haben, und sich ab Dienstag oder Mittwoch der Takt des Herzens oft wieder normalisiert. Das trifft unter Umständen sogar junge Menschen bei entsprechendem Trinkverhalten. Darüber hinaus kann das geringere Blutvolumen auch zu den bekannten Katerkopfschmerzen beitragen.


Spielt die Form des zugeführten Alkohols eine Rolle?
Durchaus. Wer Hochprozentiges trinkt, führt ja mit dem Alkohol weniger andere Flüssigkeit zu sich. Wenn er nicht gleichzeitig noch alkoholfreie Getränke zu sich nimmt, dehydriert er deshalb noch schneller!


Kann auch der Ort des Alkoholkonsums den Flüssigkeitsverlust beinflussen?
Ja. Wer zum Beispiel einer Hüttengaudi frönt und in den Bergen auf 2000 oder 3000 Metern Höhe Alkohol trinkt, atmet außerdem verstärkt Flüssigkeit ab. Das hängt mit dem geringeren Luftdruck zusammen, und dass man wegen des geringeren Sauerstoffgehalts der Höhenluft schneller atmet. Also beschleunigt es den Wasserverlust zusätzlich.


Was empfehlen Sie, um dem "Brand" vorzubeugen?
Wenn Sie schon Alkohol zu sich nehmen, dann trinken sie gleichzeitig auch ausreichend Mineralwasser oder andere isotonische Getränke. Auch Suppen wie eine Bouillon wären geeignet. Mineralarmes Tafel- oder Leitungswasser ist weniger brauchbar, weil es die Körpersalze nicht ausreichend ersetzt.


Wie steht es mit Kaffee?
Kaffee hat durch seinen Koffeingehalt auch einen harntreibenden Effekt, der allerdings geringer ist als der von Alkohol. Deswegen eignet sich Kaffee physiologisch gesehen weniger gut dazu, einen Brand zu verhindern oder zu bekämpfen.

Apothekenumschau, 18.05.2015


Autoversicherung: Die Blutprobe und der Schnaps nach dem Unfall

Nach einem Unfall Alkohol zu trinken, um die polizeiliche Blutprobe zu entwerten, ist keine gute Idee. Ein Autofahrer war gegen einen geparkten Anhänger geprallt. Mit dem zerbeulten Auto fuhr er nach Hause und rief von dort die Polizei. Als die Beamten eintrafen, hatte er bereits zwei Bier und zwei Schnäpse getrunken – angeblich aus Panik und Verwirrung. Das ließ das Oberlandesgericht Frankfurt/Main nicht gelten. Zwar musste die Kfz-Haftpflichtversicherung den Schaden am Anhänger bezahlen. Sie durfte aber von ihrem Kunden 5 000 Euro zurück­fordern wegen Fahrens unter Alkohol sowie weitere 2 500 Euro wegen des Nachtrunks (Az. 3 U 66/13).

Stiftung Warentest, 19.05.2015


Polizeigewerkschaft will null Promille am Steuer

"Alkohol tötet auf den Straßen", sagt GdP-Chef Oliver Malchow. In ihrem neuen verkehrspolitischen Programm fordert die Gewerkschaft nach Medienberichten 0,0 Promille für Autofahrer.

Die Gewerkschaft der Polizei (GdP) spricht sich einem Medienbericht zufolge für eine Null-Promille-Grenze bei Autofahrern aus. Wie die Zeitung "Bild" (Dienstag) unter Berufung auf das neue verkehrspolitische Programm der GdP berichtet, fordert Gewerkschaftschef Oliver Malchow darin "eine verbindliche 0,0-Promillegrenze für Fahrzeugführer sowie eine deutlich abgesenkte Promillegrenze für Radfahrer".

Fahren unter Alkoholeinfluss sei für jeden zehnten Verkehrstoten verantwortlich, hieß es. "Alkohol und Fahren sind unvereinbar. Alkohol tötet auf den Straßen", sagte Malchow.

Darüber hinaus fordert die GdP in ihrem verkehrspolitischen Programm nach Angaben der "Bild" die Abschaffung des Richtervorbehaltes für Blutentnahmen im Bereich von Verkehrsstraftaten. Und sie plädiert für "die Einführung eines Ordnungswidrigkeitstatbestandes für alkoholisierte Fahrradfahrer ab 0,8 Promille Blutalkoholkonzentration (BAK) sowie die Festsetzung des Grenzwertes der absoluten Fahruntüchtigkeit auf 1,1 Promille durch den Gesetzgeber".

Bisher gilt für Autofahrer die 0,5-Promille-Grenze. Nur Fahranfänger und Fahrer unter 21 Jahren dürfen keinen Alkohol getrunken haben, wenn sie am Steuer sitzen.

Die Welt, dpa, 19.05.2015


Alkohol-Testkäufe mit Teenies: Karlsruher Läden fallen durch

Erneut haben Karlsruher Tankstellen und Supermärkte gegen das Jugendschutzgesetz verstoßen, indem sie Alkohol an Teenie-Testkäufer verkauft haben. Das Ordnungsamt will künftig weiterhin Kontrollen durchführen.

Alkohol und Tabak sind für Jugendliche verboten und daher können sie diese Waren auch nicht kaufen. So sollte es eigentlich sein. Die Realität sieht aber immer wieder anders aus. Wie die Situation wirklich ist, testet das Ordnungs- und Bürgeramt (OA) unregelmäßig mit Testkäufen, bei denen Jugendliche versuchen, für sie verbotene Ware zu erwerben.

So auch am Freitag, 8. Mai. Ziel der Testkäufe waren diesmal keine Läden in der Innenstadt, sondern Tankstellen und Einkaufsmärkte in Neureut und der Waldstadt. "Insgesamt testeten wir zwölf Verkaufsstellen", so der Leiter des Ordnungs- und Bürgeramtes, Björn Weiße. "In sechs Fällen erhielten die Jugendlichen leider die gewünschten, aber für sie verbotenen alkoholischen Getränke beziehungsweise Zigaretten", erklärte Weiße weiter.

Aus Sicht des OA bestätigt das Ergebnis, dass Jugendliche immer noch zu leichten Zugang zu branntweinhaltigen Getränken und Tabakwaren haben. Daher sollen die Testkäufe in unregelmäßigen Abständen weiter durchgeführt werden. Die entsprechenden Geschäfte bekamen eine Anzeige wegen Verstoßes gegen das Jugendschutzgesetz.

ka-news, 16.05.2015


Suchtbericht: Alkoholkonsum häufig Grund für Krankenhausaufenthalt

Berlin. Übermäßiger Alkoholkonsum ist in Deutschland einer der häufigsten Gründe für einen stationären Krankenhausaufenthalt. “Mit 338.204 Fällen lagen psychische und Verhaltensstörungen durch Alkohol, zu denen auch Alkohol­vergiftungen zählen, an zweiter Stelle”, berichtet das Nachrichtenmagazin “Focus” unter Berufung auf den neuen Drogenbericht der Bundesregierung.


Eine weitere alarmierende Zahl: Etwa 10.000 Babys kamen 2013 mit Schädigungen zur Welt, die durch Alkoholkonsum ihrer Mütter verursacht wurden. Wie das Nachrichtenmagazin weiter berichtet, hat sich die Lage bei Kindern und Jugendlichen leicht entspannt, bleibt aber besorgniserregend: 23.267 junge Menschen mussten 2013 wegen Alkohol­pro­blemen im Krankenhaus behandelt werden. 2012 waren es noch 26.673. Die Zahl der Drogentoten ist zwar im vergangenen Jahr ganz leicht, auf 1.032 Fälle, angestiegen.


Die Bundesregierung bekennt sich jedoch im Drogenbericht aus­drück­lich zu lange umstrittenen Hilfsangeboten wie Spritzentausch­pro­grammen, Drogenräumen oder Kontaktläden. “Die langfristig sinkenden Zahlen der drogen­bedingten Todesfälle zeigen”, so heißt es in dem Bericht, dass diese Maßnahmen “wirksam sind”.

15.05.2015 fuldainfo


Anti-Alkohol-Gesetz vor 30 Jahren
Gorbatschow: Schritt war zu radikal

Wodka am Arbeitsplatz, viele Scheidungen, vereinsamte Kinder: Vor 30 Jahren ging Michail Gorbatschow in der UdSSR massiv gegen die Folgen des Alkoholkonsums vor. Nüchtern betrachtet, sei dies kein großer Erfolg gewesen, räumt er heute ein.

30 Jahre nach seinem Feldzug gegen Alkoholmissbrauch in der Sowjetunion hat Ex-Kremlchef Michail Gorbatschow die damalige Kampagne als Fehler bezeichnet. Die Maßnahme hätte Schritt für Schritt und nicht so radikal eingeführt werden müssen, sagte der 84-Jährige der russischen Tageszeitung "Komsomolskaja Prawda". "Man muss sowas allmählich machen. Nicht wie mit der Axt auf den Kopf", räumte der Friedensnobelpreisträger ein.

Vor 30 Jahren, am 17. Mai 1985, hatte die Parteizeitung "Prawda" einen Beschluss des Zentralkomitees der KPdSU veröffentlicht, der Verkauf und Genuss von Alkohol bis etwa 1991 extrem einschränkte. Dies hatte unter anderem einen Popularitätsverlust für Gorbatschow zur Folge, der vom Volk als "Mineralsekretär" verspottet wurde.

Das "trockene Gesetz" sei bereits unter Kremlchef Leonid Breschnew vorbereitet worden, sagte Gorbatschow. "Die Menschen schrieben bittere Briefe: Ewig betrunkene Eltern kümmern sich nicht um ihre Kinder, überall gibt es Scheidungen", schilderte er. Auch in seiner Jugendzeit als Erntehelfer im Nordkaukasus sei Hochprozentiges in Strömen geflossen.

Der Beschluss habe aber fatale Folgen gehabt: "Reihenweise schlossen Geschäfte, die Schwarzbrennerei begann, und wir hatten extreme Verluste im Staatshaushalt." "Am Anfang fanden sogar Trinker die Idee gut. Später unterstützten mich nur noch die Frauen", sagte Gorbatschow. Erfolge seien aber sichtbar gewesen, so sei die Geburtenrate gestiegen und die Zahl der Todesfälle gesunken. Den Vorwurf, er habe das Roden von Weinbergen angeordnet, wies der ehemalige UdSSR-Präsident und KPdSU-Generalsekretär vehement von sich. Er hätte damals statt einer Kampagne eine langfristige Strategie gebraucht, räumte Gorbatschow ein. "Wer die Gesellschaft ausnüchtern will, muss sich auf einen langen Kampf einstellen. Dieser Kampf hat aber nichts an Aktualität verloren."

Gorbatschow gilt als einer der Väter der deutschen Wiedervereinigung. Experten beklagen seit Jahrzehnten einen hohen Alkoholkonsum im Wodka-Heimatland. Ein Zusammenhang zwischen der hohen Sterblichkeit in Russland und Alkohol ist seit langem wissenschaftlich belegt. Mehr als die Hälfte der Todesfälle bei Russen im Alter zwischen 15 und 54 Jahren sind internationalen Studien zufolge auf übermäßigen Alkoholkonsum zurückzuführen.

15.05.2015, n-tv.de


Alkohol verteuern, dann wird weniger getrunken
Um zu erreichen, dass in Deutschland weniger Alkohol getrunken wird, sollte man die Steuer für diese Getränke erhöhen. Das schlägt die OECD vor.

PARIS. Eine saftige Erhöhung der Alkoholsteuern könnte nach Einschätzung der Industrieländer-Organisation OECD den gefährlichen Alkoholkonsum in Deutschland um zehn Prozent reduzieren. Zu diesem Ergebnis kommen Experten in einem am Dienstag in Paris vorgestellten Bericht über den Kampf gegen übermäßiges Trinken. Darin werden unter anderem die Auswirkungen einer Steuererhöhung simuliert, die Bier, Wein und Spirituosen um zehn Prozent verteuern würde. Dem Bericht zufolge ist der Konsum von Alkohol in den Industrieländern in den vergangenen 20 Jahren um 2,5 Prozent gesunken. Allerdings tranken junge Leute in vielen OECD-Staaten öfter gefährlich viel Alkohol. (dpa 12.05.2015)


EU-Abgeordnete fordern Kalorienangaben für alkoholische Getränke.

Warum Forscher das nicht unbedingt gutheißen - und wie viel Energie tatsächlich in Wein, Bier und Spirituosen steckt.

Wein, Bier und Cocktails sind deutlich energiereicher, als es vielen Konsumenten bewusst ist. Regelmäßiger Alkoholkonsum kann daher zu Übergewicht beitragen.

Europa-Parlamentarier fordern daher, Verbraucher besser über Alkohol als Dickmacher zu informieren: Bei alkoholischen Getränken soll künftig eine Kalorienangabe auf der Verpackung stehen. In einer Entschließung forderten die Abgeordneten am Mittwoch in Straßburg die EU-Kommission auf, eine entsprechende Strategie gegen Alkoholmissbrauch zu erarbeiten.

An die EU-Staaten appellierten die Abgeordneten, nationale Vorschriften zur Unterbindung des Verkaufs von "sehr günstigem Alkohol" zu überprüfen. Dies zielt nach Angaben eines Fraktionssprechers vor allem auf Lockangebote in Bars oder auf Werbeaktionen wie "Wodka zum halben Preis" ab, die gerade Jugendliche anlocken können.

Entgegen den Berichten einiger Medien verlangt das Parlament aber keine Mindestpreise für Alkohol. Auch die Forderung einiger Abgeordneter, EU-weit ein Mindestalter von 18 Jahren für den Konsum alkoholischer Getränke vorzuschreiben, fand keine Mehrheit. Dies zu regeln sei Sache der einzelnen Staaten, sagte der CDU-Abgeordnete Peter Liese.

Alkohol weist einen hohen Energiegehalt auf. Mit etwa sieben Kilokalorien pro Gramm liege er in der Nähe von Fett (neun Kilokalorien/Gramm), sagt der Ernährungsexperte Andreas Pfeiffer von der Berliner Charité. Man müsse kein Alkoholiker sein, um zusätzlich zur Nahrung eine relevante Menge an Kalorien über Wein, Bier oder Schnaps aufzunehmen.

Wie sich der Konsum von zwei Gläsern täglich auswirkt, haben Forscher in einer groß angelegten Studie 2011 untersucht: Bei Männern begünstigte er ein höheres Körpergewicht. Zudem wurde bei beiden Geschlechtern ein größerer Taillenumfang gemessen. "Wer mehr Bier trank, hatte einen dickeren Bauch", sagte die Erstautorin, Manuela Bergmann vom Deutschen Institut für Ernährungsforschung. Der Zusammenhang zeigte sich etwas schwächer auch bei Weintrinkern.

Ist es allein der Energiegehalt des Alkohols selbst, der dick macht? Endgültig geklärt ist das nicht, wie Bergmann sagt. Alkohol wirke appetitanregend und enthemmend. Zudem wird Alkohol im Körper als erstes abgebaut, vor allem in der Leber: Wegen dieser Entgiftung und Einflüssen auf den Fettstoffwechsel könnte etwa mit der Nahrung aufgenommene Energie anders verarbeitet werden, vermutet Bergmann.

Nicht zuletzt beobachteten Wissenschaftler einen veränderten Hormonspiegel, der womöglich die Verteilung von Fett am Körper beeinflusst: In ihrer Studie dokumentierte Bergmann, dass Alkohol konsumierende Teilnehmerinnen eine für ihr Geschlecht eher stärkere Taille im Verhältnis zur Hüfte hatten.

Alkohol an sich erhöht das Risiko für bestimmte Krebsarten und mit Fett im Oberbauch steigt das Risiko für viele andere Erkrankungen.

Die Forscherin fürchtet, dass sich mit der Kennzeichnung die Wahrnehmung von Bier, Wein und anderen alkoholischen Getränken ändern könnte: "Mit einer Kalorienangabe würden alkoholische Getränke in eine Reihe mit Lebensmitteln gestellt." Gesundheitlich bedeutsamer sei die Angabe des Alkoholgehalts.

Immerhin ein Informationsplus für Verbraucher sieht der Mediziner Manfred Singer: "In Hinblick auf Fettleibigkeit unterschätzen viele den Einfluss von Alkohol", sagte er. "Für kalorienbewusste Verbraucher kann die Kennzeichnung sinnvoll sein", glaubt auch Mediziner Pfeiffer. "Man sollte aber nicht erwarten, dass Menschen dadurch abnehmen." Diesen Effekt habe auch die Kennzeichnung von Lebensmitteln nicht gehabt.

Bei der Kennzeichnung von Nahrungsmitteln sieht auch die Verbraucherschutzorganisation Foodwatch trotz EU-Verordnungen noch Lücken. Entscheidende Infos fehlten, sagte ein Sprecher. Nährwertangaben auf der Vorderseite von Verpackungen stehen in der Kritik, weil dafür unrealistisch kleine Portionen berechnet würden. Zur Kennzeichnung von alkoholischen Getränken hat die Organisation noch nicht Stellung bezogen.

Nach Angaben der Weltgesundheitsorganisation (WHO) von 2014 wird in Europa und vor allem in Deutschland besonders viel Alkohol getrunken: 11,8 Liter reinen Alkohol trinkt demnach jeder über- 14-Jährige in Deutschland pro Jahr. Suchtexperten führen dies unter anderem auf die günstigen Preise und die Verfügbarkeit rund um die Uhr zurück.

Quelle: Spiegel Online, 30.04.2015

Kalorien in alkoholhaltigen Getränken
1 Glas Bier 0,3 l  129 kcal
1 Glas Hefeweizen 0,5 l  215 kcal
1 Flasche Radler 0,33 l  112 kcal
1 Glas alkoholfreies Bier 0,3 l  75 kcal
1 Glas Rotwein à 0,2 l  134 kcal
1 Glas Weißwein à 0,2 l  120 kcal
1 Glas Sekt à 0,2 l  160 kcal
1 Glas Prosecco à 0,2 l  166 kcal
1 Glas Wodka à 0,02 l  43 kcal
1 Glas Kräuterlikör à 0,04 l  100 kcal
1 Glas Caipirinha à 0,3 l  322 kcal
1 Glas Gin-Tonic à 0,2 l  140 kcal



EU-Parlament will Alkohol unter 18 verbieten (Update siehe nächster Artikel oben)

Ist es bald vorbei mit Bier für 16-Jährige? So jedenfalls fordert es der Gesundheitsausschuss des EU-Parlaments. Am Montag, 04.05.2015 wollen die Europa-Parlamentarier über die Initiative abstimmen.

Ist das der Beginn einer neuen EU-weiten Gesetzgebung für Alkohol? Am Dienstag will das EU-Parlament in Straßburg einen Antrag beschließen, in dem die EU-Kommission aufgefordert wird, bis zum Jahresende einen neuen Gesetzesvorschlag gegen Alkoholmissbrauch vorzulegen.

Dabei haben die Abgeordneten schon klare Vorstellungen davon, wie die neue europäische Strategie gegen Alkoholmissbrauch aussehen soll. Wichtigste Forderung: Unter 18 Jahren soll ein striktes Alkoholverbot gelten. So sieht es der Entschließungsantrag vor, der bereits im zuständigen Parlamentsausschuss für öffentliche Gesundheit und Lebensmittelsicherheit verabschiedet wurde. Die europäischen Christdemokraten wollen ein Alkoholverbot unter 18 zwar noch im letzten Moment kippen, aber das war ihnen schon im Ausschuss nicht gelungen.

Wörtlich heißt es in dem EU-Dokument: "Das Europäische Parlament fordert die Mitgliedsstaaten auf, ihre Bemühungen zum Schutz von Jugendlichen vor alkoholbedingten Schäden zu intensivieren, namentlich indem die derzeit geltenden Altersgrenzen auf ein Mindestalter von 18 Jahren angehoben werden und für verantwortungsvolle Werbung gesorgt wird." In Deutschland ist der Verkauf von Bier und Wein derzeit ab 16 Jahren gestattet.

Alkoholismus kostet Hunderte Milliarden

Ziel der neuen EU-Strategie soll sein, den Missbrauch von Alkohol einzuschränken. Für die direkten und indirekten Kosten, die dadurch in Europa jährlich entstehen, nennt der Bericht das Jahr 2010, in dem diese Kosten zuletzt untersucht wurden – damals betrug der Gesamtschaden etwa 155,8 Milliarden Euro. Zudem seien weltweit 3,3 Millionen Todesfälle pro Jahr auf den Missbrauch von Alkohol zurückzuführen – das sind immerhin knapp sechs Prozent aller Toten.

Die Parlamentarier fordern darum auch – ähnlich wie auf Zigarettenschachteln –, Warnhinweise auf alkoholischen Getränken abzubilden. Sie sollen sich insbesondere gegen Alkohol am Steuer richten. Der einflussreiche Gesundheitsexperte im EU-Parlament, Peter Liese (CDU), sagte: "Besonders verbraucherrelevant scheint mir die Forderung nach einer europaweiten Gesetzgebung für Warnhinweise für Schwangere zu sein. Dieses Piktogramm mit einer durchgestrichenen Schwangeren auf der Flasche oder der Dose ist in manchen Ländern schon verpflichtend."

Liese wendet sich aber gegen gesetzlich vorgeschriebene Mindestpreise für Alkohol. In dem Antrag des EU-Parlaments heißt es dazu, die Mitgliedsländer sollten prüfen, ob der "Verkauf sehr günstigen Alkohols" unterbunden werden sollte. Die Abgeordneten wollen am Dienstag auch beschließen, dass künftig auf alkoholischen Getränken "Angaben zu Zutaten und Nährwerten" bereitgestellt werden. "Das Europäische Parlament vertritt die Auffassung, dass die Verbraucher über Zutaten und Nährwerte informiert werden sollten", heißt es im Text.

Umstritten ist, inwieweit sich die EU grundsätzlich in die nationale Gesetzgebung zum Alkohol einschalten kann. Die Parlamentarier legen den Geltungsanspruch europäischer Gesetze jedenfalls großzügig aus. Liese betont aber, dass die neue Entschließung Alkoholkonsum nicht generell verurteilt: "Ich bin der festen Überzeugung, dass man Alkohol nicht verteufeln darf und Alkohol in keiner Weise mit Tabak zu vergleichen ist. In unserem Antrag wird anerkannt, dass gemäßigter Alkoholkonsum nicht zwangsläufig im Gegensatz zu einer gesunden Lebensführung stehen muss."

Die Welt, 27.04.2015


Göppinger Programm gegen Komasaufen

Was die Zehn Gebote mit Suchtfragen zu tun haben

Konfirmanden stehen an der Schwelle zum Erwachsenwerden. Damit sie sich auch beim Umgang mit Alkohol reif fühlen können, hat eine Göppinger Initiative ein digitales Sucht-Präventionsprogramm entwickelt.

Weil Komasaufen bei Jugendlichen ein aktuelles Thema ist, haben das Gesundheitsamt und die evangelische Kirche ein gemeinsames Präventionsprojekt für Konfirmanden erarbeitet. Herausgekommen sind zehn Arbeitsblätter für den Konfirmandenunterricht, die für jeden nutzbar im Internet bereitstehen. Zur Freigabe des Materials überreichte Gesundheitsamtsleiter Heinz Pöhler dem Göppinger Dekan Rolf Ulmer symbolisch einen Datenstick.

Eine Broschüre kam für den Initiator Andreas Kadel, Arzt beim Gesundheitsamt Göppingen, schon deshalb nicht als Medium in Frage, „weil das sowieso nicht gelesen wird“. Als jugendgerechter und auch didaktisch vielseitiger präsentierten die Macher zehn Arbeitsblätter, die sich Pfarrer, Lehrer, Eltern, Jugendliche und alle anderen Interessierten einfach in Internet herunteraden und für ihre Zwecke verändern und bearbeiten können. Mitgewirkt hat auch der Diplomsozialarbeiter Markus Hahn, der in der Suchtberatungsstelle des Diakonischen Werks Göppingen tätig ist.

Viele spannende Anknüpfungspunkte für den Konfirmandenunterricht, der sich sowieso häufig mit den zentralen Lebens- und Glaubensfragen beschäftige, sieht Thomas Ebinger, der als Dozent für Konfirmandenarbeit am Pädagogisch-Theologischen Zentrum des Evangelischen Landeskirche Württemberg, PTZ, arbeitet.


Wenn die Schwelle zum Erwachsenwerden traditionell mit der Konfirmation gefeiert wird, tauche automatisch auch die Frage zum Umgang mit Alkoholkonsum auf, sagte Ebinger und erinnerte an das Abendmahl, das wahlweise mit Traubensaft oder mit Wein gefeiert wird. Auch der Dekan Rolf Ulmer hofft, dass sich das Material in der evangelischen Landeskirche weit verbreitet, weil hier biblische Themen und die Zehn Gebote geschickt mit Suchtfragen kombiniert worden seien. Neu sei der theologische Ansatz beim Umgang mit Suchtfragen, während weltanschaulich neutrale Präventionsmaterialien bereits zuhauf zur Verfügung stünden.
Auch der Kirchentag dient als Forum

Das Präventionsprogramm soll auch beim Kirchentag in Stuttgart im Juni präsentiert werden. Ebinger kündigte an, das Material am 6. Juni vorzustellen bei der Veranstaltung „Dein Kick“, bei der ein Abstinenzler und ein trockener Alkoholiker zu Wort kommen werden. Dass das Thema auch im Kreis Göppingen über den Konfirmandenunterricht hinaus interessant sei, hätten Anfragen vom Schulamt sowie dem Sportkreis gezeigt, berichtete Kadel.

Stuttgarter Zeitung 26. April 2015


„Was so schön hat geprickelt ...“ So dreist verführt die Werbung uns zum Trinken

Ob Feierabendbier vorm Fernseher, ein Glas Rotwein auf der Terrasse oder ein Gin Tonic auf der After-Work-Party: Gerne gönnen wir uns noch einen Drink vor dem Schlafengehen. Doch oft ist unser Verlangen nach Alkohol gar nicht unsere eigene Idee, sondern das Resultat einer gelungenen Werbekampagne.

  • Alkoholwerbung arbeitet mit psychologischen Tricks.
  • Die Konditionierung können wir mit neuen Gewohnheiten aufheben.

Was schätzen Sie, wie viel Werbung sehen und hören Sie jeden Tag? Sind es vielleicht 100, 1000 oder gar 3000 Werbespots? Tatsächlich geht man mittlerweile von 5000 Werbebotschaften täglich aus.

Werbung ist überall: Offensichtlich, schleichend und versteckt. Der letzte Krimi allein hat mal wieder Product Placement betrieben, das Postfach ist voll damit und der Weg zur Arbeit ein einziges Werbepflaster. Haben Sie sich schon einmal gefragt, warum Sie also immer wieder eine regelrechte Trinklust verspüren, wenn Sie ins Kino gehen, zu einem Konzert, ins Fußballstadion oder einfach nur über das Stadtfest schlendern? Dann wird Ihnen Pawlows Hund eine gute Erklärung abgeben. 

                                                                                                                  
Ende des 19. Jahrhunderts machte der russische Mediziner Pawlow eine interessante Beobachtung: Beim Ertönen einer Glocke reagierte sein Hund kaum darauf. Erst die Verbindung des Tones mit einem Napf Hundefutter, veränderte anscheinend seine Konditionierung im Kopf. Fortan speicherte sich der Hund ab: Glockenklang heißt Futter im Anmarsch. Nach einer Weile ließ Pawlow aber das Futter weg. Beim Ertönen der Glocke sabberte der Hund trotzdem vor sich hin, mit großer Erwartung auf seinen leckeren Hundeknochen.

Im übertragenen Sinn sind Werbespots also die Glöckchen, und wir sind die durstigen Zweibeiner. Denn ob wir es merken oder nicht: Mit der Werbung sind wir ständigem Reiz ausgesetzt, der mit einer bestimmten Botschaft gekoppelt ist. Nicht immer ist uns das bewusst und vieles läuft auf emotionaler, unbewusster Ebene ab. Werbung erzeugt oder weckt Bedürfnisse. Ihr Ziel ist es ja auch, uns zum Kauf eines bestimmten Produktes zu ermutigen. Sie nutzt psychologische Tricks, damit wir uns ja auch mit der Marke identifizieren und diese immer wieder konsumieren wollen. Werbung arbeitet also ganz klar mit unseren Bedürfnissen, Sehnsüchten und Träumen und lädt Produkte mit symbolischem Wert auf.

Focus Online, 19.04.2015


Politiker wollen besser über Folgen von Alkohol in der Schwangerschaft aufklären

Politiker von CDU und SPD fordern mehr Aufklärung über die schweren gesundheitlichen Folgen, die Alkoholkonsum in der Schwangerschaft für die Kinder haben kann. Der CDU-Abgeordnete Hüppe verlangte in einem Bericht der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung", dass auf Flaschen mit alkoholischen Getränken ein deutlicher Warnhinweis angebracht wird. Dies solle gesetzlich vorgeschrieben sein. Die gesundheitspolitische Sprecherin der SPD-Bundestagsfraktion, Mattheis, plädierte für eine bessere Zusammenarbeit von Ärzten, Hebammen und Jugendämtern. Dem Bericht zufolge kommen jedes Jahr rund 10.000 Kinder mit geistigen und körperlichen Schädigungen zur Welt, weil ihre Mütter in der Schwangerschaft Alkohol getrunken haben.

Deutschlandfunk, 18.04.2015


Schweiz:
Kommission will Komatrinker für Spitalkosten zur Kasse bitten

Wer zu viel trinkt und deshalb ins Spital oder in die Ausnüchterungszelle muss, soll für die Kosten künftig selber aufkommen. Trotz des grossen Widerstandes in der Vernehmlassung hält die Gesundheitskommission des Nationalrates (SGK) daran fest. Mit 13 zu 11 Stimmen bei 1 Enthaltung hat die Kommission einen Gesetzesentwurf verabschiedet und ihrem Rat überwiesen, wie die Parlamentsdienste am Freitag mitteilten.

Das Ziel sei die Stärkung der Eigenverantwortung, hält die SGK fest. Medizinische Behandlungen als Folge von übermässigem Alkoholkonsum seien grundsätzlich selbst verschuldet. Deshalb sollten die Betroffenen die Kosten auch selber bezahlen.

Der Gesetzesentwurf geht auf eine parlamentarischen Initiative des Zürcher SVP-Nationalrats Toni Bortoluzzi zurück. Die Vorlage sieht Ausnahmen vor. So soll die Kostenbeteiligung nicht erhoben werden, wenn eine Person nachweisen kann, dass sie kein Verschulden am übermässigen Alkoholkonsum trifft oder die Leistungen unabhängig vom übermässigen Alkoholkonsum erbracht werden mussten.

Auch für Alkoholabhängige soll es Ausnahmen geben. Ab welchem Pegel ein Trinker allfällige Kosten tragen muss, soll der Bundesrat festlegen. Die neue Regel soll nach dem Willen der Kommission vorerst nur für fünf Jahre eingeführt werden. Bis dann soll der Bundesrat die Wirkung wissenschaftlich überprüfen lassen.

Aus Sicht der Gegner würde mit einer solchen Regelung das Versicherungsprinzip der Krankenversicherung ausgehöhlt. Mit der gleichen Argumentation könnten auch Raucher, Übergewichtige oder Überarbeitete zur Kasse gebeten werden, argumentieren sie. Die Rede ist von einem Richtungswechsel: Weg vom Solidaritätsprinzip, hin zum Verursacherprinzip.

Wie die Chancen für die Kostenbeteiligung im Parlament stehen, ist offen. Bei der Beratung des Alkoholgesetzes hatte der Nationalrat einen ähnlichen Antrag aus den Reihen der SVP abgelehnt. In der Vernehmlassung hatten sich Ärzte, Suchtexperten und Kantonsvertreter gegen den Vorschlag ausgesprochen. Auch bei den politischen Parteien überwiegt - ausser bei der SVP und der FDP - die Skepsis.

Nach Ansicht der Suchtverbände würde ein solches Gesetz dazu führen, dass einzelne Personen aus Kostengründen im Notfall nicht mehr ins Spital eingeliefert würden. Denn eine Überdosisbehandlung ist für einen Jugendlichen teuer. Das Universitätskinderspital beider Basel rechnet mit durchschnittlich rund 1600 Franken.

Die Spitäler warnten vor höheren Behandlungskosten. In der Praxis sei es für die Ärzte nämlich oft schwierig, eine Vergiftung eindeutig auf Komatrinken zurückzuführen. Um Rechtsstreitigkeiten zu vermeiden, wären teure Zusatzabklärungen nötig. Viele machten in der Vernehmlassung auch darauf aufmerksam, dass das Rauschtrinken rückläufig ist. Die Behandlungen wegen Alkoholvergiftung haben in den letzten Jahren abgenommen.

Blick.ch, 17.04.2015


Krankheit wird oft nicht erkannt
5 Dinge, die Männer über Depressionen wissen sollten - und ihre Frauen auch

Arbeitswut, Aggressivität, Alkohol - wenn Männer depressiv werden, zeigen sie oft nicht die typischen Symptome. Häufig bleibt ihr seelisches Leiden deshalb lange unbemerkt. FOCUS Online erklärt, warum eine "männliche" Depression oft nicht dem Klischee entspricht - und was Betroffene brauchen.

  • Klassische Diagnose orientiert sich an "weiblichen" Symptomen.
  • Männern fehlt es schwer, ein psychisches Leiden zuzugeben.
  • Oft sind es die Frauen, die ihre Partner zum Arztbesuch überreden.

„Wenn Frauen depressiv sind, futtern sie oder gehen shoppen. Männer dagegen überfallen andere Länder.“ So prägnant fasste die US-Komikerin Elayne Boosler die unterschiedlichen Auswirkungen von Depressionen zusammen. Gemütskranke Feldherren wie Napoleon Bonaparte sind ihr Beleg. Doch auch jenseits des Schlachtfelds zeigt sich, dass das starke Geschlecht auf seine eigene Weise mit Depressionen umgeht: mit Alkohol, Aggressivität und Arbeitswut.

Jeder achte Mann erkrankt mindestens einmal im Leben an der Gemütsstörung. Das weibliche Risiko liegt doppelt so hoch - glaubt man der Statistik. Doch die etablierten Fragebögen, anhand derer die Krankheit festgestellt wird, erfassen vor allem Symptome von Frauen. Traurigkeit, Angst und Antriebslosigkeit zeigen viele betroffene Männer aber zunächst nicht. Anne Maria Möller-Leimkühler, die an der Ludwig-Maximilians-Universität München über Gender und psychische Störungen forscht, sagt deshalb: „Depressionen von Männern sind systematisch unterdiagnostiziert und untertherapiert.“

Auch Harald Gündel vom Uniklinikum Ulm verweist darauf, dass gerade Männer häufig nicht die klassischen Symptome einer Depression zeigen. „Man sieht immer mehr, dass ein Mann, der eine Depression entwickelt, nicht immer das klassische Bild eines depressiven Patienten erfüllen muss.“ Besonders Männer, die ein traditionelles Rollenbild mit Werten wie Leistungsstärke, Status und Einkommen verinnerlicht hätten, gingen nicht nur generell selten zum Arzt - ihnen falle es auch besonders schwer, eine psychische Erkrankung zu erkennen zu geben, sagte Gündel.

Experten schätzen, dass die Krankheit tatsächlich bei beiden Geschlechtern etwa gleich häufig auftritt. Ein wichtiger Anhaltspunkt: Männer kommen trotz vermeintlich niedriger Depressionsraten mehr als dreimal so häufig durch Suizid ums Leben wie Frauen. Dabei sind Depressionen, die als eine der Haupt-Ursachen für Selbsttötung gelten, heute ein gut verstandenes Leiden, vom dem vier von fünf Patienten mit dauerhaftem Erfolg geheilt werden können.

Eine Ursache für die Gemütsstörung liegt im Gehirn von depressiven Patienten. Dort lassen sich weniger Neurotransmitter nachweisen, Stoffe zur Übertragung von Nervenreizen. Gegen das Ungleichgewicht im Hirnstoffwechsel wirken Antidepressiva. Sie führen dazu, dass vermehrt Neurotransmitter ausgeschüttet werden. Bei vielen Patienten verschwinden die Symptome dann zeitweilig.

Psychologen weisen zudem auf persönliche Faktoren hin. Eine ängstlich-fürsorgliche Erziehung, mangelhafte Möglichkeiten zur Stressbewältigung und ein schwach entwickeltes Selbstwertgefühl machen anfällig. Auch unzureichend verarbeitete Traumata, beispielsweise Misshandlung oder eine durchlebte Katastrophe, begünstigen, dass nach einer späteren Krise eine Depression ausbricht.

Es gibt zahlreiche Hinweise auf eine genetische Veranlagung. Hat man Verwandte ersten Grades mit Depressionen, liegt die Gefahr, selbst zu erkranken bei 15 Prozent. Ist ein eineiiger Zwilling betroffen, beträgt das Risiko mindestens 50 Prozent.

Hauptsymptome einer Depression sind eine gedrückte Stimmung, Interessenverlust, Freudlosigkeit, Antriebsmangel und erhöhte Ermüdbarkeit. Dazu können Konzentrationsstörungen, ein Gefühl der Wertlosigkeit, pessimistische Zukunftsvorstellungen und Selbstmordgedanken kommen. Mindestens zwei der Hauptsymptome und zwei weitere Symptome muss ein Patient über mindestens zwei Wochen aufweisen, damit der Arzt eine Depression diagnostiziert. Je nachdem, wie viele weitere Symptome vorliegen, spricht man von einer leichten, mittelgradigen oder schweren depressiven Episode. Treten die Krankheitszeichen über zwei Jahre auf, spricht man von einer chronischen Depression.

Einige Patienten haben zusätzlich Angst- oder Wahnstörungen. Manche sind zudem abhängig von Alkohol, Drogen oder Medikamenten. Wechseln sich depressive Phasen mit übertrieben euphorischen, rastlosen Zeiträumen ab, spricht man von einer bipolaren Störung. Diese Erkrankung betrifft einen von 100 Menschen im Laufe seines Lebens.

Der erste Weg führt für die meisten Patienten zum Hausarzt. Für Mediziner besteht die Herausforderung, die Depression hinter den belastenden körperlichen Symptomen zu erkennen und andere Krankheiten auszuschließen. „Wenn der Hausarzt auf Anhieb keine klare organische Ursache findet, dann sollte er hellhörig werden und nachfragen“, sagt Hettich. Die aktuelle Belastungssituation, aber auch die Frage nach dem Alkohol kann einen Hinweis auf eine psychische Ursache ergeben.

Auszug aus Focus-Bericht vom 16.04.2015


Neue Langzeit-Studie beweist: So krank macht Alkohol wirklich

Bonn - Von Leberkrankheiten über Asthma bis hin zum Herzstillstand: Wer zu viel Alkohol trinkt, riskiert eine Vielzahl von schweren Krankheiten, die im Extremfall sogar zum Tod führen können.

Dass Alkohol in grossen Mengen alles andere als gesundheitsfördernd ist, kann jeder nachvollziehen, der schon mal am Morgen nach einer ausgelassenen Feier mit einem ordentlichen Kater aufgewacht ist. Über die Langzeitfolgen des Alkoholkonsums sind sich aber die meisten zu wenig im Klaren – dabei sind diese noch vielseitiger als angenommen.

Im Extremfall kann Alkohol bis zu 27 Krankheiten auslösen, die als Begleiterscheinung auftreten würden. Das ergab eine Studie der deutschen Universitätsklinik Bonn und des Royal Derby Hospitals in England. Während über zwölf Jahren untersuchten Forscher rund 23'000 Fälle von Alkoholsüchtigen.

Zu den Krankheiten, die durch übermässigen Alkoholkonsum ausgelöst werden können, gehören unter anderem:

  • alkoholische Leberkrankheit, dazu gehören Fettleber durch Alkohol und Leberzirrhose
  • Asthma
  • Epilepsie
  • Chronisch obstruktive Lungenerkrankung (COPD)
  • Lungenentzündung
  • alkoholische Gastritis (Magenschleimhautentzündung)
  • Vorhofflimmern
  • zerebrovaskuläre Erkrankungen (Arteriosklerose der Hirngefäße, Blutgerinnsel)
  • Bronchitis
  • Herzprobleme allgemein
  • alkoholische chronische Pankreatitis (Bauchspeicheldrüsenentzündung)
  • gastroösophageale Refluxkrankheit (Sodbrennen)
  • Cellulite
  • alkoholische akute Pankreatitis (akute Bauchspeicheldrüsenentzündung)
  • Atemstillstand
  • chronische Nierenerkrankungen
  • Duodenitis (Entzündung der Schleimhaut im Zwölffingerdarm)
  • ischämischer Schlaganfall
  • Eisenmangelanämie
  • Zwölffingerdarmgeschwür
  • Oberschenkelhalsbruch
  • unspezifische Demenz
  • periphere arterielle Verschlusskrankheit (Schaufensterkrankheit)
  • alkoholisches Leberversagen
  • Ösophagitis (Speiseröhrenentzündung)
  • Ösophagus-Ulkus (Speiseröhrengeschwür)
  • unspezifisches Nierenversagen

Diese Vielzahl überrascht. Der Experte winkt jedoch ab: „Bekannt ist, dass rund 60 Krankheiten mit Alkoholsucht einhergehen können. Die aufgeführte Liste nennt nur die 27 häufigsten.“

Überraschend war für den Experten jedoch, dass sich dabei nicht eine Krankheit als besonders dramatisch herausstellte. „Die Vielfalt der Krankheiten beim einzelnen Patienten hatten wir nicht erwartet, also die Multimorbidität, die bei Alkoholsucht auftritt und die Mortalität erhöht“, sagt der Experte.

In Kombination könnten die Krankheiten sogar tödliche Folgen haben, sagt Dieter Schoepf von der Uni Bonn zu zu «Focus Online». «Es stellte sich heraus, dass jeder fünfte der Alkoholkranken in diesem Zeitraum in einer Klinik verstarb.»

Aller Cellulite und Hautalterungen zum Trotz: Immerhin soll Alkohol in geringem Masse den Menschen sogar attraktiver erscheinen lassen. Forscher der Universität von Bristol in England haben herausgefunden, dass – ganz nüchtern betrachtet – leicht angetrunkene Menschen besser aussehen als solche, die keinen Alkohol konsumiert haben.

Focus-Online, 13.04.2015 und Blick.ch, 14.04.2016


Wenn Kinder ihren Eltern den Alkohol kaufen gehen
Wenn Erwachsene trinken, leiden ihre Kinder oft doppelt und dreifach darunter.

«Ab vier Uhr nachmittags war meine Mutter nicht mehr ansprechbar», sagt Karin S.* (44) aus Arbon. Seit sie sich erinnern kann, war ihre Mutter Alkoholikerin. «Als Kind weiss man aber nicht, was genau los ist – man merkt nur, dass nichts in Ordnung ist. und glaubt, man sei schuld daran.»

Heute ist Karin S. Mitglied von Al-Anon, der Selbsthilfegruppe für Angehörige von Alkoholikern. An der bevorstehenden Frühlingsmesse Offa steht sie gemeinsam mit anderen Betroffenen den Besuchern Red und Antwort. Die Stiftung Suchthilfe St. Gallen organisiert eine Sonderschau, bei der nicht die Süchtigen selbst, sondern die Kinder von Alkoholikern im Mittelpunkt stehen.

«Das Thema ist immer noch tabu. Kaum jemand will darüber reden, doch das ist kontraproduktiv», sagt Jürg Niggli, Geschäftsleiter der Stiftung Suchthilfe. Auch deshalb habe man sich entschieden, eine Kampagne zu starten und die Sonderschau auf die Beine zu stellen. Sie soll informativ und zugleich emotional sein.

Karin S. weiss nur allzu gut, wie Sucht innerhalb von betroffenen Familien vertuscht wird. «Bei uns setzte man alles daran, den Schein zu wahren. Wenn ich mal erzählte, wie es bei uns wirklich zuging, glaubte mir niemand.» Schon als Zehnjährige habe sie den Haushalt geführt und dem Vater das Mittagessen zubereitet, ohne dass er es wissen durfte.

Im Dorfladen musste sie den Wein für die Mutter kaufen. «Immer hatte ich eine andere Ausrede, weshalb wir den Wein brauchten», erzählt sie. «Dann lachten die Leute im Laden und ich hatte das Gefühl, sie lachten mich aus.» Dieses Gefühl habe sie die ganze Kindheit hindurch begleitet.

Später als Erwachsene habe sie zwar nicht getrunken, aber dennoch unbemerkt vieles vom Verhalten ihrer kranken Mutter übernommen. Bis sie schliesslich zu Al-Anon fand und erfuhr, dass sie mit ihrer Geschichte nicht allein ist und dass sie keine Schuld trifft. «Sucht ist eine Familienkrankheit», sagt Karin S. Neben Al-Anon gibt es inzwischen auch Alateen, die Selbsthilfegruppe für Kinder von Süchtigen.

Jürg Niggli schätzt, dass jedes zehnte Kind von Sucht betroffen ist. Wichtig sei es, die Kinder zu ermutigen, Hilfe anzunehmen: «Sie sollen wissen, dass sie nicht allein sind.»

20min.ch, 09.04.2015


Drogenbeauftragte verschluckt sich am Tele-5-Suff-Talk

Die Drogenbeauftragte des Bundes, Marlene Mortler (CSU), hat den neuen Tele-5-Trink-Talk "Der Klügere kippt nach" als Verharmlosung des Alkoholkonsums kritisiert. "Diese gezielte Aufforderung zum Rauschtrinken ist für mich als Drogenbeauftragte und für Millionen von betroffenen Familienangehörigen ein absolutes No-Go", sagt sie der "Passauer Neue Presse" (Mittwoch). "Quote um jeden Preis? Wenn das die Zukunft des Fernsehens ist, dann sind wir bald nur noch von Sinnen", versucht die 59-jährige Politikerin zu witzeln.

Tele 5 hatte am Ostermontag auf Hamburgs Amüsiermeile St. Pauli den Live-Talk gestartet. An der Theke: Hella von Sinnen, Wigald Boning und Hugo Egon Balder. In der einstündigen Sendung tranken die Gäste jeweils zwei bis drei Gläser ihres "Stammgetränks". Wein, Bier oder ein Wodka-Mischgetränk wurden ergänzt durch Eierlikör beim Thema Ostern oder Ouzo, als es um die Griechenland-Krise ging. Derbe Sprüche gingen ab 22.15 Uhr über den Tresen, die Zahl der Zuschauer war mit 240.000 für Tele 5 recht ordentlich (1,0 Prozent Gesamtmarktanteil). Fünf weitere Folgen sind nun geplant. Die Sendung war bereits im Vorfeld wegen des Konsums von Alkohol vor der Kamera beim Suchthilfeverband in die Kritik geraten. Dazu sagte Balder nach der ersten Live-Ausgabe: "Alles halb so schlimm. Es ist doch nicht anders als abends in der Kneipe gewesen."

Tele 5 hat durchaus von der Verwirklichung eines Balder-Traums profitiert: Der langjährige Sat.1-Entertainer hatte das Konzept für einen Suff-Talk seit Jahren realisieren wollen. Beim kleinen wilden Sender aus München ist er fündig geworden. Das Team um Senderchef Kai Blasberg ist damit immerhin groß in den Schlagzeilen. Selbst Springers "Bild"-Zeitung lästert am Mittwoch über die aus ihrer Sicht zu schlüpfrigen Sprüche (!) einer Hella von Sinnen. Viel PR, bevor am kommenden Montag unter anderem Gagschreiber Micky Beisenherz in den trinkfreudigen Ring von "Der Klügere kippt nach" steigt. Man darf gespannt sein, was der "Dschungelcamp"-Autor an Alkoholischem vorgesetzt bekommt.

Der Sender selbst nimmt sich gerade bei der nächsten Programmankündigung auf die Schippe – so präsentiert 1Live-Moderator Ingmar Stadelmann nach seinem Auftritt bei "Der Klügere kippt nach" ab 18. Mai immer montags die neue Show „Fat Chicken Club“ um 22.15 Uhr. Er tritt dann auf diesem Sendeplatz an, wenn die Balder-Reihe endet und darf ebenfalls sechs Sendungen bei Tele 5 absolvieren - mit einem Mix aus Stand-up-Performances, Beats und Street-Comedy-Einspielern. Das Ganze im Look eines Underground-Fight Clubs im Münchener Kesselhaus. Stadelmanns Kommentar zur neuen Reihe: "Fat Chicken Club wird mich unausweichlich zum neuen Maskottchen von Tele 5 machen. Und bevor beim Titel Fragen auftauchen: Nein, Hella von Sinnen ist in dieser Show nicht dabei!“

ps/dpa WuV, 08.04.2015


Strengere Regeln im Umgang mit Alkohol? - Ein Pro & Contra

Pro von Silke Hoock: Eine gute Absicht

Wer keinen Alkohol trinkt, hat ein Problem. Wer auf der Party beim Wasser bleibt, wird bemitleidet. Du musst fahren? Als gäbe es keinen anderen Grund, um abstinent zu sein. Dass Alkohol Menschen in die Sucht und damit ins Elend führen kann, wird ausgeblendet. Der Kollege, der schon morgens eine Fahne hat, wird geschont. Aus falscher Rücksicht: Die Leitragenden sind nicht die Süchtigen allein. Auch Angehörige leiden. Familien zerbrechen an der Sucht. Kinder erleben Tragödien.

Der Plan der EU, Alkohol zu verteuern, das Mindestalter für den Konsum auf 18 anzuheben und Warnhinweise auf Gebinden anzubringen, ist gut. Doch machen wir uns nichts vor: Jugendliche brauchen Vorbilder. Sie brauchen Eltern, die ohne Alkohol lustig und selbstbewusst sind oder einen gemäßigten Konsum vorleben. Regeln beruhigen das Gewissen, lösen aber kein Problem. Denn wer viel Alkohol trinkt, weil er ihn braucht als Seelentröster oder Mutmacher, hat ein solches.

Contra von Frank Preuß: Fürsorge nervt

Der Staat meint es natürlich gut mit uns, wenn er uns ständig erklärt, was gesund ist für uns und was nicht, was wir tun sollen und was wir besser lassen. Aber ehrlich gesagt: Diese fürchterliche Fürsorge, diese präsidiale Pädagogik, diese erdrückende Besserwisserei macht mich krank. Sind wir lebensunfähig?

Alkohol in rauen Mengen ist ungesund, im schlimmsten Fall sogar tödlich. Das ist keine originelle Erkenntnis und hat sich auch bis zu denen herumgesprochen, die trotzdem trinken, weil sie es wollen oder nicht anders können. Alkoholkranken hilft man aber nicht mit oberlehrerhaften Aufklebern auf Schnapsflaschen, Preiserhöhungen und Werbeverboten, sondern mit Therapien. 16-Jährigen kann man sagen, dass Saufen nicht sexy ist - wirksamer aber ist es, den mangelhaften Jugendschutz beim Verkauf zu sanktionieren.

Nein, das ist kein Plädoyer für hemmungslose Besäufnisse. Aber eins gegen staatliche Bevormundung.

WAZ, Essen, 07.04.2015


Von wegen harmloses Nippen
Achtung Eltern! Wenn Sie das tun, wird Ihr Kind zum Komasäufer

Das Kind nimmt mal ein Probeschlückchen Wein oder leckt am Bierschaum: Viele Eltern denken sich nichts dabei, wenn der Nachwuchs ein bisschen Alkohol probiert. Doch das vermeintlich harmlose Kosten hat häufig bereits wenige Jahre später fatale Folgen, wie eine US-Studie aufdeckt.

  • 30 Prozent der Elfjährigen haben schon Alkohol probiert
  • Mit 14 haben viele schon einen Vollrausch erlebt
  • Kinder sollten kein Probeschlückchen nehmen

Die Franzosen tunken schon mal den Schnuller in Rotwein, wenn das Baby nicht schlafen will. Und in Deutschland dürfen Kleinkinder auch mal den Schaum vom Bierglas lecken. Weil es unter Aufsicht der Eltern passiert und es sich nur um winzige Mengen Alkohol handelt, ist das alles harmlos, so die landläufige Meinung.


30 Prozent haben mit elf Jahren schon Alkohol gekostet

Eine Studie der Brown University in Providence, veröffentlicht im Fachmagazin Journal of Studies on Alcohol and Drugs, hat das überprüft und kommt zu einem ganz anderen Ergebnis. Die Forscher unter der Leitung von Kristina Jackson führten mit rund 560 Studenten eine Langzeituntersuchung durch. Dabei befragten die Wissenschaftler die jungen Probanden zum ersten Mal im Alter von elf Jahren nach ihren Erfahrungen mit Alkohol, danach alle drei Jahre.

Viermal öfter betrunken als andere Jugendliche

Die Ergebnisse: Zu Beginn der Studie hatten bereits knapp 30 Prozent der jungen Probanden Alkohol gekostet, meist bei ihren Eltern. Drei Jahre später, also mit 14 Jahren, gaben 26 Prozent von diesen Jugendlichen an, schon mal einen ganzen Drink, ein Glas Wein oder Bier getrunken zu haben. Von den anderen, die davor noch nie Alkohol probiert hatten, waren das weniger als sechs Prozent.

Betrunken waren von denen mit früher Alkoholerfahrung schon neun Prozent, jedoch nur zwei Prozent derjenigen, die nicht bereits als Kind am Alkohol genippt hatten.

Früh Alkohol kosten macht empfänglich für riskantes Trinken

Ist der Zusammenhang tatsächlich so einfach? Das Risiko, schon als Jugendlicher zu viel zu trinken, hängt vermutlich von noch viel mehr Faktoren ab als vom frühen Kosten. Dazu gehört etwa, ob die Eltern viel und regelmäßig trinken, auf diese Weise ein schlechtes Vorbild geben. Die Forscher berücksichtigten auch diese Faktoren in der Analyse.

Doch sogar dann noch gab es einen deutlichen Zusammenhang zwischen Nippen als Kind und späterem riskanten Trinken. Kristina Jackson warnt Eltern deshalb vor dem „europäischen Modell“. Damit ist gemeint, dass Eltern ihre Kinder von Alkohol probieren lassen und ihnen damit den verantwortlichen Umgang mit der Droge zeigen wollen. Sie wollen damit verhindern, dass die Kinder später ein Alkoholproblem entwickeln.

„Unsere Studie liefert jedoch Beweise für das Gegenteil“, sagt die Suchtexpertin. Eltern sollten ihren Kindern deshalb klare Anweisungen zu Alkohol geben und darauf achten, dass sie zu Hause nicht an Alkohol kommen.

Dienstag, 07.04.2015 · von FOCUS-Online-Autorin Monika Preuk