So ungesund leben die Menschen in Europa


Die Weltgesundheitsorganisation schlägt Alarm: Die Europäer konsumieren nicht nur mehr Alkohol, sondern auch mehr Tabak als der Rest der Welt. Beim Übergewicht belegen sie Platz zwei.


In Europa sterben laut WHO-Gesundheitsbericht 2015 zwar immer weniger Menschen vorzeitig an Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Krebs und chronischen Atemwegsleiden, und auch die Säuglingssterblichkeit ist so gering wie nie zuvor. Dennoch leben viele Europäer äußerst ungesund. Viele vorzeitige Todesfälle ließen sich vermeiden, heißt es in dem Bericht weiter. Zu hoher Alkohol- und Tabakkonsum sowie Übergewicht seien die Hauptrisikofaktoren für das vorzeitige Sterben.


Die europäische WHO-Region weist demnach den größten Alkohol- und Tabakkonsum der Welt auf. Beim Übergewicht liege sie nur geringfügig hinter Gesamtamerika. Die europäische WHO-Region umfasst 53 Länder, darunter auch Staaten wie das gesamte Russland und Turkmenistan.


Folgende Faktoren beeinflussen die vorzeitige Sterblichkeit:


Alkoholkonsum

In den vergangenen Jahren ist der Alkoholkonsum in der europäischen Region dank verschiedener Kampagnen zurückgegangen. So wurde nach den jüngsten verfügbaren Daten von 2005 bis 2010 zehn Prozent weniger getrunken. Dennoch konsumieren Europäer weltweit am meisten Alkohol. Die Durchschnittsmengen pro Jahr sind in den Ländern aber sehr unterschiedlich und reichen von 0,32 bis 14,4 Liter reinem Alkohol pro Einwohner. Besonders viel getrunken wird in Weißrussland und Litauen, am wenigsten in islamisch geprägten Ländern wie der Türkei und Aserbaidschan. In Deutschland wird mit rund elf Litern immer noch vergleichsweise viel getrunken.


Tabakkonsum

Der Rückgang beim Tabakkonsum ist ganz wesentlich dafür verantwortlich, dass die Rate der vorzeitigen Todesfälle insgesamt gesunken und die Lebenserwartung vor allem von Männern gestiegen ist. Allein von 2010 bis 2012 wurde in 39 von 51 Ländern weniger geraucht. Trotzdem ist die Quote weiterhin relativ hoch. Durchschnittlich hängen 30 Prozent der Europäer am Glimmstängel, wie die WHO schätzt. Am meisten geraucht wird in Russland, Georgien und Griechenland. Die Dänen und die Isländer sind am zurückhaltendsten. Deutschland liegt im Mittelfeld.


Übergewicht

Fettleibigkeit sei eine der größten gesundheitlichen Herausforderungen des 21. Jahrhunderts, meinen die Experten der WHO. In allen 51 Ländern, für die Daten vorlagen, sei die Anzahl übergewichtiger und fettsüchtiger Menschen von 2010 bis 2014 gestiegen. Die meisten übergewichtigen Menschen leben in Amerika (61 Prozent), doch die europäische Region ist mit 58,6 Prozent nicht weit entfernt. Abgesehen von verschiedenen körperlichen Behinderungen und psychischen Problemen sei Übergewicht häufig auch der Auslöser für Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Krebs und Diabetes.


Impfung

In den Ländern der europäischen Region waren 2012 durchschnittlich rund 95 Prozent der Kinder gegen Masern und Kinderlähmung (Polio) geimpft. Trotz der recht hohen Rate sind in der Hälfte der Mitgliedsländer 2013 die Masern ausgebrochen. Betroffen waren unter anderem Erwachsene, die nicht geimpft waren, oder Gruppen, die das Impfen aus religiösen Gründen ablehnen. Auch die Gefahr eines Polioausbruchs sei nicht gebannt, warnen die Experten. 18 Länder seien gefährdet, vier sogar extrem gefährdet.


Externe Faktoren wie Unfälle, Mord, Suizid

Die Sterblichkeitsrate bedingt durch äußere Ursachen und Verletzungen ist seit 2002 rückläufig. Gründe hierfür seien Strategien für mehr Verkehrssicherheit und höhere Sicherheitsstandards. Männer sterben rundweg häufiger bei Unfällen als Frauen, vor allem im Straßenverkehr. Besonders gefährdet sind Männer von 15 bis 44 Jahren. Am gefährlichsten ist der Verkehr dem Bericht zufolge in Kirgistan, Moldawien und Griechenland. Deutschland liegt in dem Bereich weit besser als der Durchschnitt. Die mit Abstand meisten Tötungen pro 100.000 Einwohner gibt es in Russland, die meisten Selbstmorde in Litauen und Weißrussland. Die durchschnittliche Suizidrate ist in der Europaregion höher als in den anderen WHO-Regionen.


Zu hoher Alkohol- und Tabakkonsum sowie Übergewicht sind die Hauptrisikofaktoren für vorzeitiges Sterben. Zu diesem Ergebnis kommt die Weltgesundheitsorganisation (WHO) in ihrem am Mittwoch veröffentlichten Europäischen Gesundheitsbericht 2015.

Die Welt, 23.09.2015


Britische Studie: Jeder fünfte Alkoholkonsument über 65 trinkt zu viel


Der Studie zufolge weisen vor allem sozial bessergestellte weiße Männer ein problematisches Trinkverhalten auf


London – Zu viel Alkohol bedeutet laut WHO-Obergrenze wöchentlich mehr als 21 britische Standardeinheiten alkoholischer Getränke für Männer beziehungsweise 14 Einheiten für Frauen. Eine Standardeinheit entspricht acht Gramm reinem Alkohol – das sind etwa 200 Milliliter Bier.


Britische Forscher haben nun das Trinkverhalten von über 65-Jährigen anhand anonymisierter Gesundheitsbefragungen von knapp 28.000 Menschen im Londoner Innenbezirk Lambeth analysiert. Das Resultat: 9.248 von ihnen tranken, davon wiederum 1.980, also rund ein Fünftel aller Alkoholkonsumenten, per Definition zu viel.


Die Vieltrinker ("unsafe drinkers") waren tendenziell eher die Jüngeren unter den Befragten, sozioökonomisch besser gestellt – und männlich. 46 Prozent der Studienteilnehmer waren Männer. Unter den Trinkern betrug der Männeranteil 60 Prozent, bei den "unsafe drinkers" kamen sie sogar auf einen Anteil von 65 Prozent.


Durchschnittlich konsumierten jene Probanden, die Alkohol trinken, sechs Einheiten pro Woche. Bei den fünf Prozent, die am meisten Alkohol konsumierten, kamen die Männer auf mehr als 49 Einheiten, die Frauen auf und mehr als 23 – das entspricht knapp zehn beziehungsweise fünf Liter Bier pro Woche.


Noch ein Ergebnis: Bei den Trinkern handelte es sich hauptsächlich um Weiße. Menschen karibischer, afrikanischer oder asiatischer Abstammung konsumieren im Mittel deutlich weniger Alkohol. Einen besonders hohen Verbrauch hatten die irischstämmigen Teilnehmer der Studie.


Die Autoren betonen, dass sich die Ergebnisse nicht zwangsläufig auch auf andere Bezirke übertragen lassen. Zudem basieren die genannten Zahlen auf Eigenaussagen, sodass unter Umständen die Menge an tatsächlich konsumiertem Alkohol noch höher ist als angegeben wurde.


fbay, 17.9.2015


Akute Behandlungsfehler durch dauernde Überlastung: Viele Ärzte sind eine Gefahr für Patienten


Mehr Schutz vor Behandlungsfehlern: Kranke Ärzte werden zur Gefahr für Patienten

Viele Ärzte stellen eine Gefahr für Patienten dar. Viele Mediziner leiden unter zunehmender Überlastung, Alkohol- und Drogenproblemen, Demenz oder Selbstüberschätzung. Patientenschützer fordern nun einen besseren Schutz vor ärztlichen Behandlungsfehlern.


Falsche Diagnosen gestellt oder Therapien nach veraltetem Wissensstand durchgeführt: Leider sind ärztliche Behandlungsfehler keine Seltenheit. Patienten- und Verbraucherschützer fordern immer wieder einen besseren Schutz von Patienten vor ärztlichen Behandlungsfehlern. Wie die „Welt am Sonntag“ („WamS“) berichtet, passieren solche Fehler – gerade in Arztpraxen oftmals unbemerkt vom Patienten – offenbar gehäuft, wenn die Ärzte selbst krank sind, etwa depressiv oder mit beginnender Demenz. Zudem sind viele Mediziner alkohol- oder drogenabhängig. Dies zeigte unter anderem auch eine Studie aus dem vorletzten Jahr, die zu dem Ergebnis kam, dass etwa jeder fünfte Chirurg Drogen nimmt, um Stress abzubauen und die Leistung zu steigern.


Für Patienten wichtig ist, zu wissen, dass die Krankenkasse den Versicherten bei Verdacht auf Behandlungsfehler beraten muss. Fachleute haben in den vergangenen Monaten verstärkt über wichtige Tipps und Hilfe bei Behandlungsfehlern informiert. Ulrike Mascher, Präsidentin des Sozialverbandes VdK, sagte nun gegenüber der „WamS“, dass die Qualität von Behandlungsergebnissen künftig stärker kontrolliert werden müsse. „Ärzten, denen wiederholt Behandlungsfehler unterlaufen, muss die Zulassung schnell entzogen werden“, so die Expertin.


Nach Einschätzung von Medizinwissenschaftlern sind zehn bis 20 Prozent aller Ärzte so überlastet, dass sie zur Gefahr für Patienten werden können. Und Patientenschützer schätzen, dass ein ganz wesentlicher Teil der Behandlungsfehler auf Ärzte zurückgeführt werden könne, die sich selbst überschätzen. Für das vergangene Jahr wurden vom Medizinischen Dienst der Krankenversicherung (MDK) fast 3.800 Behandlungsfehler bestätigt. Dass Ärzten, die durch gesundheitliche Probleme auffällig geworden sind, die Approbation entzogen wird, ist eine Seltenheit in Deutschland. Laut einer Abfrage der „WamS“ war dies im letzten Jahr bei den Approbationsbehörden der Länder 35 Mal der Fall. 365.000 Ärzte gibt es bundesweit.


Da die deutschen Ärzte im Schnitt immer betagter werden, dürfte in den kommenden Jahren die Zahl der Mediziner mit gesundheitlichen Einschränkungen zunehmen. In der vergangenen Woche hatte das Statistische Bundesamt Zahlen vorgelegt, denen zufolge über ein Viertel aller Ärzte in deutschen Praxen bereits 60 oder älter ist. Jeder 20. Arzt arbeitet laut offizieller Statistik der Bundesärztekammer auch jenseits der 65 noch weiter. Mit Hilfe von technischen Lösungen könnten Ärztefehler vermieden werden, meinen Medizinforscher wie Matthias Weigl von der Ludwig-Maximilians-Universität München. „Der Patientenschutz würde stark profitieren, wenn Ärzte künftig stärker automatisch unterstützt und im Notfall gestoppt werden würden, analog zu Piloten im Flugzeug – oder einem Techniker im Atomkraftwerk, der auch vom Computersystem gefragt werde, ob er tatsächlich das Kühlwasser aus den Tanks lassen will“, so Weigl. Seiner Meinung nach wäre es beispielsweise sinnvoll, dass der Arzt Medikamentenverordnungen in einen Computer eingibt und das System warnt, falls die Dosierung oder Frequenz für den Patienten gefährlich ist.


heilpraxisnet.de 15. September 2015


Heute betrunken auf dem Rad, morgen im Auto


Forscher haben sich bisher kaum mit betrunkenen Kindern und Jugendlichen im Straßenverkehr befasst. Eine neue Studie warnt vor den Folgen, wenn diese erwachsen werden.


Nicht erst mit dem Führerschein wird Alkohol zum Problem im Straßenverkehr: Laut Bundesanstalt für Straßenwesen (Bast) gibt es auch bei Kindern und Jugendlichen einen Zusammenhang zwischen Alkoholkonsum und Mobilität. Eine Untersuchung belegt erstmals eine erhebliche Verkehrsgefährdung der Heranwachsenden durch Alkoholkonsum.


Demnach machen Kinder und Jugendliche schon früh, oft im Alter von 15 Jahren, erste Erfahrungen mit dem übermäßigen Konsum alkoholischer Getränke. Getrunken werde nicht zu Hause, die Folge sei eine "Rauschmobilität", die sich auf die Sicherheit im Straßenverkehr auswirke, so die Forscher.


Schon länger wurde eine hohe Dunkelziffer bei den Alkoholunfällen von Heranwachsenden angenommen. Die Bast ließ Art, Umfang und Folgen untersuchen, die Forscher nutzten Gespräche mit Experten wie Polizeibeamten, Sozialarbeitern und Medizinern sowie Interviews und Gruppendiskussionen. Zudem wurden in verschiedenen Umfragen rund 2.700 11- bis 22-Jährige schriftlich befragt.


Die Ergebnisse weisen auf erhebliche Verkehrsunfallrisiken hin. Zwei Drittel der unter 18-Jährigen waren nach eigener Aussage bereits übermäßig alkoholisiert im öffentlichen Raum unterwegs, der Großteil davon mindestens einmal im Monat. Etwa 27 Prozent der Befragten gaben an, vor dem 18. Lebensjahr mindestens eine gefährliche Verkehrssituation unter Alkoholeinfluss erlebt zu haben; jede achte Gefahrensituation unter Alkoholeinfluss mündete in einen Unfall.


Männliche Jugendliche nehmen doppelt so oft alkoholisiert am Straßenverkehr teil und erleben dabei dreimal mehr gefährliche Verkehrssituationen und Unfälle als weibliche Jugendliche – zum Beispiel als Fußgänger oder mit dem Fahrrad. Die Forscher warnen: Empfänden Heranwachsende Rauschzustände und Mobilität unter Alkohol als normal, steige die Gefahr, dass sie auch später, wenn sie eigenständig motorisiert unterwegs sind, berauscht am Straßenverkehr teilnehmen.


Dass das Problem bisher noch nicht so bekannt ist, hat der Bast zufolge verschiedene Gründe. Nur in jedem fünften Fall erlange die Polizei Kenntnis, auch weil die Ursache Rausch von den Beteiligten oder dem sozialen Umfeld verschleiert werde. Verunfallte Kinder würden vorrangig als Opfer angesehen, weil Alkohol als Auslöser gar nicht erwartet werde, schreiben die Forscher in ihrer Untersuchung. Sie empfehlen, die Gefahren von Mobilität unter Alkoholeinfluss bereits in der Verkehrserziehung zu thematisieren. Außerdem müsse das Phänomen der Mobilität alkoholisierter Jugendlicher noch intensiver untersucht werden.


Die Zeit, 05.09.2015


Wie Alkohol dem Ungeborenen schadet


Jährlich 12.000 Neugeborene haben ein Fetales Alkoholsyndrom (FAS), das sie lebenslang beeinträchtigt. Auslöser ist Alkohol in der Schwangerschaft. Eine Pflegemutter berichtet.


Ein Mädchen, etwa 13 Jahre alt, wirft sich weinend in einer Bank auf den Boden und schreit: „Der Automat frisst mein Geld!“ Immer wieder. Entsetzte, verwunderte und auch strafende Blicke richten sich erst auf das Mädchen, dann auf die Mutter. Was für ein ungezogenes Kind und dabei schon ein Teenager, sagen die Blicke. Die Mutter, genauer die Pflegemutter, ist die Sozialpädagogin Gisela Michalowski und das Mädchen eines ihrer drei Pflegekinder.


Das Mädchen leidet an der „Fetalen Alkohol Spektrum Störung“; auf englisch „Fetal Alcohol Spectrum Disorder“, kurz FASD genannt. Die leibliche Mutter hatte in der Schwangerschaft Alkohol getrunken. Ihre Tochter lebt nun mit den Auswirkungen, mit einer Entwicklungsstörung, die unter anderem ihr Verhalten beeinflusst.


Gut 30-mal war Michalowski schon mit ihrer Pflegetochter auf der Bank gewesen und ließ sie den Geldzählautomaten mit ihrem Ersparten füttern. „Man denkt eigentlich, das Kind hat es jetzt verstanden“, berichtet sie. Und dann dieser Zwischenfall. „Er führt einem vor Augen, dass man immer wieder bei null anfangen muss“, sagt die Sozialpädagogin, die insgesamt drei Pflegekinder betreut und einen Adoptivsohn hat, der ebenfalls an FASD leidet.


FASD ist ein Überbegriff, der leichte und mittelschwere Ausprägungen einer Alkoholschädigung – das sogenannte Teilsyndrom – ebenso umfasst wie das Vollbild des Fetalen Alkoholsyndroms, das Ärzte FAS nennen. Jährlich kommen in der Bundesrepublik rund 12.000 Babys mit alkoholbedingten Beeinträchtigungen zur Welt. Etwas mehr als 80 Prozent von ihnen mit dem Teilsyndrom, der Rest muss mit dem Vollbild leben. Dieses FAS ist meist die Folge, wenn eine Schwangere alkoholkrank ist oder regelmäßig Alkohol zu sich nimmt. 


Doch noch immer ist es auch für Schwangere relativ gut akzeptiert, zumindest gelegentlich Alkohol zu trinken: Zum Entspannen ein Glas Rotwein, das könne nicht schaden, meinen immer noch viele Menschen. Eine gefährliche Fehleinschätzung. „Der Alkohol schadet und die Folgen können dramatisch sein“, warnt Dr. Mirjam Landgraf, Kinder- und Jugendärztin sowie Psychologin am Dr. von Haunerschen Kinderspital der LMU München. In der Klinik ist sie tagtäglich mit den Alkohol-Schicksalen konfrontiert.


Bereits ab der dritten Schwangerschaftswoche könne Alkohol zu Störungen beim Ungeborenen führen, erklärt die Ärztin. Zwar löst nicht zwangsläufig jeder Schluck einen Schaden aus. Dafür spielen mehrere Faktoren eine Rolle. „Aber wozu überhaupt das Risiko eingehen?“, appelliert Landgraf. Schließlich lässt sich diese Gefahr durch Abstinenz auf null reduzieren. Alkohol während der Schwangerschaft ist keinesfalls ein Unterschichtenproblem, sondern findet sich in allen Gesellschaftsklassen und allen Bildungsgraden.


Kindern mit dem Vollbild des Fetalen Alkoholsyndroms kann man ihre Erkrankung ansehen. Typischerweise ist die Lidspalte bei ihnen kürzer und jene Einkerbung, die zwischen der Nase und der Mitte der Oberlippe verläuft, ist abgeflacht oder gar nicht zu sehen. „Ihre Oberlippe ist schmal. Sie sind zu klein und zu leicht. In der Pubertät werden die Mädchen dann teils übergewichtig“, ergänzt Landgraf.


Dagegen unterscheiden sich Kinder mit Teilsyndrom äußerlich nicht von gesunden. Doch allen Betroffenen von FAS oder FASD ist eines gemeinsam: Sie müssen mit mehr oder minder schwereren Schädigungen ihrer Gehirnfunktionen zurecht kommen. Verringerte Aufmerksamkeit, auffälliges Verhalten, teilweise auch gestörte Sprache sind die Folge, und ebenso Probleme mit dem räumlichen Vorstellungsvermögen.


FASD-Patienten fällt es schwer, sich Ziele zu setzen. Zudem überblicken sie oft kaum, was sie tun müssen, um ein Ziel zu erreichen: etwa welche Hindernisse sich ergeben können und wie sich diese umgehen lassen. Problemlösungsstrategien für diese Planungsschwäche kennen sie nicht. „Sie sind nicht in der Lage, allein einen Antrag auszufüllen und abzugeben. Und sie scheitern schon am Antrieb, ein Formular zu holen“, berichtet Pflegemutter Michalowski, die auch Vorsitzende der Selbsthilfeorganisation FASD-Deutschland e.V. ist.


Menschen im Umfeld merken irgendwann, dass es diesen Kindern kaum gelingt, Prioritäten zu setzen. Sie fallen auf, weil sie impulsiv reagieren und ihre Emotionen kaum beherrschen können. Fangen sie eine Aufgabe an, bringen sie diese oft nicht zu Ende. Manchmal hapert es am nötigen Bewegungsgeschick oder die Kinder nehmen zum Beispiel Gegenstände einfach nicht wahr. „Meine Pflegetochter kann ein Fahrrad lenken und sie kann treten, aber sie sieht keine Hecken, fährt mitten hindurch. Und sie kann überhaupt nicht einschätzen, wie schnell ein Auto fährt“, sagt Michalowski. Alles in allem seien etwa zwei Drittel der Betroffenen als Erwachsene nicht in der Lage, selbstständig zu leben, sagt Kinderärztin Landgraf.


FASD-Kinder können relativ intelligent sein, aber für die Alltagsbewältigung reichen ihre Fähigkeiten und ihr Wissen oft nicht aus. „Sie brauchen immer ein externes Gehirn, das für sie mitdenkt. Und manche benötigen sogar jemand, der sie bei der Körperpflege unterstützt“, erläutert Michalowski. Das macht das Leben mit FASD zu einer Herausforderung – für die Betroffenen sowie für ihre Eltern oder Pflegeeltern. Schätzungsweise 90 Prozent alkoholgeschädigter Kinder kommen irgendwann in eine Pflegefamilie.


Die Planungsschwäche führt zum Beispiel auch zu häufigen Schulwechseln oder Schwierigkeiten, eine Berufsausbildung zu Ende zu bringen. Strategien, die Eltern normalerweise in solchen Situationen anwenden, helfen dann wenig: Ratschläge und Unterstützungsangebote dringen nicht durch. Das Familienleben verläuft anders, als werdende Eltern es sich erhoffen: „Man ist mehr wie eine Tankstelle für diese Kinder. Es kommt wenig zurück“, sagt Michalowski.


Belastend sind außerdem die Verhaltensstörungen: Viele FASD-Kinder werden schnell zornig, schlagen dann zu oder werfen Gegenstände. Gleichzeitig sind Menschen mit FASD sehr gutgläubig, weil sie einfache Ursache-Wirkungs-Zusammenhänge nicht verstehen. Deshalb werden ihnen leichter Sachen aufgeschwatzt, sie schlittern in ungute Situationen und werden auch leichter zu Opfern sexuellen Missbrauchs. Zumal sie einen Hang zum Streunen haben und von anderen benutzt werden. Alles in allem manövriert die Krankheit Betroffene recht häufig in Konflikte mit dem Gesetz. Erwachsene mit FASD werden überdurchschnittlich häufig obdachlos. Das belegen US-amerikanische Studien.


„Durch frühzeitige Förderung und Begleitung könnte viel Frustration bei den FASD-Betroffenen und in ihrem Umfeld vermieden werden. Das setzt aber voraus, dass die Störung bereits im Kindesalter diagnostiziert wird“, sagt Landgraf. Bleibt das Problem unerkannt, drohen bei Beteiligten und Umwelt typische Krisen: Aufgrund ihrer Krankheit können FASD-Betroffene sich nicht anpassen, und das Umfeld versteht nicht, warum sich die Kinder so ungezogen, ja asozial verhalten. Kinder und Jugendliche leiden, denn sie merken, dass ihnen vieles nicht so gelingt, wie es für andere normal ist. Michalowski erzählt, wie erleichtert ihr Adoptivsohn war, als mit 19 Jahren FASD bei ihm diagnostiziert wurde: „Er sagte nach Verlassen des Klinikgebäudes, Mama, jetzt weiß ich endlich warum ich anders bin.“


Bei einem schweren Fetalen Alkoholsyndrom ist die Diagnosestellung wegen der äußeren Auffälligkeiten relativ leicht. Fehlen diese Hinweise, wird das Problem häufig nicht erkannt, erklärt Landgraf. Doch eine Diagnose bereits im frühen Kindesalter sei wichtig, um die Entwicklung optimal zu beeinflussen. Eltern, die Auffälligkeiten bemerken, sollten sich daher an einen Arzt wenden und ihre Beobachtungen genau schildern.


Ziel ist es, dass Betroffene so selbstständig wie möglich leben können. „Die Familien benötigen während der gesamten Entwicklung der Kinder und Jugendlichen Betreuungsangebote. Die Förderung muss auch regelmäßig an die jeweiligen Bedürfnisse des Kindes und dessen Entwicklungsstand angepasst werden“, fordert Landgraf.


Eine solche Maßnahme ist die Ergotherapie. Sie kann beispielsweise die Aufmerksamkeit und die Fähigkeit zur Organisation des eigenen Lebens verbessern. Therapieangebote, die den Fokus auf die Selbstständigkeit im Alltag haben, bringen den größten Effekt. In der Regel handelt es sich bei der Behandlung von FASD im Kindesalter um eine Kombination aus Physio-, Ergo- und Psychotherapie mit individuellen Maßnahmen. „Dabei muss darauf geachtet werden, dass die Förderung das Kind und die Bezugspersonen nicht überfordert“, sagt die Münchner FASD-Expertin.


Eine bessere Diagnostik allein reicht nicht, um die Situation der Menschen mit FASD dauerhaft zu verbessern. Derzeit gibt es jedoch nach Experteneinschätzung zu wenige Einrichtungen, die optimal auf die Betreuung von Erwachsenen mit FASD ausgelegt sind. Auch das ist ein Faktor, der belastend sein kann und bei so manchem Betroffenen zum Absturz führt.


Nicht zuletzt gilt es, die medizinische Betreuung von Erwachsenen mit FASD besonders sorgfältig anzulegen. „Doch viele Ärzte kennen sich nicht mit FASD aus“, bemängelt Michalowski. Das hat mitunter weitreichende Folgen: Ändert beispielsweise ein Arzt die Diagnose und daraufhin auch die Medikation, fallen bisweilen Arzneimittel weg, die bei dem Betroffenen Selbstorganisation und Aufmerksamkeit verbessern. „Jener kann dann, weil die medikamentöse Unterstützung wegfällt, überfordert sein und sogar in Drogenkonsum und Beschaffungskriminalität abrutschen“, warnt die Sozialpädagogin. Der eindringlichste Wunsch aller Experten lautet daher: Kein Schluck Alkohol während der Schwangerschaft.


Apotheken-Rundschau, 04.09.2015


Alkohol und Krebs


Schon ein Glas Wein erhöht das Brustkrebsrisiko. Die Folgen von mäßigem Alkoholkonsum werden einer Studie zufolge offenbar unterschätzt: Schon ein Drink am Tag steigert das Brustkrebsrisiko erheblich.


Weltweit, so wird geschätzt, trägt der Konsum von Alkohol ursächlich zu 3,6 Prozent aller Krebserkrankungen bei (1,7 Prozent bei Frauen und 5,2 Prozent bei Männern). Diese Schätzungen basieren jedoch hauptsächlich auf Daten von relativ starken Trinkern.


Forscher um Yin Cao von der Harvard School of Public Health in Boston haben den Fokus daher auf den Zusammenhang zwischen Krebserkrankungen und nur geringem oder mäßigem Alkoholkonsum gelegt. Letzteres entspricht maximal 15 g pro Tag bei Frauen und maximal 30 g täglich bei Männern. Eine 330-ml-Flasche Bier enthält 12,7 g Alkohol, ein Glas Wein 8,8 g.


Das Team um Cao stützt sich auf Datenmaterial aus der Nurses' Health Study (NHS) und der Health Professionals Follow-up Study (HPFS), zwei großen prospektiven Studien, die seit 1980 beziehungsweise 1986 in den USA laufen. Insgesamt wurden 88.084 Frauen und 47.881 Männer über 30 Jahre nachbeobachtet.


In dieser Zeit wurden 19.269 beziehungsweise 7571 Tumorerkrankungen diagnostiziert. Der durchschnittliche Alkoholkonsum lag bei Studienbeginn für die Frauen bei 1,8 g und für die Männer bei 5,6 g pro Tag (BMJ 2015; 351: h4238).


Wer von den Frauen kaum (0,1- 4,9 g/Tag) oder in Maßen (5-14,9 g/Tag) trank, hatte im Vergleich zu denjenigen, die komplett auf Alkohol verzichteten, nur ein marginal erhöhtes Risiko (Relatives Risiko, RR = 1,02 beziehungsweise 1,04), an Krebs zu erkranken.


Bei den Männern lagen die Relativen Risiken bei 1,03, 1,05 und 1,06 für tägliche Alkoholmengen von 0,1-4,9 g, 5-14,9 g oder 15-29,9 g. Für Studienteilnehmer, die in den letzten zehn Jahren vor Studienbeginn ihren Alkoholkonsum drastisch reduziert hatten, waren die Ergebnisse ähnlich.


Wer Alkohol trinkt, war, zumindest in der Vergangenheit, oft auch Raucher; dabei stellt das Rauchen einen viel stärkeren Risikofaktor für die Entwicklung einer Krebserkrankung dar als das Trinken. In früheren Studien, die sich speziell mit alkoholassoziierten Karzinomen beschäftigten (vor allem Tumore der Leber und im Verdauungstrakt, aber auch Brustkrebs bei Frauen) war dieser Zusammenhang oft nicht genügend beachtet worden.


Da der Anteil der Raucher in der Gesellschaft heute immer weiter abnimmt, legte das Team um Cao besonderen Wert auf die Unterscheidung zwischen rauchenden und nicht rauchenden Teilnehmern.


Hier ergab sich ein unerwarteter Zusammenhang im weiblichen Kollektiv: Nicht nur (Ex-)Raucherinnen, sondern auch Frauen, die nie im Leben geraucht hatten, mussten bereits bei mäßigem Alkoholkonsum mit einem signifikant erhöhten Risiko rechnen, an einem alkoholabhängigen Tumor zu erkranken (RR = 1,13). Die Hauptrolle spielte dabei der Brustkrebs (ohne diesen lagen Alkoholkonsumentinnen und -Verächterinnen gleich auf).


Im Gegensatz dazu erhöhte sich das Risiko für irgendeinen alkoholbezogenen Tumor unter den (mäßig trinkenden) Männern nur bei denjenigen, die irgendwann einmal geraucht hatten. Eingefleischte Nichtraucher, die höchstens mal zwei Bier am Tag tranken, mussten in dieser Hinsicht wenig befürchten. Erst ab 15 g Alkohol pro Tag stieg die Rate der dem Alkohol zugeschriebenen Krebserkrankungen signifikant, vor allem bei den Rauchern.


Diese Assoziation wurde bei beiden Geschlechtern mit zunehmendem Alter deutlicher. Auch Trinkmengen von durchschnittlich über 30 g pro Tag ließen das Krebsrisiko generell deutlich steigen, betonen Cao und Kollegen. Letzteres deute darauf hin, dass es sich beim Alkohol um einen unabhängigen Einflussfaktor handeln müsse.


Als ursächliches Agens ist vor allem der Ethanolmetabolit Acetaldehyd im Gespräch, der als ein besonders starkes Zellgift wirkt. Ethanol kann den Autoren zufolge aber auch über andere Mechanismen wirken, zum Beispiel über die Hemmung der DNA-Methylierung. Vor allem Brustgewebe, so die Forscher, reagiere auf die schädlichen Wirkungen des Alkohols besonders sensibel.


Deutsche Ärztezeitung, 03.09.2015


Drogenbeauftragte für Alkohol-Verkaufsverbot ab 22 Uhr


Die Bundesdrogenbeauftragte Marlene Mortler (CSU) ist für ein Verkaufsverbot für Alkohol ab 22 Uhr. „Ich würde eine Verkaufssperre unbedingt befürworten“, sagt Mortler der „Rheinischen Post“ (Freitagausgabe). In Baden-Württemberg habe sich diese Regelung bewährt.


Sie würde „Jugendliche von übermäßigem Konsum abhalten“. Laut Mortler bestätigen das sowohl Polizei wie Rettungsdienste. Die CSU-Politikerin forderte ein „gesellschaftliches Umdenken im Umgang mit Alkohol“. Es gebe 2,6 Millionen Kinder, die in einer suchtbelasteten Familie lebten. Von ihnen wohnten, so Mortler, rund 2,5 Millionen in Alkoholiker-Haushalten. „Das ist nicht hinnehmbar“, so die CSU-Politikerin. Als wichtiges Feld für die Prävention sieht Mortler auch das Thema „Alkohol und Schwangerschaft“ an. „Alkohol- und Tabakkonsum müssen während dieser Zeit absolut tabu sein“, sagte die Drogenbeauftragte. Derzeit kommen jedes Jahr 2.000 schwer geschädigte Neugeborene auf die Welt, die lebenslang auf Hilfe angewiesen sind. „Ohne den Alkoholkonsum der Mutter wären sie gesund zur Welt gekommen“, sagte Mortler.


Rheinische Post, 28.08.2015


So bekämpfen Sie die Lust auf Junkfood, Alkohol und Zigaretten


PLYMOUTH. Forscher der Universität Plymouth haben ein kurioses Mittel gegen die Lust auf Alkohol und Zigaretten gefunden. Kurios - und altbekannt.


In ihren Untersuchungen fanden die Wissenschaftler nämlich heraus, dass schon drei Minuten Tetris die Lust auf Alkohol, Zigaretten und Junkfood deutlich reduzieren - von 70 auf 56 Prozent. Die Wissenschaftler vermuten, dass die intensive Ablenkung durch den Klötzchenklassiker den Rückgang verursacht.


Link zur Studie


Urteil in Regensburg: Haftstrafe wegen "vorsätzlichen Vollrausches"


Eine 37 Jahre alte Frau ist vom Schöffengericht am Regensburger Amtsgericht wegen "vorsätzlichen Vollrausches" zu einer Freiheitsstrafe von einem Jahr und sechs Monaten verurteilt worden. Mit 2,7 Promille Alkohol im Blut hatte sie in Amberg einen Brand gelegt.


Ins Gefängnis muss die Frau allerdings nicht. Sie wird in eine Entziehungsanstalt eingeliefert. Das bestätigte ein Gerichtssprecher am Dienstag (18.08.15) dem Bayerischen Rundfunk.


Mitbewohnerin erlitt Rauchgasvergiftung

Die Frau hatte im Februar in ihrem Zimmer in Amberg Feuer gelegt. Dabei erlitt eine Mitbewohnerin eine Rauchgasvergiftung. Bei dem Brand entstand ein Schaden von rund 2.500 Euro. Mitbewohner verhinderten das Ausbreiten der Flammen. Zu Tatzeit hatte die 37-Jährige 2,7 Promille Alkohol im Blut.


BR, 18.08.2015


Alkohol-Verkauf an Jugendliche: Karlsruher Läden erneut auf Prüfstand


Karlsruhe (ps/rh) - Zigaretten und Alkohol sind für Jugendliche eigentlich tabu - aber halten sich auch alle Ladenbesitzer an das Verkaufsverbot? Wie die Stadt Karlsruhe in einer Pressemitteilung erklärt, hat das Ordnungsamt bei einer Testkauf-Aktion Verkaufsstellen getestet. Wie fällt das Fazit aus?


Mehrere Jugendliche waren kürzlich bei einer weiteren Testkauf-Aktion mit Beschäftigten des städtischen Ordnungs- und Bürgeramts in Karlsruhe unterwegs. Das teilt die Stadt Karlsruhe in einer Presseerklärung mit. In insgesamt neun Verkaufsstellen in der Nordweststadt, in Knielingen, Hagsfeld, Grötzingen und Durlach versuchten die jugendlichen Testkäufer, an alkoholische Getränke und Zigaretten zu kommen.


"Dabei erhielten die Jugendlichen in drei Fällen die gewünschten, aber für sie verbotenen Waren", teilt Dr. Björn Weiße, der Leiter des Karlsruher Ordnungs- und Bürgeramtes, mit. Positiv bewertet das Ordnungs- und Bürgeramt, dass bei dieser Tour die Mehrzahl der Kaufversuche scheiterte. In unregelmäßigen Abständen sollen weitere Testkäufe durchgeführt werden.


ka-news.de, 14.08.2015


Hefe-Analyse: Das Biergeheimnis


Wie ist die Hefe entstanden, die heute den Großteil aller Biere produziert? Genetische Analysen zeigen, dass es mehrere entscheidende Momente gab - und die Hefe zunächst selbst vom Alkohol entwöhnt werden musste.


Wasser, Malz und Hopfen braucht man für ein gutes Bier. Das war's, fast zumindest. Damit aus den Zutaten ein alkoholisches Getränkt wird, muss Hefe ausreichend Stärke und Zucker in Alkohol umwandeln. Wie das Bier schmeckt, hängt deshalb auch von den Fähigkeiten der Mikroorganismen ab. Deren Entwicklung vom Mittelalter bis heute haben Forscher nun genauer untersucht.


Chris Hittinger von der University of Wisconsin-Madison und Kollegen wollten wissen, wie Hefe gelernt hat, Bierzutaten bei unter zehn Grad zu vergären. Denn die klassische Bierhefe Saccharomyces cerevisiae, die auch zum Backen verwendet wird, gärt erst bei höheren Temperaturen. Erst eine zufällige Kreuzung zwischen klassischer Bierhefe und einer weiteren Hefeart machte es deshalb überhaupt möglich, sogenannte untergärige Biere zu produzieren. Über 90 Prozent der Sorten weltweit gehören heute dazu. Unter anderem Pils, während Weißbier oder Kölsch bei höheren Temperaturen mit klassischer Bierhefe produziert werden (obergärige Sorten).


Als erste stellten im 15. Jahrhundert die Bayern untergäriges Bier her und lagerten es in kühlen Kellern. Auch deshalb wird es bis heute im englischen Sprachraum als Lagerbier bezeichnet. Doch obwohl die untergärige Hefe Saccharomyces pastorianus heute weltweit verbreitet ist, rätseln Forscher, wie sie entstanden ist: 2011 fanden Hittinger und Kollegen heraus, dass es sich wohl um einen Zusammenschluss von klassischer Bierhefe und der damals in Südamerika entdeckten Hefe Saccharomyces eubayanus handelt.


Saccharomyces eubayanus wandelt Zucker und Stärke bereits bei Temperaturen von fünf bis zehn Grad in Ethanol um und gelangte vermutlich per Schiff nach Europa. Eine neue Genanalyse im Fachmagazin "Molecular Biology and Evolution" zeigt nun, dass Bäckerhefe und Saccharomyces eubayanus im Laufe der Geschichte gleich mehrfach aufeinander getroffen sind - vermutlich in den Kellern unterschiedlicher Braumeister. "Die unwahrscheinliche Kreuzung zweier Spezies, die genetisch so unterschiedlich sind wie Mensch und Vogel, hat mindestens zweimal stattgefunden", sagt Hittinger.


Zu Beginn hätten sich die beiden Hybriden noch unterschieden, sich dann aber genetisch ähnlich weiterentwickelt. Heute kennen Bierexperten die beiden Varianten als Saaz- und Frohberg-Linie.


Nach der Kreuzung veränderte sich durch die gezielte Selektion in den Brauereien vor allem die Menge Alkohol, die die Hefe aus den Bierzutaten herstellen konnte, berichten die Forscher weiter. So habe etwa ein Protein an Funktion verloren, das die Hefe dazu anregt, Alkohol zu verbrauchen, statt ihn zu produzieren.


Spiegel-Online Wissenschaft, 12.08.2015


Die Renaissance des Selbstgebrannten


Der Trend zum Selbstgemachten hält an, auch beim Alkohol. Craft Beer ist mittlerweile von gestern, wer etwas auf sich hält, trinkt handgemachten Gin aus Bonn, Whisky vom Schliersee oder Wodka aus Berlin.


Die Anrufe begannen vor mehr als einem Jahr. Seitdem klingelt das Telefon von Peter-Josef Schütz im rheinland-pfälzischen Lantershofen öfter. Am anderen Ende der Leitung: Hipster aus Köln, Düsseldorf oder einer anderen deutschen Stadt, die aufgeregt auf den Brennmeister einreden. Sie hätten da eine abgefahrene Idee, die sie gerne mal mit ihm besprechen würden. Schütz, der mit seiner Halbglatze, der randlosen Brille und dem korrekt gebügelten Hemd wie ein CDU-Lokalpolitiker aussieht, ist aber nicht so der Typ fürs Abgefahrene. Deshalb legt er meist nach wenigen Augenblicken einfach auf.


Doch einmal machte er eine Ausnahme. Als sich einer der Hipster als besonders hartnäckig herausstellte. Er belästigte Schütz nicht nur am Telefon, sondern auch per E-Mail mit seiner Schnapsidee. Das beeindruckte Schütz, der seit 23 Jahren die Brennerei seines Großvaters führt und zu den besten Destillateuren Deutschlands zählt. Deshalb lud er Raphael Vollmar und seinen Kumpel Gerald Koenen ein, ihn zu besuchen.


Kurz darauf, an einem Mittwochmorgen um acht Uhr, bretterten der Geschäftsführer eines Bonner Luxuskaufhauses Vollmar und der Café-Betreiber Koenen mit ihrem weißen Smart in die mit historischem Kopfsteinpflaster bestückte Einfahrt der Eifel-Destillerie Schütz. Obwohl die beiden mit ihren großen Brillen, Bärten und goldfarbenen Turnschuhen so gar nicht nach Lantershofen passten, mochten sich die drei sofort.


Seit diesem Treffen ist viel passiert. Aus Peter-Josef ist für Vollmar und Koenen „Pi-Jay“ geworden. Und aus der Schnapsidee ein einträgliches Geschäft. Mittlerweile steht der Gin des Trios in den Regalen bei Kaufhof und Edeka, in hippen Bars und alteingesessenen Fachgeschäften. 6000 Flaschen Siegfried Gin füllt Schütz jeden Monat ab, Tendenz steigend. Der bisherige Höhepunkt: Ihr Schnaps wurde Anfang des Jahres bei dem „World Spirits Award“ zum besten Gin Deutschlands gewählt. Siegfried aus Bonn räumte 95,7 Punkte ab – Rekord.


Trinker, die etwas auf sich halten, greifen schon lange nicht mehr zum industriegefertigten Wodka von Absolut oder Gorbatschow. Für sie muss es schon mindestens polnischer Roggen-Wodka sein. Neuerdings darf es auch gerne ein deutsches Destillat sein.


Ob Gin aus Bonn, München oder Hamburg, Whisky aus dem oberbayrischen Schliersee oder Wodka aus Berlin: Die heimischen Brennereien haben längst mehr zu bieten als lauwarmen Underberg oder scharfen Nordhäuser Doppelkorn. Ganz im Gegenteil – entdecken sie doch gerade die große weite Welt für sich. Dabei setzen sie, politisch korrekt, auf regionale Zutaten, kurze Lieferketten und vor allem: Handwerk.


„Das Selbstgemachte erlebt gerade eine Renaissance“, sagt Cathrin Brandes, die mit ihrer Agentur Händler, Gastronomen und Produzenten zu Trends in der Nahrungsmittelindustrie berät. Das begann bei Bäckern und Metzgern – und greift nun auch auf den Markt für alkoholische Getränke über. Die Menschen interessieren sich wieder mehr dafür, wo ihr Essen, wo ihre Genussmittel herkommen. Und vor allem dafür, wer es gemacht hat.


„Craft Spirits profitieren vom Trend zum Individuellen“, sagt Brandes. Wobei sie zugeben muss: Diese Schnäpse schmecken nicht jedem, man erkennt immer auch die Handschrift des Brenners. Und das muss auch so sein, denn: Massengeschmack ist das Kennzeichen der industriell hergestellten Genussmittel, im Handwerk lebe das Einzigartige.


WirtschaftsWoche Online, 11.08.2015


Nachmittags gibts für die Alkoholiker Bier und Wein


August Widmann ist einer, der sagt, ohne sein Bier könnte er nicht mehr existieren. Wie die anderen rund 100 Bewohnerinnen und Bewohner im Hospice Pré-Aux-Boeufs ist der 64-Jährige Alkoholiker. Einer, der überzeugt davon ist, nie mehr anderswo als in dieser Wohn- und Beschäftigungsstätte in Sonvilier leben zu wollen. An diesem Ort, wo Alkoholiker nach zig erfolglosen Entzügen stranden und kontrolliert trinken dürfen – je nach Abmachung maximal anderthalb Liter Bier oder einen halben Liter Wein am Tag. Entzüge werden hier keine durchgeführt.


Dieses Konzept ist derart einzigartig, dass Süchtige aus der ganzen Schweiz von Sozialdiensten und anderen Behörden hier hin gewiesen werden. Nur etwa die Hälfte der Bewohner stammt aus dem Kanton Bern. Ein Platz kostet für einen Berner rund 135 Franken pro Tag, Auswärtige bezahlen 20 Franken mehr. Finanziert werden die Aufenthalte durch die persönliche IV-Rente und die Sozialhilfe einer Gemeinde. Einige Bewohner leben seit vierzig Jahren hier, im Durchschnitt bleiben sie sieben Jahre.


Ein Chübeli um 13 Uhr, ein Grosses um 16.30 Uhr trinkt August Widmann zurzeit. So legte es die Heimleitung bei seinem Eintritt fest. Der Gesundheitszustand, andere Medikamente und die Art der Arbeit bestimmen mit, wie viel jemand trinken darf. Acht Deziliter sind ein tiefes Mass für einen, der einst harassenweise Bier konsumierte. Widmann verfiel dem Alkohol, als sein Vater starb. Damals wusste er:Jetzt ist die glückliche Jugend vorbei.


Vor acht Jahren kam er dann nach Le Pré-aux-Boeufs: Die ehemalige Knabenerziehungsanstalt, die aus mehreren Wohnhäusern sowie einem Landwirtschaftsbetrieb besteht und in der die Bewohner zur Beschäftigung und zum Eigengebrauch Gemüse und Getreide anbauen, käsen, Tiere betreuen oder Schreiner-, Töpfer und Textilarbeiten leisten. 


Abgelegen ist es hier, bis in die nächste Beiz im Dorf geht man eine gute halbe Stunde. Diese Distanz hilft ihm, weiß Widmann heute. Denn letztes Jahr versuchte er noch einmal, gemeinsam mit seiner Lebenspartnerin  in einer Institution in Grenchen etwas zentraler zu leben. Es dauerte nicht lange, und das Paar stürzte wieder ab.


Seit drei Monaten leben Erika Twerenbold und August Widmann nun wieder in einer Zweizimmerwohnung in Sonvilier. Wenn Widmann von seiner Arbeit mit den Pferden erzählt, leuchten seine Augen. Twerenbold arbeitet gerne im Restaurant, in dem der Alkohol ausgeschenkt wird. Hier putzt sie nachmittags Gläser, die Tische, den Tresen. Vormittags reinigt sie die Gänge, auch das mache Spass, nur die Toiletten sind ihr jeweils zuwider. 1.50 bis 3 Franken erhalten die Bewohner pro Stunde je nach Beschäftigung. Damit können sie sich im Restaurant Bier kaufen – zumindest so viel, wie für sie vorgesehen ist. Die 57-Jährige hat ihren Konsum von einst einer Flasche Wein auf ein Chübeli täglich reduziert.


Erika Twerenbold geriet mit Ende zwanzig in den Strudel der Sucht. Ihr erster Mann war drogenabhängig. Er schlug sie, bedrohte sie mit dem Messer, um an das Geld zu gelangen, das sie eigentlich für Essen aufbewahrt hatte. Vor acht Jahren kamen Erika Twerenbold und August Widmann auf einer Entzugsstation zusammen. «Es gibt uns Halt, das gleiche Schicksal zu teilen», sagt sie.


Drei Paare leben in Sonvilier – doch der Großteil der Bewohner trägt sein Schicksal alleine. Achtzig der hundert Bewohner sind Männer, im Durchschnitt sind sie 58-jährig. Rolf Wüthrich ist 51 und gerne für sich alleine.  Er arbeitet in der hauseigenen Schreinerei, führt Reparaturen an den Gebäuden durch und baut in der Freizeit Modellschiffe.


«Ich habe auch nie so viel getrunken wie die anderen Leute hier», sagt Rolf Wüthrich. Vor allem im Ausgang spielte der Alkohol eine grosse Rolle. Ein Nachtklubbesuch artete vor 15 Jahren derart aus, dass er eine Freiheitsstrafe im Massnahmenzentrum St. Johannsen erhielt. Über den Grund mag Wüthrich nicht mehr sprechen. Doch in St. Johannsen war es, als seine Nieren definitiv den Dienst verweigerten. Nach einer Operation im Inselspital wollte ihn kein Alters- und Pflegeheim aufnehmen. Also organisierte ihm seine Sozialarbeiterin einen Platz im Le Pré-aux-Boeufs. Unterdessen, sagt Wüthrich, trinke er keinen Tropfen Alkohol mehr.


Weg will Rolf Wüthrich von hier nicht, obschon er mittlerweile trocken ist. Er habe dem Personal so viel zu verdanken, sagt er, die Arbeit in der Schreinerei mache Spaß, er dürfe basteln und im Landwirtschaftsbetrieb mit anpacken, wenn er sich abreagieren müsse. So lange Wüthrich will, kann er in Sonvilier bleiben. Denn bei seinem Gesundheitszustand wäre für den 51-Jährigen nur ein Alters- und Pflegeheim als Alternative denkbar. Doch solche Heime wollen Leute wie Wüthrich in der Regel nicht aufnehmen, und Beschäftigung in einer Schreinerei oder einem Bauernbetrieb hätte er dort nicht. Und vielleicht wäre der Griff zur Flasche dann verlockender, als es jetzt in Sonvilier der Fall ist. 


Berner Zeitung, 31.07.2015 (Sandra Rutschi und Dominik Galliker)


Alkoholwolke: Durch Atmen rauschig werden


Die Londoner Unternehmer Sam Bompas und Harry Parry haben das erste Lokal eröffnet, in dem Alkohol auch durch Atmen konsumiert werden kann


London – Sich in eine Alkoholwolke zu stürzen könnte bald ziemlich angesagt sein – zumindest in London. Dort hat nämlich das Lokal "Alcoholic Architecture" eröffnet. Es bietet seinen Gästen an, ihren Schnaps auf eine eher ungewöhnliche Art zu konsumieren: durch Einatmen.


Das Ganze funktioniert folgendermaßen: Die Gäste ziehen einen speziellen Anzug an, um Kleidung und Haare vor dem Alkohol zu schützen. Sie betreten eine Art Kammer, sozusagen die Bar, und bestellen ihren Lieblingscocktail. Dieser wird dann bei 140 Prozent Luftfeuchtigkeit durch einen Raumbefeuchter in einen Cocktail zum Einatmen verwandelt. Und schon können die Gäste in der Alkoholwolke rauschig werden. Wegen der großen Luftfeuchtigkeit ist nicht viel in der Bar erkennbar – kaum weiter als einen Meter kann man durchblicken.


Breath responsibly


Der Drink zum Atmen kostet 12,5 britische Pfund – umgerechnet sind das rund 18 Euro. 40 Minuten Alkatmen sollen berauschungsmäßig dem Verzehr eines großen Drinks gleichkommen. Der Alkohol gelangt hauptsächlich durch die Lunge in die Blutbahn, aber auch durch die Augen wird er aufgenommen. Dadurch umgeht er die Leber, was laut den Gründern des Lokals den Vorteil hat, dass im Vergleich zum flüssigen Alkohol rund 40 Prozent weniger Alkohol konsumiert werden muss, um denselben Effekt zu erzielen.


Zu lange darf man sich in der Kammer nicht aufhalten: Auf eine Stunde pro Tag ist die maximale Aufenthaltszeit begrenzt. Diese wurde nach Berechnungen von Chemikern und Wissenschaftlern bestimmt, um unerwünschte Nebenwirkungen zu vermeiden. Ganz nach dem Motto des Lokals: "Breath responsibly" – atme verantwortungsbewusst.


Noch einen Vorteil hat die Alkoholwolke: Es werden weniger Kalorien eingenommen. Bierbäuche könnten also bald Geschichte sein – statt trinken, heißt es ab jetzt atmen.


Die Idee kam von den Londoner Unternehmern Sam Bompas und Harry Parry. Sie haben schon öfter mit ausgefallenen Speisen und Getränken auf sich aufmerksam gemacht: unter anderem mit einem extravaganten britischen Wackelpudding und Kochen mit Lava.


Die Bar hat vorerst nur für sechs Monate geöffnet. Die Betreiber wollen zunächst beobachten, wie das Geschäft läuft. Sie wollen es aber auch in Zukunft weiterführen – an einem anderen Standort.


der Standard.at, 31. Juli 2015


… und die Mädchen trinken Hugo


Bevor meine Freunde und ich in dem Alter sind, in dem man Rotwein trinkt und über die Politik ablästert, wollen wir unser Alter ausnutzen und mit anderem Alkohol Spaß haben. Und da man so ab 30 schon beim kleinsten Tropfen nen Schädel bekommt, müssen wir unsere Resistenz natürlich auch ausnutzen. Falls sich jemand fragt, wie wir das anstellen, erzähle ich mal von unseren Lieblingsgetränken - sei es beim friedlichen "Chillen" oder beim Partymachen. Weil die Mädchen meist was Anderes trinken als die Jungs, werde ich das ausnahmsweise nach Geschlecht unterteilen.


Wenn wir grillen oder uns einfach an der Alster sonnen

Wenn man bei einem Freund zu Besuch ist und das Steak, das man selber gekauft hat, auf dem Grill, den man selber angemacht hat, brutzelt, dann gibt es nichts Schöneres, als das mit seinen Freunden bei einem kühlen Bierchen zu feiern. Was für Bier wir kaufen, kommt immer darauf an, wie viel Geld wir gerade in der Tasche haben. Optimalerweise Beck‘s, wobei Astra bei mir auch immer erwünscht ist. Aber zum Glück gibt‘s bei Netto auch immer Alternativen, sodass man auch mal einen Kasten für 8€ kaufen kann. Wenn man sich das ganz doll vorstellt, schmeckt das Billigbier dann auch gar nicht so schlecht.

Genauso läuft es auch, wenn wir uns an der Alster ein paar weiße Stühle zusammenstellen und das Wetter genießen. Wenn wir keinen Kasten gekauft haben, sondern ein, zwei Flaschen Bier für jeden, dann darf es auch gerne mal das Tequila-Bier Desperados sein, aber auch nur eine Flasche, denn das ist einfach zu teuer, um sich davon ein Viererpack für 8€ zu kaufen.


Die Mädchen sind in diesem Fall mit ihrer Hugoflasche glücklich.


Wenn wir auf einer Hausparty sind

Wenn du auf eine Hausparty gehst und vorher mit dem Gastgeber telefonierst, gibt es einen typischen Standardsatz, den er dir am Ende eures Telefonats über die Musik zubrüllt: "... und bring Alk mit!" Es kommt auf den Gastgeber an, ob er dir das Geld für den "Alk“ wiedergibt. Wenn nicht, trinkst du es einfach alleine mit deinen Leuten. Zu Hauspartys kann man natürlich auch einfach einen Kasten Bier mitbringen, es gilt das gleiche Prinzip draußen. Oder aber man bringt eine "Vodi“ (mit langem O) mit, dann brauchst du aber natürlich auch was zum Mischen. Dann wird meistens der verlässliche Wodka Gorbatschow gekauft, es sei denn, der reiche Freund ist dabei und gibt genug Geld dazu, damit es für einen Absolut Vodka reicht. Die Vodis werden dann mit beliebigen Getränken gemischt: Cola, Energydrink, Multivitaminsaft. Die Mädchen trinken in diesem Fall Hugo, manchmal auch "ne Mische".


In einer Bar/Kneipe

Wenn wir keinen Ort haben, wo wir sein können, gehen wir meistens in eine Bar. Dort trinken wir einfach Holsten oder Guinness, aber auch nicht zu viel, denn welcher Teenie kann es sich schon leisten, sich in einer Bar zu betrinken? Wenn wir dann entschieden haben, dass es langweilig geworden ist oder wir doch noch Freunde gefunden haben, die einen Aufenthaltsort zur Verfügung stellen können, ist es meistens schon so weit, dass alle Supermärkte zu haben und wir in die Preishölle, zur Tanke, gehen müssen. Da wird dann nur das Billigste gekauft und man verlässt die Tankstelle mit irgendeinem Wodka, dessen Namen man nicht aussprechen kann und ner 1,5-Liter-Flasche vom billigsten Energydrink. Wenn wir in einen richtigen Kiosk gehen, können es auch ein paar Flaschen des Edelbieres 5.0 für 70 Cent das Stück werden, mit denen wir den Abend genießen. Den Mädchen bringt man dann eine Flasche Hugo mit.


Natürlich trinken die Mädchen auch mal was anderes, als ihren Hugo aus der Flasche. Aber Hugo ist definitiv das beliebteste Getränk bei 90 Prozent der Mädchen in meinem Alter.


Falls sich jetzt jemand fragt, wie ein Haufen 16-/17-Jähriger überhaupt den ganzen Hartalk an der Kasse bekommt, ehrlich gesagt, bin ich selbst überrascht, aber meistens ist das kein großes Problem.


stern.de - Der Pubertant - 31.07.2015


Alkoholgesetze wirken bei jungen Männern präventiv


Zahlen aus der Schweiz stimmen überein mit Ergebnissen aus anderen Ländern: Je mehr Bestimmungen, desto geringer der Alkohol-Konsum


Junge Männer sind alkoholgefährdet. Vorschriften etwa zum Mindestalter für den Kauf oder Ausschank von Alkohol können sie davor schützen. Eine Schweizer Studie unter der Leitung von UZH-Wissenschaftlern zeigt: Je mehr gesetzliche Maßnahmen zur Alkoholprävention in Kraft sind, desto weniger junge Männer trinken übermäßig. Dies gilt jedoch nicht für Konsumenten mit einer Tendenz zu risikoreichem oder antisozialem Verhalten.


Beim Griff zum Glas haben sie häufig kein Maß. Unter jungen Männern ist risikoreiches Trinken relativ weit verbreitet. Die positive Nachricht: gesetzliche Vorschriften – etwa zum Mindestalter für den Ausschank, zu Einschränkungen für den Verkauf oder für die Bewerbung von Alkoholika – wirken bei jungen Konsumenten präventiv.


Große Studie


Dies zeigen Wissenschaftler der Universität Zürich anhand einer Befragung von rund 5.700 jungen Schweizer Männern. Von den Befragten, im Durchschnitt 20 Jahre alt, sind knapp die Hälfte risikoreiche Trinker. Sie konsumieren monatlich mindestens sechs oder mehr alkoholische Getränke auf einmal.


Beinahe ein Drittel davon hat zudem Alkoholprobleme, die sich in einem wiederholten Trinkverhalten mit schädlichen Folgen oder Gefahren äußern. "Junge Erwachsene und junge Männer sind am meisten gefährdet für risikoreiches und missbräuchliches Trinken, das sich zu einer Alkoholabhängigkeit entwickeln kann", sagt Meichun Mohler-Kuo, Professorin am Institut für Epidemiologie, Biostatistik und Prävention der Universität Zürich.


Die Wissenschaftler untersuchten den Einfluss der gesetzlich verankerten Präventionsmaßnahmen auf den Alkoholkonsum der Befragten. Die Auswertung ergab, dass in den Kantonen mit mehr Präventionsmaßnahmen weniger Männer risikoreich oder missbräuchlich Alkohol tranken. Dieses Resultat deckt sich mit internationalen Studien, die zeigen, dass die Einführung von Alkoholgesetzen zu einer Abnahme des Alkoholkonsums sowie alkoholbedingter Gesundheitsprobleme geführt hat


Manche kann man nicht erreichen


Hingegen hatten diese Präventionsmaßnahmen keinen Einfluss auf die Studienteilnehmer mit einer überdurchschnittlichen Tendenz zum "Sensation seeking" oder zu antisozialem Verhalten: Männer, die ungeachtet der Risiken verstärkt nach neuen oder aufregenden Erlebnissen suchen, sind anfälliger für einen Risikokonsum respektive Alkoholprobleme. Dasselbe gilt für Männer mit der Tendenz, die Rechte und Anliegen anderer weitgehend zu missachten.


"Offenbar können mit den bestehenden Präventionsmaßnahmen die Männer mit dem höchsten Risiko nur schwer erreicht werden", erklärt Simon Foster, wissenschaftlicher Mitarbeiter am Institut für Epidemiologie, Biostatistik und Prävention der Universität Zürich.


Bei ihnen hat die persönliche Veranlagung einen stärkeren Einfluss auf den Alkoholkonsum als die gesetzlichen Vorschriften. "Für diese Untergruppe braucht es spezielle Präventionsmassnahmen, welche auf die Früherkennung zielen und auf die Persönlichkeitsprofile der betroffenen Männer zugeschnitten sind", sagt Foster


der Standard.at, 30.7.2015


Suizid - Selbstvergiftung durch Drogen nimmt bei jungen Leuten zu


Nach wie vor ist der Alkohol die Hauptursache, wenn Menschen wegen einer akuten Intoxikation behandelt werden müssen. Alarmierend ist jedoch, dass immer mehr junge Menschen wegen des Gebrauchs illegaler Drogen in Kliniken eingeliefert werden.


Um Trends bei akuten Selbstvergiftungen zu untersuchen, haben Intensivmediziner um Studienleiter Sirak Petros von der Universitätsklinik Leipzig die Akten erwachsener Patienten aus den Jahren 2005 bis 2012 ausgewertet (Anaesthesist 2015; 64: 456-462). Alle 3533 Patienten waren wegen eines Suizidversuchs (18 Prozent, Suizidgruppe), einer Berauschung (76,8 Prozent, Intoxikationsgruppe) oder einer Medikamentenüberdosierung zur Schmerzlinderung (2,9 Prozent, Überdosierungsgruppe) in das Universitätsklinikum Leipzig eingeliefert worden. Knapp ein Drittel der Patienten war jünger als 25 Jahre.


Insgesamt war die Zahl der stationären Aufnahmen wegen akuter Selbstvergiftung von 305 Fällen im Jahr 2005 auf 624 Patienten im Jahr 2012 gestiegen. Bezogen auf die Zahl der gesamten stationären Aufnahmen war der Anteil an Selbstvergiftungen von 1,2 auf 1,9 Prozent gewachsen. Eine Aufnahme auf die Intensivstation war in 16,6 Prozent der Fälle erforderlich, 22 Patienten starben, die meisten davon nach Suizidversuch. Über 10 Prozent der Patienten mit Selbstvergiftung wurden im Studienzeitraum mindestens noch ein zweites Mal wegen einer Intoxikation in eine Klinik eingewiesen.


Suizidversuche häufig mit Benzos

In der Suizidgruppe waren vorwiegend psychotrope Medikamente (71,6 Prozent) der Grund für die stationäre Behandlung, wobei 52 Prozent der Patienten mehr als zwei verschiedene Substanzen eingenommen hatten. Die Substanzliste führten mit 28,6 Prozent die Benzodiazepine an, gefolgt von Antidepressiva (20,2 Prozent), Antihistaminika (13,4 Prozent), NSAR (13,1 Prozent) und Paracetamol (12,8 Prozent). Weniger als 10 Prozent der Patienten hatten versucht, sich mit Neuroleptika, Herz-Kreislauf-Mitteln, Opioiden, Antikonvulsiva, Chemikalien (Detergenzien, Tenside, Frostschutzmittel), Antidiabetika (Insulin, orale Antidiabetika) oder Amphetaminen das Leben zu nehmen.


Fast ein Drittel der lebensmüden Patienten hatte zusätzlich Alkohol konsumiert.


Intoxikation meist durch Alkohol

Rund 80 Prozent der Intoxikationen waren alkoholbedingt, und dies mit relativer Konstanz seit 2005. Ein erheblicher Anstieg der Fallzahlen für eine Rausch-Notfallbehandlung wurde in den Jahren 2011 und 2012 infolge des Konsums von Crystal Meth, Cannabinoiden und Gamma-Hydroxybuttersäure (GHB) verzeichnet.


Opioid- und Benzodiazepin-Intoxikationen hatten 2007 ein Maximum erreicht, danach fielen die Zahlen allmählich. Zum Zwecke der Schmerzlinderung wurden am häufigsten Benzodiazepine (24,8 Prozent) überdosiert, gefolgt von Paracetamol (17,8 Prozent), NSAR (16,8 Prozent), Antidepressiva (12,9 Prozent), Opioiden (11,9 Prozent) und Neuroleptika (10,9 Prozent). Auch von diesen Patienten nahm fast jeder Dritte mehr als eine Substanz ein. 17,8 Prozent tranken dazu Alkohol.


Hinsichtlich des Konsums illegaler Drogen, so die Autoren, sei vor allem in Grenzgebieten mehr internationale Kooperation nötig, so die Studienautoren. Denn seit 2009 sei die Zahl der Crystal-Meth-Konsumenten in Gegenden Deutschlands, die an Tschechien grenzen, jährlich um 25 Prozent angewachsen. Dies gelte insbesondere für Sachsen, in dessen unmittelbarer Nähe etliche Crystal-Meth-Laboratorien produzierten.


Die zunehmenden akuten Vergiftungen infolge einer selbstständigen Schmerztherapie machten deutlich, so die Leipziger Ärzte, wie notwendig die öffentliche Aufklärung sowie verstärkte psychiatrische Betreuung für Prävention und Therapiekontrolle seien.

ÄrzteZeitung, 30.07.2015


88 Prozent der Drogentoten in NRW sterben wegen Alkohol


Im Jahr 2013 sind in Nordrhein-Westfalen 3195 Menschen an den Folgen ihres Drogenkonsums gestorben. Das sind 1,5 Prozent oder 48 Todesopfer weniger als ein Jahr zuvor. Fast neun von zehn Drogentote wurden Opfer des Alkohols.


Die Zahl der Drogentoten ist in Nordrhein-Westfalen erneut zurückgegangen. Im Jahr 2013 starben 3195 Menschen an ihrem Drogenkonsum, berichtete das Landesamt für Statistik am Montag in Düsseldorf zum nationalen Gedenktag für gestorbene Drogenabhängige. Das waren 1,5 Prozent oder 48 Todesopfer weniger als ein Jahr zuvor. Im Vorjahr war die Zahl der Drogentoten um 1,1 Prozent gesunken. Fast neun von zehn Drogentote wurden Opfer des Alkohols. Das waren 2803 Menschen.


Der Anteil der Drogentoten an den gesamten Sterbefällen sank von 1,7 auf 1,6 Prozent. Der Rückgang wurde durch weniger Alkoholtote verursacht: 84 Menschen weniger starben 2013 durch das Lebergift Alkohol. 392 Menschen starben durch illegale Rauschgifte - das waren mehr als ein Jahr zuvor, als 356 Menschen starben.

(dpa 20.07.2015)


Flugrecht: Wie viel Alkohol ist im Flieger erlaubt?


Ein Flieger der Air Berlin von Düsseldorf nach Punta Cana (Dominikanische Republik) war nach einer Prügelei zweier betrunkener Passagiere an Bord umgedreht. Muss die Airline Schadenersatz zahlen?


Eine Maschine der Air Berlin musste im April 2014 auf dem Flug von Düsseldorf nach Punta Cana umdrehen, weil zwei alkoholisierte Passagiere an Bord eine Prügelei ausgelöst hatten. Weil sich der Flieger um knapp sieben Stunden verspätete, hat ein Ehepaar aus Köln auf 1.200 Euro Schadenersatz geklagt.


Die Details: Zwei betrunkene Männer hatten sich zunächst mit der Crew angelegt und dann einen anderen Fluggast verprügelt. Daraufhin hat der Kapitän der Maschine entschieden, den Flug nach Punta Cana nicht fortzusetzen. Über der Normandie drehte er um und landete außerplanmäßig in Köln, wo die beiden alkoholisierten Passagiere von Bord gehen mussten. Weil auch noch das Gepäck der beiden ausgeladen werden musste, ist der Jet erst nach sechs Stunden und 40 Minuten in Richtung Karibik gestartet.


Ein Urteil des Düsseldorfer Amtsgerichtes zur Frage, wie viel Alkohol an Bord erlaubt ist, könnte grundsätzliche Bedeutung bekommen.

Angeblich hätten die beiden schon vor dem Start eine Flasche Jägermeister vor sich auf dem Klapptisch gehabt und vom Personal dafür auch noch Eis bekommen. Später wurden sie von der Crew aufgefordert, die Flasche wegzupacken – ohne Erfolg. Schließlich habe ein anderer Passagier eingegriffen, der dann von den zwei Alkoholisierten Prügel bezogen habe.


Der Anwalt der Kläger vertritt die Ansicht, dass Air Berlin die offensichtlich bereits betrunkenen Männer gar nicht erst an Bord hätte nehmen dürfen und der Beförderungspflicht wegen Trunkenheit der Passagiere nicht hätte nachkommen müssen. Zudem werde an Bord auch Alkohol ausgeschenkt, sodass die Airline damit rechnen müsse, dass Passagiere ausrasten. Die Fluggesellschaft könne sich somit nicht auf einen außergewöhnlichen Umstand berufen. Air Berlin sieht das anders und hält dagegen, dass es nicht vorhersehbar gewesen sei, dass die beiden aggressiv werden würden und pocht auf einen außergewöhnlichen Umstand.


Augenscheinlich gibt es zum Thema „Alkohol an Bord“ selbst unter Richtern keine Einigkeit:

Im Februar hatte ein anderes klagendes Ehepaar mit den oben angeführten Argumenten recht bekommen und jeweils 600 Euro Schadenersatz bekommen – die Fluggesellschaft könne sich nicht auf außergewöhnliche Umstände berufen, so das Amtsgericht Düsseldorf damals (Az.: 235 C 12954/14).


Eine zweite Richterin am Düsseldorfer Amtsgericht sah das jetzt jedoch völlig anders: Alkoholkonsum an Bord eines Flugzeuges sei üblich und in den meisten Fällen unproblematisch. Nur weil Einzelne unter Alkohol zu Aggressivität neigen, müsse die Airline den Alkohol nicht aus der Bordverpflegung streichen.


Nun soll das Landgericht Düsseldorf für endgültige Klarheit sorgen.Der Fall wird von den dortigen Richtern Anfang Oktober 2015 verhandelt. fluege.de, 14.07.2015


Schweiz: Alkoholkauf für Jugendliche wieder einfacher


Für Jugendliche ist es oft kein Problem, Alkohol zu beschaffen. Letztes Jahr wurden bei jedem dritten Testkauf Bier, Wein oder Spirituosen an Minderjährige verkauft. Das ist der höchste Wert seit 2008.


Bis 2013 war die Rate der erfolgreichen Testkäufe auf 25,8 Prozent gesunken, letztes Jahr waren es wieder 33,7 Prozent. Ein Grund dafür ist, dass viel mehr Testkäufe am Abend durchgeführt wurden: Später am Tag gelang es den Testkäufern doppelt so oft, Alkohol zu kaufen, wie es in einer Mitteilung der Eidgenössischen Alkoholverwaltung heißt.


Tagsüber wurden auch die Ausweise viel systematischer kontrolliert: Vier von fünf Jugendlichen mussten sich beim Kauf von Alkohol ausweisen, während es am Abend nicht einmal die Hälfte war. In fast 18 Prozent der Testkäufe wurde ihnen allerdings Alkohol verkauft, obwohl sie das Mindestalter von 16 Jahren für Wein und Bier oder von 18 Jahren für Spirituosen, Liköre oder Alcopops noch gar nicht erreicht hatten.


Aber nicht überall ist es gleich einfach, Alkohol zu kaufen. In Tankstellenshops war nur jeder sechste Minderjährige erfolgreich, während es in Bars und Getränkemärkten jeder zweite war. In Restaurants wurde immerhin noch 44 Prozent der Testkäufer Alkohol serviert. Generell ist es laut Alkoholverwaltung viel einfacher, an Orten Alkohol zu bekommen, wo er direkt konsumiert wird. Die Rate war 2014 gegenüber Take-Away-Betrieben mehr als doppelt so hoch.


Große Unterschiede gibt es auch unter den Kantonen. In einigen sei die Verkaufsrate unter 20 Prozent gesunken. In den Kantonen Waadt, Appenzell Ausserrhoden und in Nidwalden hingegen waren über 40 Prozent der Testkäufe erfolgreich. Einige Kantone, etwa Waadt, melden Testkäufe allerdings nicht an, was das Ergebnis beeinflussen kann.


Angesichts dieser Ergebnisse will die Alkoholverwaltung das Verkaufspersonal stärker sensibilisieren. Zudem soll das Alter der Käufer mit Hilfe von Altersrechnern rasch und effizient überprüft werden können. Insgesamt sind letztes Jahr über 5000 Testkäufe durchgeführt worden.


SRF Tagesschau, 10.07.2015


Untersuchung: Blauäugige greifen besonders gern zu Alkohol

Menschen mit blauen Augen haben ein erhöhtes Risiko für Alkoholsucht


Die Augenfarbe eines Menschen könnte weit mehr Bedeutung haben als bisher angenommen. Wissenschaftler der Universität Vermont fanden heraus, dass Menschen mit blauen Augen dem Alkohol besonders leicht verfallen und alkoholabhängig werden. Das gelte auch für Menschen mit anderen hellen Augenfarben wie grün oder grau, schreiben die Forscher im Fachmagazin „American Journal of Medical Genetics: Neuropsychiatric Genetics“.


Menschen mit blauen Augen sollten auf ihren Alkoholkonsum achten. Das legt eine Studie der Forscher Arvis Sulovari und Dawei Li von der der Universität Vermont nahe. Demnach ist das Risiko einer Alkoholsucht bei Menschen mit hellen Augen wesentlich höher als bei Personen mit braunen Augen, weil beide Information – die Augenfarbe und die Neigung zum Alkoholkonsum – auf dem selben Chromosom kodiert werden.


Im Rahmen ihrer Studie untersuchten und befragten die Forscher 1.263 weiße Amerikaner mit Alkoholproblemen. Wie sich herausstellte, waren die Studienteilnehmer mit blauen Augen am ehesten alkoholabhängig. Als stark gefährdet stuften Sulovari und Li auch Personen mit grünen oder grauen Augen ein. „Dies bietet eine faszinierende Möglichkeit, die Augenfarbe in der Klinik bei der Diagnose von Alkoholabhängigkeit heranzuziehen“, kommentiert Sulovari die Studienergebnisse.


Nachdem die Wissenschaftler den Zusammenhang zwischen Augenfarbe und Alkoholkonsum erkannt hatten, wiederholten sie ihren Versuch mit neuer Anordnung. Auf diese Weise wollten sie herausfinden, ob Faktoren wie Geschlecht, Alter sowie ethnische und geografische Hintergründe das Ergebnis beeinflussen. Die Ergebnisse hielten dabei allen Test stand. Die Untersuchung der Forscher bestätigt einen Versuch aus dem Jahr 2000, der das gleiche Ergebnis lieferte. „Den Grund kennen wir aber noch nicht“, so Li. Das soll nun in weiteren Studien untersucht werden.


Die Forscher erhoffen sich von ihren Ergebnissen, bessere Möglichkeiten zu finden, um der Entstehung von Alkoholismus und anderer psychischer Krankheiten auf die Spur zu kommen. 


heilpraxis.net, 08.07.2015


Wein ohne Alkohol?


Mainz ist für eine Woche Weltweinhauptstadt: Zum "Weltkongress für Rebe und Wein" werden bis zu 500 Experten erwartet. Es geht um neue Trends bei der Weinbereitung und darum, Standards zu setzen.


Trend zu Wein ohne Alkohol

"Wir beobachten eine wachsende Nachfrage nach entalkoholisiertem Wein", sagte der zuständige Fachreferent im Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft, Michael Koehler, im Vorfeld der Veranstaltung. Bereits möglich ist eine 20-prozentige Reduzierung von 15 auf 12 Volumenprozent Alkohol. Einige Anbieter wollten aber weiter gehen, so dass sich die Frage stelle, ob das Ergebnis dann noch als Wein bezeichnet werden könne.

In der EU ist ein Alkoholgehalt von mindestens 8,5 Volumenprozent Voraussetzung für die Bezeichnung als Wein. In anderen Ländern wie Australien gibt es diese Definition nicht. Allerdings haben auch deutsche Spezialweine wie der Eiswein zum Teil einen niedrigeren Alkoholgehalt von 6 oder 7 Volumenprozent.


Auszug aus SWR.de vom 05.07.2015


Deutschlands Jugendliche trinken sich seltener in den Rausch


Alkohol bei Jugendlichen macht Suchtexperten und Politik weiter Sorgen - auch wenn sie der jüngsten Umfrage zufolge deutlich weniger trinken. Der Trend geht allerdings nur bei einem Geschlecht zurück.


Regelmäßiges Rauschtrinken ist unter Deutschlands Jugendlichen auf einen neuen Tiefststand gesunken. So betrank sich im vergangenen Jahr fast jeder achte Jugendliche mindestens einmal im Monat, also 12,9 Prozent, wie aus einer am Dienstag in Berlin präsentierten Studie der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung hervorgeht. Das ist der niedrigste Wert seit Beginn entsprechender Umfragen zehn Jahre zuvor: 2004 betranken sich noch 22,6 Prozent der 12- bis 17-Jährigen mindestens einmal im Monat.

Während der Anteil bei den Jungs zwischen 12 und 17 Jahren, die sich regelmäßig betrinken, im vergangenen Jahr deutlich auf 14,6 Prozent sank, stieg er bei den Mädchen leicht auf 11,2 Prozent an. "Bei bestimmten Personengruppen, wie etwa jungen Frauen, müssen wir genau hinschauen", sagte die Bundesdrogenbeauftragte Marlene Mortler. Unterm Strich trinken junge Frauen insgesamt weniger als Männer.


Bei den jungen Erwachsenen bis 25 Jahren trinkt mehr als ein Drittel mindestens einmal pro Monat fünf oder mehr Gläser (35,4 Prozent), bei den jungen Männern allein sind es 44 Prozent. Laut der bis dahin jüngsten Erhebung waren es 2012 noch 52,9 Prozent der jungen Männer. Mortler zeigte sich zufrieden darüber, dass der regelmäßige Alkoholkonsum insgesamt kontinuierlich zurückgeht. Dennoch bleibe Alkohol Suchtmittel Nummer eins. "Deshalb ist es wichtig, einer Bagatellisierung des Alkoholkonsums entgegenzutreten."


Häufig in den Rausch trinken sich 15,6 Prozent der jungen Männer und 4,3 Prozent der 12- bis 17-jährigen Jungs (2012: 19,4 und 4,9 Prozent). Bei den jungen Frauen sind es 4,7, bei den Mädchen 2,9 Prozent. Das Durchschnittsalter des ersten Alkoholkonsums stieg in den vergangenen zehn Jahren kontinuierlich von 14,1 auf 14,8 Jahre, das des ersten Alkoholrauschs von 15,5 auf 16,2 Jahre. Regelmäßig zur Flasche greifen 35,5 Prozent der jungen Erwachsenen und 11,8 Prozent der Jugendlichen. Der regelmäßige Alkoholkonsum sei damit seit den 70er Jahren kontinuierlich zurückgegangen, so Mortler. 33 Prozent der 12- bis 17-Jährigen haben noch nie in ihrem Leben Alkohol getrunken.


Mortler und die Chefin der Bundeszentrale, Heidrun Thaiss, machten für den Rückgang vor allem Aufklärungs- und Präventionsprojekte über Jahre hinweg verantwortlich. Volker Leienbach, Direktor des Verbandes der Privaten Krankenversicherung, der Aufklärungskampagnen mitfinanziert, wies darauf hin, dass sich oft in der Jugend entscheide, ob jemand eine "Trinkerkarriere" einschlage oder nicht. Zudem sei die Entwicklung in dem Alter noch nicht abgeschlossen - und deshalb Trinken besonders gefährlich.


stern.de, 01.07.2015