Nächtliches Alkohol-Verkaufsverbot in BW - Bier-Automaten geht's an den Kragen


Wer in Baden-Württemberg nach 22.00 Uhr Alkohol kaufen will, soll es in Zukunft noch schwerer haben. Innenminister Gall will letzte Schlupflöcher schließen.


Das nächtliche Alkohol-Verkaufsverbot zwischen 22.00 Uhr bis 5.00 Uhr soll auf Automaten und Alkohollieferdienste ausgeweitet werden. Bisher gilt es an Tankstellen, Kiosken und Supermärkten. Innenminister Reinhold Gall (SPD) hat eine entsprechende Novelle in den Landtag eingebracht. Laut dieser dürfen Warenautomaten mit alkoholischen Angeboten und Alkohollieferdienste nachts nicht mehr genutzt werden.


Die FDP kritisierte, statt Verboten solle man eher auf Prävention setzen, und wandte sich gegen die Pläne. "Das hat mit freien Menschen relativ wenig zu tun", sagte der liberale Justizexperte Ulrich Goll. Die CDU signalisierte Zustimmung, forderte aber noch weitergehende Schritte, vor allem die Erlaubnis für die Kommunen, auf öffentlichen Plätzen ein Alkoholkonsumverbot auszusprechen. SWR.de, 27.11.2015


Magenkrebs - Erhöhtes Risiko durch Alkohol


Alkohol fördert die Entstehung von Magen-Ca. Der Effekt scheint sich aber nur bei Menschen bemerkbar zu machen, die nicht mit H. pylori infiziert sind.


SEOUL. Zwei Metaanalysen haben den Konsum von Alkohol als Risikofaktor für Magenkrebs ausgewiesen. Trotzdem ist der Zusammenhang umstritten: Die International Agency for Research on Cancer (IARC) hat Widersprüche in den publizierten Daten festgestellt. Einer prospektiven Studie aus Korea zufolge könnten die unterschiedlichen Ergebnisse mit dem Helicobacter(H.)-pylori-Status zusammenhängen.


Nur bei Teilnehmern ohne den Magenkeim war starker Alkoholkonsum mit einer erhöhten Magenkrebsrate assoziiert (BJC 2015; online 17. September). Zwischen beiden Risikofaktoren scheint eine Interaktion stattzufinden, die ihre kanzerogene Wirkung insgesamt abschwächt.


In der Gesamtkohorte mit 18.863 Koreanern, darunter 403 Magenkarzinompatienten, war das Risiko für den Krebs signifikant erhöht, wenn Alkohol seit mehr als 30 Jahren, mindestens siebenmal pro Woche oder in einer Menge von mindestens 55 g bei einer einzelnen Gelegenheit (Binge-Drinking) konsumiert wurde.


Für 949 Personen, einschließlich 266 an Magenkrebs erkrankten, waren Daten zum H.-pylori-Status vorhanden. Berücksichtigte man diese Information sowie Alter, Geschlecht, BMI, Bildungsniveau und Rauchstatus der Teilnehmer, waren die Assoziationen zwischen Alkoholkonsum und Krebsraten nicht mehr signifikant.


Nur Teilnehmer, die keine H.-pylori-spezifischen IgG-Antikörper aufwiesen, steigerten durch starken Alkoholkonsum ihr Magenkrebsrisiko: Bei mindestens sieben alkoholischen Getränken pro Woche war das Risiko rund 3,5-mal und bei Binge-Drinking rund 3,3-mal so hoch wie bei Alkoholabstinenz.


Bei den Patienten mit IgG-Antikörpern, die also (irgendwann) mit H. pylori infiziert waren, zeigte sich keinerlei Korrelation zwischen Trinkverhalten und Krebsrate.


Warum aber sollte Alkohol bei Menschen mit einer H.-pylori-Infektion weniger Schaden anrichten als bei nicht infizierten? Die Studienautoren um Seung-Hyun Ma von der Universität Seoul vermuten antimikrobielle Effekte von Alkohol auf den Magenkeim.


Hinweise auf eine solche Wirkung hätten sich auch in anderen epidemiologischen Studien ergeben. Durch starken Alkoholkonsum könnte also das Ausmaß einer Infektion mit H. pylori reduziert und dadurch das Krebsrisiko, dass der Magenkeim mit sich bringt, abgeschwächt werden. Deutsche Ärztezeitung, 13.11.2015


Gesellschaftsdroge Alkohol - Guter Rausch, böser Rausch


Die Geschichte des Rausches ist ein einziges Missverständnis. Während der Staat beim Kiffen null Toleranz kennt, dürfen wir uns bis zur Besinnungslosigkeit betrinken. Warum eigentlich?


"Alle elf Minuten verliebt sich ein Single" - der Satz, mit dem eine Partnervermittlung derzeit wirbt, klingt beeindruckend. Doch wie klingt das: Wie aus einer Studie der WHO hervorgeht, stirbt alle zehn Sekunden weltweit ein Mensch durch Alkohol.


Dabei handelt es sich laut Betäubungsmittelgesetz noch nicht einmal um eine Droge. Sondern um ein soziales Schmiermittel, das locker und lustig machen soll. In Anbetracht der alkoholbedingten Verkehrstoten, verprügelten Kinder und Frauen sowie Suizide von Jugendlichen kann einem da allerdings das Lachen im Hals stecken bleiben. Kein Zweifel: Die Geschichte des Rausches ist ein einziges Missverständnis.


Die Bilanz vom diesjährigen Münchner Oktoberfest, das die grüne Bundestagsvizepräsidentin Claudia Roth als "die größte offene Drogenszene der Welt" bezeichnet, spricht für sich: 600 Alkoholvergiftungen in zwei Wochen, 16 der Patienten waren Kinder unter 16 - ein Prosit der Gemütlichkeit! Der Artikel aus dem Jahr 1997, in dem die taz von einer "Massenintoxikation" schreibt, klingt nach böser Satire, ist aber bittere Realität. Das kollektive Besäufnis unter dem Deckmantel der Brauchtumspflege ist der beste Beweis, dass Alkoholmissbrauch kein Problem einiger Randgruppen ist - Alkohol ist die Gesellschaftsdroge schlechthin, ein vertrauter Stoff, der uns seit Generationen begleitet.


Nicht erst beim trotzig gebrüllten "O'zapft is!" wird auch der unverbesserlichste Abstinenzler erkennen, wo oben ist - immer da, wo im Namen der Tradition gebechert wird. Und so ist es auch nicht ein Brauereibesitzer, der das erste Wiesn-Fass anzapft, sondern der Münchner Oberbürgermeister. Den ersten Schluck jedoch nimmt - höchst publikumswirksam - der Ministerpräsident persönlich, bevor es die lechzende Masse ihm nachmacht und das schäumende Bier in sich hineinströmen lässt.


Die Bundesregierung findet offenbar nichts dabei. Marlene Mortler äußerte sich jedenfalls nicht dazu. Bevor sie Drogenbeauftragte wurde, hatte die CSU-Politikerin 2014 von der Klausurtagung der CSU eine Schnapsflasche auf Twitter gepostet - vermutlich, weil ihr der Name "Kreuther Geist" so gefiel. Den Job hat sie trotzdem bekommen.


Während sie bei Drogen eine Null-Toleranz-Politik praktiziert, appelliert Mortler in Sachen Alkohol lieber an die Vernunft der Verbraucher: "Ich versuche dem Publikum zu vermitteln, dass Wasser und alkoholfreies Bier auch wunderbar schmecken können", sagte sie dem Debatten-Magazin The European. Und so bleibt es lediglich bei der Empfehlung für ein bundesweites nächtliches Alkohol-Verkaufsverbot, wie es in Baden-Württemberg seit 2010 gilt. Mehr Handhabe hat die Bundesdrogenbeauftragte nicht: Den Verkauf von Alkohol regelt jedes Land individuell.


Gerade in Bayern wird auf politisch motivierten Veranstaltungen wie dem Politiker-Derblecken und dem politischen Aschermittwoch bereitwillig der Gemütlichkeitsfaktor des Nationalgetränks genutzt. Die Protagonisten - allesamt Personen mit Vorbildfunktion - schwenken dabei ihren Maßkrug bierselig in Richtung Kamera.


Nur mal angenommen, der bayerische Ministerpräsident Horst Seehofer hielte bei seinem nächsten Plädoyer einen Joint in der Hand statt eines kühlen Bieres: Was dann? In dem Fall hat der Spaß natürlich umgehend ein Ende!


Warum ist Alkoholmissbrauch nicht verboten?

Warum eigentlich? Warum fällt Marihuana unter das Betäubungsmittelgesetz, Alkohol aber nicht? Warum ist der Erwerb von Marihuana strafbar, während man jederzeit und überall beliebig viel Schnaps kaufen kann? Warum darf man keinen Joint im Handschuhfach deponieren, sich jedoch mit 0,49 Promille im Blut unbehelligt ans Steuer setzen? Warum unterbindet der Staat es gesetzlich nicht, dass Menschen sich durch Komasaufen so lange zuschütten, bis sie bewusstlos zusammenbrechen und im Krankenhaus wiederhergestellt werden müssen? Warum gilt Trinken als Kulturgut und Zeichen von Gemütlichkeit, Kiffen jedoch als schmuddelig und kriminell?


Selbst Fachleute können darauf keine plausible Antwort geben: "In Deutschland haben wir ein Konsumverhalten, das völlig unvernünftig ist, das kann eine Gesellschaft sich nur leisten, wenn sie das Problem herunterspielt", sagt der Soziologe Raphael Gaßmann, Geschäftsführer der Deutschen Hauptstelle für Suchtfragen e.V. (DHS). Der Drogenexperte findet, die "kollektive Verharmlosung" in Bezug auf Alkohol stehe in krassem Gegensatz zu einer extremen Betonung der Risiken in Bezug auf Cannabis. "Als einzige von allen psychoaktiven Substanzen wird nur der Alkohol nicht geahndet", sagt Gaßmann. Und mehr noch: "Die deutsche Politik erlaubt, bewirbt und fördert ihn sogar. Alles andere ist und bleibt verboten - und zwar unabhängig von der tatsächlichen Wirkung."


Es ist offensichtlich so, dass der Staat in Bezug auf Alkohol seiner Fürsorgepflicht nicht nachkommt. Aber warum nicht? Wieso fühlen sich weder Politik noch das Gesundheitssystem dazu aufgerufen, das Problem in der Öffentlichkeit anzugehen? Süddeutsche Zeitung, 12.11.2015


Testkäufe in Luzern

69 Prozent verkauften Alkohol an Jugendliche


In 91 Betrieben hat die Luzerner Polizei Alkoholtestkäufe durchgeführt. Mehr als zwei Drittel der Betriebe fielen durch. Eine so hohe Durchfallquote wurde noch nie registriert.


Jugendliche haben im Auftrag der Luzerner Polizei zwischen März und Mai Alkoholtestkäufe durchgeführt: 44 Verkaufsgeschäfte und 47 Restaurantionsbetriebe haben die Behörden unter die Lupe genommen – die Betriebe wurden dabei zufällig ausgewählt. Dort versuchten Jugendliche alkoholische Getränke zu kaufen.


Das Resultat: In 63 von 91 kontrollierten Betrieben erhielten die Jugendlichen alkoholhaltige Getränke (69 Prozent). 2014 fiel die Zahl der fehlbaren Betriebe mit 37 Prozent deutlich tiefer aus. Bei vergleichbaren Kontrollen im Jahr 2010 waren es noch 46 Prozent (2011: 40 Prozent, 2012: 54 Prozent).


Die Restaurants und Bars kamen bei den Kontrollen deutlich schlechter weg. Begutachtet man die Verkaufsgeschäfte und Restaurationbetriebe separat, zeigt sich: 83 Prozent der Beizen und Bars fielen bei den Kontrollen durch, bei den Verkaufsgeschäften waren es 55 Prozent. «Eine so hohe Durchfallquote wurde noch nie registriert», schreibt die Luzerner Polizei in ihrer Mitteilung.


Bei den Käufen wurden die Jugendlichen von Fachleuten begleitet, die dem Personal jeweils eine mündliche Rückmeldung gaben. Danach hat die Gastgewerbe- und Gewerbepolizei die Betriebe schriftlich über die Tests orientiert. Trotzdem gab es auch bei den Nachkontrollen zwischen Juni und August immer noch fehlbare Lokale. Von 56 Betrieben fielen 13 erneut durch (23 Prozent). Die Geschäfte werden nun verwarnt. Bei einem erneuten Verstoss könnte dies für sie gar ein zeitlich beschränktes Verkaufsverbot von Alkohol bedeuten.


Auch in Zukunft wird die Luzerner Polizei gemäss Mitteilung weitere Kontrollen durchführen. Denn: Die Kontrollen hätten nachweislich eine positive Wirkung auf die Verkaufspraxis. «Aufgrund der hohen Durchfallquote muss das Thema Jugendschutz beim Verkaufspersonal noch mehr angesprochen und vertieft werden», so die Mitteilung. 20min.ch ,04.11.2015


Drogen und Alkohol: Viele weiße Amerikaner sterben früh


Vor allem unter ärmeren und schlecht gebildeten Weißen im Alter von 45 bis 54 Jahren steige die Zahl der Todes- und auch Krankheitsfälle, bilanziert eine Studie in den „Proceedings“ der US-Nationalen Akademie der Wissenschaften („Pnas“). Gründe seien Drogen- und Alkoholvergiftung, Suizid sowie Lebererkrankungen, schreiben die Gesundheitsökonomen Anne Case und Angus Deaton von der Princeton University. Von den Afro-Amerikanern und Latinos in den USA aber auch von den Deutschen überleben dagegen immer mehr Menschen dieses Alter.


Die Forscher werteten für ihre Metaanalyse die Daten von 45- bis 54-Jährigen aus mehreren großen US-Gesundheitssurveys für den Zeitraum 1999 bis 2013 aus. Dabei zeigte sich bei der weißen Bevölkerung ein deutlicher Zusammenhang zwischen Bildung und Gesundheit: Unter denjenigen, die eine Highschool - in den USA eine Gesamtschule - oder weniger absolviert hatten, vervierfachte sich in dem Zeitraum die Todeszahl durch Alkohol oder Drogen. Es gab 80 Prozent mehr Suizide und 50 Prozent mehr Tote durch Leberleiden. Insgesamt stieg die Todesrate im mittleren Alter in dieser Gruppe um 22 Prozent an.


Unter den Menschen mittleren Alters, die zumindest zeitweise ein College besucht hatten, blieb die Todesrate nach 1998 unverändert, während sich die Zahlen bei weißen Amerikanern mit Hochschulabschluss sogar etwas verringerten. Unterm Strich zeigte sich für diese Altersklasse dennoch eine steigende Tendenz von etwa 0,5 Prozent pro Jahr. Die Zahl stieg für alle weißen Amerikaner mittleren Alters im Untersuchungszeitraum von etwa 380 Todesfällen pro 100 000 Menschen auf rund 410 pro 100 000.


„Wäre die weiße Mortalitätsrate für das Alter 45 bis 54 Jahre auf dem Stand von 1998 geblieben, hätten 96 000 Todesfälle in den Jahren 1999 bis 2013 verhindert werden können“, schreiben die Autoren. Hätte sich der Abwärtstrend bei den Todesfällen von 1979 bis 1998 fortgesetzt, wären es sogar fast 500 000 gewesen. „Das entspricht der Zahl der Menschen, die bis 2015 in den USA durch Aids ihr Leben verloren haben.“


Die hohen Todesraten gehen einher mit einem Anstieg an Krankheiten: Viele Weiße der Altersgruppe beklagen körperliche und psychische Probleme. Die Zahl der Arbeitsunfähigen steigt. Rechnet man die Jahre 2011 bis 2013 zusammen, hatte laut Studie jeder Dritte chronische Gelenkschmerzen und jeder Siebte Ischias-Leiden. Fettleibigkeit sei zwar auch ein Problem, so die Autoren, habe die Todesrate im mittleren Alter bisher aber nicht wesentlich beeinflusst.


Seit Mitte der 90er Jahre werden zudem immer mehr starke, opioid-haltige Schmerzmittel verschrieben - die Grenze zu einer Nutzung als Droge ist hier oft fließend. Die Forscher fordern deshalb striktere Verschreibungs-Regeln. Daneben seien aber auch tiefere soziale und ökonomische Probleme anzugehen. „Wenn das, was hier passiert, eine Epidemie der Hoffnungslosigkeit ist, dann sehen wir eine weitere schreckliche Folge von langsamem Wachstum und von wachsender Ungleichheit“, bilanziert Deaton.


In die durchschnittliche Lebenserwartung von US-Amerikanern, die für 2013 geborene Kinder bei 78,4 Jahren liegt, seien die Studienzahlen bereits eingerechnet, ergänzte Deaton auf Nachfrage der Deutschen Presse-Agentur. Sie dürften die Kurve abgeflacht haben. „Die Lebenserwartung wird sich weniger schnell erhöht haben, als es ohne diese Epidemie der Fall gewesen wäre.“


In Deutschland steigt die Lebenserwartung weiter stetig an - für 2015 geborene Mädchen liegt sie bei fast 83 Jahren, für Jungen bei rund 78 Jahren. Allerdings erreicht sie nicht die weltweite Top 10. Entsprechend sank die Sterberate für das Alter von 45 bis 54 seit 1990 um etwa 2 Prozent pro Jahr. Starben 1990 noch über 450 pro 100 000 Menschen dieses Alters waren es 2013 rund 300 pro 100 000.


Und auch wenn derzeit alles stabil ist, sagt der Medizinsoziologe Prof. Siegfried Geyer (MH Hannover): „Wenn in Deutschland die gleichen Entwicklungen in dem gleichen Ausmaß eintreten wie in den USA, kann ein Sinken der Lebenserwartung durchaus vorkommen.“


Drogen- und Alkoholmissbrauch seien oft Folgen sozialer und ökonomischer Probleme, erläutert Geyer. Deshalb sei etwa nach dem Zusammenbruch der Sowjetunion in vielen osteuropäischen Ländern die Lebenserwartung stark gesunken. „Griechenland wäre ein Kandidat für eine solche Entwicklung.“


Umgekehrt sei in Deutschland für die Zukunft auch denkbar, dass eventuell sinkende Einkommen und Renten durch einen höheren Anteil arbeitender Frauen und gesündere Lebensführung aufgewogen werden könne. „An solchen Fragen sind wir gerade dran.“ dpa - 02.11.2015


23 Tote durch gepanschten Raki in der Türkei


Kritiker werfen der islamisch-konservativen Regierung immer wieder vor, durch die stufenweise Erhöhung der Alkoholsteuer mitverantwortlich zu sein.

Tote nach dem Konsum von gepanschtem Alkohol: In der Türkei sind 23 Menschen durch illegal hergestellten Raki ums Leben gekommen. Allein in den vergangenen zwei Tagen seien elf Menschen in Istanbul im Krankenhaus gestorben, nachdem sie den Schnaps getrunken hatten, berichteten die Fernsehsender NTV und CNN-Türk. Insgesamt wurden seit Mittwoch 89 Menschen nach dem Konsum des Fusels ins Krankenhaus eingeliefert. 15 von ihnen schwebten noch in Lebensgefahr.


Der Anisschnaps, den die Opfer zu sich nahmen, enthielt nach Einschätzung der türkisches Gesundheitsbehörden hoch giftiges Methanol. Laut Medienberichten nahm die Polizei rund 20 Verdächtige fest. Sie sollen für die Herstellung des tödlichen Gebräus verantwortlich sein. 14 wurden wegen fahrlässiger Tötung inhaftiert.


Bei mehreren Razzien im ganzen Land wurden tausende Flaschen Raki beschlagnahmt. Einer der Verdächtigen, dem fahrlässige Tötung vorgeworfen wird, erklärte vor Gericht, er sei von seinen Lieferanten betrogen worden. Er habe bereits in der Vergangenheit Raki hergestellt, sagte er laut der Tageszeitung Hürriyet. "Ich bin nicht dumm. Sie (die Lieferanten) sind es, die die Verantwortung für die Todesfälle tragen", wurde der Mann zitiert.


Die Nachrichtenagentur Dogan meldete unter Verweis auf den Verdächtigen, diesem sei Methanol statt Ethanol-Alkohol verkauft worden. Vor zehn Jahren waren in der Türkei 22 Menschen an verunreinigtem Raki gestorben. 2009 waren elf Menschen an gepanschtem Alkohol gestorben, darunter drei deutsche Berufsschüler aus Lübeck. Kritiker warfen der islamisch-konservativen Regierung immer wieder vor, durch die stufenweise Erhöhung der Alkoholsteuer für die Verbreitung von gepanschtem Schnaps mitverantwortlich zu sein. (Süddeutsche Zeitung, 01.11.2015)


Roms Abgeordnetenkammer verschärft Strafen für tödliche Autounfälle


Italien will die Strafen für tödliche Autounfälle, die unter Einfluss von Alkohol oder anderen Drogen verursacht wurden, massiv verschärfen. Die Abgeordnetenkammer verabschiedete einen entsprechenden Gesetzesvorschlag.


Die Vorlage sieht vor, tödliche Verkehrsunfälle unter Einfluss von Drogen mit acht bis zwölf Jahren Haft zu bestrafen. Wenn mehrere Menschen beim Unfall ums Leben kommen, wird die Strafe auf ein Maximum von 18 Jahren erhöht.


Als straferschwerend wird auch Fahrerflucht nach einem solchen Unfall betrachtet. Der Führerschein kann bis zu 30 Jahre eingezogen werden, wenn wegen überhöhter Geschwindigkeit ein tödlicher Verkehrsunfall unter Drogeneinfluss verursacht wurde.


In Italien sterben jährlich 4000 Personen bei Verkehrsunfällen. Davon seien 20 Prozent von Personen verursacht, die unter Einfluss von Drogen am Steuer sitzen, betonte die Abgeordnete Alessia Morani, Verfasserin des Gesetzentwurfs. Das Gesetz muss noch vom Senat verabschiedet werden und soll voraussichtlich Anfang kommenden Jahres in Kraft treten.


Verbände, die sich für mehr Sicherheit auf den Strassen engagieren, demonstrierten diese Woche vor der Abgeordnetenkammer für eine zügige Umsetzung. Sie erhielten von Premier Matteo Renzi Rückendeckung. «Das Blutbad auf den Strassen muss ein Ende haben», sagte der Regierungschef. Er bezeichnete die Verabschiedung des Gesetzentwurfs durch die Abgeordnetenkammer als «historischen Schritt». Blick.ch,  29.10.2015


Machen Sie mal Alk-Pause!


Wer es schafft, einen Monat lang auf Alkohol zu verzichten, beugt vielen Krankheiten vor. Das zeigt eine neue Studie. Besonders die Leber profitiert von der «trockenen» Auszeit.


Viele von uns geniessen einen guten Wein zum Essen oder freuen sich auf das wohlverdiente Feierabendbier. In Kürze steht auch wieder Weihnachten vor der Tür, und die Party-Saison ist damit bald eröffnet. Dabei sollte man lieber einmal mehr darüber nachdenken, ob man nicht doch auf den Alkohol verzichtet. Dazu rät auch eine aktuelle Untersuchung, die zu dem Ergebnis kam, dass bereits ein Monat Abstinenz Wunder auf unsere Gesundheit wirken kann.

Im Zuge einer Studie untersuchten Ärzte des «Royal Free»-Krankenhaus in London 102 gesunde Männer und Frauen in ihren Vierzigern. Diese nahmen an der Dry-January-Kampagne teil, bei der regelmässige Alkoholkonsumenten einen Monat lang auf Alkohol verzichteten.


Die Teilnehmer der Studie tranken alle mehr als die von der Regierung empfohlenen Richtlinien: Die Frauen konsumierten im Schnitt 29 Einheiten pro Woche, die Männer 31 und lagen damit 15 beziehungsweise 10 Einheiten über dem Limit. Nachdem die Teilnehmer einen Monat keinen Alkohol angerührt hatten, sank die Lebersteifigkeit um 12,5 Prozent. Die Insulinresistenz nahm um 28 Prozent ab.


«Die Ergebnisse waren erstaunlich», sagt Studienleiter Kevin Moore. «Wenn ein Medikament existieren würde, das diese Wirkung hätte, wäre das ein Multi-Milliarden-Euro-Produkt. Das Leberfett reduzierte sich um 40 Prozent, die Porbanden nahmen rund drei Kilogramm an Körpergewicht, und ihr Cholesterinspiegel optimierte sich.» Ausserdem hatten viele der Teilnehmer hinterher einen niedrigeren Blutdruck und schliefen besser.

Die Ergebnisse fielen so bemerkenswert aus, dass das britische Gesundheitsministerium anhand der Untersuchungen an neuen Richtlinien arbeitet.


Der Leberspezialist Gautam Mehta kommentierte die Resultate ebenfalls: «Ich bin höchst erfreut. Es gibt einige Ergebnisse, die recht neu sind. Das ist eine wichtige Studie, die die Vorteile einer einmonatigen Abstinenz zeigen. Wir können allerdings noch nicht sagen, wie lange die positive Wirkung anhält.» Blick.ch, 28.10.2015


Ist Bier besser oder schlechter für uns als Wein?


Bei keinen anderen Getränken spaltet sich die Nation so zuverlässig in zwei Lager wie bei Bier und Wein. Dabei entscheidet nicht nur Geschmack über die Wahl des Drinks. Auch was es mit dem Körper macht, spielt eine Rolle. Doch was ist nun besser?


Über Geschmack lässt sich bekanntlich nicht streiten. Doch die Argumente, die für oder wider Wein oder  Bier sprechen, werden auch auf ganz anderen Gebieten ausgefochten: Was steigt schneller zu Kopf? Was sorgt für mehr Hüftgold und was ist gesünder? Die beiden Getränke im Vergleich.


Was macht schneller betrunken?

Ein Forscher der Universität von Texas ließ 15 Männer an verschiedenen Tagen verschiedene Drinks zu sich nehmen. Zuvor passte er den verordneten Alkoholgehalt an das Gewicht und die Größe der Probanden an - und stellte sicher, dass die Getränke immer über denselben Zeitraum getrunken wurden: jeweils 20 Minuten. Die Männer tranken unter anderem ein kleines Glas Wein und ein großes Glas Bier - was dem selben Alkoholgehalt entspricht. Der Wein ließ den Alkoholgehalt im Blut dabei bereits nach 54 Minuten ansteigen, Bier erst 62 Minuten nachdem das Glas geleert war. 

Fazit: Wein steigt uns bei selber Alkoholmenge schneller zu Kopf als Bier.


Wovon kriegt man schneller eine Wampe?

Ein halber Liter Lagerbier bringt es auf rund 215 Kilokalorien, eine Maß kommt auf einen Wert von 430 Kilokalorien - und deckt den täglichen Kalorienbedarf einer Frau bereits zu einem Viertel. Forscher des "Deutschen Instituts für Ernährungsforschung Potsdam-Rehbrücke" (DIfE) werteten die Daten von mehr als 250.000 Erwachsenen aus. Männer, die über Jahre mehr als zwei Gläser Alkohol am Tag tranken, gewannen an Gewicht. Männer wie Frauen, die viel tranken, legten zudem sichtlich um die Taille herum zu. Biertrinker stärker als Weintrinker - wenn auch nicht deutlich mehr. Warum das so ist, darüber sind sich Forscher noch nicht einig. Bier, so eine Annahme, macht Appetit auf deftiges Essen und so ist zur Halben schon mal schnell noch eine Portion Pommes bestellt.

Fazit: Bier lässt unser Hüftgold zwar schneller wachsen, doch zum Diäthalten eignet sich auch Wein nicht.


Was ist besser oder schlechter für die Gesundheit?

Wie steht es um das viel besungene Glas Wein am Tag, das angeblich das Risiko von Herzkrankheiten, Bluthochdruck und Diabetes herabsetzen soll? Diese These geht auf die Annahme zurück, dass Antioxidantien, die sogenannte Polyphenole am Werk sind. Sie kommen vor allem in Rotwein vor und wirken entzündungshemmend und schützen den Körper vor freien Radikalen. Bier wird ein solcher gesundheitlicher Nutzen zwar nicht zugesprochen, aber es enthält auch solche Antioxidantien und scheint damit auch einen zumindest kleinen Beitrag zur Gesundheit zu leisten - in etwa so wie Weißwein. Aber eben weniger als Rotwein.

Fazit: Vom Label "gesund" sind Bier und Wein wohl beide weit entfernt. Doch wenn man von der Annahme ausgeht, dass Polyphenole im Körper Gutes tun, dann ist Rotwein die bessere "Medizin" als Weißwein oder Bier.


Was ist nun besser?

Bier macht schneller dick, Wein steigt rascher zu Kopf, ist in kleinen Mengen genossen dafür aber "gesünder". Was besser ist, kann damit nicht wirklich beantwortet werden. Letztlich hängt es einfach davon ab, welchen Anspruch man an den Inhalt des Glases in seiner Hand hat - und der dürfte in den meisten Fällen lauten: Hauptsache es schmeckt. Stern.de, 28.10.2015


Leberzirrhose auch genetisch bedingt


Warum manche Menschen die lebensbedrohliche Erkrankung eher bekommen als andere, hat ein Forscherteam in einer Genom-Studie herausgefunden.


Stuttgart – Die Ursache von Leberzirrhose liegt in bis zu 60 Prozent der Fälle im Alkoholmissbrauch. "Alkoholkonsum ist tief in der westlichen Kultur verankert, doch es besteht eine individuell sehr unterschiedliche Veranlagung für die verschiedenen alkoholbedingten Organschäden", sagt Jochen Hampe, Leiter des Bereichs Gastroenterologie und Hepatologie am Uniklinikum Dresden.


Bei der unheilbaren Erkrankung vernarbt das Gewebe der Leber immer mehr, und das Organ büßt nach und nach seine Funktionen ein. Letztlich kann nur eine Transplantation das Leben der Patienten retten.


Durch eine Untersuchung des gesamten menschlichen Erbguts haben Forscher des Uniklinikums Dresden und der Schweiz, Österreichs, Belgiens und Englands nun herausgefunden, dass Varianten von drei Genen im Erbgut die Gefahr einer Leberzirrhose steigern.


Die Wissenschafter untersuchten dazu über Blutproben die DNA von mehr als 4.000 Alkoholkranken mit und ohne Leberzirrhose. "Eines der Risikogene war bereits bekannt", erklärt Hampe. Sowohl für dieses als auch für die beiden neu gefundenen Gene konnten die Forscher einen eindeutigen statistischen Zusammenhang mit dem Zirrhose-Risiko belegen.


"Menschen mit bestimmten Genvarianten haben ein fünf- bis zehnfach erhöhtes Risiko, eine Leberzirrhose zu entwickeln", sagt Hampe. Die Ergebnisse der Studie sollen es möglich machen, besonders gefährdete Menschen früh zu identifizieren.


"Alle drei Gene spielen eine Rolle im Fettstoffwechsel", erklärt Felix Stickel von der Klinik für Gastroenterologie und Hepatologie des Universitätsspitals Zürich. Neben ihrer Funktion als Energiespeicher dienen Fettmoleküle, auch Lipide genannt, dem Körper als Signale und Regulatoren für bestimmte Stoffwechselprozesse. "Wenn wir den Krankheitsverlauf auf molekularer Ebene verstehen, können wir womöglich Therapien entwickeln, mit denen sich der Krankheitsprozess aufhalten lässt", hofft der Experte. (der Standard, 20.10.2015)


Erwischt in Schwaben - Immer mehr betrunkene Radler am Lenker


Ein paar Bier, ein paar Schnaps, und dann mit dem Rad nach Hause - keine gute Idee! Alkohol am Lenker kann den Führerschein kosten. Die schwäbische Polizei zieht immer mehr betrunkene Radler aus dem Verkehr.


In feucht-fröhlicher Feierlaune mit Bier, Wein oder Schnaps vergisst schon mal der eine oder die andere, dass der Heimweg auf dem Fahrrad von Party, Fußballplatz oder Bierzelt den Führerschein kosten kann. Björn Bartel vom Polizeipräsidium Schwaben Süd-West in Kempten erzählt aus der Praxis.


Natürlich hat die Streife den betrunkenen Radfahrer aus dem Verkehr gezogen. "Es gibt aber auch Fälle, wo man Radfahrer anhält, weil das Licht nicht an ist. Dann stellt man fest, derjenige hat über drei Promille", so Bartel.


Es setzt dann trotzdem eine Anzeige, denn Radfahrer gelten ab 1,6 Promille als absolut fahruntüchtig. Fakt ist jedenfalls: Immer mehr betrunkene Radfahrer werden erwischt. Im Jahr 2001 zum Beispiel setzte es im Regierungsbezirk nur zwölf Anzeigen wegen Trunkenheitsfahrten mit dem Fahrrad.


Im vergangenen Jahr waren es schon 365 - also im Schnitt eine Anzeige an einen besoffenen Radfahrer oder auch eine Radfahrerin pro Tag. Für 2015 rechnen die beiden Polizeipräsidien in Augsburg und Kempten mit einer ähnlich hohen Zahl an schwer betrunkenen Radfahrern und Radfahrerinnen.


Ab 1,6 Promille ist Radfahren unter Alkohol eine Straftat. Wenn Mann oder Frau auf dem Drahtesel Schlangenlinien fahren, über die rote Ampel heizen, stürzen oder sonst einen Unfall bauen, dann liegt eine Straftat übrigens bereits ab 0,3 Promille vor.


Im Vergleich zu früher kontrolliert die Polizei offensichtlich häufiger. Um den Autoführerschein nicht zu gefährden, sollten Betrunkene ihr Radl im Zweifelsfall nachhause schieben oder einen Taxi nehmen.

BR24, 16.10.2015


Ist Rotwein für Menschen mit Typ-2-Diabetes gesund?


Jeden Abend ein Glas Rotwein verbessert die Gesundheit.

Neue Forschungen ergaben, dass jeden Tag ein Glas Rotwein zum Abendessen bei Menschen mit Typ-2-Diabetes dazu beitragen könnte, die Herzfunktionen und die Cholesterinwerte zu verbessern. In der Studie wurde festgestellt, dass ein regelmäßiges Glas Rotwein zum Abendessen beitrage, ein gesünderes Blutfettprofil zu entwickeln. Außerdem haben Rotweintrinker eine größere Menge an „gutem“ Cholesterin als beispielsweise Menschen die Mineralwasser oder Weißwein trinken.


Die Ergebnisse ihrer Forschungen präsentierten die Mediziner im medizinischen Journal „Annals of Internal Medicine“. Zum Zweck der Studie beobachteten die Forscher 224 Probanden mit Typ 2 Diabetes. Viele der Betroffenen neigen zu Übergewicht und Fettleibigkeit. Die Teilnehmer tranken normalerweise keinen Alkohol. Zum Zweck der Studie wurden den Probanden zufällig entweder 150 Milliliter Wasser, Weißwein oder Rotwein ausgeschenkt. Das zugeteilte Getränk wurde dann für mehr als zwei Jahre zum Abendessen konsumiert. Bei allen drei Gruppen von Testpersonen wurden keine wesentlichen Unterschiede bei Blutdruck, Fettsucht, Leberfunktion oder der Lebensqualität festgestellt. Allerdings wurde die Schlafqualität in beiden Wein-Gruppen im Vergleich zur Wasser -Gruppe verbessert.


Phenole in dunklen Trauben helfen Menschen mit Typ-2-Diabetes.

Leitender Wissenschaftler Professor Iris Shai von der „Ben-Gurion-Universität des Negev“ in Israel erklärte hierzu, dass Unterschiede zwischen Rot- und Weißwein gefunden wurden. Ursprünglich wurde vermutet, dass die vorteilhaften Wirkungen von Wein überwiegend durch den Alkohol ausgelöst werden. Doch nun scheint es, als ob die guten Ergebnisse von bestimmten Antioxidantien (auch Phenole genannt) in dunklen Trauben ausgelöst werden. Die Studie ergab zudem, dass sowohl Rot- und Weißweine dazu beitragen können, die körpereigene Kontrolle der Zuckerwerte zu verbessern. (heilpraxisnet.de, 15.10.2015)


Muslime genießen seit 2010 friesisches „Halal“-Bier aus Jever


Bier für gläubige Muslime in islamischen Ländern – wo Alkohol kurz vor dem Teufel kommt und schon mal mit der Todesstrafe bedroht wird? Undenkbar! Nicht für die Braumeister aus Jever. Schon seit fünf Jahren sorgt eine Version des alkoholfreien „Jever Fun“ für Furore im so sittenstrengen Gottesstaat Iran – als „Halal“-Bier. Abgesegnet von Gelehrten, da es sich strikt nach islamischem Recht richtet. Da sagen auch Muslime Prost.


„Im Iran und in den Vereinigten Arabischen Emiraten ist das Produkt sehr erfolgreich und erfreut sich großer Beliebtheit“, berichtet Jever-Sprecher Alexander Kowalski stolz. Kleiner Wermutstropfen: Öffentliche Werbung dürfen die Friesen nicht in Teheran machen. Das geht den mächtigen Sittenwächtern doch zu weit. Aber offiziell im Einzelhandel verkauft, mausert sich das „Halal“-Bier mittlerweile zur Top-Marke, die allerdings erst importiert werden muss. Das gesamte „Halal“-Bier wird in Jever gebraut und dann erst in den Iran transportiert.


Niedersachsens Wirtschaftsminister Olaf Lies (SPD) aus Sande hätte bei seiner Iran-Reise gern mit einem zünftigen Jever aus seiner Heimat angestoßen, denn die deutsche Botschaft richtete in Teheran eine große Feier zur Deutschen Einheit aus – mit über 1500 Gästen. Lies hätte dazu ein paar „Halal“-Fässchen mitgebracht. Doch angesichts des strikten Alkohol-Verbots im Iran genossen die Botschafts-Gäste die Gelegenheit, sich im Schutz der diplomatischen Immunität mit „richtigem“ Bier, Sekt und Wein zuzuprosten. Denn auf dem Botschaftsgelände sind auch iranische Tugendkontrolleure machtlos. Trotzdem gab es den Alkohol erst am Ende. Muslime erhielten so die dezente Gelegenheit, sich vorher zurückzuziehen. Niemand musste in moralische Abgründe sehen.


Dem moralisch reinen Jever erwächst aber Konkurrenz. Ausgestattet mit deutscher Technologie, schickt sich ein iranische Brauerei an, mit alkoholfreiem Bier den heimischen Markt zu erobern. Mit „Jo-Jo“-Bier. Angesichts des Namens drängt sich allerdings die Frage auf, wie man sich nach dem Genuss dieses Bieres fühlen mag.


NWZ-online, 09.08.2015


Alkohol-Werbespots im TV animieren zum Rauschtrinken


BERLIN. Jugendliche, die häufig TV-Werbespots für Bier und Schnaps sehen, haben ein vierfach erhöhtes Risiko, sich regelmäßig in einen Rausch zu trinken. Das belegt eine Studie der Deutschen Angestellten Krankenkasse (DAK) und des Kieler Instituts für Therapie und Gesundheitsforschung (IFT-Nord).


Aussagen von 1500 Schülern aus 120 Schulen in Schleswig-Holstein, Hamburg und Brandenburg waren dazu ausgewertet worden. Sie waren im März 2008 und 30 Monate später befragt worden, wie viel Alkohol sie konsumieren und welche Fernsehwerbung für Alkohol sie kannten. Zur Kontrolle war der Bekanntheitsgrad von Werbespots für Autos, Snacks oder Kleidung ebenso abgefragt worden.


Suchtexperten definieren das "Rauschtrinken" als den Konsum von fünf oder mehr alkoholische Getränke bei einer Gelegenheit. Die Studie sollte herausfinden, ob Alkoholwerbung im Fernsehen Jugendliche dazu führt, diese Schwelle beim Alkoholkonsum häufiger zu überschreiten.


Es zeigte sich, dass die Jugendlichen im Durchschnitt 60 bis 70 Prozent der präsentierten Werbung mindestens schon einmal gesehen hatten. Die Wahrscheinlichkeit für den riskanten Alkoholkonsum stieg dann besonders an, wenn sie auch entsprechende TV-Werbespots häufig angeschaut hatten.


"Bei den Schülern mit dem niedrigsten Alkoholwerbekontakt hatten 6,2 Prozent der Befragten mehr als fünf Rauscherlebnisse, bei jenen mit den höchsten Werbekontakt lag die Rauschquote bei 24 Prozent und damit vier Mal so hoch", erklärt Studienleiter Professor Reiner Hanewinkel.


Etwa jede zweite Befragte Jugendliche berichtete über ein erstes Rauscherlebnis innerhalb der 30 Monate. Elf Prozent der befragten Schülerinnen und 18 Prozent der Schüler gaben an, sich mehr als fünf Mal in einen Rausch getrunken zu haben. Ralf Kremer, Suchtexperte der DAK, nennt die Werbung "einen unabhängigen Risikofaktor für die Initiierung des häufigen Rauschtrinkens im Jugendalter".


Angesichts der Studienergebnisse fordern DAK und IFT-Nord eine "kombinierte Präventionsstrategie". Zum einen sollten Kinder, Jugendliche und Eltern in einem kritischen Umgang mit Medien und Werbung unterstützt, zum anderen sollte Alkoholwerbung deutlich eingeschränkt oder verboten werden.


Deutsches Ärztezeitung, 06.10.2015