Weniger Alkohol trinken: Zunächst ein Alkoholfreies trinken


Erst ein Alkoholfreies: Tipps und Tricks um den Alkoholkonsum zu senken
Für viele Menschen ist ein geselliger Abend mit Freunden oder ein Kneipenbesuch ohne alkoholische Getränke kaum vorstellbar. Auch das Feierabendbier wird oft zur Gewohnheit. Ein hoher Alkoholkonsum schadet der Gesundheit. Ein paar Tricks können helfen, weniger zu trinken.

Viele Deutsche trinken sehr viel
Laut einer Umfrage trinkt fast jeder zweite Mann sein Feierabendbier. Auch gesellige Runden mit Freunden, Kneipenbesuche oder Essen im Restaurant gehen meist damit einher, dass einige Gläschen Bier oder Wein getrunken werden. „Insgesamt trinken mindestens zehn Prozent der Bevölkerung so viel Alkohol, dass sie ihre Gesundheit damit gefährden. Alkoholprobleme sind damit eines der verbreitetsten Gesundheitsprobleme überhaupt“ schreibt die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA) auf ihrer Internetseite. Etwa 1,3 Millionen Bundesbürger sind demnach alkoholabhängig, Alkoholmissbrauch liegt bei rund 2,5 Millionen Deutschen vor.

Hoher Alkoholkonsum schadet der Gesundheit


Dauerhaft zu viel zu trinken, kann alle Organe des Körpers schädigen, warnen die Experten der BZgA. Alkoholismus erhöht das Risiko für zahlreiche Krankheiten wie beispielsweise Bluthochdruck, Herzrhythmusstörungen, Herzschwäche, Fettleber, Nervenschäden oder verschiedene Krebsarten wie Darmkrebs. Die BZgA hat einige Tipps und Tricks parat, die helfen, den Alkoholkonsum etwas auszubremsen.
Erst ein alkoholfreies Getränk
Eine Möglichkeit, um weniger Alkohol zu trinken, ist zum Beispiel in der Kneipe oder zum Abendessen immer erst etwas Alkoholfreies zu trinken. Auf dem Internetportal der BZgA zur Alkoholpräventionskampagne „Alkohol? Kenn dein Limit“ schreiben die Experten: „Löschen Sie Ihren Durst nie mit Alkohol. Dafür eignen sich Mineralwasser oder Fruchtsaftschorle viel besser.“ Auch zwischendurch sollte immer wieder ein alkoholfreies Getränk eingeschoben werden. Zudem sollte am besten immer die kleinste Größe eines Drinks bestellt werden. Anstatt das Getränk runterzustürzen, sollte man lieber nur kleine Schlucke nehmen und das Glas zwischendurch immer abstellen.


Mindestens zwei Tage pro Woche ohne Alkohol


Wie auch andere Gesundheitsexperten rät die BZgA, mindestens zwei alkoholfreie Tage pro Woche einzulegen. Auch die empfohlenen täglichen Höchstmengen sollten nicht überschritten werden. Für Frauen liegen sie bei zwölf Gramm Alkohol. Der Deutschen Hauptstelle für Suchtfragen (DHS) zufolge entspricht das 0,3 Liter Bier beziehungsweise gut 0,1 Liter Wein. Bei Männern gelten demnach 24 Gramm Alkohol als Grenze. Laut DHS entspricht das 0,6 Litern Bier oder gut 0,3 Litern Wein.

Quelle: heilpraxisnet.de, ad, 23.03.2016


Nicht nur beim Trinken: Auch Alkoholgeruch kann unsere Sinne vernebeln


Studie: Schon der Geruch von Alkohol hat Einfluss auf unser Verhalten
Ein hoher Alkoholkonsum schadet unserer Gesundheit. Das ist lange bekannt. Eine neue Studie aus Großbritannien deutet nun darauf hin, dass bereits der Geruch von „geistigen Getränken“ dazu veranlasst, sie zu trinken. Auch der Anblick von Alkohol kann zu einem höheren Konsum führen.

Hoher Alkoholkonsum ist ungesund
Es ist lange bekannt, dass der Konsum von größeren Mengen Alkohol unserer Gesundheit schadet. Alkoholismus erhöht das Risiko für Krankheiten wie beispielsweise Bluthochdruck, Herzrhythmusstörungen, Herzschwäche, Fettleber, Fettstoffwechselstörungen, Osteoporose, Nervenschäden oder verschiedene Krebsarten wie Darmkrebs. Auch als Dickmacher wird Alkohol unterschätzt. Dem Statistischen Bundesamt zufolge verursacht Alkohol mehr Tote als Verkehrsunfälle. Weniger zu trinken oder gar ganz damit aufzuhören, fällt den meisten Menschen sehr schwer. Eine neue Studie suggeriert nun, dass bereits der Geruch von Alkohol dazu veranlasst, ihn zu konsumieren.

Schon der Anblick von Alkohol sorgt für Erregung

Schon in früheren Untersuchungen kristallisiert sich heraus, dass der Anblick von Alkohol zu physiologischer Erregung und Speichelbildung führen kann. Zudem wurde nachgewiesen, dass derartige Reize die Tendenz zum Alkoholkonsum noch bestärken. Eine aktuelle Studie der Edge Hill University in Ormskirk (England) hat nun einen neuen Faktor als Erklärung gefunden, wie eine Alkoholabhängigkeit entstehen kann. In der Untersuchung, die im Fachmagazin „Psychopharmacology“ veröffentlicht wurde, stellten die Wissenschaftler fest, dass allein der Geruch von Alkohol manche Menschen dazu bringen kann, die Kontrolle über sich selbst zu verlieren.


Tendenz zum Alkoholkonsum durch Geruch 

Studienteilnehmer trugen für die Untersuchungen Gesichtsmasken, die mit Gerüchen versehen waren. Eine Gruppe wurde mit einem Alkoholgeruch konfrontiert, die andere mit einer nicht-alkoholischen Zitrus-Lösung. Anschließend wurden die Probanden dazu instruiert, einen Knopf zu drücken, wenn sie den Buchstaben K oder ein Bild mit einer Flasche Bier gesehen haben. Wurde der Knopf fälschlicherweise gedrückt, galt dies als „Fehlalarm“. Dieser wurde als Anzeichen gewertet, dass der Proband die Kontrolle über sein Verhalten verloren hat. Die Teilnehmer mit der Alkoholmaske verbuchten den Angaben zufolge häufiger Fehlalarme. Die Forscher nehmen an, dass kognitive Prozesse durch Anblick und Geruch stimuliert werden, wodurch die Tendenz zum Alkoholkonsum erhöht wird.
Suchtverhalten wird von unserer Umgebung beeinflusst
Studienautorin Dr. Rebecca Monk erläuterte: „Der Geruch in einem alten Schrank kann uns beispielsweise an einen liebevollen Verwandten erinnern“, „das gleiche gilt für Alkohol. Ich kenne einige Leute, die weder den Anblick, noch den Geruch eines bestimmten Drinks ertragen können, weil er sie an vergangene, unangenehme Erfahrungen erinnert, die durch den zu hohen Konsum dieses Getränks entstanden.“ Sie sagte weiter: „Wir wissen, dass das Alkoholsuchtverhalten von unserer Umgebung beeinflusst wird. Dazu gehören auch die Menschen, die uns umgeben, und die Situationen, in denen wir trinken.“


Neue Einblicke in die Abhängigkeit von Suchtmitteln


Die Wissenschaftlerin erklärte: „Diese Forschungsarbeit ist der erste Versuch, in dem Auslöser wie Geruch untersucht wurden, die die Fähigkeit, ein bestimmtes Verhalten zurückzuhalten, beeinflussen. Der Geruch von Alkohol schien es den Menschen zu erschweren, ihr Verhalten zu kontrollieren und sie davon abzuhalten, den Knopf zu drücken.“ Ihr Kollege Prof. Derek Heim fügte hinzu, dass die Ergebnisse neue Einblicke in die Abhängigkeit und den Missbrauch von Suchtmitteln gewähren können.

Quelle: heilpraxisnet.de, ad, 22.03.2016


Forschungsergebnisse: Gesundheitliche Vorteile durch Alkohol überbewertet


Moderater Alkoholkonsum erhöht nicht die Lebenserwartung
Vielfach wurde in der Vergangenheit über mögliche positive gesundheitliche Effekte bei moderatem Alkoholkonsum spekuliert. Etliche Menschen sind bis heute davon überzeugt, dass ein Glas Wein am Tag, sie länger und gesünder leben lässt. Die hierzu vorliegenden wissenschaftliche Beweise seien jedoch „bestenfalls wackelig“, berichtet das Fachmagazin „Journal of Studies on Alcohol and Drugs“. In der aktuellen Ausgabe des Journals wird eine umfassende Studie kanadischer Forscher des Zentrums für Suchtforschung an der University of Victoria zu dem Thema vorgestellt.

Die Wissenschaftler des University of Victoria’s Centre for Addictions Research in British Columbia haben in ihrer umfassenden Untersuchung die Ergebnisse von 87 älteren Studien ausgewertet, um der Frage nach möglichen gesundheitlichen Vorteilen des Alkoholkonsums auf die Schliche zu kommen. Ihr Fazit ist jedoch ernüchternd. Ein Großteil der Studie, in denen Vorteile festgestellt wurden, seien fehlerhaft und die Ergebnisse daher nicht verlässlich. Nach Auffassung des Studienautors Tim Stockwell gibt es viele Gründe, um bei Aussagen zu vermeintlichen positiven gesundheitlichen Effekten des moderaten Alkoholkonsums skeptisch zu sein.

Studien mit erheblichen Schwächen

Zahlreiche positive Effekte des moderaten Alkoholkonsums bis hin zu einer deutlichen Verlängerung der Lebenserwartung wurden in den ausgewerteten Studien festgestellt, doch zeigten die Studien bei genauerer Betrachtung erhebliche Schwächen. Viele waren fehlerhaft und im Studiendesign so angelegt, dass Vorteile an Stellen festgestellt wurden, wo tatsächlich keine Vorteile zu finden sind, berichten die Forscher.


Entscheidend ist zum Beispiel bei den Untersuchungen die Frage, wie die „Abstinenzler“ definiert wurden, mit denen anschließend die Gruppe der moderaten Alkoholkonsumenten verglichen wurde, erklärt Tim Stockwell, Direktor des Zentrums für Suchtforschung in British Columbia. So seien meistens moderate Trinker (maximal zwei Drinks pro Tag) mit „aktuellen“ Abstinenzler verglichen worden, wobei die Gruppe der Abstinenzler jedoch Menschen in einem besonders schlechten Gesundheitszustand umfassen konnte, für die Alkoholkonsum aus diesem Grunde ausgeschlossen war.


Kein Kausalzusammenhang gegeben


Wurde die Gruppe der Abstinenzler um besonders stark gesundheitlich vorbelastete Personen bereinigt, zeigten sich in den beanstandeten Studien keine Vorteile des moderaten Alkoholkonsums gegenüber der Abstinenz, berichten Stockwell und Kollegen. Lediglich 13 der 87 Studien hatten in ihrem Design eine überproportionale negative Vorbelastung der Abstinenzler ausgeschlossen und in diesen Studien wurden keine gesundheitlichen Vorteile des Alkoholkonsums festgestellt, schreiben die Forscher. Nach Bereinigung der verwendeten Daten habe sich zudem gezeigt, dass Menschen, die weniger als einen Drink in der Woche zu sich nahmen, die höchste Lebenserwartung hatten. Angesichts der extrem geringen Alkoholaufnahme und dem unregelmäßigem Konsum sei hier jedoch kein Kausalzusammenhang anzunehmen.


Unplausible Vorteile bei moderatem Alkoholkonum beschrieben


In den vorliegenden Studien habe sich bei maßvollem Alkoholkonsum ein unplausibel breites Spektrum von gesundheitlichen Vorteilen ergeben, betont Studienautor Stockwell. So hätten moderate Alkoholkonsumenten im Vergleich zu Abstinenzlern zum Beispiel ein geringeres Risiko von Taubheit oder gar Leberzirrhose gezeigt.
„Entweder ist Alkohol ein Allheilmittel … oder moderater Alkoholkonsum ist in Wirklichkeit ein Hinweis auf andere Faktoren“, so Stockwell. In Bezug auf die unterschiedlichen Arten von alkoholischen Getränken haben sich laut Angaben der Forscher zudem keine Effekte auf die Lebensdauer ergeben. „Aber selbst wenn das der Fall wäre, bleibt es unwahrscheinlich, dass der Alkoholgehalt selbst die Ursache ist“, erläutert Stockwell.

Quelle: heilpraxisnet.de, fp, 22.03.2016


Alkohol oder Heroin

Das sind die tödlichsten Drogen Deutschlands

Verschiedene Faktoren bestimmen, wie gefährlich eine Droge ist. Dazu gehört, wie viele Menschen an ihr sterben, wie schnell sie süchtig macht, den Körper und die Persönlichkeit zerstört. Das Drogen-Ranking berücksichtigt alle Aspekte – und kommt zu einem überraschenden Ergebnis.
    •    Alkohol hat den weitestreichenden Effekt – für den Trinker, seine Umgebung und die Gesellschaft.
    •    Heroin gilt als das "tödlichste" Gift – die Junkie-Droge zehrt den Körper aus.
    •    Cannabis ist umstritten – Mittel zur Entspannung oder Einstieg in die Sucht?


Harmlos ist keine einzige Droge. Allerdings haben manche Drogen ein höheres zerstörerisches Potenzial als andere. Wie groß es ist, hat der britische Psychaiter und Drogenforscher David Nutt schon 2010 für Großbritannien analysiert. 2015 veröffentlichten er und seine Koautoren den Bericht „European Rating on Drug Harms“. Drogenexperten quer durch die EU werteten das Risikopotenzial von 20 psychoaktiven Substanzen. Die Daten lassen sich auf Deutschland übertragen.

Drogen schaden nicht nur dem Konsumenten selbst
Das Besondere: Die Reihenfolge der Gefährlichkeit definiert sich nicht nur durch das Risiko für den Konsumenten. Die 16 Kriterien reichen von persönlichen Schäden an Körper und Psyche, über Schäden im sozialen Umfeld durch Scheidung, Jobverlust und gesellschaftlichen Abstieg bis zu gesellschaftlichen Schäden durch Belastung des Gesundheitssystems oder die Gefährdung Dritter.
Alle Schäden zusammengenommen rangiert Alkohol weit vor Heroin, Crack und Crystal Meth. Nimmt man nur die individuellen Schäden für den Konsumenten, rutscht Alkohol allerdings hinter Kokain auf die fünfte Position. Dennoch: Es sterben mehr als 100-mal so viele Menschen an Tabak und Alkohol wie an harten Drogen.


1. Alkohol – Suchtstoff  mit dem größten Schaden
Von dem Stoff, der für viele Menschen ein Genussmittel ist, sind die meisten anhängig. Alkohol ist volkswirtschaftlich die teuerste Sucht. Außerdem verursacht Alkohol die meisten Schäden für Dritte. Fast acht Millionen Menschen trinken so viel, dass sie ihre Gesundheit, den Job, das Familienleben riskieren. 1,77 Millionen Menschen kommen ohne Alkohol nicht mehr klar. Mindestens 74.000 Menschen sterben pro Jahr an den Folgen der Sauferei.

2. Heroin – die tödlichste Droge
Die Substanz auf Basis von Rohopium gilt als die tödlichste Droge. Konsumenten haben das 50-fache Sterberisiko verglichen mit der Allgemeinbevölkerung. Der schnelle, intensive Rausch birgt hohes Suchtpotenzial. Der Grad zwischen Rausch und Vergiftung  ist sehr schmal. Von den 1226 Drogentoten in Deutschland 2015 starben die meisten nach dem Konsum beziehungsweise an einer Überdosis von Heroin. Rund 150.000 Menschen in Deutschland hängen an der Nadel.

3. Crack – verheerend, aber eine Randerscheinung
Crack ist die Droge mit dem schnellsten Abhängigkeitspotenzial und mit dem größten mentalen Effekt. Crack-Abhängige verändern sich und wirken oft aggressiv. Der sehr kurze Rausch fordert Nachschub in schneller Folge. Ein hoher Konsum führt zu körperlichem und geistigem Verfall sowie sozialer Verwahrlosung. In Deutschland ist Crack von der Größenordnung her eher eine Randerscheinung.


4. Crystal Meth – eine Droge im Aufwind
Methamphetamin, das billige Aufputschmittel der Unterschicht, findet zunehmend Abnehmer, die sich Leistungssteigerung davon versprechen. Meth spendet ein intensiveres und länger anhaltendes Gefühl von Wachheit, Klarheit und Energie als Kokain. Es macht schnell abhängig. Der  Langzeitgebrauch hat verheerende körperliche und geistige Folgen: Die Droge verzehrt die physischen Reserven, schädigt Haut, Haare und Zähne, löst Persönlichkeitsveränderungen, Psychosen und Paranoia aus.

5. Kokain – die Droge der Reichen und Schönen
Weil Koks teuer ist, gilt es als Droge der Führungskräfte und Kreativen. Charakteristisch ist die starke psychische Abhängigkeit. Körperlich drohen Intensiv-Konsumenten Herz- und Atemprobleme, psychisch entwickeln Dauer-Kokser Wahnvorstellungen. Weniger als ein Prozent der Deutschen konsumieren regelmäßig Kokain, rund 80.000 gelten als abhängig.


6. Tabak – das unterschätzte Suchtpotenzial
Traditionell als Genussmittel deklariert, verfügt Tabak über ein höheres Abhängigkeitspotential als manche illegale Droge. Die Entwöhnung schafft nur jeder dritte Konsument. Raucher erleben keinen Rausch, der den Alltag beeinträchtigen könnte. Sie schaden in erster Linie sich selbst. Und sie belasten das Gesundheitssystem durch schwere Folgekrankheiten. Etwa 5,6 Millionen der Erwachsenen zwischen 18 und 64 gelten als nikotinsüchtig. In Deutschland gibt es rund 110.000 Tabaktote im Jahr.


7. Amphetamin – wach und immer in Bewegung
Wie alle Stimulanzien erhöht Amphetamin (Speed) das Selbstbewusstsein und steigert die Leistungsfähigkeit. Amphetamin erhöht aber auch den Blutdruck und verengt die Blutgefäße, kann so zum Herzinfarkt führen. Langfristig sind Nierenschäden oder Psychosen möglich. Etwa 40.000 Deutsche sind von Amphetaminen (auch Crystal Meth) abhängig.


8. Cannabis – der entspannte Drogeneinstieg
Marihuana und Haschisch lassen den Konsumenten die Umwelt intensiv wahrnehmen. Die Droge  macht gleichzeitig träge und müde. Da sie auch die Koordination beeinträchtigt, besteht ein hohes Gefahrenpotenzial im Straßenverkehr. Auf lange Sicht kann der Konsum eine Schizophrenie oder Psychose begünstigen. Körperlich gilt die Droge nicht als besonders gefährlich. Knapp drei Millionen Bundesbürger konsumieren Cannabis, zehn Prozent werden abhängig. Wer jung mit dem Konsum beginnt, ist besonders gefährdet und anfällig für andere Drogen.


9. Liquid Ecstasy – die Droge, die andere willenlos macht
Die synthetische Droge GHB ist bekannt unter der Bezeichnung K.O.-Tropfen, da sie narkotisieren und die Erinnerung löschen kann. Bei geringer Dosierung hat Liquid Ecstasy einen aufputschenden und sexuell stimulierenden Effekt. Vor allem zusammen mit Alkohol besteht die Gefahr des Atemstillstands.


10. Benzodiazepine – Drogen aus der Apotheke
Beruhigungsmittel oder Tranquilizer machen einen Großteil der Medikamente aus, von denen 1,3 bis 2,3 Millionen Deutsche abhängig sind. Benzodiazepine lösen Ängste, entspannen die Muskeln und machen ruhig – etwa das bekannte Valium. Das Abhängigkeitspotenzial ist viel höher als viele Konsumenten annehmen.

Es gibt keine harmlose Droge
Wenn es nach der Drogenbeauftragten der Bundesregierung geht, sollten alle Substanzen, die anhängig machen, als gleich gefährlich gelten. Marlene Mortler sagt: „Jede Droge ist Betrug am Gehirn.“

15.03.2016, 19:15 · von FOCUS-Online-Autorin Petra Apfel


WHO lobt GesundheitsverhaltenJugendliche trinken und rauchen weniger


Die gute Nachricht zuerst: Jugendliche lassen einer Studie zufolge öfter die Finger von Tabak und Alkohol. Sorgen macht der Weltgesundheitsorganisation dagegen ein ganz anderes Problem - und das hat schwerwiegende Folgen.


Jugendliche in Europa und Nordamerika greifen immer seltener zu Alkohol und Zigaretten. Das geht aus einer Studie hervor, die die Weltgesundheitsorganisation (WHO) in Brüssel vorstellte. Demnach ist der Konsum von Alkohol und Tabak bei 11- bis 15-Jährigen seit 2010 deutlich zurückgegangen. Sorgen um die Gesundheit Heranwachsender machen sich die Experten jedoch wegen anderer Probleme.
Der Erhebung zufolge konsumierten vor allem Mädchen in den vergangenen Jahren seltener Tabak. Während im Jahr 2010 noch 22 Prozent aller 15-jährigen Mädchen angaben, im Alter von 13 Jahren erstmals geraucht zu haben, waren es 2014 nur noch 13 Prozent. Bei den Jungen sank die Zahl von 26 auf 22 Prozent.


Ähnlich sah es beim Alkoholkonsum aus. Während im Jahr 2010 noch 21 Prozent aller befragten 15-Jährigen nach eigenen Angaben jede Woche Alkohol tranken, lag die Zahl 2014 bei 13 Prozent. Sowohl beim Tabak- als auch beim Alkoholkonsum lagen die Zahlen für Deutschland im Mittelfeld der über 40 untersuchten Länder. In Europa griffen Jugendliche etwa in Bulgarien, Kroatien und Rumänien besonders häufig zu Alkohol und Zigaretten. Bei Kindern aus finanziell schlechter gestellten Familien lag die Zahl dabei in der Regel höher.
Besorgniserregend ist nach Einschätzung der Experten die relativ hohe Anzahl Übergewichtiger sowie schlechte Ernährung und Mangel an sportlicher Betätigung bei Jugendlichen in den untersuchten Ländern. Demnach essen im Schnitt etwa nur 29 Prozent aller Jungen im Alter von 15 Jahren täglich Obst. Bei den gleichaltrigen Mädchen sind es 37 Prozent. Die WHO wertete für die Erhebung Daten von insgesamt rund 220.000 Jugendlichen aus. Quelle: n-tv.de , jgu/dpa, 15.03.2016


Mediziner-Tipps: Mindestens zwei bis drei alkoholfreie Tage pro Woche


Bei manchen ist es das Feierabend-Bierchen, bei anderen das Glas Rotwein zum Abendessen: Für viele Bundesbürger gehört Alkohol zum Alltag. Experten raten jedoch, pro Woche mindestens an zwei bis drei Tagen komplett auf Alkohol zu verzichten. Sonst besteht eine Suchtgefahr.  Quelle: heilpraxisnet, 08.03.2016


„Alkohol ab 18“ kontra Komasaufen


EU-Projekt unter LWL-Leitung will Schädigungen mindern. Drogenberater sieht ein Totalverbot eher skeptisch und plädiert für umfassende Aufklärungsarbeit.

Unter Leitung des Landschaftsverbandes Westfalen-Lippe (LWL) soll jetzt ein EU-Projekt dazu beitragen, die Schädigungen Heranwachsender durch Komasaufen und Alkoholvergiftungen zu mindern. Die Forderung „Alkohol erst ab 18 Jahren“ werde an der Lebensrealität der Teenager aber wohl wenig ändern, sagt Christof Sievers von der für Gladbeck zuständigen Drogenberatung Westvest.


Verbot macht interessant
Begründung: Zur Pubertät gehöre in unserem Kulturkreis das Experimentieren mit Alkohol. Den Zugang für Minderjährige zu erschweren, sei aber zu befürworten, so der Diplom-Sozialarbeiter. Andererseits sei es immer so, dass Verbote gerade diese für
Heranwachsende interessant machten und Alkohol, wie schon jetzt, über ältere Freunde organisiert werde. Daher sei statt Tabu eine umfassende Aufklärungsarbeit zu den Gefahren des Alkoholkonsums in dem Alter, wo ein Wechsel vom Kindergeburtstag zur Jugendparty erfolge, umso wichtiger.


Genau 5 122 Heranwachsende mussten laut aktueller Statistik 2014 in NRW wegen akuter Alkoholvergiftung im Krankenhaus behandelt werden (- 2,8 Prozent). Ob junge Menschen ganz auf den Konsum alkoholischer Getränke verzichten sollten, darüber gehen in den EU-Mitgliedsstaaten die Meinungen auseinander. Innerhalb des EU-weiten RARHA-Projekts („Reducing alcohol-related harm“) beteiligt sich die Koordinationsstelle Sucht des Landschaftsverbandes Westfalen-Lippe (LWL) deshalb federführend an der Entwicklung einheitlicher und europaweit abgestimmter Empfehlungen zum Alkoholkonsum junger Menschen. Ziel ist es, die alkoholbedingten Schäden in Europa zu reduzieren und risikoarmen Alkoholkonsum zu fördern.


Werbung einschränken
Den größten Handlungsbedarf sehen Expertinnen und Experten in Europa laut einer Befragung bei der Reduzierung episodischer Alkoholexzesse und beim Rauschtrinken. Auch Alkoholwerbung und -marketing sollten demnach deutlich eingeschränkt werden. Um alkoholbedingte Schäden zu verhindern, fordern die Befragten für junge Menschen eine deutliche Einschränkung des Zugangs zu Alkohol: Grundsätzlich sollte der Konsum von Bier, Schnaps und Co. erst ab 18 Jahren erlaubt sein.


Und auch wer legal an Alkohol kommt, müsse nach Meinung der befragten Experten besser über dessen kurzfristige Risiken aufgeklärt werden, etwa über Verkehrsunfälle, Gewalttätigkeiten oder leichtsinniges Sexualverhalten. Wichtig sei hierbei auch mit Vorbildfunktion die Kommunikation zwischen Eltern und ihren Kindern, so LWL-Suchtexpertin Doris Sarrazin.
Quelle: WAZ, 03.03.2016


Alkohol und Zigaretten an jugendliche Testkäufer in Northeim und Nörten-Hardenberg verkauft


In der vergangenen Woche haben drei Jugendliche im Alter von 15 und 16 Jahren Kioske, Supermärkte und Tankstellen im Raum Northeim und Nörten-Hardenberg im Rahmen einer Testkaufaktion auf die Probe gestellt.

 

Das Ergebnis war enttäuschend, so Landkreissprecher Dirk Niemeyer. Sechs von neun getesteten Betrieben verkauften branntweinhaltige Getränke und Zigaretten an Jugendliche. Besonders erschreckend sei gewesen, dass die Testkäufer in zwei Fällen gar nicht nach ihrem Alter oder Personalausweis gefragt wurden. Vier Menschen verkauften die Waren, obwohl sie nach dem Personalausweis gefragt hatten. Festgestellte Verstöße gegen das Jugendschutzgesetz können mit Geldbußen bis zu 50.000 Euro geahndet werden. Hinzu kommt, so Thomas Sindram, Beauftragter für Jugendsachen der Polizeiinspektion Northeim/Osterode, dass es auch zu Strafverfahren wegen Körperverletzung kommen kann, wenn Jugendliche nach dem Verkauf von branntweinhaltigen Getränken beispielweise eine Alkoholvergiftung erleiden. Die Testkäufe sind Teil der Präventionsarbeit zum Thema Jugendschutz des Landkreises Northeim, der Polizeiinspektion Northeim/Osterode sowie des HaLT-Projektes der Lukas-Werk Suchthilfe gGmbH.

Quelle: StadtRadio Göttingen, 03.03.2016


Ärzte sollen Patienten häufiger auf Alkohol ansprechen


Ein Bier oder ein Gläschen Wein am Feierabend – das gehört einfach dazu. Dabei können schon geringe Alkoholmengen auf Dauer riskant werden, warnt die Ärztekammer Nordrhein. Ihr Wunsch: Ärzte sollen das Trinkverhalten offensiver ansprechen. Doch die sind nicht alle von der Kampagne überzeugt.


Guido Marx ist seit 30 Jahren niedergelassener Arzt in Köln. Der 58-Jährige kennt viele seiner Patienten lange. Und damit auch ihre Lebensgewohnheiten. Über Alkohol spricht er mit ihnen geradeheraus. Und zwar nicht erst, wenn jemand eine Fahne hat. Manche machen es ihm einfach: Wenn sie  nach Weihnachten oder Karneval erhöhte Leberwerte haben, erzählen sie, dass sie mehr gebechert haben.  "Und bei der nächsten Untersuchung ist alles wieder in Ordnung", erzählt der Allgemeinmediziner. "Aber jemanden davon zu überzeugen, weniger zu trinken, ist sehr schwer. Denn dafür muss man seine Lebensgewohnheiten ändern  -  und nichts ist schwerer als das."


"Und wie ist es mit Bier?" Wo ist das Limit?
Einige  Menschen haben gewisse Getränke gar nicht unter Alkohol abgespeichert, stellt der Arzt immer wieder fest. Für sie gehört dazu nur Hochprozentiges. Wenn Marx etwa bei Erstuntersuchungen nach regelmäßigem Alkoholkonsum fragt, bekommt er häufig ein 'Nein' zu hören. Dann fragt er weiter nach: "Und wie ist es mit Bier?“, und dann fällt der Groschen: "‘Aaah, Bier! Ja, das trink ich regelmäßig'.“ Und  natürlich hakt der Arzt nach, wenn beim Check-up die Leberwerte auffallen: "Nur heißt das noch nicht, dass ich immer die Wahrheit erfahre.“ Einige Patienten sagen das, was ein Arzt gerne hören möchte. "Die meisten sprechen vom gelegentlichen Trinken. Doch wenn ich höre: 'Nur ein Gläschen Wein am Abend', kann ich bei dem ein oder anderen noch ein Gläschen drauf rechnen."


Täglich ein Glas Wein ist zu viel
Diese Menge wäre aus Sicht der Deutschen Hauptstelle für Suchtfragen (DHS) definitiv zu viel. Die DHS hat sich dem Appell der Ärztekammer Nordrhein vom Mittwoch (02.03.2016) angeschlossen: Ärzte sollen das Thema Alkoholkonsum bei Routineuntersuchungen häufiger ansprechen und Aufklärungsmaterial aushändigen. Denn auch durch als gering empfundene Mengen bestehe auf Dauer die Gefahr für gesundheitliche Schäden, heißt es bei der DHS. "Es wird unterschätzt, das beispielsweise dadurch das Risiko für Brustkrebs und für den Verdauungsapparat steigt", sagt eine DHS-Sprecherin. "Der riskante Konsum geht schon bei einem Glas Wein täglich los."
Bei Frauen ist das ein kleines Glas von 0,1 Liter, bei Männern ein großes von 0,2 Liter. Denn Frauen vertragen grundsätzlich weniger. Unter anderem weil sie weniger Enzyme bilden, die den Alkohol abbauen. "Aber machen sie das mal einem Ehepaar klar, das gleich viel trinkt", sagt der Hausarzt Marx. "Der Mann hat dann normale Leberwerte, die Frau erhöhte. Sie empfindet das als ungerecht. Und ob sie dann beim nächsten Kegeln halb so viel trinkt wie der Mann, bleibt fraglich."


Zuerst muss die Einsicht da sein
Weniger Trinken funktioniert sowieso nur, wenn jemand das von sich aus will. "Es hat keinen Sinn, wenn die Ehefrau mich anruft und bittet, dass ich ihrem Ehemann ins Gewissen reden soll", weiß der Hausarzt. "Der Ehemann muss das Gefühl haben, er macht das für sich selbst und nicht für andere."  Regelmäßig auf Granit beißt der Mediziner bei älteren Menschen. Es sei zum Beispiel fast aussichtslos, 70- oder 80-Jährige zum Alkoholverzicht zu bewegen, weil sie Schlaftabletten nehmen. "Dass sie deshalb eher stürzen können, wenn sie nachts aufstehen, prallt an ihnen ab. Die geben einem zu verstehen, dass das ihre einzige Freude am Abend ist."  Außerdem kontern sie damit, dass sie gar nicht vorhaben, 90 Jahre alt zu werden.


Aufklärungsflyer nicht ansprechend
Mit Aufklärungsmaterial braucht er ihnen gar nicht zu kommen. Ohnehin ist dem Hausarzt der Flyer der Ärztekammer zu allgemein. "Da findet sich kaum jemand wieder. Kein Diabetiker, keine Schwangere, die Informationen für Männer und Frauen sind fast gleich. Und er ist nicht auf  die Sprache der Patienten abgestimmt. Deshalb fühlt man sich nicht angesprochen." Dieses Aufklärungsmaterial müsse zudem praktischer umgesetzt werden - mit freiem Platz. "Damit der Arzt etwas gezielt für einen bestimmten Patienten aufschreiben kann, was für ihn wichtig ist."


Alle Ärzte sind gefragt
Marx findet es wichtig, dass alle seine Kollegen das Thema Alkohol im Blick haben: Frauenärzte, die Schwangere sensibilisieren oder Jugendärzte, die gegenüber Teenagern häufiger das angesagte Komasaufen anschneiden. "Und auch ein Orthopäde sollte genauer nachfühlen, wenn er einen Patienten nach einem Sturz in seiner Praxis hat." Wie Mediziner dieses manchmal heikle Thema am besten ansprechen, sollen sie in Fortbildungen der Ärztekammer lernen.


Alkohol gehört fast zu jeder Feier
Im Ganzen hält Marx den Appell der Ärztekammer und DHS für "nicht verkehrt". Damit sich riskante Trinkmuster allerdings gar nicht erst entwickeln, muss man aus Sicht des Mediziners woanders ansetzen. "Im Elternhaus, Kindergarten und in der Schule - da werden die Weichen gestellt." Soll heißen: Kinder bekommen mit, dass Alkohol zu jeder Feier dazu gehört, und machen das später genauso. "Doch so etwas wie eine absolute Abstinenz wird man nie erreichen können", sagt Marx. Bekanntermaßen sei Alkohol in unserer Kultur sehr tief verankert. "Auch der Priester trinkt Wein und nicht Tee." Und erstaunlich findet es der Hausarzt, dass Sekt, Bier und Co. sogar in Kiosken in Krankenhäusern verkauft werden.


Quelle: WDR, 02.03.2016


Alkohol während der Schwangerschaft - Kind hat keinen Anspruch auf Opferentschädigung


Alkoholkonsum einer Mutter während der Schwangerschaft sei keine Straftat
Das Sozialgericht Düsseldorf hat die Klage eines 58-Jährigen auf eine Versorgung nach dem Opfer­entschädigungs­gesetz wegen des Alkoholkonsums seiner Mutter während der Schwangerschaft abgewiesen.


Der aus Grevenbroich stammende Kläger machte geltend, dass bei ihm 2012 eine fetale Alkoholspektrumstörungen (FASD) festgestellt worden sei. Seine Mutter habe während der Schwangerschaft mit ihm Alkohol getrunken und ihn dadurch massiv geschädigt. Der beklagte Landschaftsverband Rheinland lehnte den Versorgungsantrag des Klägers ab, da er kein Opfer eines vorsätzlichen rechtswidrigen tätlichen Angriffs geworden sei.


Lebenswandel einer Schwangeren unterliegt allein deren Persönlichkeitsrechten
Das Sozialgericht Düsseldorf konnte keine Gewalttat gegen den Kläger im Sinne des Opferentschädigungsgesetzes feststellen. Der Alkoholkonsum einer Mutter während der Schwangerschaft sei keine Straftat. Die Leibesfrucht könne kein Opfer einer Körperverletzung sein. Nur das ungeborene Leben selbst sei strafrechtlich geschützt. Der Versuch eines illegalen Schwangerschaftsabbruchs durch die Mutter des Klägers sei hier jedoch nicht erweislich gewesen. Der Lebenswandel einer Schwangeren unterliege deren Persönlichkeitsrechten und lasse sich außerhalb des Strafrechts nicht durch staatliche Eingriffe beeinflussen.


© kostenlose-urteile.de (ra-online GmbH), Berlin 29.02.2016
Quelle: Sozialgericht Düsseldorf/ra-online


Wie Alkohol dem Ungeborenen schadet


Jährlich 12.000 Neugeborene haben ein Fetales Alkoholsyndrom (FAS), das sie lebenslang beeinträchtigt. Auslöser ist Alkohol in der Schwangerschaft. Eine Pflegemutter berichtet.


Ein Mädchen, etwa 13 Jahre alt, wirft sich weinend in einer Bank auf den Boden und schreit: „Der Automat frisst mein Geld!“ Immer wieder. Entsetzte, verwunderte und auch strafende Blicke richten sich erst auf das Mädchen, dann auf die Mutter. Was für ein ungezogenes Kind und dabei schon ein Teenager, sagen die Blicke. Die Mutter, genauer die Pflegemutter, ist die Sozialpädagogin Gisela Michalowski und das Mädchen eines ihrer drei Pflegekinder.


Fetale Alkohol Spektrum Störung (FASD) beeinrächtigt Entwicklung
Das Mädchen leidet an der „Fetalen Alkohol Spektrum Störung“; auf englisch „Fetal Alcohol Spectrum Disorder“, kurz FASD genannt. Die leibliche Mutter hatte in der Schwangerschaft Alkohol getrunken. Ihre Tochter lebt nun mit den Auswirkungen, mit einer Entwicklungsstörung, die unter anderem ihr Verhalten beeinflusst.

Gut 30-mal war Michalowski schon mit ihrer Pflegetochter auf der Bank gewesen und ließ sie den Geldzählautomaten mit ihrem Ersparten füttern. „Man denkt eigentlich, das Kind hat es jetzt verstanden“, berichtet sie. Und dann dieser Zwischenfall. „Er führt einem vor Augen, dass man immer wieder bei null anfangen muss“, sagt die Sozialpädagogin, die insgesamt drei Pflegekinder betreut und einen Adoptivsohn hat, der ebenfalls an FASD leidet.


Folge regelmäßigen Trinkens
FASD ist ein Überbegriff, der leichte und mittelschwere Ausprägungen einer Alkoholschädigung – das sogenannte Teilsyndrom – ebenso umfasst wie das Vollbild des Fetalen Alkoholsyndroms, das Ärzte FAS nennen. Jährlich kommen in der Bundesrepublik rund 12.000 Babys mit alkoholbedingten Beeinträchtigungen zur Welt. Etwas mehr als 80 Prozent von ihnen mit dem Teilsyndrom, der Rest muss mit dem Vollbild leben. Dieses FAS ist meist die Folge, wenn eine Schwangere alkoholkrank ist oder regelmäßig Alkohol zu sich nimmt.

Kein Alkohol in der Schwangerschaft
Doch noch immer ist es auch für Schwangere relativ gut akzeptiert, zumindest gelegentlich Alkohol zu trinken: Zum Entspannen ein Glas Rotwein, das könne nicht schaden, meinen immer noch viele Menschen. Eine gefährliche Fehleinschätzung. „Der Alkohol schadet und die Folgen können dramatisch sein“, warnt Dr. Mirjam Landgraf, Kinder- und Jugendärztin sowie Psychologin am Dr. von Haunerschen Kinderspital der LMU München. In der Klinik ist sie tagtäglich mit den Alkohol-Schicksalen konfrontiert.


Bereits ab der dritten Schwangerschaftswoche könne Alkohol zu Störungen beim Ungeborenen führen, erklärt die Ärztin. Zwar löst nicht zwangsläufig jeder Schluck einen Schaden aus. Dafür spielen mehrere Faktoren eine Rolle. „Aber wozu überhaupt das Risiko eingehen?“, appelliert Landgraf. Schließlich lässt sich diese Gefahr durch Abstinenz auf null reduzieren. Alkohol während der Schwangerschaft ist keinesfalls ein Unterschichtenproblem, sondern findet sich in allen Gesellschaftsklassen und allen Bildungsgraden.


Betroffene Kinder zahlen einen hohen Preis
Kindern mit dem Vollbild des Fetalen Alkoholsyndroms kann man ihre Erkrankung ansehen. Typischerweise ist die Lidspalte bei ihnen kürzer und jene Einkerbung, die zwischen der Nase und der Mitte der Oberlippe verläuft, ist abgeflacht oder gar nicht zu sehen. „Ihre Oberlippe ist schmal. Sie sind zu klein und zu leicht. In der Pubertät werden die Mädchen dann teils übergewichtig“, ergänzt Landgraf.
Dagegen unterscheiden sich Kinder mit Teilsyndrom äußerlich nicht von gesunden. Doch allen Betroffenen von FAS oder FASD ist eines gemeinsam: Sie müssen mit mehr oder minder schwereren Schädigungen ihrer Gehirnfunktionen zurecht kommen. Verringerte Aufmerksamkeit, auffälliges Verhalten, teilweise auch gestörte Sprache sind die Folge, und ebenso Probleme mit dem räumlichen Vorstellungsvermögen. Das Symptomspektrum bei FASD ist sogar breiter, als zunächst angenommen, wie eine Metaanalyse vom Januar 2016 zeigt, die in der Zeitschrift The Lancet erschienen ist: Die Forscher um Dr. Svetlana Popova vom Centre for Addiction and Mental Health in Toronto listeten 428 Krankheitszeichen auf, die Studien zufolge zusammen mit dem FASD auftreten können und teilweise von den diagnostischen Kriterien bisher nicht erfasst werden. Die Kenntnis der zahlreichen Anzeichen könnte die Früherkennung der Erkrankung verbessern, so die Forscher.


FASD-Patienten fällt es schwer, sich Ziele zu setzen. Zudem überblicken sie oft kaum, was sie tun müssen, um ein Ziel zu erreichen: etwa welche Hindernisse sich ergeben können und wie sich diese umgehen lassen. Problemlösungsstrategien für diese Planungsschwäche kennen sie nicht. „Sie sind nicht in der Lage, allein einen Antrag auszufüllen und abzugeben. Und sie scheitern schon am Antrieb, ein Formular zu holen“, berichtet Pflegemutter Michalowski, die auch Vorsitzende der Selbsthilfeorganisation FASD-Deutschland e.V. ist.


Probleme im Alltag
Menschen im Umfeld merken irgendwann, dass es diesen Kindern kaum gelingt, Prioritäten zu setzen. Sie fallen auf, weil sie impulsiv reagieren und ihre Emotionen kaum beherrschen können. Fangen sie eine Aufgabe an, bringen sie diese oft nicht zu Ende. Manchmal hapert es am nötigen Bewegungsgeschick oder die Kinder nehmen zum Beispiel Gegenstände einfach nicht wahr. „Meine Pflegetochter kann ein Fahrrad lenken und sie kann treten, aber sie sieht keine Hecken, fährt mitten hindurch. Und sie kann überhaupt nicht einschätzen, wie schnell ein Auto fährt“, sagt Michalowski. Alles in allem seien etwa zwei Drittel der Betroffenen als Erwachsene nicht in der Lage, selbstständig zu leben, sagt Kinderärztin Landgraf.


FASD-Kinder können relativ intelligent sein, aber für die Alltagsbewältigung reichen ihre Fähigkeiten und ihr Wissen oft nicht aus. „Sie brauchen immer ein externes Gehirn, das für sie mitdenkt. Und manche benötigen sogar jemand, der sie bei der Körperpflege unterstützt“, erläutert Michalowski. Das macht das Leben mit FASD zu einer Herausforderung – für die Betroffenen sowie für ihre Eltern oder Pflegeeltern. Schätzungsweise 90 Prozent alkoholgeschädigter Kinder kommen irgendwann in eine Pflegefamilie.


Verhaltensstörungen für das Umfeld belastend
Die Planungsschwäche führt zum Beispiel auch zu häufigen Schulwechseln oder Schwierigkeiten, eine Berufsausbildung zu Ende zu bringen. Strategien, die Eltern normalerweise in solchen Situationen anwenden, helfen dann wenig: Ratschläge und Unterstützungsangebote dringen nicht durch. Das Familienleben verläuft anders, als werdende Eltern es sich erhoffen: „Man ist mehr wie eine Tankstelle für diese Kinder. Es kommt wenig zurück“, sagt Michalowski.


Belastend sind außerdem die Verhaltensstörungen: Viele FASD-Kinder werden schnell zornig, schlagen dann zu oder werfen Gegenstände. Gleichzeitig sind Menschen mit FASD sehr gutgläubig, weil sie einfache Ursache-Wirkungs-Zusammenhänge nicht verstehen. Deshalb werden ihnen leichter Sachen aufgeschwatzt, sie schlittern in ungute Situationen und werden auch leichter zu Opfern sexuellen Missbrauchs. Zumal sie einen Hang zum Streunen haben und von anderen benutzt werden. Alles in allem manövriert die Krankheit Betroffene recht häufig in Konflikte mit dem Gesetz. Erwachsene mit FASD werden überdurchschnittlich häufig obdachlos. Das belegen US-amerikanische Studien.


Fetales Alkoholsyndrom wird oft nicht erkannt
„Durch frühzeitige Förderung und Begleitung könnte viel Frustration bei den FASD-Betroffenen und in ihrem Umfeld vermieden werden. Das setzt aber voraus, dass die Störung bereits im Kindesalter diagnostiziert wird“, sagt Landgraf. Bleibt das Problem unerkannt, drohen bei Beteiligten und Umwelt typische Krisen: Aufgrund ihrer Krankheit können FASD-Betroffene sich nicht anpassen, und das Umfeld versteht nicht, warum sich die Kinder so ungezogen, ja asozial verhalten. Kinder und Jugendliche leiden, denn sie merken, dass ihnen vieles nicht so gelingt, wie es für andere normal ist. Michalowski erzählt, wie erleichtert ihr Adoptivsohn war, als mit 19 Jahren FASD bei ihm diagnostiziert wurde: „Er sagte nach Verlassen des Klinikgebäudes, Mama, jetzt weiß ich endlich warum ich anders bin.“
Bei einem schweren Fetalen Alkoholsyndrom ist die Diagnosestellung wegen der äußeren Auffälligkeiten relativ leicht. Fehlen diese Hinweise, wird das Problem häufig nicht erkannt, erklärt Landgraf. Doch eine Diagnose bereits im frühen Kindesalter sei wichtig, um die Entwicklung optimal zu beeinflussen. Eltern, die Auffälligkeiten bemerken, sollten sich daher an einen Arzt wenden und ihre Beobachtungen genau schildern.


Behandlung zielt auf Selbstständigkeit
Ziel ist es, dass Betroffene so selbstständig wie möglich leben können. „Die Familien benötigen während der gesamten Entwicklung der Kinder und Jugendlichen Betreuungsangebote. Die Förderung muss auch regelmäßig an die jeweiligen Bedürfnisse des Kindes und dessen Entwicklungsstand angepasst werden“, fordert Landgraf.


Eine solche Maßnahme ist die Ergotherapie. Sie kann beispielsweise die Aufmerksamkeit und die Fähigkeit zur Organisation des eigenen Lebens verbessern. Therapieangebote, die den Fokus auf die Selbstständigkeit im Alltag haben, bringen den größten Effekt. In der Regel handelt es sich bei der Behandlung von FASD im Kindesalter um eine Kombination aus Physio-, Ergo- und Psychotherapie mit individuellen Maßnahmen. „Dabei muss darauf geachtet werden, dass die Förderung das Kind und die Bezugspersonen nicht überfordert“, sagt die Münchner FASD-Expertin.


Auch Erwachsene brauchen oft noch Betreuung
Eine bessere Diagnostik allein reicht nicht, um die Situation der Menschen mit FASD dauerhaft zu verbessern. Derzeit gibt es jedoch nach Experteneinschätzung zu wenige Einrichtungen, die optimal auf die Betreuung von Erwachsenen mit FASD ausgelegt sind. Auch das ist ein Faktor, der belastend sein kann und bei so manchem Betroffenen zum Absturz führt.


Nicht zuletzt gilt es, die medizinische Betreuung von Erwachsenen mit FASD besonders sorgfältig anzulegen. „Doch viele Ärzte kennen sich nicht mit FASD aus“, bemängelt Michalowski. Das hat mitunter weitreichende Folgen: Ändert beispielsweise ein Arzt die Diagnose und daraufhin auch die Medikation, fallen bisweilen Arzneimittel weg, die bei dem Betroffenen Selbstorganisation und Aufmerksamkeit verbessern. „Jener kann dann, weil die medikamentöse Unterstützung wegfällt, überfordert sein und sogar in Drogenkonsum und Beschaffungskriminalität abrutschen“, warnt die Sozialpädagogin. Der eindringlichste Wunsch aller Experten lautet daher: Kein Schluck Alkohol während der Schwangerschaft.
Quelle: Apothekenrundschau, Gerlinde Gukelberger-Felix, 08.01.2016


Trinkfreudige Iraner


Das Bild des Iran im Westen ist geprägt von den prüden Mollahs des schiitisch-islamistischen Regimes. Ganz so lustlos kann es aber in dem Land nicht zugehen, wie eine Meldung zeigt, die ausgerechnet aus dem iranischen Sozial- und Arbeitsministeriums kommt.


Demnach trinken die Iraner trotz Verbots 60 Millionen Liter alkoholische Getränke im Jahr. "Das ist eine schlechte bis krisenartige Entwicklung", sagte der Leiter des zuständigen Ausschusses nach Angaben der Nachrichtenagentur ISNA.

Mehr als 99 Prozent der Bevölkerung sind Muslime, ihnen ist sowohl der Verkauf als auch der Konsum von Alkohol aus religiösen Gründen verboten. Den "Tätern" drohen saftige Geldstrafen oder im Wiederholungsfall auch Peitschenhiebe. Dem Bericht des Sozialministeriums zufolge haben diese Strafen aber wenig Wirkung gezeigt.


Auf dem iranischen Schwarzmarkt gibt es eine riesige Auswahl an alkoholischen Getränken, die jedoch zu sehr hohen Preisen verkauft werden. Billiger ist es, hausgemachten Schnaps oder Wein von Privatleuten zu kaufen.Quelle: Süddeutsche Zeitung, 02.01.2016