Stellungnahme der Weinwirtschaft

Presseinformation vom 15. September 2008


Weinwirtschaft signalisiert Politik Unterstützung im Kampf gegen Alkoholmissbrauch - lehnt aber Vorschläge des Drogen- und Suchtrates entschieden ab. ->download des Vorschlages hier

Der Drogen- und Suchtrat der Drogenbeauftragten Sabine Bätzing hatte kürzlich ein umfassendes Empfehlungspaket für
ein Nationales Alkoholprogramm zur Alkoholprävention vorgelegt. Heute hat die Drogenbeauftragte Verbände und Organisationen eingeladen, um zu den Vorschlägen Position zu beziehen. Das Forum der Deutschen Weinwirtschaft hat, basierend auf den wissenschaftlichen Vorarbeiten der Deutschen Weinakademie, eine Stellungnahme mit folgenden Kernelementen ausgearbeitet:

Wein ist mehr als ein alkoholisches Getränk. Er ist ein traditionsreiches Kulturgut mit Genuss- und Gesundheitswert.
Die Weinwirtschaft hat ein hohes Interesse daran, dass ihre Produkte in einer gesunden Weise konsumiert werden. Nur moderat getrunken, sind sie bekömmliche Bestandteile eines modernen Lebensstils. Jeder Missbrauch schadet dem
Einzelnen, der Gesellschaft und der Branche.


In diesem Selbstverständnis distanziert sich die Weinwirtschaft klar von jeglichem Missbrauch und unterstützt sinnvolle Präventionsansätze zur Reduzierung von missbräuchlichem Konsum - insbesondere Jugendlicher.

Und hier steckt das Grundsatzproblem:
Die vom Drogen- und Suchtrat vorgeschlagenen Maßnahmen zielen auf eine Reduzierung des Gesamtkonsums und nicht auf eine Reduzierung des Missbrauchs alkoholischer Getränke. Entgegen seiner ausdrücklich en Aussage, nicht „gegen den Alkohol an sich zu Felde ziehen“, sondern die Bevölkerung für einen „verantwortungsvollen Alkoholkonsum“ gewinnen zu wollen, schlug der Drogen- und Suchtrat Maßnahmen vor, die einem Krieg gegen den Alkohol nahe kommen. Wie sonst sind die Vorschläge, wie Einschränkung der Verfügbarkeit, Werbeverbote und Steuererhöhungen, die nicht zielgruppengerecht wirksam sind, zu werten? Mit derartigen realitätsfernen Maßnahmen hält man keine Jugendlichen vom übermäßigen Konsum ab, sondern belastet die große Mehrzahl der Bürger, die Wein bewusst und angemessen genießen.

Nein zu Verboten
Der Drogen- und Suchtrat empfiehlt massive Einschränkungen beim Werben für und beim Verkauf von alkoholischen Getränken. Die Weinwirtschaft lehnt Werbeverbote ausdrücklich ab, da es legitim bleiben muss, für legale Produkte zu werben. Sie unterstützt freiwillige Verhaltensregeln des ZAW/Deutschen Werberates, die immer wieder den Erfordernissen der Zeit angepasst werden. Das Forum ist strikt gegen sog. Verfügbarkeitsbeschränkungen. Gemeint sind - gemäß skandinavischem Vorbild - Beschränkungen der Verkaufszeiten ebenso wie eine Reduzierung der Zahl der Verkaufsstellen für alkoholische Getränke. Als „Einstieg“ in diese Maßnahme soll der Alkoholverkauf an Tankstellen, auf Autobahnraststätten und auf Bahnhöfen untersagt werden.


Ebenso entschieden lehnt das Forum Forderungen nach drastischen Steuererhöhungen ab, die sich unter dem Titel „Konsum durch Preisgestaltung reduzieren“ verbergen. Hohe Steuern verhindern nicht die schädlichen Auswirkungen eines übermäßigen Alkoholkonsums, wie Missbrauchsdaten aus Skandinavien eindrucksvoll zeigen.

Ja zur Punktnüchternheit
Dagegen betont die Weinwirtschaft das Bekenntnis zur sogenannten Punktnüchternheit, die einen Verzicht auf alkoholische Getränke in der Schwangerschaft und Stillzeit, bei Medikamentengebrauch und im Straßenverkehr beschreibt.
Konsequenterweise befürwortet sie auch darauf zielende Maßnahmen.

  • Straßenverkehr: So engagiert sich die deutsche Weinbranche schon seit Jahren in der Don ́t-Drink-and-Drive (DDAD)-Kampagne der gesamten Alkoholischen-Getränke-Wirtschaft. Gezielt werden in Diskotheken durch geschulte junge „Party Patrols“ alle Gäste - insbesondere aber die Fahrer- in zielgruppengerechter Form über das Thema "Verantwortungsvoller Umgang mit Alkohol" informiert.
  • Schwangerschaft: Alkoholische Getränke und Schwangerschaft – das passt grundsätzlich nicht zusammen. Die Weinwirtschaft unterstützt Empfehlungen für Informationsmaßnahmen, mit denen für die Gefahren des Alkoholkonsums in der Schwangerschaft sensibilisiert wird. Die Verbände der Weinwirtschaft sind trotz Zweifel an der Wirksamkeit bereit, über das von der Drogenbeauftragten angedachte „Schwangerschafts-Piktogramm“ auf Etiketten konsensorientiert zu reden.

Wein und Tabak in einem Topf?
Der Drogen- und Suchtrat wählt für die Alkoholprävention die gleichen Instrumente wie in der Tabakprävention, ungeachtet der offensichtlichen Unterschiede. So werden die gesundheitlich positiven Auswirkungen bei moderatem Weinkonsum völlig ignoriert, obwohl sie aufgrund der wissenschaftlichen Beweislast als biologische Tatsache gelten. Während Zigaretten „schädlich ab dem ersten Zug“ sind, senkt der moderate Weinkonsum das Risiko, z.B. an Koronarer Herzkrankheit und Diabetes mellitus zu erkranken. Da – europaweit – die wissenschaftliche Datenlage, auf der die politischen Maßnahmen basieren sollen, recht dünn ist, wurde auf der europäischen Ebene im April 2007 das „Alcohol and Health Forum“ gegründet, das mit Hilfe international renommierter Wissenschaftler einen Konsens auch zu diesen gesundheitlichen Fragen erarbeiten wird.

Die Weinwirtschaft fragt kritisch nach, warum die deutsche Gesundheitspolitik nicht diese Ergebnisse abwartet, zumal Experten aus Deutschland in Brüssel mitarbeiten.

Ja zum Jugendschutz
Nach Auffassung der Weinwirtschaft ist die bestehende Rechtslage ausreichend: Kindern und Jugendlichen unter 16 Jahren sind weder der Konsum noch der Erwerb alkoholischer Getränke erlaubt. Es mangelt aber am Vollzug des Gesetzes. Daher unterstützt die deutsche Weinwirtschaft angemessene und Ziel führende Maßnahmen zur Einhaltung und Kontrolle des Jugendschutzes. Obwohl das Binge Drinking weder typisch für Weintrinker ist, noch Jugendliche bei ihrem missbräuchlichen Konsum Wein bevorzugen, stellt sich die Weinwirtschaft der gesamtgesellschaftlichen Verantwortung. Statt auf Restriktionen setzt sie aber auf Information. Überzeugender Beleg ist das von der Wirtschaft getragene WINEinMODERATION- Projekt der Branche. Hier wird zielgruppengerecht über die gesundheitlichen
Wirkungen des Ge- und Missbrauchs, aber auch über die bestehenden Gesetze (Promilleregelung, Jugendschutz- und Gaststättengesetz) und freiwilligen Verhaltensregeln in der Werbung informiert. Derartige Maßnahmen, die zur Aufklärung und Sensibilisierung beitragen, sind wichtige Puzzlesteine für ein umfassendes – gesamtgesellschaftlich zu tragendes - Präventivkonzept. Der Drogen- und Suchtrat will aber keine Beteiligung der Wirtschaft nach dem Motto „Vermeintliche Verursacher eines Problems können nicht Teil der Lösung sein ...“. Nach Auffassung des Forums der Deutschen Weinwirtschaft ist die Politik jedoch gut beraten, wenn sie nicht den Absender, sondern den Erfolg einer Maßnahme bewertet und auf Zusammenarbeit mit der Wirtschaft setzt. Mit Schuldzuweisungen, Verbotsphilosophie und undifferenzierter Gießkannenstrategie werden die Probleme sicher nicht gelöst.

Alkoholprävention kann - nur gemeinsam - erfolgreich sein. Als Sprecher des Forums der Deutschen Weinwirtschaft erinnert der Generalsekretär des Deutschen Weinbauverbandes, Dr. Rudolf Nickenig, daran: „ Erst vor wenigen Wochen hatte die Drogenbeauftragte der Bundesregierung, Sabine Bätzing, auf unserem weinbaupolitischen Kongress wörtlich erklärt: „Eine weitere Gemeinsamkeit zwischen Bundesregierung und Winzern besteht in der Förderung des maßvollen, des gesundheitsbewussten Konsums!“ Wenn Frau Bätzing ihre eigenen Worte noch ernst nimmt, dann muss sie die Vorschläge ihres Drogen-und Suchtrates weitgehend zusammenstreichen, weil sie den maßvollen Konsum nicht fördern, sondern stark belasten!“